Katholische Aktion

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Die Katholische Aktion (kurz KA) versteht sich als Laienbewegung der katholischen Kirche, die durch Verkündigung des Evangeliums im Laienapostolat im Sinne der katholischen Soziallehre die Gesellschaft und die Kirche mitgestalten will.

Geschichte und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge der Katholischen Aktion liegen im italienischen Laienkatholizismus des 19. Jahrhunderts. Pius X., Papst von August 1903 bis August 1914, war ein großer Förderer der Katholischen Aktion. In seiner Enzyklika Il fermo proposito vom 11. Juni 1905 und in seinem Apostolischen Schreiben Notre Charge Apostolique vom 25. August 1910 legte er die Prinzipien und die Ziele fest und verurteilte den politischen und sozialen Modernismus (siehe Antimodernismus und Antimodernismus-Eid).

Eine kräftige Aufwertung erfuhr die Katholische Aktion mit der Antrittsenzyklika Ubi arcano Dei von Papst Pius XI. am 23. Dezember 1922. Dieser Papst gab ihr einen kirchenrechtlichen Status und förderte die Gründung von Katholischen Aktionen in vielen Ländern. Dem Papst ging es darum, die katholischen Laien im öffentlichen Leben zu aktivieren, denn er erkannte, dass der Klerus das kirchliche Apostolat nicht allein verwirklichen konnte. Er beabsichtigte, alle katholischen Laienbewegungen unter einem Dach und unter der Führung der Katholischen Aktion zusammenzufassen. Die Katholische Aktion sollte die katholische Laienbewegung schlechthin sein. So wurde sie zu einer Massenbewegung. Pius XI. wollte die Katholische Aktion zu einer Gegenbewegung zu den damals starken säkularen Bewegungen (Gewerkschaften (Arbeiterbewegung), Sozialisten usw.) machen.

Politisch besonders einflussreich wurde die Katholische Aktion in Brasilien, wo sie am 4. Juli 1937 gegründet wurde und vom Erzbischof von Rio de Janeiro, Kardinal Sebastião Leme da Silveira Cintra, energisch gefördert wurde. Nationalpräses der Ação Católica Brasileira war seit 1947 Hélder Câmara.[1]

In Frankreich hat die Katholische Aktion in weiten Bereichen die Aufgaben der Caritas übernommen, besonders in der Versorgung der Ärmsten und Obdachlosen.

In Deutschland blieb die Entfaltung der Katholischen Aktion immer gering, da schon im Zuge der Industrialisierung ein starker Verbandskatholizismus (Piusvereine, Adolph Kolping usw.) entstanden war. Der Kulturkampf im Deutschen Kaiserreich führte zur Bildung einer starken politischen Interessenvertretung der katholischen Bevölkerung durch die Deutsche Zentrumspartei.

Aus heutiger Sicht stellt die Initiative Pius XI. zwar bereits eine Aufwertung des christlichen Laien dar, jedoch wurde erst mit dem II. Vatikanum katholischerseits anerkannt, dass der (gefirmte) Getaufte einen Anteil am allgemeinen Priestertum Christi (= Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen) und mithin ihm eigene Aufgaben hat, die nicht der Weisungsbefugnis der Geistlichkeit unterstehen.

Heute sind wichtige Anliegen die Förderung der Zusammenarbeit christlicher Kirchen, die Unterstützung der Familie und das Evangelium als Frohe Botschaft für jeden einzelnen Christen persönlich erfahrbar zu machen. Politisch übernahm in der Bundesrepublik das Zentralkomitee der deutschen Katholiken Aufgaben, die in anderen Ländern die Katholische Aktion innehatte.

Ein weit intensiveres Apostolat praktizieren in den nachkonziliaren Jahrzehnten jedoch neue geistliche Gemeinschaften, deren größte als Bewegungen international bekannt wurden, insbesondere die Schönstatt-Bewegung (Deutschland), Legion Mariens (Irland), Fokolar-Bewegung (Italien), Comunione e Liberazione (Italien), Gemeinschaft Sant’Egidio (Italien) und der Neokatechumenat (Spanien). Die italienischen Gründungen haben den ehemals sehr starken Einfluss der Azione cattolica vor allem auf die jüngere Generation des katholisch geprägten Bevölkerungsteils in Italien merkbar reduziert. Die Azione cattolica in Italien war von 1943 bis 1994 stark mit der dortigen Christdemokratie verbunden, stärker noch als das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in Deutschland.

Einer der bedeutendsten deutschen Vertreter war Erich Klausener, Leiter der Katholischen Aktion in Berlin von 1928 bis 1934, der Kundgebungen gegen antikirchliche Gruppierungen und gegen den Nationalsozialismus organisierte. Klausener wurde beim so genannten Röhm-Putsch ermordet, in dessen Verlauf Hitler viele seiner Gegner beseitigte.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationale Aktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugenio Pacelli, der Apostolische Nuntius in Deutschland, warb auf dem 67. Deutscher Katholikentag 1928 in Magdeburg für die Katholische Aktion, doch ohne nachhaltige Wirkung.[2] Denn die Katholische Aktion erlangte vor allem in denjenigen Ländern Bedeutung, in denen sich das katholische Verbandswesen noch nicht entfaltet hatte. Dort, wo es bereits zahlreiche katholische Verbände gab, wie in Deutschland, blieb „Katholische Aktion“ bloß ein sammelnder Überbegriff, der heute fast nicht mehr in Erscheinung tritt.[3]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo

Die Katholische Aktion Österreich bezeichnet die katholischen Laienorganisationen auf Vereinsbasis, die in einem direkten Naheverhältnis zur Kirche stehen, der Leitung wird ein Kleriker als Geistlicher Assistent und ein Referatsbischof zur Seite gestellt.

Die Katholische Aktion beherbergt damit als Dachverband Organisationen in den Bereichen Kinder, Jugend, Hochschuljugend, Frauen, Männer, Arbeitnehmer und Akademiker:[4]

Eine Vorgängerorganisation in Österreich war die Zentralstelle aller nichtpolitischen Vereine Österreichs.

Die Katholische Jungschar Österreich und die Katholische Jugend Österreich sind Zweigvereine des kirchlichen wie staatlichen Vereins Katholisches Jugendwerk Österreichs.[6][7]

KAÖ-Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geistliche Assistenten der KAÖ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referatsbischöfe für die KAÖ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Aktion der Diözese St. Pölten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Diözese St. Pölten wurde 1929 die Katholische Aktion von Bischof Michael Memelauer erstmals gegründet. Nach den Neugründungen der Katholischen Jugend (August 1946), der Katholischen Jungschar (1947) sowie der Katholischen Männerbewegung und der Katholischen Frauenbewegung (1948) fand die konstituierende Sitzung des Diözesanausschusses der KA am 20. September 1950 statt. Bei diesem Anlass wurde Kreisgerichtspräsident Dr. Anton Scheithauer zum ersten Präsidenten gewählt. 1955 wurde die Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung gegründet, 1962 der Kath. AkademikerInnenverband und 1963 die Vereinigung Christlicher Unternehmer. Weitere KA-Gründungen waren 1994 „Rainbows – für Kinder in stürmischen Zeiten“ sowie 1998 das „Netzwerk der Solidarität – Hilfe bei Ihrer Arbeitssuche“. Federführend war die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten bei der Diözesansynode 1972 sowie bei den Papstbesuchen in den 1980er Jahren tätig. In diese Zeit fällt die Gründung des „Haus der Frau“[12] in St. Pölten, welches auf KA-Initiative entstanden ist. Kontakte hinter den eisernen Vorhang prägten die Zeit bis zu den 1990er. Dabei gab es große Unterstützungen für die Menschen der Tschechoslowakei und in Ungarn. Im Zuge des Bischofdienstes von Kurt Krenn kam es zur Auslagerung etlicher Gliederungen und zu einer Schrumpfung der KA. Krenns Nachfolger Klaus Küng initiierte einen Strukturprozess. So wurde die KA in den Pastoralen Dienste eingegliedert als eigenständiger Bereich namens „Gesellschaftliche Verantwortung/Katholische Aktion“.

Neuere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Armin Haiderer Präsident der Katholischen Aktion St. Pölten[13]. Als Geistlicher Assistent wurde 2011 Pfr. Alois Brunner von Diözesanbischof Klaus Küng bestätigt seit 2019 ist Msgr. Dechant Johann Zarl Geistlicher Assistent. Die Katholische Aktion erwies sich als Vorreiter in Bezug auf das Thema der Schöpfungsverantwortung. Daraus ergaben sich eigene Projekte (Diözesaner Umweltpreis, Theologische Umweltgespräche) sowie Initiativen für die gesamte Diözese (Green Event, Umweltbeauftragter). Schwerpunkte und Projekte waren und sind Veranstaltungen zum Thema Schöpfungsverantwortung (Diözesaner Umweltpreis, Theologische Umweltgespräche), die diözesanen Begegnungstage sowie entwicklungs- und gesellschaftspolitische Aktionen. Auch die Organisation der Langen Nacht der Kirchen ist in der Diözese St. Pölten bei der Katholischen Aktion angesiedelt. Im Zuge der gesellschaftspolitischen Verantwortung gab es zahlreiche Gespräche mit Politikern und Wirtschaftsvertretern. Für großes Aufsehen sorgte hierbei die Gesprächsreihe „Mit der KA im Gespräch“ mit allen politischen Parteien anlässlich der Nationalratswahl 2019.[14][15]

Das Thema Weihnachten sorgte für einige erfolgreiche Aktionen. So wird Jahr für Jahr der Folder „Heilig Abend feiern“ in einer Auflage von 50.000–60.000 Stück an die Leute gebracht. Darüber fungierte die KA St. Pölten als Herausgeberin des Buches „Weihnachten auf der Spur“[16] von Armin Haiderer, erschienen im Kral Verlag.

Von Bischof Alois Schwarz wurde die KA zur „Hüterin des Ehrenamts“ ernannt, wodurch weitere Aktionen und Impulse folgten. Weitere Schwerpunkte sind die diözesanen Begegnungstage sowie entwicklungs- und gesellschaftspolitische Aktionen. Auch die Organisation der Langen Nacht der Kirchen ist in der Katholischen Aktion angesiedelt.

Gliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten setzt sich aus folgenden Gliederungen zusammen:

  • Katholische Männerbewegung (KMB)
  • Katholische Frauenbewegung (KFB)
  • Katholische ArbeiternehmerInnen Bewegung (KAB)
  • Katholischer AkademikerInnen Verband (KAV)
  • Katholische Jugend (KJ)
  • Katholische Jungschar (KJS)
  • Diözesane Sportgemeinschaft (DSG)

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Azione Cattolica ist heute der wahrscheinlich aktivste Landesverband der Katholischen Aktion. Die Katholische Aktion war besonders gut für Italien geeignet, wo politische Aktionen der katholischen Partei nicht praktikabel waren, zunächst unter der antiklerikalen Politik im Königreich Italien von 1870 bis etwa 1910 und später unter dem faschistischen Regime, das unabhängige politische Parteien verbot. Der heutige Verein Azione Cattolica wurde 1867 von Mario Fani und Giovanni Acquaderni unter dem Namen Società della Gioventù Cattolica Italiana (Italienisch-Katholische Jugendgesellschaft) gegründet und dann während des Mussolini-Regimes reformiert, als der Verein in vier Sektoren gegliedert und Azione Cattolica genannt wurde.[17][18]

Heilige und Selige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zumindest drei Heilige bzw. Selige, die der Katholischen Aktion angehörten:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jose Ivo Follmann: Igreja, Ideologia e classes sociais. Editora Vozes, Petrópolis 1985, S. 73.
  2. Klaus Große Kracht: Die Stunde der Laien? Katholische Aktion in Deutschland im europäischen Kontext 1920–1960. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2016, hier das Kapitel ›Nihil Sine Episcopo‹. Die Katholische Aktion in den Verhandlungen der Deutschen Bischöfe (1928–1938), S. 165–222.
  3. Heinrich Hamm: Laienapostolat. In: Franz Courth (Hrsg.): Lexikon des Apostolates. Stichworte verantworteten Glaubens. Lahn-Verlag, Limburg 1995, ISBN 3-7840-2020-8.
  4. Die Katholische Aktion in den Bewegungen online bei der KAÖ
  5. Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung Österreichs
  6. Impressum - Katholische Jungschar. Abgerufen am 20. April 2022.
  7. Impressum. In: Katholische Jugend Österreich. Abgerufen am 20. April 2022 (deutsch).
  8. Neue Präsidentin der Katholischen Aktion. 1. Oktober 2012, abgerufen am 2. Mai 2022.
  9. Leopold Wimmer neuer Präsident der Katholischen Aktion Österreich erzdioezese-wien.at, 22. Oktober 2018
  10. Ferdinand Kaineder zu Gast in „Linzer Torte“ in ooe.orf.at vom 14. Jänner 2022 (abgerufen am 8. Februar 2022)
  11. katholisch.at: Paul Zulehner nicht länger Geistlicher Assistent der KAÖ. Abgerufen am 20. April 2022.
  12. Haus der Frau. Abgerufen am 11. Januar 2020.
  13. Interview mit Armin Haiderer, Kirche bunt, 9. Juni 2020; Amtszeit von Armin Haiderer um weitere zwei Jahre verlängert, Pressestelle der Diözese St. Pölten, 21. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021
  14. KA der Diözese St. Pölten befragt Parteienvertreter zu Themen rund um Religion und Glaube - Auftakt mit NEOS-Quereinsteiger Brandstätter - Kirchenzeitung "Kirche bunt" Medienpartner der Initiative, auf katholisch.at
  15. Politik, auf ka-stpoelten.at
  16. NIEDERÖSTERREICH/ÖSTERREICH: Weihnachten auf der Spur. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  17. Gianfranco Poggi: Catholic Action in Italy: The Sociology of a Sponsored Organization. 1. Auflage. Stanford University Press, Stanford 1967, ISBN 978-0-8047-0292-8.
  18. Albert C. O'Brien: Italian Youth in Conflict: Catholic Action and Fascist Italy, 1929–1931. In: The Catholic Historical Review: https://www.cuapress.org/journals/catholic-historical-review/. Band 68, Nr. 4. Catholic University of America Press, Oktober 1982.