Keltern (Baden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Keltern
Keltern (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Keltern hervorgehoben
48.9008333333338.5758333333333195Koordinaten: 48° 54′ N, 8° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 195 m ü. NHN
Fläche: 29,83 km²
Einwohner: 9043 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 303 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75210
Vorwahlen: 07236, 07082 (Niebelsbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 070
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Weinbergstraße 9
75210 Keltern
Webpräsenz: www.keltern.de
Bürgermeister: Steffen Bochinger (parteilos)
Lage der Gemeinde Keltern im Enzkreis
Birkenfeld Eisingen Engelsbrand Friolzheim Heimsheim Illingen Ispringen Kieselbronn Knittlingen Knittlingen Knittlingen Knittlingen Maulbronn Mönsheim Mühlacker Neuenbürg Neuhausen Niefern-Öschelbronn Ötisheim Sternenfels Tiefenbronn Wiernsheim Wimsheim Wurmberg Wurmberg Keltern Remchingen Straubenhardt Neulingen Kämpfelbach Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Königsbach-SteinKarte
Über dieses Bild

Keltern ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Keltern liegt am Rande des Nordschwarzwaldes in 190 bis 270 Meter Höhe in einer Hügellandschaft, nahe der Großstädte Pforzheim (8 km) und Karlsruhe (25 km). Der Nordschwarzwald endet 8 km südlich von Keltern in der Gemeinde Straubenhardt. In Keltern geht der Tannenwald in Laubwald über. Das relativ milde Klima in Keltern ist durch das Rheintal bei Karlsruhe sowie durch das Pfinztal geprägt. Dadurch kann in Keltern Wein angebaut werden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Keltern besteht aus den fünf Ortsteilen Dietlingen (3865 Einwohner), Ellmendingen (2427 Einwohner), Weiler (1346 Einwohner), Niebelsbach (970 Einwohner) und Dietenhausen (381 Einwohner) (Stand: 30. Juni 2015).[2] Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt in der Form „Keltern-…“.[3]

Zu den Ortsteilen Dietenhausen, Ellmendingen, Niebelsbach und Weiler gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Dietlingen gehören das Dorf Dietlingen und die Häuser Gauchhälde, Im Fuchsloch und Reihelberg. Im Ortsteil Dietenhausen liegt die Wüstung Delebrunnen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmalige urkundliche Berührungen der Ortsteile Ellmendingen sowie Dietenhausen werden auf das Jahr 919 datiert. Aus dem 11. Jahrhundert entspringt zudem eine Nennung des Ortsteils Dietlingen. Relikte einer einstigen Wehrkirche im Dietlingen-Quartier, die 1410 adäquat des gotischen Stils umgestaltet wurde, stammen aus dem Jahr 1250. Ferner war das Schloss von Weiler bereits im 18. Jahrhundert in zerstörter Form existent. Die Steinsubstanz des einstigen Schlosses wurde im Jahr 1770 teils zum Kirchenbau genutzt.

Ferner erfolgte im 16. Jahrhundert der Bau des Ellmendinger Kelters, welcher bis zum Jahr 1937 als Kelterstelle fungierte. Ein Neubau, der 1939 eröffnet wurde, übernahm die Funktion des Vorgängerbaus. Diverse weitere Keltern, die dem Weinbau dienten, wurden in den Ortsteilen Dietlingen, Niebelsbach und Dietenhausen errichtet.[5]

Von 1901 bis 1967 wurden die Ortsteile Kelterns durch die am Berg verlaufende, Panoramabahn genannte, 1911 zur Pforzheimer Kleinbahn gewordene Bahnstrecke der Albtalbahn verkehrlich verbunden. Die Gemeinde Keltern wurde am 30. März 1972 durch Vereinigung der Gemeinden Dietlingen, Ellmendingen, Niebelsbach und Weiler gebildet. Bereits am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Dietenhausen nach Ellmendingen eingemeindet.

Ortsteile[Bearbeiten]

Dietenhausen[Bearbeiten]

Dietenhausen
Dietenhausen ist der kleinste Teilort von Keltern.

Der Ort hieß bei seiner ersten Erwähnung im Jahre 919 Theotelenhusen. Bis ins 17. Jahrhundert waren die Herrschaftsverhältnisse der Gemeinde sehr kompliziert. Die Zisterzienserabtei Herrenalb und die Junker von Enzberg hatten Rechte am Ort. Durch die Reformation des Klosters im Jahr 1536 bekam Württemberg die Ortsherrschaft. Die Markgrafschaft Baden beherrschte den Ort ab 1603. Erst gehörte Dietenhausen zum Amt Langensteinbach, dann zum Amt Stein. Ab 1803 dann zum Oberamt, danach zum Bezirksamt und 1936 bis 1972 zum Landkreis Pforzheim.

Dietlingen[Bearbeiten]

Dietlingen
Dietlingen ist wohl im 11. Jahrhundert gegründet worden. Die evangelische Kirche wurde um 1250 errichtet und um 1410 erneuert.

Zwischen 1771 und 1801 war Dietlingen neben Bahlingen und Teningen eines der Musterdörfer in der Markgrafschaft Baden, in dem das ökonomische System des Physiokratismus eingeführt wurde. Es war der weltweit einzig bekannte Versuch der Einführung dieser Wirtschaftstheorie, zu dessen Anhängern in Deutschland der Nationalökonom Johann August Schlettwein gehörte, der den Markgraf Karl Friedrich von diesem System überzeugt haben soll.

Die zentrale These des Physiokratismus, der in Frankreich entworfen wurde, lautet, dass die Landwirtschaft die einzige Quelle des Reichtums sei und die Wertschöpfung nur in diesem Wirtschaftssektor erfolge.

In Dietlingen begann der Versuch 1770 und wurde nach einer Modifikation (1795) im Jahre 1801 definitiv abgebrochen. In Bahlingen und Teningen (am Kaiserstuhl) begann der Versuch, bei dem unter anderem die sogenannte „Einsteuer“ (impôt unique) eingeführt wurde, 1771 und wurde bereits 1776 wieder beendet.[6]

  • Dietlingen ist Kelterns größter Ortsteil mit 3870 Einwohnern.
  • Dietlingen besitzt eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Ellmendingen[Bearbeiten]

Ellmendingen
Ellmendingen wurde erstmals 919 unter dem Namen Alsmindiga in Schriften des Klosters Reichenau urkundlich erwähnt. Der Grundstein für die Kirche wurde am Fronleichnamstag 1404 gelegt.
  • Ellmendingen ist Kelterns zweitgrößter Ortsteil.
  • Ellmendingen besitzt eine Grundschule.
  • Ellmendingen ist der Verwaltungssitz der Gemeinde.
  • Ellmendingen war Sitz der Weinbaugenossenschaft Keltern-Ellmendingen eG (aufgelöst 2015).

Niebelsbach[Bearbeiten]

Niebelsbach
Niebelsbach entstand 1927 durch den Zusammenschluss der Orte Oberniebelsbach und Unterniebelsbach.
  • Niebelsbach ist der einzige Ortsteil, der zu Württemberg gehört.
  • Erste Erwähnung fand Nibelzpach um 1300.

Weiler[Bearbeiten]

Weiler
Weiler wurde erstmals 1219 urkundlich erwähnt.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1972–2004: Wolfgang Gehring
  • 2004–2013: Ulrich Pfeifer
  • seit 2013: Steffen Bochinger

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Keltern führte zu folgendem amtlichen Endergebnis[7]. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,38 % (2009: 49,6 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2009
CDU 28,53 % 5 28,37 %, 5 Sitze
FWG 27,64 % 5 27,80 %, 5 Sitze
SPD 23,18 % 4 27,27 %, 5 Sitze
Grüne 20,64 % 4 14,37 %, 3 Sitze
Wir in Keltern 0,0 % 0 2,19 %, 0 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wird in der Genehmigung des Innenministeriums vom 11. Juli 1973 wie folgt beschrieben:

„In im Göbelschnitt geteiltem Schild, im 1. Feld in Silber eine blaue Traube, im 2. Feld in blau ein silberner Pokal, im 3. Feld über goldenem Schildfuß ein goldenes Keltergebäude mit den Dachseiten an der Schnittlinie, darin in Schwarz eine goldene Traubenpresse.“

Verkehr[Bearbeiten]

Keltern wird von der L562 durchquert. Dies ist neben der B10 die südliche Hauptverbindungsstrecke zwischen Karlsruhe/Ettlingen und Pforzheim. Die nächsten Autobahnanbindungen befinden sich in Karlsbad und Pforzheim-West: BAB8 Richtung BAB5 Dreieck Karlsruhe und BAB81 Leonberger Dreieck sowie Stuttgarter Kreuz in jeweils 10 min Entfernung. Die Autobahn BAB5 Richtung Basel/Schweiz kann auch direkt über die Auffahrt Ettlingen/Karlsruhe Süd erreicht werden.

Die nächsten Fernverkehrsbahnhöfe sind in Pforzheim und Karlsruhe mit Anschluss an das ICE-Netz und den französischen TGV nach Paris bzw. Lyon und Marseille. In der nördliche Nachbargemeinde Remchingen besteht Anschluss an die S5 des Karlsruher Verkehrsverbundes Richtung Karlsruhe und Pforzheim. Hier ist auch der nächste Bahnhof der DB AG zur Regionalbahn R5 nach Karlsruhe oder Stuttgart. In der westlichen Nachbargemeinde Karlsbad besteht Anschluss an die S11 in Ittersbach und Langensteinbach nach Karlsruhe über Ettlingen.

Der ÖPNV wird in Keltern vom VPE (Verkehrsverbund Pforzheim betrieben). Die Buslinien 720, 721, 722 binden alle Ortsteile an Pforzheim und die Nachbargemeinden an.[8] [9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Basketball[Bearbeiten]

Als kleine Gemeinde ist Keltern Standort der Basketball–Damenmannschaft Grüner Stern Keltern, die in der Bundesliga spielt. Der Verein steht seit über 30 Jahren in der Region für diesen Sport. Seit den 2010er Jahren spielt die 1. Damen-Mannschaft des GSK in der 2. Bundesliga Süd (DBBL) und schaffte in der Saison 2014/2015 den Aufstieg in die Bundesliga. In der Saison 2015/2016 spielen die Damen in der 1. Bundesliga (DBBL) als Rutronik Stars Keltern um die deutsche Meisterschaft. Der GSK und die Bundesligamannschaft Rutronik Stars sind heute eine Abteilung des FC Nöttingen aus der Nachbargemeinde Remchingen. Die Herren-Basketballer spielten zu ihren besten Zeiten um die Jahre 2010 in der Oberliga-West, Baden-Württemberg.

Bauwerke[Bearbeiten]

In Ellmendingen und Dietlingen sind Wehrkirchen im gotischen Stil aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Die Barbarakirche in Ellmendingen hat besondere Fenster mit „biblischen Verkehrszeichen“. Im Ort steht auch eine Kelter aus dem 16. Jahrhundert. Erwähnenswert ist auch noch die herrlich gelegene Pankratiuskapelle in Niebelsbach, die ebenfalls im 15. Jahrhundert erbaut noch heute über ihr altes, handgeschnitztes Gestühl verfügt.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Umgebung von Keltern
Blick auf Dietlingen vom Nordrandweg (Schwarzwald) Richtung Süden

Tannen- und Mischwälder bilden mit zusammen 940 Hektar die Hälfte der Gemarkungen. Aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit, des typischen Streuobstbestandes und seltener Pflanzen sind weite Flächen als Landschafts- und Naturschutzgebiete ausgewiesen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass in Keltern von mehreren Winzern auf rund 35 ha Wein erzeugt und zum größten Teil auch vor Ort vermarktet wird. Typisch sind Spätburgunder (pinot noir), Schwarzriesling (pinot meunier) als Rotweine, sowie Rivaner und Weiße Burgunder-Sorten als Weißweine. Die beiden größten Winzer im Ort wirtschaften im übrigen nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaus und bieten ihre Weine mit dem Ecovin Logo an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Keltern (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. „Keltern – Daten und Fakten von Keltern“
  3. Hauptsatzung der Gemeinde Keltern vom 7. Dezember 1993, zuletzt geändert am 14. März 2006 (PDF); abgerufen am 20. August 2008.
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 540–542.
  5. Geschichte von Keltern „keltern.de“-Internetauftritt, abgerufen am 16. Juli 2013.
  6. Hans Werner Holub: Eine Einführung in die Geschichte des ökonomischen Denkens, Band 3. Lit Verlag, Wien 2006, ISBN 3-8258-9230-1, S. 92 ff. (Google Books).
  7. Kommunalwahldaten 2014 des Statistischen Landesamtes
  8. http://www.vpe.de/fahrplan/subfahrplan/fpneu/regional.html Abgerufen 9. Januar 2016
  9. http://www.vpe.de/fahrplan/subfahrplan/linienunduebersichtsplaene.html Abgerufen 9. Januar 2016