Keilwirbel

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Klassifikation nach ICD-10
M80 Osteoporotische Wirbelkörperkompression und Keilwirbel
M48.5 Wirbelkörperkompression o.n.A
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Der Begriff Keilwirbel besagt, dass ein Wirbel von der normalen Form abweicht. Ein gesunder Wirbel hat sowohl in der seitlichen als auch der frontalen Ansicht einer Röntgenaufnahme einen annähernd rechteckigen Querschnitt. Die Vorder- und die Hinterkante sind gleich hoch, Grund- und Deckplatte gerade. Wird die Vorderkante deutlich niedriger als die Hinterkante, nennt man das einen Keilwirbel. Seltener ist ein Wirbel auf einer Seite deutlich niedriger als auf der anderen, dann handelt es sich um einen seitlichen Keilwirbel. Durch Keilwirbel kann es zur Ausbildung einer Rückgratverkrümmung kommen (Der Düsseldorfer Chirurg Emil Karl Frey operierte eine solche Skoliose erstmals erfolgreich durch Entfernung des Keilwirbels[1]).

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keilwirbelbildungen infolge einer Scheuermann-Krankheit, oft zu beobachten
  • Sinterungsbruch bei Osteoporose, ebenfalls recht häufig
  • Unfallfolgen (Fraktur), bei Erwachsenen nach heftiger Krafteinwirkung, bei Kindern häufiger
  • angeborene Verformungen, eher selten
  • bei Wirbel-Fehlbildungen
  • im Rahmen eines Morbus Calvé (Osteonekrose eines Wirbelkörpers)
  • seitliche Keilwirbel bei Neurofibromatose, selten

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die notwendige Behandlung richtet sich nach der Grundkrankheit.

  • Scheuermann-Veränderungen können eine breite Palette von Maßnahmen notwendig machen, von der Krankengymnastik über Rumpforthesen bis zur operativen Korrektur.
  • Osteoporose bedingte Keilwirbelbrüche verlangen zunächst eine Therapie der Grunderkrankung, als Korrektur der Verformung setzt sich inzwischen (2005) die Kyphoplastie durch.
  • Unfallverletzungen lassen sich oft mit Ruhigstellung und späterer Gipsbehandlung in den Griff bekommen, je nach Lokalisation der Verletzung ist dann ein Diademgips, ein Gips nach Risser oder nach Böhler erforderlich.
  • Angeborene Fehlbildungen erfordern, je nach Schweregrad, die operative Korrektur.

Keilwirbel bei Hunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bei Hunden kommen in manchen Rassen Keilwirbel vor. Die erbliche Veranlagung ist Gegenstand molekulargenetischer Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Vermutet wird eine polygene Vererbung.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Rudolf Berndorff: Ein Leben für die Chirurgie. Nachruf auf Ferdinand Sauerbruch. In: Ferdinand Sauerbruch: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; benutzt: Lizenzausgabe Bertelsmann, München 1956, S. 456–478, hier: S. 459.
  2. Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Keilwirbel