Kautokeino

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Wappen Karte
Wappen der Kommune Kautokeino
Kautokeino (Norwegen)
Kautokeino
Kautokeino
Basisdaten
Kommunennummer: 2011 (auf Statistik Norwegen)
Provinz (fylke): Finnmark
Verwaltungssitz: Kautokeino
Koordinaten: 69° 1′ N, 23° 3′ OKoordinaten: 69° 1′ N, 23° 3′ O
Fläche: 9.708 km²
Einwohner:

2938 (30. Jun. 2017)[1]

Bevölkerungsdichte: 0 Einwohner je km²
Sprachform: Bokmål und Nordsamisch
Webpräsenz:
Politik
Bürgermeister: Johan Vasara (Ap) (2015)
Lage in der Provinz Finnmark
Lage der Kommune in der Provinz Finnmark

Kautokeino (nordsamisch Guovdageaidnu; finnisch und kvenisch: Koutokeino) ist eine Kommune in der Provinz (Fylke) Finnmark in Norwegen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kautokeino liegt am Ufer des Altaelv in der Finnmarksvidda 120 km südlich von Alta. Ortsteile der Gemeinde sind Kautokeino (Guovdageaidnu), Masi (Máze), Stornes, Šuoššjávri, Økseidet, Láhpoluoppal, Siebe, Áidejávri und Soahtefielbma. Mit 9.708 km² ist es die größte Kommune in Norwegen.[2]

Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Samen. Die Einwohner leben hauptsächlich von der Rentierzucht, der Tourismus gewinnt aber an wirtschaftlicher Bedeutung. Vor allem die beeindruckenden Nordlichter, sowie die traditionelle samische Kultur, die verbunden mit der Modernen ist, sind Attraktionspunkte für Reisende.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Kautokeino als Samensiedlung gegründet. Bis 1751 gehörte die Gemeinde zu Schwedisch-Lappland. 1751 ging die Stadt an Norwegen über.

Im November 1852 ereignete sich die Kautokeino-Rebellion, blutige Ausschreitungen, speziell gegen den Verkauf von Alkohol, der laestadianisch geprägten samischen Bevölkerung gegen Kirche und Staat. 35 aufgebrachte Samen übten am 8. November 1852 Lynchjustiz. Sie töteten den Kaufmann und den Landgendarmen am Ort, peitschten den Pfarrer aus und brannten das Haus des Kaufmanns nieder. Dieser Aufstand hatte in erster Linie seinen Hintergrund in den elenden sozialen Bedingungen der Samen, aber viele gaben Læstadius und seiner Bewegung die Schuld an dem Geschehenen. Die Rädelsführer Aslak Jacobsen Hætta und Mons Aslaksen Somby wurden im Oktober 1854 zum Tode verurteilt und durch Enthauptung hingerichtet. Das Todesurteil für Hættas Bruder Lars (1834–1896) wurde in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt. Als er nach fünfzehn Jahren Haft begnadigt wurde, hatte er begonnen, die Bibel ins Samische zu übersetzen. 1874 erschien seine Übersetzung des Neuen Testaments, 1895 die der gesamten Bibel.[3] Die Geschichte der Rebellion wurde 2007 unter dem Titel „Kautokeino-opprøret“ (dt. Die Kautokeino-Rebellion) von Nils Gaup verfilmt.

Im Rahmen des Ersten Internationalen Polarjahrs betrieb der Däne Sophus Tromholt (1851–1896) im Winter 1882/83 in der Polizeistation Kautokeinos ein Observatorium für die Beobachtung von Polarlichtern.[4] Die Fotografien, die er in dieser Zeit vom Leben der samischen Bevölkerung und von der Landschaft der Finnmark machte, befinden sich heute in der Bibliothek der Universität Bergen. Die Sophus-Tromholt-Sammlung wurde im Jahr 2013 von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.[5]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme samischer Regisseure werden in Kautokeino seit 1996 auf dem Samischen Filmfestival gezeigt. Das Festival gilt als einziges Schneemobil-Drive-in-Kino der Welt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lars Jakobsen Hætta 1882/83 (Foto: S. Tromholt)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kautokeino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistics Norway – Population and quarterly changes, Q2 2017
  2. Store norske leksikon - Største norske kommuner etter areal
  3. Bjørn Aarseth: Lars Hætta. In: Norsk biografisk leksikon (norwegisch)
  4. Susan Barr: Sophus Tromholt. In: Susan Barr, Cornelia Lüdecke (Hrsg.): The History of the International Polar Years (IPYs). Springer, Berlin, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-12401-3, S. 74–76, doi:10.1007/978-3-642-12402-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Sophus Tromholt Collection. In: Memory of the World - Register. UNESCO, 2013; abgerufen am 31. Juli 2016 (englisch).