Kernkraftwerk Beznau

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Kernkraftwerk Beznau
Kernkraftwerk Beznau
Kernkraftwerk Beznau
Lage
Kernkraftwerk Beznau (Kanton Aargau)
Kernkraftwerk Beznau
Koordinaten 659402 / 267132Koordinaten: 47° 33′ 8″ N, 8° 13′ 40″ O; CH1903: 659402 / 267132
Land: Schweiz
Daten
Eigentümer: Axpo AG
Betreiber: Axpo AG
Projektbeginn: 1965
Kommerzieller Betrieb: 1. Sept. 1969

Aktive Reaktoren (Brutto):

2  (760 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2009: 5'825,801 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 207'860,875 GWh
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
f1

Das Kernkraftwerk Beznau, kurz KKB, befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Döttingen (Kanton Aargau, Schweiz) auf der künstlichen Aare-Insel Beznau.

Das KKB besteht aus zwei identischen Blöcken (Beznau 1 und 2) mit Druckwasserreaktoren von Westinghouse mit je 365 MW elektrischer Leistung. Gekühlt wird mit Wasser aus der Aare. Das Kernkraftwerk erzeugt rund 5 Milliarden kWh Elektrizität pro Jahr und versorgt – mit einem Teil der Abwärme – über die Refuna (Regionale Fernwärme Unteres Aaretal)[1] acht umliegende Gemeinden mit rund 170 Millionen kWh Fernwärme pro Jahr. Beide Kernreaktoren zählen zu den dienstältesten der Welt.[2]

Eigentümer und Betreiber des KKB ist die Axpo AG (bis zur Umbenennung 2009 Nordostschweizerische Kraftwerke NOK).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NOK begannen 1957 mit der Planung für ein Grosskraftwerk und entschieden sich 1964 für die Option Kernenergie. 1969 nahm Beznau 1 nach vier Jahren Bauzeit den Betrieb auf. 1971 ging der baugleiche Block Beznau 2 ans Netz. Der technische Stab befand sich im Schloss Böttstein auf der gegenüberliegenden Seite der Aare. Beznau 1 war das erste Kernkraftwerk der Schweiz. Seit der Abschaltung der Kernkraftanlage Oldbury in England am 29. Februar 2012[3] gilt es als das älteste in Betrieb stehende Kernkraftwerk der Welt.[2][4]

Beide Blöcke des Kernkraftwerks haben eine unbefristete Betriebsbewilligung. Voraussetzung für den Betrieb bleibt die laufende Erfüllung der gesetzlichen, behördlichen und betriebseigenen Anforderungen an die Sicherheit.[5] Die tatsächliche Betriebsdauer ist abhängig von der laufenden Überprüfung von Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Blöcke.

Im Oktober 2015 wurde bekannt, dass bei einer Überprüfung des Reaktordruckbehälters des im März 2015 für Wartungsarbeiten heruntergefahrenen Reaktorblocks 1 etwa 1000 Schwachstellen entdeckt wurden.

Sicherheitsmassnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Inbetriebnahme der beiden Anlagen führte man zur Steigerung der Sicherheit Nachrüstungen und Erneuerungen aus.[6]

  • Im Block 1 wurden 1993, im Block 2 1999 jeweils beide Dampferzeuger getauscht.[7]
  • Die Kommandoräume wurden angepasst, eine neue Turbinensteuerung wurde installiert. Die Leittechnik des Reaktorschutzsystems wurde durch neue Elektronik ersetzt.[8]
  • Für jeden Block wurde ein eigenes Notstandsgebäude erstellt. Dieses enthält weitere Sicherheitssysteme zur Kernnotkühlung und Bespeisung der Dampferzeuger sowie einen weiteren 50-kV-Notstromstrang und einen zusätzlichen Dieselgenerator. Die Sicherheitssysteme in den Notstandsgebäuden sind darauf ausgelegt, das Kraftwerk ohne Bedienmannschaft kaltzufahren und abzustellen. Die Gebäude sind besonders stark gegen äussere Einwirkungen, wie beispielsweise Flugzeugabstürze[9], Erdbeben und Fremdeinwirkungen, geschützt.
  • In den nächsten Jahren wird die Notstromversorgung umgebaut: vier gebunkerte Dieselgeneratoren sollen die Notstromversorgung gewährleisten und so das hydraulische Kraftwerk Beznau ablösen.[10] Seit Dezember 2015 ist der Block 2 mit dieser Modernisierung in Betrieb.

Besondere Vorkommnisse und Störungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Reaktor­schnell­abschaltungs­knopf eines Reaktors

In den vergangen Jahren kam es im Kernkraftwerk Beznau gehäuft zu Störfällen. Nachfolgend eine Auswahl von Störfällen und besonderen Vorkommnissen und Ereignissen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Bis 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Juli 1992 starben in Beznau zwei Arbeiter externer Firmen, welche Revisionsarbeiten in Beznau erledigten. Die beiden Arbeiter begaben sich in den „Reaktorsumpf“, ein Auffangbecken unter dem Reaktor, das im Notfall auslaufendes, radioaktives Wasser auffangen müsste. Dort hatte sich jedoch das geruchlose Edelgas Argon angesammelt. Das Gas ist schwerer als Luft und verdrängt die Atemluft, weshalb die Arbeiter erstickten. Andere Arbeiter berichteten, dass die Pumpe, die das Gas aus dem Reaktorsumpf hätte pumpen sollen, entfernt und anderswo eingesetzt wurde. Die beiden Unfallopfer hätten dies nicht wissen können. Die HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) stufte den tödlichen Unfall als "nicht-nuklearen" Unfall ein, der nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle.[11]

2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. August 2007 verhinderten Starkregen und Hochwasser die Notstrom-Versorgung des Kernkraftwerks durch das Wasserkraftwerk Beznau für rund 12 Stunden (NOK-Pressemeldung). Im Kraftwerk sind mehrere zusätzliche Notstromstränge vorhanden. Für den Fall eines Zusammenbruchs der externen Stromversorgung stehen gebunkerte, überflutungssichere Dieselgeneratoren zur Verfügung. Trotzdem muss das Kernkraftwerk Beznau nach Sicherheitsvorschrift bei einem Ausfall des Notstromstranges des Wasserkraftwerkes nach maximal 24 Stunden heruntergefahren werden. Bei dem genannten Hochwasserereignis war das Wasserkraftwerk vor Ablauf dieser Frist wieder im Normalbetrieb.[12]

Am 21. August 2007, während der Jahresrevision von Block 2, kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Die blockgemeinsame Reservenetz-Einspeisung war für Wartungsarbeiten abgeschaltet. Zur Kompensation wurde der Notstands-Dieselgenerator des auf Volllast laufenden Blocks 1 im Leerlauf zugeschaltet. Nach Retablierung des Reservenetzes wurde bemerkt, dass dieser Dieselgenerator störungsbedingt seine Notstrom-Funktion nicht erfüllt hätte. Gemäss der Behörde HSK hätte theoretisch noch eine Querverbindung zum Notstands-Diesel des abgeschalteten Blocks 2 bestanden, dieser Generator sei aber ebenfalls in Wartung gewesen.[13]

Insgesamt musste das KKW Beznau der Bundes-Atomaufsicht im Jahr 2007 acht «Vorkommnisse» melden – noch nie gab es in einem Schweizer KKW in einem einzigen Jahr derartig viele Zwischenfälle. Während sieben der Beznau-Zwischenfälle im Jahr 2007 von der Schweizerischen Aufsichtsbehörde für Kernanlagen, der HSK, als „nicht sicherheitssignifikante Vorkommnisse“ eingestuft wurden, klassierte sie den oben beschriebenen, vorübergehenden Ausfall der Notstrom-Versorgung im August 2007 auf der internationalen Ereignisskala INES auf der Stufe 1 als Störung, d. h. einer Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage.

2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Januar morgens kam es zum ersten Ereignis im Jahr 2008: um sechs Uhr kam es im Reaktorblock 2 zu einer unvorhergesehenen Schnellabschaltung. Zuvor war die Stromversorgung mehrerer Anzeigeinstrumente im Haupt-Kommandoraum des KKW ausgefallen. Dadurch fielen auch zur Regelung der Reaktorleistung benötigte Signale aus. Das wiederum führte zu einer automatischen Reduktion der Reaktorleistung. Das zuständige Personal reduzierte deshalb auch die Turbinenleistung. Weil ihm die dazu notwendigen Anzeigeinformationen fehlten, konnte es nicht verhindern, dass auch ein automatisches Abblasen von Frischdampf ausgelöst wurde. Um 6:19 Uhr löste das Betriebspersonal aus Sicherheitsgründen schliesslich manuell eine Schnellabschaltung des Reaktors aus und die Anlage wurde stabilisiert. Der defekte Anlagenteil wurde lokalisiert und ersetzt. Im Laufe des Nachmittags konnte Reaktor 2 den Betrieb wieder aufnehmen.[14][15]

Am Abend des 10. April 2008 wurde eine Turbinengeneratorgruppe im Block 2 des Kernkraftwerks Beznau abgeschaltet, nachdem im nicht-nuklearen Teil rund 50 Liter Öl ausgelaufen waren. Nach der Abschaltung der Turbinengeneratorgruppe wurde die Reaktorleistung auf die Hälfte reduziert. Die Ölleckage war auf eine Undichtheit an der Verbindungsstelle einer Ölleitung zurückzuführen. Die Reparatur bei abgeschalteter Gruppe dauerte rund zwölf Stunden. Die Turbinengeneratorgruppe wurde am 12. April 2008 um 23:30 Uhr wieder in Betrieb genommen. [16][17]

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Januar 2009 wurde am Abluftkamin erhöhte Radioaktivität gemessen, darauf wurden Teile des Containments abgedichtet, um Radioaktivität zurückzuhalten. Laut Aussage des Betreibers sei keine Strahlung ausgesetzt worden, es sei lediglich eine Messeinrichtung defekt gewesen.[18]

Am 1. Mai 2009 trat aufgrund eines undichten Ventils eines Überwachungssystems Strahlung aus dem Atomkraftwerk aus. Dabei wurden Proben radioaktiver Abgase über den Abluftkamin in die Umwelt freigesetzt anstatt in das System zurückgeleitet zu werden. Die Strahlung habe laut Auskunft des Betreibers knapp über der Nachweisgrenze gelegen, aber das zulässige Abgabelimit deutlich unterschritten.[19][20]

2009 entdeckte die Atomaufsichtsbehörde rostige Stellen an der Reaktorschutzhülle. Der Umfang ist unklar, ein Bericht wurde für 2016 in Aussicht gestellt.[21]

Bei der Jahresrevision im Block 2 wurden zwei Mitarbeiter verstrahlt.[22][23]

2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2010 deckte der Umweltaktivist Stefan Fuglister auf, dass der Betreiberkonzern Axpo für Beznau Kernbrennstoff aus der kerntechnischen Anlage Majak erhält. Die Sowjetunion nutzte die Anlage, die bis heute militärisches Sperrgebiet ist, zur Herstellung von Atomwaffen. Trotz mehrmaliger Anfrage hatte Axpo nie Zutritt zur Anlage erhalten.[24] Aufgrund der mangelnden Transparenz durch den russischen Handelspartner stellte Axpo ab 2011 den Bezug von Uran aus Majak ein.[25]

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. März 2012 gab es ein Leck in einer Pumpe des Primärkreislaufs von Block 2, der daraufhin abgeschaltet wurde.[26][27][28]

Am 10. Mai 2012 kam es bei einem Probelauf zu einer Störung an einem Notstrom-Dieselgenerator an Block 2. Das Vorkommnis wurde unter die Störfallkategorie INES 1 (Abweichung vom normalen Betrieb der Anlage) eingeordnet.[29] Aufgrund dieses Störfalls erteilte die Atomaufsichtsbehörde im Aufsichtsbericht 2012 dem Reaktorblock 2 nur die Note 'Ausreichend'.[30]

Am 18. Juni 2012 wurde bekannt, dass eine Beschädigung an einer Schweissnaht im Inneren des Reaktordeckels entdeckt wurde. Der Betreiber wies daraufhin eine Nachbesserung an.[31]

Am 21. November 2012 kam es zu einer erneuten Schnellabschaltung des Blocks 2 durch einen defekten Dampferzeuger im nichtnuklearen Kreislauf.[32][33]

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 5. März 2014 konnten rund 100 Aktivisten von Greenpeace auf das Gelände der Anlage eindringen und befestigten am Reaktorgebäude von Block 1 ein Transparent mit der Aufschrift 'The End'. Ziel der Aktion war es, auf das hohe Alter der Anlage und die daraus resultierende potentielle Gefahr aufmerksam zu machen.[34]

Am 16. Juni 2014 war in Reaktorblock 1 ein Riss an einer Schweissnaht entdeckt worden, durch den Kühlwasser entweichen konnte.[35]

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2015 wurde bekannt, dass ein zuvor für Reaktorblock 1 bestellter, 52 Tonnen schwerer und 50 Millionen Franken teurer neuer Deckel für den Reaktordruckbehälter nicht auf den Reaktor passt.[36]

Ende Juni 2015 wurde der Betreiber von Seiten der Atomaufsichtsbehörde aufgefordert, die Anlage zum Schutz vor einem Überflutungsrisiko nachzurüsten.[37]

In Block 1 wurden im Juli 2015 Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters festgestellt.[38]

Im August 2015 wurde bekannt, dass für Block 1 zahlreiche Sicherheitsunterlagen fehlen. Diese betreffen den Herstellungsprozess des Reaktordruckbehälters. Dies sei in dem Alter des Blocks begründet, da zum Herstellungszeitpunkt das Vorlegen solcher Dokumente nicht gefordert wurde.[39]

Ebenfalls im August 2015 beklagten Anwohner und Umweltorganisationen eine mangelnde Erdbebensicherheit der Anlage. Die Atomaufsichtsbehörde sei in ihren Berechnungen von falschen Strahlenschutzwerten ausgegangen.[40]

Anfang September 2015 wurde bekannt, dass die atomkritische Schweizer Energie-Stiftung die Anlage beim Guinness-Buch der Rekorde angemeldet hat, da die Anlage mittlerweile länger als irgendein anderes Atomkraftwerk weltweit in Betrieb gewesen sei. Dies sei eine ironische Aktion gewesen, um auf das hohe Alter der Anlage und die unvorhersehbaren Gefahren bewusst zu machen.[41]

Im September 2015 wurde über Pfusch und Sicherheitsprobleme beim Bau des 500 Millionen Franken teuren, staatlich verordneten Notstromversorgungssystem berichtet.[42]

In seiner im Oktober 2015 veröffentlichten Analyse kam Frédéric-Paul Piguet vom Biosphereinstitut in Genf zum Schluss, dass die Anlage nach dem Kernkraftwerk Metsamor in Armenien und dem Kernkraftwerk Kuosheng in Taiwan diejenige ist, von der im Falle eines Nuklearunfalls die weltweit drittgrösste Gefährdung ausgeht. Die Anlage teile sich diesen Rang mit dem Kernkraftwerk Chin Shan in Taiwan.[43]

Der Wiederanfahrtermin des im März 2015 für Wartungsarbeiten heruntergefahrenen Reaktorblocks 1 wurde mehrfach verschoben, zunächst auf Oktober 2015, schliesslich auf frühestens Ende Februar 2016. Im Oktober 2015 wurde dann bekannt, dass bei einer Überprüfung des Reaktordruckbehälters dieses Blocks mit neuer, bis dahin nicht zur Verfügung stehender Messtechnik, etwa 1000 Anzeigen entdeckt wurden. Dabei handele es sich um Einschlüsse von bis zu einem halben Zentimeter Länge, diese seien innerhalb der bis zu 17 Zentimeter dicken Stahlwände des Reaktorbehälters eingeschlossen. Jede einzelne Anzeige wurde dreidimensional vermessen und bewertet, die Ergebnisse wurden dem ENSI und seinen hinzugezogenen internationalen Experten vorgelegt. Die Bildung solcher Einschlüsse ist bei Schmiedeteilen dieser Grösse unvermeidlich, ihre Existenz ist mit den üblichen Sicherheitsmargen (ohne die für Nuklearanlagen zusätzlichen Faktoren) abgedeckt. Durch eine vollständige Katalogisierung soll auch in Zukunft der Nachweis erbracht werden können, dass es sich um fertigungsbedingte Anzeigen handelt die sich durch den Betrieb des Reaktors nicht verändern.[44] Ähnliche Umstände haben in Belgien in den Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 ebenfalls zu langen Stillständen geführt, diese sind aber mittlerweile wieder zum Betrieb zugelassen.

Der Reaktorbetreiber Axpo, der in der Kritik steht, die Daten der Überprüfung des Reaktors unter Verschluss zu halten,[45] drohte für den Fall, dass die Schweizer Bundesregierung einen Stilllegungsentscheid über die Anlage verordnen sollte, mit einer Schadensersatzklage in Höhe von 2 Milliarden Schweizer Franken.[46]

Über den Zustand von Reaktorblock 2 sind derzeit (Stand: 12. Oktober 2015) keine näheren Angaben durch den Betreiber gemacht worden.

Im Moment (Stand: 16. Oktober 2016) ist Block 2 nach dem Wiederanfahren im Dezember 2015 und einer Abstellung für den Brennstoffwechsel im Juli 2016 im störungsfreien Volllastbetrieb.

2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. März 2018 teilte das ENSI mit, dass Axpo die nötigen Nachweise zur Sicherheit des Reaktorbehälters von Block 1 erbracht habe.[47] Die Betreiberin Axpo gab darauf an, dass Reaktorblock 1 ab Ende März 2018, nach rund dreijährigem Stillstand, wieder unter Volllast produzieren soll.[48] Franz Untersteller, der Umweltminister des Landes Baden-Württemberg (Kabinett Kretschmann II), kritisierte die Wiederinbetriebnahme und verwies auf ein Gutachten des Freiburger Öko-Instituts, das erhebliche Mängel im Atomkraftwerk Beznau aufzeigt.[49][50]

Am 20. März 2018 nahm der Block 1 den Betrieb auf, um in den nächsten Tagen in den Volllastbetrieb überzugehen.[51] Der Trinationale Atomschutzverband (TRAS), in dem Umweltschutzorganisationen aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich zusammengeschlossen sind, verurteilt die Wiederinbetriebnahme, da die Atomaufsicht (ENSI) veraltete Sicherheitskriterien anwende und sich nicht an die Bestimmungen der aktuellen Gesetzgebung halte.[52] Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz bezeichnete das Hochfahren der Anlage als verantwortungslos. Das AKW Beznau solle seit Jahren den Strahlengrenzwert nicht einhalten. Die Partei hat deswegen eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Departement von Energieministerin Doris Leuthard eingereicht. Sie fordern vom Bundesrat, er solle das Departement anweisen, den Betreibern der AKW Beznau 1 und 2 die Betriebsbewilligung zu entziehen.[51] «Das Ensi gebe grünes Licht für ein waghalsiges Experiment, das die Gesundheit und die Heimat von Hunderttausenden von Menschen in der Schweiz und im benachbarten Ausland gefährde», kritisierten die Grünen Aargau.[53]

Neubau Beznau III[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Dezember 2008 wurde für den Bau eines dritten Kernkraftwerkblocks ein Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht. Zeitgleich wurde ein Rahmenbewilligungsgesuch für den Standort Mühleberg eingereicht. Als Reaktortyp war an beiden Standorten ein baugleicher Leichtwasserreaktor mit einer Leistungsgrösse zwischen 1.200 und 1.600 MWel vorgesehen.[54] Die partei- und verbandsübergreifende Allianz Stopp Atom kündigte unmittelbar nach Bekanntgabe der Einreichung ein fakultatives Referendum gegen die geplanten Bauten an.[55]

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima seit März 2011 stoppte Bundesrätin Doris Leuthard alle Rahmenbewilligungsgesuche für neue Kernkraftwerke. Bisher war eine Erdbebensicherheit bis zur Stärke 7 gefordert, was alle Schweizer Werke einhalten können.[56]

Abklingbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brennelementelager (auch Nasslager) von Beznau I und II wurden von ursprünglich 163 Lagerplätzen für Brennelemente (ausreichend für eine Kernausladung bei Notfällen sowie eine Jahresladung) zunächst zu einem Kompaktlager umgebaut. Hierbei wurde mittels des Einbaus von Absorbermaterial in die Lagergestelle die Kapazität auf 340 Lagerstellen erweitert.[57]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Beznau hat insgesamt zwei Blöcke:

Reaktorblock[58] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Bau-
beginn
Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschaltung
Beznau-1 Druckwasserreaktor 365 MW 380 MW 01.09.1965 17.07.1969 01.09.1969 Bisher unbefristet, Zukunft angesichts zahlreicher Schäden am Reaktordruckbehälter ungewiss
Beznau-2 Druckwasserreaktor 365 MW 380 MW 01.01.1968 23.10.1971 01.12.1971 Bisher unbefristet, nähere Angaben stehen aus (analog zu Block 1)

Beznau I einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Kernreaktoren der Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beznau I war einer von sechs Kernreaktoren, die 1969 in Betrieb gingen. Die IAEA hatte das Datum der kommerziellen Inbetriebnahme mit '1. September 1969' verzeichnet. Tatsächlich soll Beznau I am 6. September 1969 im Rahmen eines Versuchsprogramms ans Netz gegangen sein; die kommerzielle Inbetriebnahme soll am 9. Dezember 1969 gewesen sein. Damit ist Beznau I in dieser Statistik jünger als Tarapur 1 und 2 (28. Oktober 1969) sowie die US-Kernkraftswerke Oyster Creek und Nine Mile Point 1 am 1. Dezember 1969. Atomkraftgegner kritisierten die Aussagekraft dieser statistischen Korrektur - es ist davon auszugehen, dass auch andere Atomkraftwerke aus der damaligen Zeit ein Versuchsprogramm durchlaufen haben. Ob dieses in deren offiziellen Inbetriebnahmeterminen berücksichtigt sind, lässt sich auf Grund fehlender Angaben nicht mehr nachvollziehen.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Beznau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Home. Regionale Fernwärme Unteres Aaretal (REFUNA), abgerufen am 16. August 2015.
  2. a b c Aargauer Zeitung: Beznau ist nicht mehr das älteste AKW der Welt – wie ist das plötzlich möglich?, 14. Oktober 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  3. Oldbury nuclear power station stops electricity generation, The Independent, abgerufen am 29. Februar 2012 (englisch)
  4. badische-zeitung.de, Lokales, Aargau, 23. Februar 2012, bz: Bald läuft das älteste AKW der Welt in der Schweiz (26. Februar 2012)
  5. Medienmitteilung des UVEK (vom 3. Dezember 2004)
  6. Verfahren zur Betriebsbewilligung KKW Beznau Block II, Aufzählung aller Nachrüstungen ab Seite 40.
  7. Dampferzeugerwechsel beim KKB-2 | Nuklearforum Schweiz. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  8. News - Premiumpresse.de.
  9. Stellungnahme der HSK zu vorsätzlichen Flugzeugabstürzen auf Kernkraftwerke.
  10. http://www.mtu-online.com/fileadmin/fm-dam/mtu-global/pdf/mtureport/mtu-ereport-2011-03d.pdf
  11. Susan Boos, Strahlende Schweiz. Handbuch zur Atomwirtschaft, Rotpunktverlag, 1999, S. 56
  12. http://www.axpo.ch/axpo/de/netze_multi/medien/medienmitteilungen/2007/august_2007/aare-hochwasser_entspanntelagebeimkernkraftwerkbeznau.html
  13. http://static.ensi.ch/1314021789/vorkommnis_kkb1_2007-08-21_stand_2008-01-14.pdf
  14. HSK Klassierte Vorkommnisse in Schweizerischen Kernkraftwerken, abgerufen am 11. Februar 2008
  15. Felix Maise, Tagesanzeiger Rekordzahl von Pannen im AKW Beznau, abgerufen am 11. Februar 2008
  16. NZZ online (sda) Störung im Kernkraftwerk Beznau, abgerufen am 15. April 2008
  17. Basler Zeitung (ap&baz) Turbine im Kernkraftwerk Beznau wieder in Betrieb, abgerufen am 15. April 2008
  18. https://www.ensi.ch/de/2009/01/09/kkb-1-ausloesung-containment-teilisolation-durch-fehlerhaftes-ansprechen-eines-kaminaktivitaetsmonitors-stand-26-3-2009/
  19. AKW Beznau: Strahlung ausgetreten.
  20. https://www.ensi.ch/de/2009/05/01/kkb-1-ausloesung-containment-teilisolation-durch-erhoehte-kaminabluftaktivitaet-stand-18-6-2009/
  21. Wieso braucht Atom-Aufsicht 7 Jahre für Rost-Bericht über AKW Beznau?.
  22. Verstrahlung wegen «ungenügender Koordination» - NZZ. 4. August 2009.
  23. https://www.ensi.ch/de/2009/08/03/kkb-block-2-ueberschreitung-der-zulaessigen-strahlendosis-bei-zwei-mitarbeitern-stand-11-5-2011/
  24. Uran-Herkunft von Axpo: Geheimer als der Appenzeller Käse, Aargauer Zeitung, 8. September 2015
  25. Kein Uran mehr aus Majak | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Januar 2014, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 6. März 2018]).
  26. cis: Zwischenfall im Kühlsystem, Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten, Spiegel Online, Datum: 24. März 2012, Abgerufen: 24. März 2012
  27. Reaktorschnellabschaltung im Kernkraftwerk Beznau 2 » ENSI. 23. März 2012.
  28. http://www.axpo.ch/axpo/de/kernenergie_multi/medien/medienmitteilungen/2012/maerz/praeventive-abschaltung-von-block-2.html
  29. https://www.news.admin.ch/message/?lang=de&msg-id=44512
  30. ENSI Aufsichtsbericht 2012. S. 37, https://www.ensi.ch/de/wp-content/uploads/sites/2/2013/06/ensi_aufsichtsbericht_2012.pdf.
  31. AKW Beznau: Unregelmässigkeit im Reaktordeckel entdeckt.
  32. Störung in AKW Beznau. 21. November 2012.
  33. Reaktorschnellabschaltung im Kernkraftwerk Beznau 2 » ENSI. 21. November 2012.
  34. Activists break into Swiss nuclear plant.
  35. Leck im AKW Beznau: Aufsichtsbehörde fordert weitere Analysen.
  36. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Der neue Deckel passt nicht auf den Reaktor.
  37. AKW Beznau muss wegen Überflutungs-Gefahr nachrüsten.
  38. Jetzt muss auch Beznau 2 vom Netz. 13. August 2015.
  39. Stefan HäneRedaktor Inland@stefan_haene: Beznau fehlen wichtige Dokumente. 16. August 2015.
  40. AKW Beznau soll wegen mangelnder Erdbebensicherheit vom Netz. 20. August 2015.
  41. Blick: Seit 46 Jahren in Betrieb: AKW Beznau soll ins Guinness-Buch.
  42. Von Guido Schätti: Insider erhebt Pfusch-Vorwürfe beim Bau der Notstromversorgung: Wie sicher ist Beznau?.
  43. Studie: Größte Bedrohung für die Bevölkerung durch AKW Neckarwestheim. 13. Oktober 2015.
  44. Stefan HäneRedaktor Inland@stefan_haene: 1000 Schwachstellen im Herzen von Beznau 1. 10. August 2015.
  45. News SonntagsZeitung - tagesanzeiger.ch.
  46. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Axpo droht Bund mit Milliardenklage.
  47. ENSI.ch: Beznau 1: Aluminiumoxid-Einschlüsse haben keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit des Reaktordruckbehälters
  48. Beznau 1 darf wieder ans Netz | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. März 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 6. März 2018]).
  49. Ultraschallbefunde des Kernkraftwerks Beznau (pdf, März 2016)
  50. zeit.de: Akw nahe deutscher Grenze geht wieder in Betrieb
  51. a b AKW Beznau I ist wieder am Netz - NZZ. 20. März 2018.
  52. Ralf Streck": Maroder Schweizer Uraltmeiler Beznau wieder am Netz. Abgerufen am 22. März 2018.
  53. Badische Zeitung: Block I des Akw Beznau wieder am Netz - Aargau - Badische Zeitung.
  54. admin: resun.ch - und andere Domains günstig und einfach online kaufen auf top-domains.ch. 4. Oktober 2016.
  55. Gesuche für neue AKW reissen alte Gräben auf - NZZ. 4. Dezember 2008.
  56. Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatz-AKW sistiert, NZZ, 14. März 2011
  57. nux.ch, nux-nummer 4, September 1978: Die Sache mit den Brennelementen im Bassin (Memento vom 21. Januar 2005 im Internet Archive) (18. Mai 2011)
  58. Power Reactor Information System der IAEA: „Switzerland (Swiss Confederation): Nuclear Power Reactors“ (englisch)