Katholische Liga (1609)

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Fahne der Katholischen Liga
Die Gründung der Katholischen Liga (1609 in München), Historiengemälde von Carl Theodor von Piloty von 1870

Die Katholische Liga war ein Zusammenschluss katholischer Reichsstände vor dem Dreißigjährigen Krieg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Liga war Gegenpart der Protestantischen Union, die 1608 in Auhausen als Reaktion auf die Reichsexekution gegen Donauwörth gegründet worden war.

Als Antwort auf dieses Bündnis lutherischer und calvinistischer Reichsstände betrieb Maximilian I. von Bayern 1608 teilweise in Anknüpfung an den Landsberger Bund die Gründung der Katholischen Liga. Die Liga war als Defensivbündnis zur Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Sache angelegt. Es war zunächst auf neun Jahre befristet.

Die Gründungsversammlung fand vom 3. bis 10. Juli 1609 in München statt und wurde mit der Gründungserklärung geschlossen.[1]

Neben Bayern gehörten ihr anfangs die Hochstifte Würzburg, Konstanz, Augsburg, Passau und Regensburg sowie die Reichsklöster Kempten und Ellwangen an. In der Folge schlossen sich fast alle katholischen Stände des süddeutschen Raums und auch die geistlichen Kurfürstentümer Köln, Trier und Mainz an. Einige katholische Fürstentümer, etwa das Erzbistum Salzburg, blieben der Liga allerdings fern. Dies war einer der Gründe für das Vorgehen Maximilians von Bayern gegen den Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau.

Der Bundesvertrag sah gegenseitige Hilfe und den Ausschluss bei ungerechtfertigter Aggression eines Bundesmitglieds vor. Bundesoberst wurde der Herzog von Bayern. Selbständige Verhandlungen von Mitgliedern der Liga im Bündnisfall waren untersagt. Der Bund stellte eigene Truppen auf, deren Finanzierungsbeiträge der Mitglieder sich an den Reichsmatrikeln orientierte. Im Jahr 1610 wurde die Liga organisatorisch in ein oberländisches unter bayerischer Leitung und ein rheinisches Direktorium unter kurmainzerischer Leitung untergliedert.

Im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit unterstützte die Liga den katholisch gewordenen Wolfgang Wilhelm von der Pfalz-Neuburg, seit 1613 durch Heirat Magdalenes von Bayern der Schwager Maximilians. Nachdem die kaiserliche Seite versucht hatte, mehr Einfluss auf die Liga zu nehmen, bildete Maximilian von Bayern im Jahr 1614 einen engeren Bund aus Bayern, Würzburg, Bamberg, Eichstätt, Augsburg und Ellwangen. Wegen Uneinigkeiten mit Maximilian von Vorderösterreich trat der bayerische Herzog 1616 von seinem Amt als Bundesoberst zurück. Dies bedeutete das faktische Ende der Liga.

Im Jahr 1617 gründete sich ein Münchener Bund. Eine Wiedergründung des rheinischen Teils des Bundes erfolgte 1619. Zur Vereinigung mit dem Münchener Bund kam es, als Ferdinand II. im Münchener Vertrag von 1619 der neuen Liga erhebliche Zugeständnisse für die Unterstützung im böhmischen Aufstand machte. Auf eine Beteiligung an der Führung der Liga verzichtete der Kaiser. Auf dem Ligatag im Dezember 1619 beschloss das Bündnis die Aufstellung eine Armee von 25.000 Mann unter dem Kommando des Feldherrn Tilly. Neben bayerischen Mitteln sowie den Beiträgen der Mitglieder wurde die Armee auch mit Hilfe päpstlicher Subsidien finanziert. Es gelang der Liga, die protestantische Union im Vertrag von Ulm zu einer gegenseitigen Neutralität im eigentlichen Reich zu bewegen.

Die Truppen der Liga trugen in den ersten Phasen des Dreißigjährigen Krieges wesentlich zu den Siegen der katholisch-kaiserlichen Seite bei. So schlugen sie 1620 das Heer der böhmischen Aufständischen am Weißen Berg vernichtend. Mit Hilfe spanischer Truppen wurde die Pfalz erobert und die Liga stieß nach Norddeutschland vor. Ihre Armee schlug 1626 die Truppen des dänischen Königs Christian IV. in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. Nachdem der Kaiser ab 1626 begann, eigene Truppen unter dem Kommando von Wallenstein aufzustellen, nahm die Bedeutung der Liga ab. Nach dem Tod Tillys wurde Johann von Aldringen 1631 dessen Nachfolger.

Die Liga wurde 1635 infolge des Prager Friedens aufgelöst. In dieser Phase wurde die Armee fast gänzlich von Bayern unterhalten. Sie wurde als besonderes Korps in die kaiserliche Armee integriert.

Mitglieder der Katholischen Liga[Bearbeiten]

Gründungsmitglieder (1609)   Spätere Beitritte
Herzogtum Bayern Kurfürstentum Köln
Hochstift Würzburg Kurfürstentum Mainz
Hochstift Konstanz Kurfürstentum Trier
Hochstift Augsburg Hochstift Bamberg
Hochstift Passau Hochstift Speyer
Hochstift Regensburg Hochstift Straßburg
Fürststift Kempten Hochstift Worms
Fürstpropstei Ellwangen weitere Reichsprälaten  

Bekannte Persönlichkeiten der Katholischen Liga[Bearbeiten]

Tilly-Denkmal in Altötting/Bayern

Literatur[Bearbeiten]

  • Albrecht Ernst und Anton Schindling (Hrsg.): Union und Liga 1608/09. Konfessionelle Bündnisse im Reich – Weichenstellung zum Religionskrieg? (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde Reihe B, Bd. 178). Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag) 2010. ISBN 978-3-17-020983-1
  • Franziska Neuer-Landfried: Die Katholische Liga, Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 1968.
  • Gerhard Taddey (Hrsg.): Lexikon der deutschen Geschichte. 2., überarb. Aufl., Stuttgart 1983, S. 738

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle zur Gründungsversammlung der Katholischen Liga, 1609