Katholische Stiftungshochschule München

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Katholische Stiftungshochschule München (KSH)
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Gründung 1909
Trägerschaft kirchliche Stiftung
Ort München, Preysingstraße 83, und Benediktbeuern
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Präsident Hermann Sollfrank
Studierende rund 2.400 Stand: 09/2018[1]
Website www.ksh-muenchen.de
Ellen Ammann, Gründerin und erste Leiterin der Sozialen Frauenschule, archiviert im Ida-Seele-Archiv
Ab 1909 führte Ellen Ammann Sozial-caritative Frauenschulungen durch, archiviert im Ida-Seele-Archiv

Die Katholische Stiftungshochschule München (KSH) (bis 2017 Katholische Stiftungsfachhochschule München (KSFH)) ist eine staatlich anerkannte Hochschule der kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern mit Standorten in München und Benediktbeuern. Sie ist nach der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die zweitgrößte Bildungseinrichtung der katholischen Kirche in Bayern.

Werbeanzeige, archiviert im Ida-Seele-Archiv

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangspunkte professioneller sozialer Frauenschulung im Königreich Bayern waren unter anderem die Massenarmut, die Armenpflege, das Wohnelend, die Ausbeutung der männlichen wie weiblichen Arbeiterschaft und ferner die Tatsache, dass für die behördliche Armenpflege, bisher eine Männerbastion, das weibliche Geschlecht zugelassen wurde. Die Zulassung von Frauen erforderte geschulte Kräfte, wenn die weibliche Arbeit wahrhaft nutzbringen und umgestaltend auf die Armenpflege wirken.[2]

Es waren insbesondere Frauen der organisierten katholischen Frauenbewegung, die sich für die Gründung Sozialer Frauenschulen einsetzten, in Bayern insbesondere Ellen Ammann, Gräfin Pauline von Montgelas, Marie Amelie von Godin, Marie Buczkowska, Gräfin Hedwig von Preysing und Maria Hopmann.[3] Genannte begriffen soziale Arbeit als eine typisch weibliche Kulturleistung:

Zwei Gedanken waren es vor allem, die die Anstalt leiten; zunächst: Die Frauenbewegung, unser Vaterland, unsere Kirche brauchen, da im sozialen Organismus der Bedarf an Arbeitskräften ständig steigt, eine große Anzahl wissender, könnender Frauen. Soziale Arbeit ist kein Dilettantismus, kein interessanter Zeitvertreib für unausgefüllte Stunden. Unter den heutigen vielgestaltigen Verhältnissen genügt es auch nicht, das Herz auf dem rechten Fleck zu haben, genaue Kenntnisse und gründliche Erfahrung sind unerläßliche Voraussetzungen. Diese Kenntnisse pädagogischer, juristischer, nationalökonomischer, vereinstechnischer Art zu vermitteln und den Schülerinnen durch Einführung in die verschiedenen Zweige der praktischen Arbeit Gelegenheit zur Selbstprüfung und zur Sammlung von Erfahrungen zu bieten, sind die Aufgaben einer sozialen Frauenschule. Der Frauenbewegung selbst tun an Stelle bloßer Gefühle und Wünsche selbstdurchdachte Gedanken, Überzeugungen auf Grund einer exakten Kenntnis der Geschichte und der Ziele der Frauenbewegung, ihrer psychologischen und ethischen Begründung not. Zum zweiten sagt der Katholische Frauenbund: Wir brauchen Frauen, die katholisch sind bis ins Mark, die den Katholizismus in seiner Anschaulichkeit und Allgemeinheit, in seiner Strenge und Weite, in seiner Überweltlichkeit und Weltmission gedanklich erfassen und in selbstloser, vielgeduldiger Arbeit am Reiche Gottes unter den Menschen tätig leben. Diesen Geist will die Frauenschule wecken, befestigen, vertiefen in ihren Schülerinnen.[4]
Kurs 1923/24, archiviert im Ida-Seele-Archiv

Demzufolge war die Gründung einer Socialen und caritativen Frauenschule, die einerseits die Verknüpfung von Praxis und Theorie, andererseits die notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse für die Ausübung sozialer Arbeit vermittelt, ein Gebot der Stunde:

Soziale Verpflichtungen der Öffentlichkeit zur Abhilfe sozialer Nöte forderten zwingend eine systematische Ausbildung jener Kräfte, die sich beruflich oder ehrenamtlich dieser neuen Zeitaufgabe widmeten... Kein traditionelles Bildungsschema paßte auf die Anforderungen, die an sie gestellt wurden. Die anfänglich von Seiten der Vereine und der Behörden versuchte Ergänzung der notwendigsten Kenntnisse im Rahmen eines freien Vortragswesens führte zu keinem befriedigenden Erfolg. Die Erfahrung drängte dazu, für die individuellen Anforderungen der neuen Arbeitsgebiete die entsprechende Vorbildungsgelegenheit zu schaffen und zwar in der straffen, einheitlichen und dem Zwecke angepassten Form einer Schule, wie sie andere Berufsgebiete aufweisen.[5]

Die KSFH wurde aus mehreren Vorgängereinrichtungen gebildet. Dabei handelte es sich um folgende vier Ausbildungsinstitutionen:

  1. die ab Oktober 1909 von der gebürtigen Schwedin Ellen Ammann im Rückgebäude ihres Wohnhauses in der Münchener Theresienstraße fest angebotene Abfolge von Schulungskursen für ehrenamtlich tätige Frauen zu sozial-caritativen Themen[6] (welche 1912 mit Hilfe von Maria Hopmann in zweisemestrige und dann ab 1916 in viersemestrige Schulungskurse ausgebaut wurden). Die sich Sozial-Caritative Frauenschule[7] nennende Bildungseinrichtung, seit 1926 staatlich anerkannt, wurde 1963 in eine Höhere Fachschule für Sozialarbeit umgewandelt und 1964 in Ellen-Ammann-Schule umbenannt,
  2. dem 1959 auf Anregung von Monsignore Wilhelm Bleyer gegründeten einjährigen und einmaligen Grundlehrgang für männliche Sozialberufe (Jugendhilfe und Sozialarbeit)[8], der im folgenden Jahr zur Wohlfahrtsschule für Männer umgewandelt wurde (ab 1963 Höhere Fachschule für Sozialarbeit),
  3. die 1968 in München ins Leben gerufene zweijährige Höhere Fachschule für Sozialpädagogik in Aufbauform (konnte von Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen etc. aufbauend absolviert werden) sowie
  4. die 1968 in Benediktbeuern gegründete Höhere Fachschule der Sozialpädagogik der Salesianer Don Boscos.

1967 wurde der Schulverein Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern e. V. gegründet, der zunächst die Trägerschaft sowohl der Wohlfahrtsschule für Männer als auch der Ellen-Ammann-Schule übernahm. Bis 1970 waren die beiden Ausbildungsstätten räumlich getrennt.

Hermann Zeit hatte als Vorsitzender der Konferenz der Deutschen Schulen für Sozialarbeit Ende der 1960er Jahre maßgebend an der bundesweiten Umwandlung der Höheren Fachschulen für Sozialarbeit bzw. Sozialpädagogik zu Fachhochschulen mitgewirkt. Und so wurde am 1. August 1971 die KSFH gegründet. Sie gehört zu den Fachhochschulen der ersten Gründungswelle in der Bundesrepublik Deutschland:

Gemäß dem Bayerischen Fachhochschulgesetz waren für das Gründungsjahr 1971/72 vom Stiftungsrat zunächst der Direktor der beiden Münchener Höheren Fachschulen für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Dipl.-Psych. Sozialarbeiter (grad.) Hermann Zeit, zum Präsidenten und die Direktorin der Ellen-Ammann-Schule, Martha Krause-Lang, zur Vizepräsidentin bestellt worden.[9]

Neben den Direktoren der ehemaligen Höheren Fachschulen für Sozialarbeit und Sozialpädagogik haben sich noch in außergewöhnlicher Intensität Walter Kögl(†), Simon Hundmeyer, Adelheid Stein(†), Eleonore Romberg(†) sowie Andreas Hutter[10] für die KSFH engagiert.

Mit Inkrafttreten des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) am 1. Oktober 1974, in das auch die Fachhochschulen einbezogen wurden, erhielt die konfessionell gebundene Bildungsinstitution den Status einer nichtstaatlichen Hochschule. Sie gilt damit gemäß Art. 106, Abs. 3 BayHSchG als staatlich anerkannt.

Die Fachhochschule der kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts hatte am 10. Juni 1974 eine Verfassung erlassen. In dieser sind Aufgaben sowie Organisation, die Mitgliedschaft, die Kollegialorgane und andere Gremien, die Leitung (PräsidentIn und VizepräsidentIn), die Studierendenvertretung, die Berufungsverfahren, das Kuratorium u. a. m. geregelt. Damit übergab der Träger der KSFH das Recht der Selbstverantwortung.

Im Juni 2009 feierte die KSFH ihren 100. Geburtstag[11]. Aus diesem Anlass hat sie eine Publikation herausgegeben: Einhundert Jahre Ausbildung für soziale Berufe mit christlichem Profil. Von Ellen Ammanns sozial-caritativer Frauenschulung zur Katholischen Stiftungsfachhochschule München 1909–2009.

Zum 1. Oktober 2009 wurde die Stiftungsprofessur Gerontologische Pflege geschaffen.[12]

Seit 1. Oktober 2017 firmiert die Hochschule unter dem Namen Katholische Stiftungshochschule (KSH).

Im Frühjahr 2018 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Seminargebäude mit 28 Hörsälen und Seminarräumen.[13]

Leitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Leitbild ist geprägt von Ellen Ammanns Leitspruch: Caritas Christi urget nos. Demzufolge zeichnet sich die KSFH durch eine christliche Grundorientierung aus, die neben der Vermittlung von Erklärungs- und Handlungswissen auch ein Ort der Auseinandersetzung mit Sinn- und Wertefragen, Theologie und Religiosität als auch persönlichen Lebensperspektiven sein will.

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KSFH bietet folgende Studiengänge an, die allen Bewerbern offenstehen, unabhängig von ihrer Bekenntniszugehörigkeit:

Bachelorstudiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Soziale Arbeit
  • Soziale Arbeit berufsintegrierend
  • Bildung und Erziehung im Kindesalter
  • BEFAS - Bildung und Erziehung im Kindesalter für Bewerber mit ausländischen Studienabschlüssen im pädagogischen Bereich
  • Pflegemanagement
  • Pflegepädagogik
  • Pflegewissenschaft dual (Beruflicher Abschluss & Bachelor of Science)
  • Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit

Masterstudiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konsekutive Masterstudiengänge:

  • Angewandte Sozial- und Bildungswissenschaften (M.A.)
  • Management von Sozial- und Gesundheitsbetrieben (M.A.)
  • Pflegewissenschaft - Innovative Versorgungskonzepte (M.Sc.)

Weiterbildungsmaster:

  • Soziale Arbeit (Master of Social Work)
  • Suchthilfemaster

Zusatzqualifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musikpädagogische Zusatzausbildung (MUZA)[14]

Leiterinnen/Direktorinnen der Sozialen Frauenschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulleiter/Direktor der Wohlfahrtsschule für Männer/Höhere Fachschule für Sozialarbeit u. a.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidenten der Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Zeit (1971–1978)
  • Simon Hundmeyer (1978–1986)
  • Karljörg Schäflein (1986–2002)
  • Michael Pieper (2002–2006)
  • Egon Endres (2006–2014)
  • Hermann Sollfrank (seit 2014)

Bekannte Lehrende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Absolventen (einschl. Vorgängerschulen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ellen Ammann, Maria Hopmann: Sociale und caritative Frauenschule des Katholischen Frauenbundes in Bayern. München 1918.
  • Bayerisches Frauenland. Organ des Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Frauenbundes in Bayern, 1926/H. 1
  • Manuel Behringer: 100 Jahre soziales Lernen und Lehren in München. Von sozial konfessionell gebundenen Schulungskursen zur Katholischen Stiftungsfachhochschule. Ein Beitrag zur Geschichte der Sozialen Arbeit. München 2009. (unveröffentl. Diplomarbeit)
  • Karljörg Schäflein: Gedenkschrift für Professor Hermann Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und der Katholischen Fachakademie für Sozialpädagogik München. München 1988.
  • Günther Rudolf: Zur Geschichte der Sozialarbeiter/innenausbildung in München. München 2000. (unveröffentlichte Diplomarbeit)
  • Bayerischer Landesverband des Katholischen Frauenbundes e. V. (Hrsg.): Die Geschichte der sozial-caritativen Frauenschule. In: Neun Jahrzehnte starke Frauen in Bayern und der Pfalz. München 2001, DNB 963667009, S. 254–275.
  • Gerlinde Wosgien: Wegbereiterinnen der Professionalisierung. Die Geschichte der Münchner Sozialen und Caritativen Frauenschule. In: Gisela Muschiol (Hrsg.): Katholikinnen und Moderne. Katholische Frauenbewegung zwischen Tradition und Emanzipation. Münster 2003, ISBN 3-402-03432-8, S. 69–87.
  • Susanne Sandherr, Franz Schmid, Hermann Sollfrank (Hrsg.): Einhundert Jahre Ausbildung für soziale Berufe mit christlichem Profil. Von Ellen Ammans sozial-caritativer Frauenschulung zur Katholischen Stiftungsfachhochschule München 1909-2009. München 2009, ISBN 978-3-7698-1733-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (abgerufen am 13. September 2018)
  2. zit. n. Rudolf 2000, S. 5.
  3. vgl. Behringer 2009, S. 5 ff.
  4. zit. n. Behringer 2009, S. 14 f.
  5. Ammann/Hopmann 1918, S. 5.
  6. Die Schulgründerin stellte ihre Einrichtung unter den Leitspruch:
    Caritas Christi urget nos (Die Liebe Christi drängt uns).
  7. die 1912 in Augsburg eine Zweigstelle errichtete, die jedoch nach wenigen Jahren wieder aufgelöst wurde (vgl. Behringer 2009, S. 24)
  8. Auszug aus der Werbebroschüre (archiviert im Ida-Seele-Archiv):
    Aufnahme: Männliche Jugendliche, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und charakterlich, gesundheitlich und nach ihrem Können für eine berufliche Tätigkeit im Bereich der Jugendhilfe oder Sozialarbeit geeignet sind.
    Vorbildung: Nach Erfüllung der Volksschulpflicht im Allgemeinen Abschluß einer Lehre, einer kaufmännischen Schule, einer Mittelschule oder entsprechender Klassen einer Höheren Schule...
    Ziel der Ausbildung: Grundkenntnisse für die Berufe in der Jugendhilfe und Sozialarbeit. Nach Abschlussprüfung entweder Übernahme einer Tätigkeit in einem Heim, in der Krankenpflege, in der Fürsorge u. ä. oder Übertritt in eine Sozial-Schule (Wohlfahrtspfleger-Schule).
  9. Schäflein 1988, S. 33.
  10. Ehemalige Lehrende. In: Website der KSFH. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  11. Feier zu „Einhundert Jahre Ausbildung für soziale Berufe in München seit Ellen Ammann“. Rückblick in Bildern. Oktober 2009, archiviert vom Original am 22. Januar 2013; abgerufen am 9. Oktober 2017 (Heft 3 der Online-Zeitschrift „ksfhintern“).
  12. Lisa Zeidler: Menschenwürdige Pflege hat Zukunft. Pressemitteilung. In: idw-online.de. 21. Januar 2010, abgerufen am 30. November 2017.
  13. Johannes Korsche: Bauen für die Zukunft. In: www.sueddeutsche.de. 2. Mai 2018, abgerufen am 9. Mai 2018.
  14. Musikpädagogische Zusatzausbildung MUZA. In: ksh-muenchen.de. Abgerufen am 10. Oktober 2017.
  15. Kardinal Wetter gratuliert Paula Linhart zum 100. Geburtstag. In: erzbistum-muenchen.de. Pressestelle des Erzbistums München, 22. März 2006, archiviert vom Original am 7. März 2016; abgerufen am 11. Februar 2018.
  16. Pascale Hugues; übersetzt von Elisabeth Thielicke: Georg Zinner (Geb. 1948). In: tagesspiegel.de. 25. April 2014, abgerufen am 4. September 2018.

Koordinaten: 48° 7′ 55,8″ N, 11° 36′ 4,7″ O