Kerndämmung

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Als Kerndämmung wird die volle Dämmung zwischen zwei Mauerwerkswänden bei zweischaligem Außenmauerwerk (Vor- und Hintermauerschale), Konstruktionen mit vorgehängten Betonplatten, Haustrennwänden oder zwischen Sparren (Zwischensparrendämmung) – ohne den ansonsten notwendigen Luftspalt von mindestens 40 mm und ohne Lüftungsöffnungen oben und unten – bezeichnet. Bei der Verarbeitung bleibt der sogenannte „Fingerspalt“ (ca. 1 cm).

Zur Dämmung im Neubau können feste Materialien wie Polyurethan-Hartschaumstoff (PUR/PIR), Stein- oder Mineralwolle, Extrudierter Polystyrol-Hartschaum (XPS), Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS) oder Schüttgut verwendet werden. Für eine nachträgliche Kerndämmung bieten sich Polyurethan- Ortschaum, Stein- oder Glaswolle, Expandierter Polystyrolgranulat (EPS), Silicatleichtschaumgranulat (SLS20), Blähperlite und Aerogel an.[1] Die Dämmstoffe müssen dauerhaft wasserabweisend (hydrophob) sein und der genormten Anwendung der DIN 4108-10 (WZ=Dämmung von zweischaligen Wänden, Kerndämmung) entsprechen. Normativ ist der Schalenabstand auf 150 mm begrenzt. Größere Schalenabstände (derzeit bis 200 mm geregelt) erfordern Luftschichtanker mit bauaufsichtlicher Zulassung.

Die Referenzwerte der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) von U ≤ 0,28 W/m²K lassen sich bereits mit 10 cm Kerndämmung der Wärmeleitfähigkeit 0,035 W/m²K erfüllen. Zur Erfüllung des Passivhaus-Kriteriums (U ≤ 0,15 W/m²K) sind deutlich bessere Wärmedämmstoffe ggf. in Kombination mit erhöhten Schalenabständen erforderlich, z. B. 20 cm Kerndämmung der Wärmeleitfähigkeit 0,032 W/m²K.

Bei einer Kerndämmumg sind nach DIN 1053 Entwässerungsöffnungen im Fußpunktbereich der Außenschale (5000 mm² je 20 m² Wandfläche) anzuordnen. Bei ordnungsgemäß ausgeführtem Verblendmauerwerk sind in der Praxis keine Laufspuren (also kein Wasseraustritt) aus den Entwässerungsöffnungen festzustellen. Bei verputzten Vormauerschalen sind die Entwässerungsöffnungen vor dem Verputzen zu verschließen.

Für die Kerndämmung beim Neubau können Plattendämmstoffe eingesetzt werden.

Die nachträgliche Kerndämmung im Bestand ist mit Einblasdämmstoffen oder Ortschaum möglich. Der Dämmstoff wird dabei durch in die Außenmauer gebohrte Löcher eingebracht. Zu unterscheiden sind dabei rieselfähige und faserige Produkte. Der Einbau rieselfähiger Produkte, z. B. EPS- Granulat, Blähperlit, Silicatleichtschaumgranulat und Aerogel, erfordert wenige und kleine Einblaslöcher. Die Materialien verteilen sich sehr gut in den Hohlschichten. Prädestiniert sind diese Produkte für die Dämmung schmaler Hohlschichten (bis 5 cm), zur Optimierung hinterlüfteter Fassaden und Nachdämmung von vorgehängten Waschbetonfassaden mit hinterlüfteter Kerndämmung. Da es jedoch zu Durchrieselungen kommen kann, sollten undichte Stellen vor der Maßnahme mittels einer Nebelmaschine ausfindig gemacht und abgedichtet werden. Bei größeren Hohlschichten können faserige Produkte, z. B. Stein- und Glaswolle verwendet werden. Diese sind kostengünstiger und verhaken sich untereinander und mit dem Mauerwerk. Durchrieselungen stellen von daher keine Gefahr dar.[1]

Für Vor- und Nachteile einer nachträglichen Kerndämmung in zweischaliges Mauerwerk (Einblasdämmung) gibt es entsprechende Argumente:

Pro:

  • das Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems auf ein hohlschichtiges Mauerwerk ist nahezu wirkungslos
  • preiswert gegenüber nachträglich außen aufgebrachter Dämmschicht mit Verblendung ((i. d. R. Putz, Klinker oder Holz); WDVS), d. h. kürzere Amortisationszeiten
  • kurze Bauzeiten, oft 1-2 Tage bei einem 1-2 Familienhaus
  • es geht weder Wohnraum verloren noch ändert sich die Optik des Hauses.

Contra:

  • Die Dämmstoffdicke ist auf die Breite des vorhandenen Zwischenraums im zweischaligen Außenmauerwerk (z. B. 8 cm) begrenzt, gegebenenfalls sollte mit Hochleistungsdämmstoffen wie Aerogel oder Polyurethan- Ortschaum gearbeitet oder zusätzlich ein WDVS angebracht werden
  • Wärmebrücken wie Fensterlaibungen, Maueranker oder gemauerte Verbindungen des zweischaligen Mauerwerks werden mit WDVS besser eliminiert, hier sollte über das zusätzliche Anbringen eines WDVS nachgedacht werden
  • Sollte es zu einem Wassereintritt in die Dämmschicht kommen, z. B. durch Bruch eines in der Wand liegenden Rohres, wird sich die Trocknung schwierig gestalten - insbesondere bei Verwendung von Mineralwolle wegen der Kapillareffekte
  • Bei späteren Wanddurchbrüchen oder Arbeiten am Mauerwerk wird frei fließende Einblasdämmung, wie EPS-Kügelchen, auslaufen, so dass die Einblasdämmung danach teilweise ersetzt werden muss.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Drewer, A., Paschko, H., Paschko, K., Patschke, M.: Wärmedämmstoffe: Kompass zur Auswahl und Anwendung, Verlagsges. Müller, 2013, ISBN 978-3-481-03094-0, S.89 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nachträgliche Kerndämmung ohne Risiko (PDF; 1,1 MB). Ergebnisse des 2. Info-Kreis Bausanierung am 4. Februar 2000 - im Rahmen des Impulsprogramms Wärmetechnische Gebäudesanierung in Schleswig-Holstein.
  • Drewer, A., Paschko, H., Paschko, K., Patschke, M.: Wärmedämmung: Kompass zur Auswahl und Anwendung. Verlagsges. Müller, 2013, ISBN 978-3-481-03094-0, S. 89 ff.