Kernenergie in Italien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kernkraftwerke in Italien:
Green pog.svg Stillgelegt Black pog.svg Bau eingestellt

Derzeit (Stand September 2021) werden in Italien keine Kernkraftwerke mehr betrieben.[1] Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. In der Folge wurden die letzten beiden Kernkraftwerke, die 1986 bzw. 1987 abgeschaltet wurden, am 1. Juli 1990 offiziell stillgelegt[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien begann 1946 mit der Nuklearforschung. Die ENEA wurde 1960 gegründet.[3] Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1963 beim Kernkraftwerk Latina in Betrieb.

Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien am 8. November 1987 eine Volksabstimmung, mit der der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde. Die letzten beiden Kernkraftwerke, die noch in Betrieb waren, wurden am 1. Juli 1990 offiziell stillgelegt. Ein Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke, das ursprünglich von 1987 bis 1993 galt, wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Forschungsreaktoren Ispra-1 und ESSOR in der Gemeinsamen Forschungsstelle in Ispra wurden ebenfalls nach Tschernobyl offiziell stillgelegt, abgeschaltet, waren sie bereits seit 1986 bzw. 1987[4].

Die SOGIN (Società Gestione Impianti Nucleari) wurde 1999 gegründet, um die endgültige Stilllegung der Kernkraftwerke zu übernehmen.[3]

Im Oktober 2005 gab Altero Matteoli, damals Umweltminister der damaligen Mitte-rechts-Regierung, die Absicht der Regierung kund, die Kernenergie wiedereinzuführen und sie innerhalb von 10 bis 15 Jahren zur wichtigsten Stromquelle zu machen.[5] Ein halbes Jahr später, bei den Parlamentswahlen am 9. und 10. April 2006, kam Romano Prodi an die Regierung.

Die im April 2008 erneut gewählte Mitte-rechts-Regierung („Berlusconi IV“) setzte sich für eine Wiedereinführung der Kernenergie ein. Der Industrieminister Claudio Scajola gab am 22. Mai 2008 bekannt, Italien werde bis zum regulären Ende der Legislaturperiode (2013) mit dem Bau mehrerer moderner Atomkraftwerke beginnen.[6] Mit der französischen Regierung wurde am 24. Februar 2009 vereinbart, in Italien vier neue KKW vom Typ 'EPR zu bauen.[7] Gegen alle geplanten Standorte gab es Widerstände und Bedenken:[8]

  • gegen das erdbebengefährdete Chioggia (30 km Luftlinie von Venedig entfernt).
  • gegen Monfalcone (Friaul, 25 km nordwestlich von Triest),
  • gegen Caorso in der Region Emilia-Romagna (auf halber Strecke zwischen Mailand und Bologna)[9] und
  • gegen Trino Vercellese (im Piemont, 50 km östlich von Turin).

Der italienische Energiekonzern Enel beteiligte sich am 30. November 2007 mit 12,5 % am zweiten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) (Kernkraftwerk Flamanville – 3 in Frankreich).[10]

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi beschloss das italienische Kabinett (in Italien: „Ministerrat“) unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi im März 2011, einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ein weiteres Jahr auszusetzen;[11] am 12. und 13. Juni 2011 lehnten bei einer Volksabstimmung mit 57 % Wahlbeteiligung 94,1 % der Abstimmenden den Wiedereinstieg ab.[12][13][14]

Liste der Kernreaktoren in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Kernkraftwerke in Italien (Quelle: IAEA, Stand: Dezember 2019)[15]
Name Block
Reaktortyp Modell Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Baubeginn Erste Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb

Abschal-
tung

Einspeisung
in TWh
Caorso 1 BWR BWR-4 (Mark 2) Stillgelegt 860 882 01.01.1970 23.05.1978 01.12.1981 01.07.1990, de facto 1986 27,73
Enrico Fermi 1 PWR WH 4LP Stillgelegt 260 270 01.07.1961 22.10.1964 01.01.1965 01.07.1990, de facto 1987 24,31
Garigliano 1 BWR BWR-1 Stillgelegt 150 160 01.11.1959 01.01.1964 01.06.1964 01.03.1982 12,25
Latina 1 GCR MAGNOX Stillgelegt 153 160 01.11.1958 12.05.1963 01.01.1964 01.12.1987, de facto 1986 25,49


Liste der Kernkraftwerke in Italien, deren Bau eingestellt wurde
Name Block
Reaktortyp Modell Status Netto-
leistung
in MW
Brutto-
leistung
in MW
Baubeginn Erste Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb

Abschal-
tung

Einspeisung
in TWh
CIRENE 1 HWLWR - Bau eingestellt 35 40 1979-01-01 01.01.1979 - - - -
Montalto di Castro 1 SWR - Bau eingestellt 982 1.009 1979-01-01 01.07.1982 - - - -
2 SWR - Bau eingestellt 982 1.009 1979-01-01 01.07.1982 - - - -

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kernenergie in Italien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Italy. IAEA - Power Reactor Information System (PRIS), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  2. https://pris.iaea.org/PRIS/CountryStatistics/ReactorDetails.aspx?current=327
  3. a b Nuclear Power in Italy. World Nuclear Association (WNA), abgerufen am 7. Januar 2018 (englisch).
  4. https://pris.iaea.org/PRIS/CountryStatistics/ReactorDetails.aspx?current=327
  5. Einige Beobachter hielten bzw. halten dies für eine Wahlkampfaussage. Dazu ein Zitat aus dem wikipedia-Artikel über Silvio Berlusconi: „Die italienischen Unternehmensverbände übten offene Kritik an der Wirtschaftspolitik der vergangenen fünf Jahre, die fast zu einem Nullwachstum (0,1 Prozent im Jahre 2005) geführt hatte. Ihrer Meinung nach drohte Italien aus der Gruppe der G8-Länder herauszurutschen. Berlusconi bezeichnete die Vorwürfe als absurd und warnte wiederum vor den Gefahren einer ‚kommunistischen‘ Machtübernahme durch das Mitte-links-Bündnis. Der Wahlkampf war von einer starken verbalen Radikalisierung geprägt.“
  6. Italien setzt wieder auf Atomkraft. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Mai 2008.
  7. Franzosen bauen Kernkraftwerke in Italien
  8. www.wirtschaftsblatt.at 17. März 2011 – Protest gegen Berlusconis Atom-Pläne (Memento vom 2. Januar 2016 im Internet Archive)
  9. 29. Mai 2012: Mehrere Erdbeben binnen Stunden in Norditalien
  10. udo-leuschner.de
  11. 23. März 2011, diepresse.com: Italien setzt Atom-Wiedereinstieg um ein Jahr aus.
  12. Schwere Niederlage für Berlusconi in Atom-Abstimmung. (Memento vom 16. August 2011 im Internet Archive) In: Financial Times Deutschland. 13. Juni 2011.
  13. Italien stimmt gegen Atomkraft – und gegen Berlusconi. In: FAZ. 13. Juni 2011.
  14. Speciale elezioni 2011. In: La Repubblica. abgerufen am 16. Juni 2011.
  15. Italy. IAEA, abgerufen am 5. Dezember 2019 (englisch).