Katwijk

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Dieser Artikel behandelt die südholländische Stadt. Zum niederländischen Radrennfahrer siehe Alain van Katwijk.
Gemeinde Katwijk
Flagge der Gemeinde Katwijk
Flagge
Wappen der Gemeinde Katwijk
Wappen
Provinz Südholland
Bürgermeister Jos Wienen
Fläche
 – Land
 – Wasser
31,06 km²
24,66 km²
6,4 km²
CBS-Code 0537
Einwohner 64.232 (1. Apr. 2016[1])
Bevölkerungsdichte 2068 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 12′ N, 4° 24′ OKoordinaten: 52° 12′ N, 4° 24′ O
Bedeutender Verkehrsweg A44, N206
Vorwahl 071
Postleitzahlen 2220–2239
Website www.katwijk.nl/
Lage von Katwijk in den Niederlanden

Katwijk ( anhören?/i) ist eine Stadt und Gemeinde in den Niederlanden, Provinz Südholland. Sie hat 64.232 Einwohner auf nur 18,73 km² (Stand 1. April 2016) und ist damit eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden des Landes. Seit dem 1. Januar 2006 gehören die Nachbargemeinden Valkenburg und Rijnsburg zu Katwijk.

Lage und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strand Katwijk

Katwijk liegt an der ehemaligen Mündung des Oude Rijn in die Nordsee, etwa fünf Kilometer westlich von Leiden. Katwijk ist ein vor allem bei deutschen Touristen beliebter Badeort mit einem breiten Sandstrand. Der Tourismus ist die Haupterwerbsquelle der Gemeinde.

Prins Hendrikkanaal
Am 3. Februar 1598 strandete dieser zwanzig Meter lange Walfisch an der Küste zwischen Scheveningen und Katwijk.

Katwijk verfügt über eine Hochseefischereiflotte und einige fischverarbeitende Betriebe. Im Ortsteil Valkenburg befindet sich die Hauptverwaltung des Fischereikonzerns Parlevliet & Van der Plas. Der Ort besteht ursprünglich aus zwei Kernen, dem alten Katwijk aan den Rijn mit dem Hafen, und Katwijk aan Zee, unmittelbar am Strand gelegen. Beide Ortsteile wuchsen jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr zusammen, so dass sich der Ort heute mit einer geschlossenen Bebauung präsentiert. Das Zentrum des heutigen Katwijk liegt im Ortsteil aan Zee, da sich dort die für die Touristen wichtige Infrastruktur entwickelt hat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Stelle wo Katwijk liegt, soll der germanische Stamm der Chatten oder Catten gelebt haben. Das römische Kastell und Hafen Lugdunum Batavorum (Brittenburg) am Oude Rijn, lag zwischen Katwijk aan Zee und Noordwijk aan Zee und ist in der römischen Tabula Peutingeriana verzeichnet. Auch wurden in Katwijk vereinzelte Münzfunde aus römischer Zeit gefunden. Archäologische Fundstücke aus dem heutigen Katwijk sind im Museum für das Altertum (Rijksmuseum van Oudheden) in Leiden ausgestellt. Die Rheinmündung war schon zu römischen Zeiten im Versanden begriffen. Als die Bildung von Dünen im 11. Jahrhundert schnell voranging, war Katwijk nicht länger mehr ein Hafen. Der Oude Rijn blieb aber noch eine Schifffahrtsroute. Heute ist der Oude Rijn durch einen Damm vom offenen Meer abgetrennt, so dass Schiffe und Boote aus dem Hafen die offene See nur über Umwege erreichen können.

Bis zum 19. Jahrhundert blieb der Ort ein ärmliches Fischerdorf mit einer in kirchlicher Hinsicht ziemlich orthodoxen Bevölkerung. Letzteres ist zum Teil immer noch der Fall. Die Kirchenfusion der Niederländisch Reformierten Kirche im Jahre 2004 führte in Katwijk zu einer Kirchenspaltung und religiöser Verunsicherung vieler gläubiger Christen.

Um 1900 wurde Katwijk Ziel zahlreicher impressionistischer und anderer Maler, unter anderem Max Liebermann und Jan Toorop. Dessen Tochter Charley Toorop wurde in Katwijk geboren.

Katwijk litt im Zweiten Weltkrieg erheblich unter den deutschen Besatzern, die für den Bau des Atlantikwalls Teile des alten Ortskerns abrissen. Diese Baulücken wurden in den 1950er Jahren durch moderne Bauten geschlossen, die dem Ortsteil aan Zee ein modernes Stadtbild geben. Die gemütliche Atmosphäre des alten Fischerdorfes war jedoch verloren.

Katwijk ist die größte niederländische Stadt ohne Bahnanschluss.

Künstlerkolonie Katwijk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernard Blommers: Fischerleben am Strand mit Bomschuijt.

Das erste bekannte Gemälde von Katwijk aus der Zeit des 1. Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei wurde von dem haalemer Maler Jacob van Ruisdael angefertigt,[2] sein Titel lautet: Blick auf den Turm von Katwijk.[3] Dies belegt, seit jener Zeit war Katwijk als Motiv der Landschaftsmalerei beliebt.

In der Zeit von 1870 bis 1914 existierte in Katwijk eine Künstlerkolonie. Sie ist Teil der internationalen Bewegung des Impressionismus und ist der Haager Schule zuzurechnen. Hieraus ist das Katwijks Museum entstanden. Es nennt eine Dauerausstellung zum alten Leben um das Fischerdorf Katwijk aan Zee sein eigen - dieser Teil mag als Heimatmuseum gelten. Darüber hinaus finden, an die Tradition der dort gelebten Kunst um die Strömung des Impressionismus anknüpfend, jährlich wechselnde Kunstausstellungen statt. Die jeweils gewählten Themen haben einen direkten Bezug zum Impressionismus und den Künstlern, die um Katwijk aan Zee tätig waren bzw. in das Umland ausgeströmt waren - ein Hauptthema war das Leben der Fischer und ihrer Familien und ihre berühmten Schiffe, die Bomschuiten. Es fallen solche Namen wie Adolph Artz, Bernard Blommers,[4] Eugéne Dücker,[5] Wilhelm Hambüchen,[6] Thomas Bush Hardy,[7] Jozef Israëls, Hendrik Willebrord Jansen, Johannes Hermanus Koekkoek, Max Liebermann.[8] German Grobe, ebenfalls ein Maler der Düsseldorfer Malerschule, orientierte sich stark an den Arbeiten Liebermanns, so dass er den Beinamen "Düsseldorfer Liebermann" erhielt. Grobe verbrachte fast 50 aufeinanderfolgende Sommer in Katwijk, um dort zu malen und schuf ein umfangreiches Werk.[9] Weiterhin sind Jan Toorop und Jan Hillebrand Wijsmuller[10] zu nennen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Katwijk sind trotz aller Verwüstungen des Krieges noch viele alte Häuser und Kirchen übrig geblieben. Auch das Heimatmuseum Katwijker Museum ist sehenswert, so wie der Leuchtturm.

Interessante Ausflugsziele für Touristen sind der Nordseestrand, die Museumsbahn und das Eisenbahnmuseum der Dampfeisenbahn am Valkenburger See sowie über die Radwege die Nachbarorte Scheveningen und Zandvoort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vuurbaakplein-Leuchtturm zu Katwijk aan Zee
  • A. E. van Balen-Chavannes (1972): Bibliographie van de Geschiedenis van Zuid-Holland tot 1966, Publisher Culturele Raad van Zuid-Holland, Delft.
  • J. van der Hucht (1969): Bibliographie en iconographie van beide Katwijken en't Zand, Publisher Katwijk, Katwijk.
  • John Silveris, J. P. van Brakel, R. Siebelhoff: Katwijk in de Schilderkunst. Museum Katwijk, 1995, ISBN 90-800304-4-9.
  • E. W. Petrejus: De bomschuit : een verdwenen scheepstype. (= Museum voor Land- en Volkerkunde en het Maritiern Museum „Prins Hendrik“. Nr. 2). Rotterdam 1954, OCLC 23088615.
  • Kees Stal: De storm van 1894, de ramp die Scheveningen een nieuw gezicht gaf. Museum Scheveningen, 1994, ISBN 90-389-0282-4.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal: Erinnerung an Abriss und Evakuierung des Dorfes für den Bau des Atlantikwalls (von F. Nix, 1990).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katwijk, South Holland – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand April 2016Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Jacob van Ruisdael (1628-1682) ist bekannt für seine weitreichende Motivvielfalt der Landschaftsmalerei, die vom Seestück, Strandszenen, Binnenlandschaften und dem Panorama reicht.
  3. Bernt, Walter (1980): Die Niederländischen Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts, Bd. 3, Tafel 1057, Bruckmann Verlag München, überarbeitete 4. Auflage, ISBN 3-7654 1767 X.
  4. Bernardus Johannes Blommers, kurz Bernard Blommers, gehört der ersten Generation der Haager Schule an und ist bekannt für seine Sittengemälde.
  5. Prof. Eugen Dücker war an der Düsseldorfer Malerschule für Landschaftsmalerei zuständig. Er hatte mit seiner weltoffenen Anschauung zur persönlichen Entwicklung des Kunststudenten den Weg zum Impressionismus und letztendlich zur Moderne an dieser Akademie geöffnet. Kunsthistorisch spricht man auch von der Dücker-Linie.
  6. Wilhelm Hambüchen ist ein Maler der Düsseldorfer Malerschule und bekannt für seine Landschaftsmalerei und Seestücke.
  7. Thomas Bush Hardy (1842-1897) war ein englischer Marinemaler, der sich der Technik der Aquarellkunst und der Ölmalerei verschrieben hatte.
  8. Max Liebermann zählt zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Impressionismus.
  9. Siehe Kat.: German Grobe und die Düsseldorfer Malerschule in Katwijk, Museum Kunstpalast Düsseldorf 2016
  10. Jan Hillebrand Wijsmuller hatte sich mit dem Maler Ludolph Berkemeier aus Noordwijk angefreundet und war mit ihm gemeinsam von hier aus zur Freiluftmalerei ausgeschwärmt.