Kea (Vogelart)

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Kea
Kea filtered.jpg

Kea (Nestor notabilis)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Strigopidae
Tribus: Nestorini
Gattung: Nestorpapageien (Nestor)
Art: Kea
Wissenschaftlicher Name
Nestor notabilis
Gould, 1856
Keas im Schnee
Kea, der einen Rucksack untersucht
Ein Kea knabbert an der Türdichtung eines Autos

Der Kea (Nestor notabilis) oder zuweilen auch Bergpapagei genannt, ist ein vom Aussterben bedrohter Vogel aus der Gattung der Nestorpapageien (Nestor), der zur Familie der Strigopidae zählt.[1]

Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der etwa 46 Zentimeter lange Kea ist relativ unauffällig gefärbt und mit überwiegend olivgrünem Federkleid ausgestattet. Die Unterflügeldecken und der Bürzel sind Orangefarben. Der Vogel besitzt einen recht schlanken, hakenförmigen Schnabel. Männliche Exemplare bringen es auf ein Körpergewicht von 900 bis 1100 Gramm, während wie Weibchen rund 20 % leichter sind und ein Körpergewicht zwischen 700 und 900 Gramm aufweisen.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat der Keas erstreckt sich über eine Fläche von rund vier Millionen Hektar entlang den alpinen Regionen der Südinsel Neuseelands, angefangen von Farewell Spit im Norden der Westküste bis hinunter in die Region um Waitutu im Südwesten der Südküste sowie in den Bergen der Kaikoura Ranges im Nordosten der Südinsel.[1]

Der Kea gehört zu den wenigen Papageienarten, die außerhalb der Tropen leben und auch in verschneiten Regionen überwintern können, doch in den Wintermonaten, wenn in den Bergen die Nahrung knapp wird, treibt es die Vögel mitunter auch ins Flachland.

Die Population der Keas wird vom neuseeländischen Department of Conservation auf zwischen 3000 und 7000 Exemplare geschätzt.[2]

Ernährung und Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Keas sind Allesfresser, die sich bevorzugt von Pflanzen und tierischen Produkten ernähren, wie von frischen Trieben, Früchten, Blättern, Nektar und Samen und im Boden nach Insektenlarven und Pflanzenknollen graben und in den Kaikoura Ranges auch jagt auf Shearwater-Nestlinge (Sturmvögel) machen. Auch ernähren sich Keas von Aas von Rehen, Gämsen, Tahr und Schafen, wenn dazu Gelegenheit besteht.[1]

Bei neuseeländischen Farmern kamen Keas bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Verruf, weil sie tote Schafe anfraßen und auch dabei beobachtet wurden, wie sie lebenden Schafen auf dem Rücken das Fell aufrissen, um an das Körperfett zu kommen und auch Fett aus der Nierengegend fraßen, was ihnen insgesamt schnell den Ruf von „Schafsmördern“ einbrachte. Der Ornithologe J. R. Jackson nahm bereits 1962 an, dass Keas kranke oder verletzte Schafe angreifen, machte aber auch deutlich, dass die Fallzahlen an Schafrissen von den Farmern in der Öffentlichkeit übertrieben wurden.[3] Ein Video aus dem Jahr 1993 bestätigte eine wissenschaftliche Vermutung, dass die Vögel ihre starken Schnäbel und Klauen dazu nutzen, um damit die Haut auf dem Rücken der Schafe zu durchtrennen und das Fett darunter fressen zu können.[4] Obwohl die Keas die Schafe dadurch nicht direkt töten, können die Schafe – je nach Größe der Verwundung – daran sterben. Anekdotisch wurde auch von Attacken der Keas auf Kaninchen, Hunde und sogar Pferde berichtet.

Keas zählen zu den dämmerungsaktiven Vögeln.[5] Sie gelten als besonders neugierig und verspielt. Das „Untersuchen“ von Gegenständen, die Touristen mitbringen und unbewacht liegen lassen, geht häufig nicht ohne Beschädigung einher. Geparkte Autos sind davon besonders betroffen. Hier werden unter anderem oft Dichtungsgummis an Türen und Fenstern und der Lack mit ihren kräftigen Schnäbeln bearbeitet. Vor allem Jungtiere finden daran großen Gefallen. Keas gelten als sehr intelligente Vögel. Sie sind in der Lage, Werkzeuge zu nutzen, ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen[6] und haben ein sehr gutes technisches Verständnis. Das Öffnen von geschlossenen Rucksäcken und Mülltonnen gelingt ihnen problemlos.

Wenn Keas ihren Partner gefunden haben, leben sie in der Regel ein Leben lang zusammen. Weibchen legen ab dem vierten Lebensjahr zwischen ein und fünf weiße, 39 mm im Umfang und 43 mm in der Länge große Eier pro Gelege und brüten diese zwischen 22 und 26 Tage aus. Ein Jungtier startet seine Flugversuch nach etwa 90 Tagen und verlässt das elternliche Nest im Alter zwischen 100 und 150 Tagen. Keas werden bis zu 22 Jahre alt.[7]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des Konfliktes mit Farmern, die Keas für getötete Schafe verantwortlich machten, wurden in den späten 1980er Jahren von der neuseeländischen Regierung ein Kopfgeld für getötete Keas gezahlt. Das führte dazu, dass bis in die frühen 1970er Jahre hinein schätzungsweise 150.000 Keas getötet wurden.[8] Auch heute werden immer noch eine unbekannte Anzahl dieser Vögel getötet. Untersuchungen an Kadavern belegen, dass Vögel an Schussverletzungen mittels Schrotflinte, an stumpfen Verletzungen und an Vergiftungen sterben.[8]

Hermeline, Possums, Katzen und Ratten stellen eine weitere Bedrohung für die Keas dar, die ihr Gelege plündern und damit die Nachzucht der Vögel empfindlich stören. Die Bekämpfung der von Europäern eingeschleppten Prädatoren zeigt, dass damit der Schutz von Gelegen von bis zu 70 % erfolgreich ist.[2]

Aufgrund der über eine große Fläche verteilt lebenden Keas ist es schwierig eine verlässliche Anzahl von Individuen zu ermitteln. Dennoch zeigen Untersuchungen auf, dass die Populationsgröße vermutlich vergleichsweise klein ist. Die geschätzte Population schwankt je nach Quelle von 1000 bis 5000[1], von 3000 bis 7000[2] oder gar bis zu 15.000 Exemplaren[1]. Das IUNC gibt die Population der Keas mit rund 4000 ausgewachsenen Tieren an und hat die Vögel deshalb auf die Rote Liste der schützenswerten Tieren gesetzt.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. R. Jackson: Do Keas Attack Sheep?. In: Notoris. Volume 10, Number 1. Ornithological Society of New Zealand, Wellington 1962, S. 33–38 (englisch, Online [PDF; 2,6 MB; abgerufen am 15. September 2019]).

Filmdokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kea (Nestor notabilis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Kea. Nestor notabilis Gould, 1856. New Zealand Birds Online, 2013, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).
  2. a b c Kea. Department of Conservation, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).
  3. Jackson: Do Keas Attack Sheep?. In: Notoris. 1962, S. 33–38.
  4. Pain u. a.: Kea - Mountain Parrot - Teil 4. (Video 11:14 min) NZ On Screen, 1993, abgerufen am 15. September 2019 (englisch, ab 3:00 min).
  5. Nestorpapageien. Das Tierlexikon, abgerufen am 5. Januar 2013.
  6. Tobias Rahde: Stufen der mentalen Repräsentation bei Keas (Nestor notabilis). Hrsg.: Freie Universität Berlin. 2014, S. 100–128 (Online [PDF; abgerufen am 15. September 2019]).
  7. Kea. Breeding and ecology. New Zealand Birds Online, 2013, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).
  8. a b Kea – Human Conflict. Kea Conservation Trust, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).
  9. Kea. In: IUNC Red List. International Union for Conservation of Nature, 1. Oktober 2017, abgerufen am 15. September 2019 (englisch).