Kernbuche

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Schrankschublade aus Kernbuche
Rotbuche mit ausgeprägtem Rotkern

Als Kernbuche bezeichnen Tischler das Holz der Buche (Fagus sylvatica), wenn es dunkle, kernholzähnliche, wolkige Verfärbungen aufweist. In der Möbelindustrie ist auch das Synonym Wildbuche verbreitet.

Es handelt sich dabei allerdings nicht um Kernholz im eigentlichen Sinn wie es bei echten Kernholzbäumen wie Eichen oder Lärchen auftritt, sondern um sogenannten Falschkern (Buchenrotkern).

Gewöhnliches Buchenholz bezeichnet der Tischler als Rotbuche, da es einen etwas rötlicheren Ton hat als das Holz der Hainbuche (Carpinus betulus), welches dementsprechend Weißbuche genannt wird. Die Hainbuche ist im botanischen Sinne keine Buche, sondern näher mit Birken und der Haselnuss verwandt, welche ebenfalls ein sehr helles Holz bilden.

Das als Kernbuche bezeichnete Holz hat eine auffällige und lebendigere Maserung als übliches Buchenholz und hat einen deutlich dunkleren Ton. Gewöhnliches Holz der Rotbuche zeichnet sich im Gegenteil gerade durch eine sehr gleichmäßige und unauffällige Maserung aus.

Im Alter zwischen 100 und 140 Jahren kommt es im Stamminnern einiger Rotbuchen zu braunen bis rötlichen, unregelmäßigen Verfärbungen, die nicht wie beim echten Kernholz konzentrisch auftreten und von einem Jahresring umschlossen werden, sondern eine unregelmäßige Begrenzung aufweisen. Die Verfärbungen sind vermutlich Begleiterscheinungen von physiologischen Veränderungen im Stamminneren. Nur die jüngeren Zellen in den äußeren Bereichen des Stamms (Splintholz) werden ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Die inneren Holzschichten des Stammes werden inaktiv. Möglicherweise entstehen die Farbänderung durch Oxidationsvorgänge in den ursprünglich zum Wassertransport dienenden Gefäßen.[1]

Dieser natürliche Veränderungsprozess bildet eine besondere Zeichnung des Holzes. Die teilweise wild wuchernd anmutende Struktur wirkt auf den Oberflächen von Möbeln dekorativ. Veränderungen der Holzeigenschaften wie Festigkeitseinbußen aufgrund der Veränderungen sind nicht bekannt, obwohl die Verfärbung früher als Holzfehler galt.

Da nur alte Buchen und von diesen nur der innere Bereich des Stammes (ca. 10 – 30 % des verwertbaren Holzes) von der Verfärbung betroffen sind, ist das Angebot begrenzt. Eine wachsende Nachfrage in den letzten Jahren macht sich beim Preis bemerkbar.

Früher wurde ein Rotkern an Buchen als Qualitätsnachteil betrachtet. Noch 2001 fiel der Preis in Baden-Württemberg insbesondere bei starken Buchen auf weit unter 50 %, wenn am oberen oder unteren sichtbaren Stammquerschnitt eines gefällten Baumes der Rotkernanteil 30 % überschritt.[2] Zur Herstellung von Bahnschwellen wird Buchenholz mit Farbkern nicht verwendet, da dieser nur schwer zu tränken ist.[3]

Entstehung des Farbkerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oben angeführte Theorie zur Entstehung des Falschkerns wird unter anderem von Hans Heinrich Bosshard in seinem Werk Baumkunde vertreten. Bosshard versucht, die Terminologie wissenschaftlich zu fassen und führt den Begriff „fakultatives Kernholz“ ein. Damit bezeichnet er Baumarten, die unter guten Wuchsbedingungen keinen Farbkern aufweisen, unter bestimmten Umständen jedoch einen gefärbten Kern im Stamminneren ausbilden können. Bosshard nimmt an, dass die Kernbildung bei solchen Holzarten erheblich länger dauert als bei echten Kernholzbäumen (sofern sie überhaupt auftritt).

Neuere Untersuchungen von Alex L. Shigo führen die Entstehung des Falschkerns demgegenüber auf Verletzungen der Rinde und andere Schwächungen der Widerstandskraft zurück, woraufhin bei alten Bäumen Parasiten wie Pilze und Viren in das Gewebe eindringen. Die Farbänderung des Holzes würde dann durch die Verteidigungsmechanismen des Baumes hervorgerufen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schütt, Schuck, Stimm: Lexikon der Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-53-8, S. 169.
  2. Der Rotkern bei großkronigen Buchen (auf waldwissen.net)
  3. Buche auf proholz.at (Memento des Originals vom 16. November 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.proholz.at (aufgerufen am 21. August 2011)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Heinrich Bosshard: Baumkunde. Band I–III. Birkhäuser Verlag, Basel 1970.
  • Alex L. Shigo: Moderne Baumpflege. Grundlage der Baumbiologie. Haymarket Media, 1994, ISBN 978-3-87815-051-0.