Katzenallergie

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Klassifikation nach ICD-10
J30.3 Sonstige allergische Rhinopathie
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Katzenallergie bezeichnet man eine Überempfindlichkeit gegen ein Eiweiß aus dem Speichel von Katzen, durch die verschiedene allergische Reaktionen ausgelöst werden können. Korrekterweise sollten diese nicht als Katzenhaarallergie, sondern als Allergie gegen Katzenepithelien bezeichnet werden.

Allergene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht die Katzenhaare selbst sind allergen, sondern bestimmte Proteine, die den Katzenhaaren anhaften. Diese Katzenallergene stammen hauptsächlich aus dem Speichel und den Hautschuppen der Katze, d. h. auch haarlose Katzen produzieren und verbreiten Allergene, sowie existieren diese im Urin. Die größten Mengen sind im Gesicht der Katze zu finden. Katzen lecken häufig ihr Fell, um es zu pflegen. Dabei verteilt sich das Allergen mit der Bezeichnung Fel d 1 auf der gesamten Körperoberfläche der Katze.[1][2]

Fel d 1 ist sehr klein, klebrig und leicht (Partikelgröße ca. 1–5 µm),[3] kann sich an Staubpartikeln binden und hat deswegen die Eigenschaft, sehr lange schwebfähig zu bleiben oder an Gegenständen anzuhaften. Es setzt sich in Polstermöbeln, Teppichen, Wänden, Matratzen und Kleidung fest, sodass die Allergene sich nicht nur in Haushalten mit Katzen, sondern in geringer Menge auch an öffentlichen Orten wie Schulen, Büros und Bussen nachweisen lassen. Das Katzenallergen konnte auch an Orten nachgewiesen werden, an denen sich wahrscheinlich noch nie eine Katze aufgehalten hat (z. B. im Inlandeis in Grönland). Bei einer starken Allergie, kann man selbst auf Katzen in einer Nachbarwohnung reagieren, da die Allergene durch Luftbewegung in jede kleinste Ritze – beispielsweise durch geschlossene Türen – gelangen.

In Haushalten kann das Allergen trotz entfernen der Katze, mehrere Jahre bestehen. Aufgrund der enormen Haltbarkeit des Allergens und der hohen Population an Katzen die in Häusern gehalten wird, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Menge an Allergenen in den Haushalten stetig kumuliert. Selbst nach Renovierung oder gründlichster Reinigung, werden immer noch Rückstände zu finden sein. Haushaltsstaubsauger stoßen je nach Modell, selbst mit HEPA-Filter, noch geringe Mengen Feinstaub aus[4]. Ein 100 % Rückhaltevermögen gibt es bei Staubsaugern nicht. Chlorbleiche soll bei der Reinigung helfen[5]. Antibakterielle Mittel helfen dagegen nicht unbedingt, da es sich nicht um Bakterien, sondern Proteine handelt. Mit einem Luftreiniger lässt die Menge der luftgetragenen Allergene zwar deutlich reduzieren, jedoch konnte in einer Studie, keine Besserung der Probanden festgestellt werden[6]. Bei einer Wärmebehandlung mit 140 °C, waren nach 60 min. immer noch 70 % von Fel d 1 intakt[7].

Fel d 1 ist das Hauptallergen der Katze, es wird von mehr als 90 % aller Katzenallergiker erkannt und bindet auch die meisten gebildeten IgE-Antikörper. Katzen produzieren dieses Protein, dessen Funktion bei Katzen noch unklar ist,[8] in den Talg-, Anal- und Speicheldrüsen. Von dort wird es durch Lecken und Putzen auf das Fell übertragen.[9] Kater produzieren größere Mengen an Fel d 1 als weibliche Katzen.[10] Am höchsten ist die Menge bei geschlechtsreifen, unkastrierten Katern[11].

Nicht jeder, der unter einer Katzenhaarallergie leidet, reagiert auf unterschiedliche Katzenarten gleich. Dies hängt mit der Produktion von Fel d 1 zusammen, da Katzen abhängig von Alter, Rasse und Geschlecht verschiedene Mengen der Substanz abgeben. Es soll hypoallergene gezüchtete Katzenrassen geben, bei der über eine Abwandlung von Fel d 1, der menschliche Körper weniger reagieren soll. Diese Behauptung konnte jedoch wissenschaftlich nie nachgewiesen werden[12]. Da Haare einer Katze keine Quelle der Allergene darstellen, stellen Nacktkatzen keine Ausnahme dar.

Weitere Katzenallergene:

  • Fel d 2 (Serumalbumin)
  • Fel d 3 (Cystatin)
  • Fel d 4 (ein Lipocalin)
  • Fel d 5 (Katzen-IgA-Antikörper)
  • Fel d 6 (Katzen-IgM-Antikörper)
  • Fel d 7 (Katzen-IgG-Antikörper)
  • Fel d 8 (Latherin-ähnliches Protein)

Die weiteren Allergene lösen bei ca. 50 % der Katzenallergiker eine Allergiebereitschaft aus. Fel d 4 scheint das zweitwichtigste Allergen nach Fel d 1 zu sein, welches auch bei anderen Säugetieren vorkommt. Dort gibt es Kreuzreaktionen zu Hunden und Pferden. Fel d 2 kommt bei sämtlichen anderen Säugetieren vor und spielt normalerweise eine sehr kleine Rolle. Bei Fel d 2 kann es zu Kreuzreaktionen mit z.b. Schweinefleisch kommen[13].

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Symptome sind ein allergischer Schnupfen mit Niesen, Nesselsucht (stark juckender Hautausschlag mit Quaddelbildung), gerötete Augen sowie ein Anschwellen und starkes Jucken von Kratzverletzungen. Allergenkontakt entsteht auch durch das Einatmen der allergenen Schwebstoffe, die sich dadurch auf die Schleimhäute der Atemwege legen.

Die Reaktion kann sowohl sofort passieren, als auch erst einige Stunden später. Die Symptome können wenige Minuten oder mehrere Stunden nach der Exposition anhalten.

Es wird vermutet, dass eine äußerst geringe Menge von 8 µg/g im Hausstaub bereits bei stark sensibilisierten Menschen ausreicht, um eine allergische Reaktion hervorzurufen.[14] Diese Menge wurde in einer Studie in über 40 % der untersuchten Klassenzimmer vorgefunden.[15] Dies erklärt u. a. warum es so viele Katzenallergiker gibt, welche niemals eine Katze besessen haben.

Falls die Allergie gegen besagte Proteine aus den Katzenepithelien ignoriert wird, besteht die Gefahr eines allergischen Asthmas. Dies macht sich durch Atemprobleme bemerkbar, bis zum Asthmaanfall, der im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Man geht davon aus, dass es bei jedem dritten unbehandelten Allergiker im Lauf der Zeit zu einem sogenannten „Etagenwechsel“ kommt, bei dem sich zuerst eine Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut einstellt, die in ein allergisches Asthma einmünden kann. Katzenallergene sind aufgrund ihrer geringen Größe gefährlicher als z. B. Pollen, da diese leichter in die unteren Atemwege gelangen. Außerdem kann es bei sehr ausgeprägter Allergie durch den Allergenkontakt im Organismus zu einer lebensbedrohlichen systemischen Reaktion kommen, zum anaphylaktischen Schock.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei jeder Allergie wird der behandelnde Arzt auch bei der Katzenallergie zuerst dazu raten, den Kontakt zum Allergen möglichst zu vermeiden (Allergenkarenz). Das Hauptallergen Fel d 1 ist allerdings in geringen Mengen überall zu finden, so dass die vollständige Vermeidung des Kontakts zu den Allergenen praktisch kaum möglich ist. Die Beschwerden des Allergikers können daher – bei entsprechend starker Ausprägung der Allergie – auch an Orten auftreten, an denen keine Katze ist und wo auch noch nie eine gelebt hat. Zum Beispiel können Polstermöbel, die aus einem Haushalt mit Katze stammen, Katzenallergene enthalten und freisetzen. Sogar im Inlandeis von Grönland wurden Katzenallergene gefunden. Offenbar werden die kleinen und leichten Allergene mit dem Wind über den Globus verteilt. Sie werden über die Kleidung und die Schuhe der Besucher, auch in andere Gebäude gebracht.

Vor einer Hyposensibilisierung wird in der Regel ein Prick- oder Bluttest (IgE) durchgeführt, welcher jedoch nicht alleine für eine Bestimmung der Katzenallergie ausschlaggebend ist. Es gibt viele Personen die zwar auf Fel d 1 sensibilisiert sind, aber keine Reaktionen zeigen. Umgekehrt gibt es starke Katzenallergiker, deren Tests relativ unauffällig sind.

Die derzeit einzige kausal wirkende Therapie der Katzenhaarallergie ist die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT, „Allergiespritzen“), bei der man versucht, den Körper langsam an immer höhere standardisierte Konzentrationen des Allergens zu gewöhnen. Die Benutzung von Inhalatoren oder Nasensprays, ist dagegen nicht als Dauertherapie für Katzenhalter mit einer Katzenallergie geeignet, da nur die Symptome behandelt werden. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten der Hyposensibilisierung gegen Katzenallergene jedoch nicht. Dies dürfte zumindest dann vor Gericht keinen Bestand haben, wenn der Katzenhaarallergiker keine Katze besitzt. Viele Ärzte lehnen eine Hyposensibilisierung aufgrund der unzureichenden Datenlage[16] und erhöhten Nebenwirkungen ab. Andere Allergiker haben Schwierigkeiten einen Arzt zu finden, der eine SIT durchführt, wenn sich der Allergiker nicht von seiner Katze trennen will. Doch es gibt auch Allergologen, die eine Hyposensibilisierung aufgrund pragmatischer Überlegungen selbst dann für möglich und wirksam ansehen, wenn die Katze weiter im Haushalt des Allergikers lebt. Da eine Hyposensibilisierung eine langfristige Therapie darstellt (Dauer etwa zwei bis drei Jahre) und prinzipiell zu Zeiten geringerer Allergenbelastung durchgeführt werden sollte, ist ein Therapieerfolg – zumindest bei Katzenbesitzern – fraglich.

Von der Pharmaindustrie werden auch Impfstoffe für Katzen entwickelt, welche Antikörper bilden und so das Fel d 1 Allergen im Tier neutralisieren sollen.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katzenallergie – Artikel auf allum.de mit einigen Referenzen
  • Eintrag zu Katzenallergie im Pharmawiki – Gesamtdarstellung des Allergiebildes mit Wirkstofferläuterungen und Literaturquellen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UniProt P30438
  2. Fel d 1 bei Allergome
  3. PMID 2301854
  4. PROSA Staubsauger für den Hausgebrauch. (PDF) Abgerufen am 12. Februar 2020.
  5. Allergic potency of recombinant Fel d 1 is reduced by low concentrations of chlorine bleach. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  6. A Placebo-controlled Trial of a HEPA Air Cleaner in the Treatment of Cat Allergy. Abgerufen am 7. Februar 2020.
  7. The effect of dry heat on mite, cat, and dog allergens. PMID 9930600
  8. L. Kaiser, T. C. Velickovic u. a.: Structural characterization of the tetrameric form of the major cat allergen Fel d 1. In: Journal of molecular biology. Band 370, Nummer 4, Juli 2007, S. 714–727, doi:10.1016/j.jmb.2007.04.074. PMID 17543334.
  9. E. Zahradnik, M. Raulf: Animal Allergens and Their Presence in the Environment. In: Frontiers in immunology. Band 5, 2014, S. 76. doi:10.3389/fimmu.2014.00076. PMID 24624129. PMC 3939690 (freier Volltext).
  10. J. Jalil-Colome, A. D. de Andrade u. a.: Sex difference in Fel d 1 allergen production. In: The Journal of allergy and clinical immunology. Band 98, Nummer 1, Juli 1996, S. 165–168. PMID 8765830.
  11. Cat sex differences in major allergen production (Fel d 1). (PDF) Abgerufen am 7. Februar 2020.
  12. Ahmed Butt, Daanish Rashid, Richard F. Lockey: Do hypoallergenic cats and dogs exist? (PDF) Abgerufen am 7. Februar 2020.
  13. Pork-Cat Syndrome: Allergisch auf Schweinefleisch durch die Katze? Abgerufen am 12. Februar 2020.
  14. C. M. Chen, E. Thiering, J. P. Zock, S. Villani, M. Olivieri, L. Modig, D. Jarvis, D. Norbäck, G. Verlato, J. Heinrich: Is there a threshold concentration of cat allergen exposure on respiratory symptoms in adults? In: PLOS ONE. Band 10, Nummer 6, 2015, S. e0127457, doi:10.1371/journal.pone.0127457, PMID 26035304, PMC 4452769 (freier Volltext).
  15. A. Niesler, G. Ścigała, B. Łudzeń-Izbińska: Cat (Fel d 1) and dog (Can f 1) allergen levels in cars, dwellings and schools. In: Aerobiologia. Band 32, Nummer 3, 2016, S. 571–580, doi:10.1007/s10453-016-9433-7, PMID 27616812, PMC 4996870 (freier Volltext).
  16. P. Couroux, D. Patel, K. Armstrong, M. Larché, R. P. Hafner: Fel d 1-derived synthetic peptide immuno-regulatory epitopes show a long-term treatment effect in cat allergic subjects. In: Clinical and Experimental Allergy: Journal of the British Society for Allergy and Clinical Immunology. Band 45, Nr. 5, Mai 2015, ISSN 1365-2222, S. 974–981, doi:10.1111/cea.12488, PMID 25600085.
  17. Bruce Y. Lee: A Vaccine For Cat Allergies: Here Is The Latest. Abgerufen am 12. Februar 2020 (englisch).