Kenneth Goldsmith

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Kenneth Goldsmith (* 1961 in Freeport, Long Island, Bundesstaat New York, USA) ist ein US-amerikanischer Dichter, Hochschullehrer und Autor. Er gilt als Erfinder des "unkreativen Schreibens".[1]

Familiärer und beruflicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldsmith stammt aus einer jüdisch-russischen Familie, die ursprünglich Goldschmidt hieß.[2]

Goldsmith studierte an der Rhode Island School of Design das Fach Bildhauerei, das er 1984 mit einem Bachelorexamen abschloss. Danach arbeitete er circa zehn Jahre lang als darstellender Künstler und fertigte Holzskulpturen an.[2]

Goldsmith lebt mit seiner Frau, der Konzeptkünstlerin Cheryl Donegan, und zwei Söhnen in New York City.

Arbeit als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Printing out the Internet" von Kenneth Goldsmith 2013

1993 kam er erstmals mit einem Computer in Kontakt, wodurch seine Arbeit beeinflusst werden sollte. Inspiriert zu seiner Methode des "unkreativen Schreibens" wurde Goldsmith durch das Internet. Dieses Medium basiert im Grunde auch nur auf Text, respektive Code, und verwandelt diesen in Text, Sound, Bild und Film.[2]

„Nie zuvor hat Sprache so viel Materialität besessen – so viel Fluidität, Formbarkeit, Geschmeidigkeit – die geradezu danach schreit, vom Schreibenden aktiv verwaltet zu werden.“

Kenneth Goldsmith: Süddeutsche Zeitung [2]

Als Schlüsselerlebnis nennt er ein Versehen, als er fremden Text aus dem Browserfenster in seine Word-Datei kopiert hatte.[2][3] Daraus entwickelte er die Methode des "unkreativen Schreibens". Nach dieser Methode muss man keine eigenen Texte schreiben, um Kunst zu produzieren. Man nimmt einen bereits vorhandenen Text und stellt ihn in einen neuen Kontext; das sogenannte "Reframing". Goldsmith findet, dass nach dieser Methode jeder Text poetisches Material sein kann. Das Urheberrecht hält Goldsmith für veraltet. Er legt alle Quellen offen.[4]

Goldsmith produziert bevorzugt Bücher, die er im herkömmlichen Sinne nicht selbst geschrieben hat. Sie basieren auf der Grundlage des unkreativen Schreibens. Darunter beispielsweise die vollständige Abschrift einer Ausgabe der New York Times, erschienen als 836-Seiten-Band unter dem Titel Day.[1] Des weiteren transkribierte er Wetterberichte, Verkehrsnachrichten und einen Radiobericht über ein Baseballspiel.

1998 beauftragte Goldsmith am Bloomsday den Sänger und Sprecher Theo Bleckmann eine Interpretation seines Werks Fidget im Whitney Museum of American Art vorzutragen. 2011 war er Teil einer Veranstaltung vor Barack Obama und Gattin im Weißen Haus in Washington, D. C. mit dem Titel Celebration of American Poetry.

2013 lud Goldsmith jedermann über das Internet dazu ein, Beiträge per Internet an eine Kunstgalerie in Mexiko-Stadt zu senden. Die dort in der Zeit vom 26. Juli 2013 bis zum 31. August 2013 eingegangenen Beiträge wurden von Goldsmith anschließend ausgedruckt. Das Projekt trug den Namen Printing Out the Internet [5] (zu deutsch: Das Internet ausdrucken) und ergab mehr als zehn Tonnen bedruckten Papiers.[1]

Akademischer Lehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldsmith lehrt seit 2003[1] am Center for Programs in Contemporary Writing der University of Pennsylvania. Seine Kurse heißen Nichtkreatives Schreiben, Interventionistisches Schreiben oder "Wie man im Internet Zeit verschwendet".[1] In Zusammenarbeit mit dem Institute of Contemporary Art in Philadelphia lehrte er den Kurs Writing Through Art and Culture. Im letztgenannten Kurs werden die Teilnehmer dazu angeregt, Werkzeuge wie Aneignung/Appropriation, Raub, Diebstahl, Betrug und anderes zu benutzen.

2010 war Goldsmith Gastprofessor im Rahmen The Anschutz Distinguished Fellow Professorship an der Princeton University in Princeton, New Jersey.

Kunstarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldsmith gründete 1996[6] das Online-Kunstarchiv UbuWeb. Es begann als Webseite für Konkrete Poesie. Sie wurde erweitert um Audio- und Videomaterial. Die Künstler werden nicht um Genehmigung gefragt, noch erhalten sie Geld dafür. Mit einigen Zehntausend Werken ist UbuWeb 2017 größer als die digitale Sammlung des Museum of Modern Art.[3]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fidget. Coach House Books, 2000.
  • Sololiquy. Granary Books, New York City, USA 2001, ISBN 1-887123-53-9.
  • Day. The Figures, 2003.
  • The Weather; vier Teile: Winter, Spring, Summer, Fall. Make Now, Los Angeles 2005.
  • Traffic. Make Now, Los Angeles 2007.
  • Sports. Make Now, Los Angeles 2008.
  • mit Craig Dworkin: Against Expression. An Anthology of Conceptional Writing. Northwestern University Press, Evanston, Illinois 2011, ISBN 978-0-8101-2711-1.
  • Letter to Bettina Funcke in: 100 Notes, 100 Thoughts/100 Notizen - 100 Gedanken Nr. 17, dOCUMENTA (13), Kassel 2012; Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7757-2866-9.
  • Capital: New York, Capital of the 20th Century. Verso Publishers, New York City 2015, ISBN 978-1-78478-156-9.[7]
  • als Herausgeber: Interviews with Andy Warhol. Verlag Kurt Liebig, Schmieheim 2006, ISBN 3-938715-02-2.
  • Uncreative Writing. Sprachmanagement im digitalen Zeitalter. Matthes & Seitz, Berlin, 2017. ISBN 978-3-95757-252-3. (In der deutschen Ausgabe gibt es ein eigenes Schlusskapitel.)[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Wolfgang Farkas: Es ist alles gesagt. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. Nr. 166. Süddeutsche Verlag, München 21. Juli 2017, Literatur, S. 13.
  2. a b c d e Wolfgang Farkas: Es ist alles gesagt. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. Nr. 166. Süddeutsche Verlag, München 21. Juli 2017, Literatur, S. 13, Sp. 2.
  3. a b Wolfgang Farkas: Es ist alles gesagt. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. Nr. 166. Süddeutsche Verlag, München 21. Juli 2017, Literatur, S. 13, Sp. 3.
  4. Wolfgang Farkas: Es ist alles gesagt. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. Nr. 166. Süddeutsche Verlag, München 21. Juli 2017, Literatur, S. 13, Sp. 4.
  5. Die Kunst befreit uns vom Datenterror in FAZ vom 23. Juni 2014, Seite 11
  6. Kenneth Goldsmith: UbuWeb Resources. All avant-garde. All the time. In: UbuWeb. 2011, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  7. Wenn aus Spiegeln Glas wird in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. November 2015, Seite 67