Katyn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dorf
Katyn
Катынь
Vorlage:Infobox Ort in Russland/Wartung/Daten
Föderationskreis Zentralrussland
Oblast Smolensk
Rajon Smolensk
Höhe des Zentrums 170 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 481
Postleitzahl 214522
Kfz-Kennzeichen 67
OKATO 66 244 836 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 46′ N, 31° 41′ O54.77083333333331.6875170Koordinaten: 54° 46′ 15″ N, 31° 41′ 15″ O
Katyn (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Katyn (Oblast Smolensk)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Smolensk

Katyn (russisch Катынь, polnisch Katyń [ˈkatɨɲ]) ist ein Dorf in der Oblast Smolensk in Russland mit etwa 1700 Einwohnern. Es ist der Verwaltungssitz eines Landgemeindeverbandes ( Katynskoje selskoje posselenije) mit 28 Ortschaften und insgesamt 4298 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1] Es liegt 20 km westlich des Oblast- und Rajonzentrums Smolensk nahe dem östlichen Dnepr-Ufer im Bereich der Einmündung des Zuflusses Katynka. Der größere Teil des Ortes liegt westlich an der Fernstraße A141 Orjol (Smolensk – Rudnjaweißrussische Grenze). Der kleinere Ortsteil liegt etwa drei Kilometer östlich davon bei der gleichnamigen Bahnstation an der Strecke von Moskau nach Minsk.

Seit dem Ende der 1920er-Jahre wurden Personen, die die sowjetische Geheimpolizei OGPU (später NKWD) als Regimegegner in den Gefängnissen von Smolensk exekutiert hatte, in heimlich angelegten Massengräbern im Wald von Katyn verscharrt. In unmittelbarer Nähe wurden Datschen für die Smolensker NKWD-Führung errichtet.[2] Ein Herrenhaus am Waldrand auf dem Hochufer des Dneprs wurde zum Schulungs- und Erholungsheim für die NKWD-Führung ausgebaut. Diese Abschnitte des Waldes wurden eingezäunt und scharf bewacht.[3] Nach der Einnahme von Smolensk durch die Wehrmacht im September 1941 richtete sich der Stab des zur Heeresgruppe Mitte gehörenden Nachrichtenregiments 537 in und bei Katyn ein.[4]

Im Frühjahr 1943 wurde das 1940 verübte Massaker von Katyn an 4.400 polnischen Offizieren, Fähnrichen und Beamten weltweit bekannt. In dem Dorf wurden im Frühjahr 1943 der Leiter der Exhumierungsarbeiten, Professor Gerhard Buhtz, und die vom Krakauer Gerichtsmediziner Marian Wodziński geführten Experten des Polnischen Roten Kreuzes untergebracht.[5] Der Ortsname Katyn steht in Polen für die gesamte Mordserie, deren Schauplätze auch die Städte Smolensk, Kalinin und Charkow waren.[6] Auch die polnische Originalversion des Spielfilms von Andrzej Wajda heißt schlicht „Katyń“ (deutsch: „Das Massaker von Katyn“).

Nachdem die Rote Armee die Region im September 1943 zurückerobert hatte, verhaftete das NKWD einen Teil der Einwohner von Katyn, weil sie angeblich mit den deutschen Besatzern kollaboriert hatten. Mehrere von ihnen wurden erschossen.[7] Die anderen Einwohner wurden in die Tiefen der Sowjetunion umgesiedelt, so dass die gesamte Bevölkerung des Dorfes ausgetauscht wurde.[8] Die Geheimpolizei bekam die Anweisung, Ausländer nicht ohne Genehmigung in das Dorf zu lassen. Einige der neu angesiedelten Einwohner Katyns wurden später vom KGB als mögliche Zeugen präpariert, die die deutsche Täterschaft beim Massaker von Katyn bestätigen sollten.[9]

Die Datschen im Wald von Katyn sowie das Schulungsheim des NKWD über dem Dnepr wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut. Auch führende Funktionäre aus Moskau kamen zur Erholung dorthin, darunter Lasar Kaganowitsch und Kliment Woroschilow, die beide 1940 den Befehl zur Ermordung der nur wenige hundert Meter entfernt verscharrten polnischen Offiziere unterzeichnet hatten, und Nikolai Schwernik.[10] Auch Michail Gorbatschow übernachtete wiederholt in Katyn.[11]

Erst im Herbst 1989 erhielten Angehörige der polnischen Opfer erstmals offiziell Zugang zum Wald von Katyn.[12] Bis 2000 wurde die dortige Gedenkstätte Katyn von Russland und Polen zu einer internationalen Gedenk- und Versöhnungsstätte für dort ermordete Polen und Sowjetbürger ausgebaut.[13] Dort finden seitdem jährlich in der zweiten Aprilwoche Gedenkveranstaltungen statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Chatyn (Ort einer Gedenkstätte für NS-Verbrechen in Weißrussland)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katyn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Iz istorii katynskogo lesa „Memorial” Katyn.
  3. Claudia Weber: Krieg der Täter. Die Massenerschießungen von Katyń. Hamburg 2015, S. 160.
  4. Weber, a.a.O., S. 161.
  5. Kazimierz Skarżyński: Raport Polskiego Czerwonego Krzyża. Warschau 1989. S. 30, 47.
  6. Beate Kosmala: Katyn. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiss: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 1998, ISBN 3-608-91805-1, S. 882.
  7. N.N. Il’kevič, Svidetel’stva o besčinstvach, in: Vestnik Katynskogo Memoriala, 7.2007, S. 115.
  8. Jacek Trznadel, Rosyjscy świadkowie Katynia (1943-1946-1991), in: Zeszyty Katyńskie, 2(1992), S. 113–114.
  9. Oleg Zakirov: Obcy element. Dramatyczne losy oficera KGB w walce o wyjaśnienie zbrodni katyńskiej. Poznań 2010, S. 203–204.
  10. Zakirov, a.a.O., S. 242.
  11. Zakirov, a.a.O., S. 210.
  12. Wojciech Materski: Mord Katyński. Siedemdziesiąt lat drogi do prawdy. Warschau 2010, S. 72.
  13. Tribute to victims of Katyn massacre The Chancellery of the Prime Minister, Warschau, 13. April 2013.