Keimruhe

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Dormanz
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Eintritt/Wartung/Beendigung der Keimruhe
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Die Keimruhe ist eine Form der Dormanz (Entwicklungsverzögerung). Sie kommt sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren vor. Bei Tieren spricht man auch von Eiruhe oder Vortragezeit.

Keimruhe bei Pflanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Pflanzen des gemäßigten Klimas ist die Keimruhe (Dormanz) der ausgereiften Samen die Regel. Durch diesen Schutzmechanismus der Pflanzen wird der klimatischen Saisonalität dahingehend Rechnung getragen, dass die Keimung zu einer günstigen Jahreszeit erfolgt und der Keimling optimale Wachstumschancen vorfindet.

Die Zeitdauer der Keimruhe ist bei den einzelnen Pflanzenarten sehr unterschiedlich, ebenso wie die Faktoren, die zum Abbau der Keimruhe führen. Als Einflussfaktoren sind zu nennen: Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen, Lichtverhältnisse und Nährmedium (Boden).

Die Keimruhe muss beendet sein, wenn Saatgut in das Saatbett ausgebracht wird. Während die Keimruhe bei Roggen nur wenige Tage nach der Reifung endet, beträgt sie bei Weizen und Gerste mehrere Wochen, Apfelkerne keimen sogar erst nach einer winterlichen Frosteinwirkung. Der künstliche Abbau der Keimruhe wird in diesem Fall als Stratifikation bezeichnet.

Keimruhe bei Tieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Tieren bezeichnet Keimruhe das Phänomen, dass eine befruchtete Eizelle eines Säugetieres sich nicht sofort kontinuierlich zum Embryo weiterentwickelt. Die befruchtete Eizelle (Zygote) nistet sich zwar in der Gebärmutterschleimhaut ein, teilt sich aber zunächst nicht. Erst nach der Keimruhe beginnt die normale embryonale Entwicklung. Die dadurch verlängerte Tragzeit ermöglicht die Geburt während einer für die Aufzucht günstigen Jahreszeit.

Beim Reh etwa erfolgt die Befruchtung während der Blattzeit Ende Juli. Aber erst 5 Monate später, etwa Dezember/Januar, beginnt die Implantation und das embryonale Wachstum.[1] Dadurch werden die Kitze im vegetationsreichen Frühjahr (etwa Mai) gesetzt. In Europa kommt die Keimruhe regelmäßig außer beim Reh auch beim Dachs, Marder, Hermelin, Seehund, kanadischen Flussotter und beim Braunbär vor. Auch dem eurasischen Fischotter wird bisweilen Keimruhe zugesprochen, doch basiert dies auf einer Verwechslung mit dem kanadischen Flussotter.[2] Besonders lang im Verhältnis zur eigentlichen Tragzeit ist die Keimruhe bei Beuteltieren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Klapp: Lehrbuch des Acker- und Pflanzenbaus. 5 Auflage. Parey, Berlin 1958.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. V. A. van der Weijden, Susanne E. Ulbrich: Embryonic diapause in the European roe deer (Capreolus capreolus). In: Biosci. Proc., Band 10 (Proceedings of III International Symposium on Embryonic Diapause), 2020, S. 59–75, doi:10.1530/biosciprocs.10.004, (PDF).
  2. Hans Kruuk: Otters: Ecology, Behaviour and Conservation. Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 978-0-19-856586-4, S. 186.