Kein Platz für Idioten

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Daten
Originaltitel: Kein Platz für Idioten
Gattung: Volksstück in drei Akten
Originalsprache: Deutsch
Autor: Felix Mitterer
Erscheinungsjahr: 1977
Uraufführung: 15. September 1977
Ort der Uraufführung: Tiroler Volksbühne Blaas
Ort und Zeit der Handlung: Bergbauerndorf

Kein Platz für Idioten ist ein Theaterstück in drei Akten von Felix Mitterer aus dem Jahr 1977. Die Handlung des Volksstücks beschreibt, wie ein Junge auf Grund seiner Behinderung von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird.

Literarische Epoche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Teil an alte Traditionen anknüpfend (Nestroy, Brecht, Horváth), verfassten nach 1945 österreichische Autoren wie Helmut Qualtinger, Wolfgang Bauer und Felix Mitterer Volksstücke. Diese dienen entweder der Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit oder beschreiben die gegenwärtige soziale Realität von Randgruppen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Möllinger-Bauern hassen ihren Sohn Sebastian, Wastl genannt, weil er eine Behinderung hat. Der alte Plattl-Hans nimmt den Jungen zu sich. Eines Abends, als er und Sebastian im Dorfgasthaus essen, empört sich Adi, einer der anderen Gäste, über den Alten und den Jungen. Obwohl seine beiden Freunde – einer davon ist Gendarm – ihn beruhigen wollen, hört er nicht auf zu sticheln. Er fragt sogar ein deutsches Touristenehepaar, ob der Alte und sein Schützling sie stören würden. Kurz darauf betritt der Bürgermeister, dem das Gasthaus gehört, den Raum. Adi erzählt diesem, der Plattl-Hans und Sebastian würden dem örtlichen Fremdenverkehr schaden und durch ihre Anwesenheit sämtliche Gäste hinausekeln. Der Wirt ist tatsächlich besorgt, da demnächst eine neue Liftanlage eröffnet wird und sich das Dorf mehr Gäste durch den Fremdenverkehr erhofft. Er bittet den Alten, nicht mehr mit Sebastian in sein Wirtshaus zu kommen.

Ein paar Monate später, es ist mittlerweile Advent, feiern die beiden Sebastians siebzehnten Geburtstag. Der alte Mann hat sogar einem Radiosender einen Brief geschrieben, damit im Wunschkonzert ein Lied für Sebastian gespielt wird. Gerade als Sebastians Lied gespielt wird, kommt einer der beiden Männer aus dem Gasthaus in die Wohnung. Er erzählt, dass Sebastian einem Mädchen beim Baden zugesehen hätte und die Dorfbewohner ihn nun in eine Anstalt verbringen wollen. Sogar die Eltern des Buben hätten zugestimmt. Der Plattl-Hans macht sich Vorwürfe, da er die sexuelle Aufklärung des Jungen verabsäumt hat. Plötzlich betritt der Gendarm das Zimmer, um Sebastian abzuholen. Als sich der Junge dagegen wehrt, ruft der Gendarm zwei Wärter zu Hilfe. Zu dritt führen sie Sebastian schließlich ab.

Personenübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Plattl-Hans

Der Alte arbeitet auf dem Hof der Möllinger-Bäuerin. Er ist eine Kontrastfigur zu den Eltern. Er ist hilfsbereit und gutmütig und hat Mitleid mit dem Jungen. Er ist der Einzige, der sich um den behinderten „Wastl“ kümmert. Er glaubt daran, dass der Junge absolut entwicklungsfähig ist, und er bringt ihm auch Lesen und Schreiben bei.

Der Junge (Sebastian, Wastl)

Er ist seit seiner Geburt geistig behindert und lebt am Bauernhof seiner Eltern. Während seiner Jugend hat er niemals Zuneigung und Liebe erfahren. Für seine Eltern ist er nur ein nutzloser Esser. Als sich der Alte seiner annimmt, erfährt er erstmals Liebe und Zuneigung. Dem Jungen wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert.

Möllinger-Bäuerin (Mutter)

Die Bäuerin bringt keinerlei Verständnis für die Behinderung ihres Sohnes auf. Sie beschimpft ihn als „unnützlichen Fresser“, „Missgeburt“ und als „verreckten Krüppel“ (in seiner Anwesenheit). Körperliche Züchtigung durch Schläge stellt für sie das beste Erziehungsmittel für den „Nichtsnutz“ dar. Sie hat kein Verständnis für die Behinderung ihres Sohnes. „Hass“ ist das Einzige, was ihm die Mutter entgegenbringt. Sie empfindet die Existenz des Kindes als eine „Strafe Gottes“.

Wirt (Bürgermeister)

Er will, dass Sebastian nicht mehr mit dem Alten ins Gasthaus kommt. Der Mann ist ein egoistischer Politiker und sehr oberflächlich. Für ihn zählt ausschließlich der ökonomische Nutzen.

Lois (1. Gast)

Er hat kein Problem mit dem Jungen und sieht ein, dass er lernfähig und nett sein kann. Er versucht auch dem Alten und Sebastian zu helfen, doch das missglückt.

Adi (2. Gast)

Er hat etwas gegen den Jungen und meint, dass Wastl sich schlecht auf den Tourismus auswirke, weil er die Leute abschrecke. Für Adi ist der Tourismus weitaus wichtiger als Sebastian. Außerdem will er den Jungen nicht im Gasthaus sehen, weil dieser die Gäste verscheuche. Adi sieht den Jungen als „Fremdenverkehrsschädigung“.

Gendarm

Der Gendarm verhält sich neutral und versucht die Probleme mit dem Jungen zu lösen.

Deutscher Gast

Tourist, verhält sich nicht wirklich auffällig. Will seine Frau beruhigen.

Elfriede (Ehefrau des deutschen Gastes)

Hat ebenfalls ein Vorurteil gegen den Jungen.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitterer wurde zu dem Stück in einem Tiroler Fremdenverkehrsort im Jahre 1974 inspiriert. Dies geschah, als eine Mutter mit ihrem behinderten Kind aus einem Gasthaus gewiesen wurde, da der Wirt befürchtete, dass sein Geschäft unter diesem Anblick leiden würde. Das Werk spielt in den späten 1970er Jahren in einem kleinen Dorf in Tirol. Das Hauptthema des Werkes ist die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Behinderten und die Frage, ob sie diese als vollwertige Mitmenschen betrachten. Er möchte mit seinem Stück die Diskriminierung behinderter Menschen in den 1970er Jahren zeigen. Weiters versucht der Autor den Leser daran zu erinnern, dass es unter uns Menschen gibt, die besondere Hilfe brauchen. Menschen, die alleine nicht mit ihren Problemen klarkommen. Eines der Hauptziele seines Werkes ist jedoch, den Leser zu schockieren. Oft wird ein Mensch nur für vollwertig gehalten, wenn er irgendeine sinnvolle Tätigkeit oder Arbeit machen kann.

Gegenwartsbezug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute hat sich die Meinung der meisten Menschen über Behinderte geändert, dennoch sehen viele Menschen Behinderte als Nichtsnutz oder einen Menschen, der weniger wert ist. Deswegen ist das Stück auch heute noch durchaus aktuell.

Textausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]