Kemenate

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Eine Kemenate (auch Kemnad; lateinisch caminus, -i, m. = Ofen, Feuerstätte, Kamin | caminata, -ae, beheizbarer Wohnraum) ist ein Kaminraum.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühe „burgenkundliche“ Literatur des 19. Jahrhunderts sah in der Kemenate einen mittels Kamin oder Kachelofen beheizbaren Wohn- und Arbeitsraum in einer Burg (althochdeutsch cheminâta, mittelhochdeutsch kemnâte, begriffsverwandt mit frz. cheminée, engl. chimney, russisch komnata).

Während der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts wurde der Terminus Kemenate in Zusammenhang mit dem Minnesang und Idealbildern von mittelalterlichen Burgen gebracht. Zwar war die Kemenate als - oft einziger - beheizbarer Raum (oder Trakt) wohl zumeist den adligen Burgherren und ihren Familien (und vermutlich auch Kranken) vorbehalten, doch wurde sie nun im Sinne von Frauengemach interpretiert.

Trotz dieser neuen Sinngebung des Begriffes Kemenate ist der Begriff im 14./15. Jahrhundert quellenkundlich belegt und bezeichnet dort einen Wohnbau. Derzeit kann allerdings keine in den Schriftquellen erwähnte Kemenate einem heute noch existierenden Bau (oder Raum in einer realen Burg) zugeordnet werden. Die Burgenforschung bezeichnet heute als Kemenate einen massiven, zumindest in Teilen (etwa einer eingebauten Bohlenstube) beheizbaren Steinbau. Als solcher fungierte auf einer mittelalterlichen Burg zumeist der mehrgeschossige Wohnturm oder - falls die Burg nur über einen unbewohnbaren Wehrturm, einen Bergfried, verfügte - ein separater Steinbau.

Der Duden definiert Kemenate zudem heute auch als umgangssprachlichen, scherzhaften Ausdruck für einen „intimen kleinen Raum, den jemand als seinen eigenen persönlichen Bereich hat“.[1]

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die thüringisch-sächsischen Breitwohntürme verschiedener Burgen tragen heute meist den historisch gewachsenen Namen Kemenate, so die Kemenaten Orlamünde, Reinstädt, Ziegenrück oder Schwallungen. Diese Burgen bestanden bei ihrer Gründung wohl meist nur aus diesen Wohntürmen mit einer kurzen und einer langen Grundrissseite. Sie dienten als Turmburg oder bewohnbarer Wartturm. Später wurden sie oft weiter ausgebaut, wie beim oberfränkischen Schloss Thurnau.

Im Spätmittelalter wurden vermehrt – oft im Zusammenhang mit der Aufgabe älterer Burgen – Wohntürme ohne weitere Befestigungsanlagen oder kleine Turmburgen im Stile der Breitwohntürme bzw. Kemenaten errichtet. Beispiele hierfür sind die Burg Kempe in Breitenbach (Sachsen-Anhalt), nach Aufgabe der Reichsburg Breitenbach, oder das „Gotische Haus“ in Burgheßler, nach Schleifung der örtlichen „Burg Hessler“, sowie die sächsischen Ruinen Burg Kempe und Burgstein.

Die Bezeichnung allein erlaubt aber keine Rückschlüsse auf die Nutzung oder die Art der Heizung. Eine caminata in den Quellen muss unabhängig vom Bezug auf reale Räume oder soziale Unterscheidungen allgemein als beheizbarer Raum des hohen und späten Mittelalters verstanden werden. Gewiss ist, dass immer nur ein einzelner Raum (oder höchstens wenige Räume) beheizt wurden, niemals das gesamte Gebäude.

Ein zweiter Typ von Kemenaten findet sich in mittelalterlichen Städten. Hier verfügten die Wohnhäuser wohlhabender patrizischer Kaufleute, die als Fachwerkbauten an der Straße standen, gelegentlich über kleinere Hinterhäuser, die aus Bruchsteinen auf quadratischem Grundriss errichtet und im Obergeschoss beheizbar waren. Sie waren unterkellert und mit der namensgebenden Feuerstelle ausgestattet. Diese massiv steinernen Hinterhäuser waren weniger feuergefährdet als die aus Holz, Lehm und Stroh errichteten repräsentativen Vorderhäuser. Sie dienten dem Rückzug der Familie in der kalten Jahreszeit und oft war in ihnen auch die Rauchküche untergebracht.

In Braunschweig sind solche Kemenaten seit dem ausgehenden 11. bis ins 15. Jahrhundert archäologisch belegt. Am Ende dieser Periode dürfte es dort etwa 150 gegeben haben, von denen bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch etwa 100 existierten. Heute gibt es noch die Jakob-Kemenate (im Kern um 1250) und die Kemenate Hagenbrücke (ebenfalls 13. Jh.), beide heute als Kulturräume saniert und genutzt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.duden.de/rechtschreibung/Kemenate
  2. Was ist eine Kemenate? In: Monumente 1 (2018), S. 34 f.