Kernkraftwerk Bugey

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Kernkraftwerk Bugey
Kernkraftwerk Bugey
Kernkraftwerk Bugey
Lage
Kernkraftwerk Bugey (Frankreich)
Kernkraftwerk Bugey
Koordinaten 45° 47′ 50″ N, 5° 16′ 12″ OKoordinaten: 45° 47′ 50″ N, 5° 16′ 12″ O
Land: Frankreich
Daten
Eigentümer: EDF
Betreiber: EDF
Projektbeginn: 1964
Kommerzieller Betrieb: 15. April 1972

Aktive Reaktoren (Brutto):

4  (3.724 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (555 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2006: 25.654 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 645.711 GWh
Website: Seite des Betreibers
Stand: 22. Juli 2007
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
f1

Das Kernkraftwerk Bugey liegt in der Region Bugey im Südosten des französischen Départements Ain, im Gemeindegebiet von Saint-Vulbas an der Rhone, 35 Kilometer von Lyon entfernt.

Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betreiber des Kernkraftwerkes ist die französische Gesellschaft Électricité de France (EDF), die dort ca. 1.250 Personen beschäftigt. Das gesamte Kraftwerksareal umfasst 100 Hektar. Das Kernkraftwerk mit seinen vier in Betrieb befindlichen Reaktoren und einer installierten Bruttoleistung von 3.724 MW[1] zählt zu den größeren in Frankreich. Pro Jahr speist es durchschnittlich 25 Milliarden Kilowattstunden in das öffentliche Stromnetz ein und liefert dabei 40 Prozent des Stromes der Region Rhône-Alpes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau des ersten Kernreaktors, Bugey-1, wurde am 1. Dezember 1965 begonnen. Er wurde am 15. April 1972 in Betrieb genommen. In den Jahren 1978 und 1979 gingen vier weitere Reaktorblöcke, Bugey-2 bis Bugey-5, in Betrieb. Am 27. Mai 1994 wurde Bugey-1 stillgelegt.[1]

Bei dem ersten Reaktor handelt es sich um einen gasgekühlten Reaktor des Typs UNGG. Bei den Reaktoren 2 bis 5 handelt es sich um Druckwasserreaktoren. Die Kühlung der Reaktoren wird durch Wasser der Rhône in vier 128 Meter hohen Kühltürmen durchgeführt. In den letzten Jahren wurde die Anlage aufgrund mangelnder Erdbebensicherheit nach sicherheitstechnischen Kriterien modernisiert.

Im Mai 2012 gelangte ein Greenpeace-Aktivist mit einem Motor-Gleitschirm in den Hochsicherheitsbereich des Kraftwerks und warf Rauchbomben ab. Die Aktion sollte laut Greenpeace die „Anfälligkeit der französischen Atomkraftwerke für Angriffe aus der Luft“ zeigen.[2]

Zwischen dem 5. und 20. Oktober 2014 wurden über sieben der 19 französischen Kernkraftwerke Drohnen im Hochsicherheitsbereich beobachtet. Auch Bugey war davon betroffen. Die Flugobjekte wurden jeweils nachts von Wachleuten beobachtet, hätten laut EDF jedoch keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen gehabt. Bisher ist unklar, wer dafür verantwortlich war.[3]

Anfang 2016 erhoben der Schweizer Kanton und die gleichnamige Stadt Genf Klage gegen das westlich der Landesgrenze benachbarte Kernkraftwerk Bugey. Vor Gericht vertreten werden sie dabei von der bekannten Anwältin und Umweltaktivistin Corinne Lepage – nach ihren eigenen Worten nicht, um Frankreich zu verängstigen, sondern, um es wachzurütteln und seine Atomaufsichtsbehörde, die ASN (Autorité de sûreté nucléaire), „den Festungswall für die atomare Sicherheit in Frankreich, gegen unglaublichen Druck zu verteidigen“.[4]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Falle eines starken Erdbebens könnte es zum Versagen der Notkühlung kommen. Einem Bericht der ASN im Oktober 2002 zufolge könnten bestimmte Schutzfunktionen, die das Abkühlen der Reaktorblöcke sicherstellen, bei Erdbeben nicht mehr gewährleistet werden.[5] Dabei handelt es sich um ein sicherheitsrelevantes Ventil, dessen Funktionsfähigkeit bei einem Erdbeben gefährdet ist.

Kernkraftwerk Bugey und gelbe Sonnenblumen

Betriebsstörungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1984 kam es zu einem Störfall: zuerst gab es einen Spannungsabfall, dann ließen sich die Notstrom-Diesel-Generatoren nicht starten. In letzter Sekunde sprang ein Generator ein.[6]

Am 31. Juli 1999 kam es im Reaktor Bugey-3 zu einem Kurzschluss, der durch den Erdschluss eines veralteten Kabels ausgelöst wurde, und ein Feuer brach aus. Der Reaktor wurde per Schnellabschaltung heruntergefahren.[7]

Am 19. Juni 2017 kam es bei Arbeiten an der Isolierung auf dem Dach eines Gebäudes im nuklearen Teil des Reaktorblocks 5 zu einem Brand.[8][9]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Bugey hat insgesamt fünf Blöcke:

Reaktorblock[1] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Bugey 1 UNGG-Reaktor 540 MW 555 MW 01.12.1965 15.04.1972 01.07.1972 27.05.1994
Bugey 2 Druckwasserreaktor 910 MW 945 MW 01.11.1972 10.05.1978 01.03.1979 (2019 geplant)
Bugey 3 Druckwasserreaktor 910 MW 945 MW 01.09.1973 21.09.1978 01.03.1979 (2019 geplant)
Bugey 4 Druckwasserreaktor 880 MW 917 MW 01.06.1974 08.03.1979 01.07.1979 (2019 geplant)
Bugey 5 Druckwasserreaktor 880 MW 917 MW 01.07.1974 31.07.1979 30.01.1980 (2020 geplant)Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Power Reactor Information System der IAEA: „France (French Republic): Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  2. Greenpeace-Aktivist entert Reaktor, rp-online.de, 2. Mai 2012, abgerufen am 5. Juli 2012
  3. http://www.tagesschau.de/ausland/drohnen-ueber-akw-in-frankreich-101.html (Memento vom 31. Oktober 2014 im Internet Archive)
  4. Deutschlandfunk.de Umwelt und Verbraucher, 7. März 2016, Suzanne Krause: Die Zukunft von Fessenheim (8. März 2016)
  5. Energie-Chronik - Französische Kernkraftwerke nicht erdbebensicher
  6. Schweden schaltet nach Störfall im Atomkraftwerk Forsmark-1 bei Stockholm Reaktoren ab Sieben Minuten bis zur Katastrophe. Berliner Zeitung, 4. August 2006, abgerufen am 23. März 2018.
  7. Kurzschluss mit Brand in Bugey-3. Nuklearforum.ch, nach Angaben der CNPE, 16. August 1999, abgerufen am 23. März 2018.
  8. L’ASN active son centre d’urgence à la suite d’un feu à la centrale nucléaire de Bugey (01). Communiqué de presse. Autorité de sûreté nucléaire, 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017 (französisch).
  9. Aude Henry: Incendie à la centrale nucléaire du Bugey (Ain): le plan d'urgence a été levé à 19H. franceinfo, 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017 (französisch).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Bugey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien