Katja Kipping

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Katja Kipping bei Maischberger 2019

Katja Kipping (* 18. Januar 1978 in Dresden) ist eine deutsche Politikerin der Partei Die Linke.

Seit 2005 ist Katja Kipping Mitglied des Deutschen Bundestages sowie seit 2012 gemeinsam mit Bernd Riexinger Parteivorsitzende. Ende August 2020 gab sie bekannt, dass sie nicht erneut für dieses Amt kandidieren möchte.[1]

Bevor Katja Kipping 2005 in den Bundestag einzog, saß sie für die PDS im Landtag von Sachsen, wo sie ab 2003 auch dem Fraktionsvorstand angehörte. Von der Gründung der Linkspartei 2007 bis zu ihrer Wahl als Vorsitzende war sie auch stellvertretende Parteivorsitzende. Sie steht der reformorientierten Emanzipatorischen Linken nahe.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katja Kipping wurde in Dresden geboren. Ihr Vater war Ökonom bei Robotron, ihre Mutter Lehrerin.[2] Nach dem Abitur 1996 am Annen-Gymnasium in Dresden leistete Kipping von 1996 bis 1997 ein Freiwilliges Soziales Jahr in Gattschina bei Sankt Petersburg (Russland). Sie studierte von 1997 bis 2003 Slawistik mit den Nebenfächern Amerikanistik und Öffentliches Recht an der TU Dresden und schloss als Magistra Artium (M.A.) ab.

Katja Kipping ist verheiratet und hat eine Tochter. Sie lebt in Berlin und in Dresden.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kipping engagierte sich mit Beginn ihres Studiums 1997 im sogenannten Protestbüro an der TU Dresden und wurde 1998 Mitglied der PDS. Ab Juli 2003 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende der PDS mit den Arbeitsschwerpunkten Agenda Sozial und Kontakt zu sozialen Bewegungen. Sie galt im Parteibildungsprozess als eine der Befürworterinnen einer vereinigten gesamtdeutschen Linken. Am 16. Juni 2007 wurde sie zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke gewählt. Fünf Jahre später wählten die Delegierten auf dem 3. Bundesparteitag am 2. Juni 2012 Katja Kipping mit einer Zustimmung von 67 % zur Bundesvorsitzenden. Seitdem vertritt sie die Partei gemeinsam mit Bernd Riexinger.[4][5] Sie wurde sowohl auf dem Berliner Parteitag im Mai 2014 mit 77 % als auch auf dem Parteitag in Magdeburg 2016 mit 74 % als Parteivorsitzende bestätigt. Im Juni 2018 wurde sie auf dem Parteitag in Leipzig mit 64,5 % erneut gewählt.[6]

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kipping bei einer Wahlkampfveranstaltung mit dem Thema „Existenzsichernde Mindestsicherung ohne Sanktionen“ vor der Bundestagswahl 2017

Katja Kipping gehörte von 1999 bis 2003 dem Stadtrat von Dresden an.

Von 1999 bis 2005 war sie Mitglied des Sächsischen Landtages. Hier war sie Sprecherin der PDS-Fraktion für Verkehrs- und Energiepolitik und ab 2003 Mitglied des Fraktionsvorstandes.

Seit 2005 ist Kipping Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie ist als Spitzenkandidatin der Landesliste Sachsen in den Bundestag eingezogen. Ihr Wahlkreis ist Dresden I.

Im Bundestag ist die erklärte Hartz-IV-Gegnerin die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion.[7] Sie ist als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales vertreten.[8] Hartz-IV-Leistungen oberhalb des soziokulturellen Existenzminimums ohne Kürzungen sieht sie als Zwischenziel und ein Minimum zur Sicherung von Existenz und Teilhabe. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2019 zum ALG II forderte sie zusammen mit Sozialverbänden, Wissenschaftlern, Netzwerk Grundeinkommen, Gewerkschaften und Politikern von SPD und den Grünen in einer gemeinsamen Erklärung die vollständige Abschaffung der Sanktionen und ein menschenwürdiges System der Förderung und Unterstützung.[9] Die Karlsruher Entscheidung zum Arbeitslosengeld II begrüßte Kipping als historisches Urteil hin zu sozialen Garantien.[10]

Vom 25. November 2009 bis 26. September 2012 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags.[11]

Im Januar 2012 wurde bekannt, dass Kipping als eine von 27 Bundestagsabgeordneten der Linken unter Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz stand,[12] was durch Vertreter von SPD, Grünen und FDP kritisiert wurde.[13] Siehe auch: Beobachtung der Partei Die Linke durch den Verfassungsschutz.

Gesellschaftliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Dezember 2004 bis April 2008 war Kipping Sprecherin des Netzwerks Grundeinkommen, ehe sie das Amt zugunsten der Arbeit an der Zeitschrift Prager Frühling niederlegte. Sie gehört gemeinsam mit Caren Lay und Julia Bonk zu den Initiatorinnen der Emanzipatorischen Linken.

Kipping trat im Dezember 2007 zusammen mit weiteren Abgeordneten der Linksfraktionen des Bundestags und des Sächsischen Landtags in einem demonstrativen Solidaritätsakt der Roten Hilfe e. V. bei.[14][15]

Katja Kipping ist Redakteurin des Magazins Prager Frühling. Das Magazin für Freiheit und Sozialismus (so sein Untertitel) erscheint seit Mai 2008 im VSA-Verlag und seit 2014 nur noch online.

Kipping ist Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne e. V. (ISM).[16] Sie gehört seinem Vorstand an und war bis zum 24. Juni 2012 auch dessen Sprecherin.[17]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Katja Kipping – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Wehner, Berlin: Vorsitz der Linkspartei: Katja Kipping tritt nicht mehr an. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 28. August 2020]).
  2. Matthias Meisner, Andrea Dernbach: Katja Kipping im Interview. „Das Projekt Linkspartei ist nicht gefährdet“. In: Der Tagesspiegel. 8. Juli 2012, abgerufen am 29. September 2020.
  3. Sächsische Zeitung vom 28. Dezember 2012.
  4. Kipping und Riexinger führen tief zerstrittene Linke. In: Spiegel Online. 2. Juni 2012, abgerufen am 3. Juni 2012.
  5. Wahl des Parteivorstandes. Die Linke, 2. Juni 2012, abgerufen am 1. Dezember 2016.
  6. Parteitag in Leipzig: Kipping und Riexinger als Linken-Vorsitzende wiedergewählt. In: Die Welt. 9. Juni 2018, abgerufen am 9. Juni 2018.
  7. Fachpolitische Sprecherinnen und Sprecher Fraktion Die Linke im Bundestag
  8. Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 2. August 2020.
  9. Für ein sicheres Existenzminimum: Grundsicherungsbeziehende fördern statt Eingriffe ins Existenzminimum! (PDF), Erklärung der Sozialverbände, 5. November 2019.
  10. Nürnberger Presse: Bundesverfassungsgericht kippt große Teile der Hartz-IV-Sanktionen. 5. November 2019, abgerufen am 6. November 2019.
  11. bundestag.de
  12. Geheimdienst: Verfassungsschutz beobachtet 27 Linken-Abgeordnete. In: Spiegel online. 22. Januar 2012, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  13. Überwachung von Abgeordneten „unerträglich“. In: tagesschau.de. 22. Januar 2012, archiviert vom Original am 16. Januar 2013; abgerufen am 26. Oktober 2013.
  14. Rote Hilfe e. V. - Bundestagsabgeordnete der Fraktion Die Linke im Bundestag treten der Roten Hilfe bei – die anderen Fraktionsmitglieder waren Sevim Dagdelen, Nele Hirsch und Michael Leutert, aus dem sächsischen Landtag Julia Bonk und Freya-Maria Klinger
  15. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Eine Politik der sozialen Gerechtigkeit ist nötig und möglich.: DIE LINKE. Abgerufen am 9. September 2018.
  16. Institut Solidarische Moderne: Gründungsmitglieder
  17. Neue Gesichter im ISM