Kernkraftwerk Leibstadt

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Kernkraftwerk Leibstadt
Kernkraftwerk Leibstadt
Kernkraftwerk Leibstadt
Lage
Kernkraftwerk Leibstadt (Kanton Aargau)
Kernkraftwerk Leibstadt
Koordinaten 656036 / 272562Koordinaten: 47° 36′ 4,9″ N, 8° 11′ 1,5″ O; CH1903: 656036 / 272562
Höhe 341 m
Land: Schweiz
Daten
Eigentümer: Kernkraftwerk Leibstadt AG
Betreiber: Kernkraftwerk Leibstadt AG
Projektbeginn: 1972
Kommerzieller Betrieb: 15. Dez. 1984

Aktive Reaktoren (Brutto):

1  (1275 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2015: 8'599 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 262'182 GWh
Website: Website des Kernkraftwerks
Stand: 21. Dez. 2016
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Leibstadt, kurz KKL, befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Leibstadt (Kanton Aargau, Schweiz) am Rhein nahe der Aare-Mündung und der deutschen Grenze bei Waldshut-Tiengen. Es ging Ende 1984 in Betrieb und ist damit der jüngste der fünf Kernreaktoren in der Schweiz. Es erzeugt ein Sechstel des in der Schweiz erzeugten Stroms.[1] Ein sechzig Jahre währender Betrieb gilt (Stand: 2014) als denkbar.[2]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Siedewasserreaktor von General Electric mit 1220 MW elektrischer Nettoleistung erzeugt rund neun Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr, etwa 20 % mehr als das zweite Schweizer Grosskraftwerk Gösgen. Die Kühlung erfolgt durch einen 144 Meter hohen Naturzug-Nasskühlturm.[3]

Betrieben wird das Kraftwerk von der Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL). An der Gesellschaft sind sechs Schweizer Energieunternehmen beteiligt: die Alpiq AG mit 27,4 Prozent, die Alpiq Suisse SA mit 5 Prozent, die Axpo Power AG mit 22,8 Prozent, die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) mit 13,6 Prozent, die Axpo Trading AG (ehemals EGL) mit 16,3 Prozent, die BKW Energie mit 9,5 Prozent und die AEW Energie AG mit 5,4 Prozent. Die Geschäftsführung hatte ursprünglich die EGL inne, durch die Gründung der Axpo Holding wurden innerhalb der Axpo-Gruppe die Aufgabengebiete konsolidiert, wodurch heute die Axpo Power AG die Geschäftsführung innehat. Sie besorgt auch die Energieübertragung nach Laufenburg und Beznau auf der 380-kV-Spannungsebene (siehe Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg und hier).

Der konische Schlot ist fast weiss gefärbelt, mit einer schachbrettähnlichen roten Kontrastmarkierung im oberen Bereich. Die schmale, graue Süd-Front des Maschinenhauses, die der Freiluftschaltanlage zugewandt ist, zeigt in Orange eine nach rechts progressiv ansteigende Kurve aus 6 Rechteckelementen, deren einzelne (aber auch addierte) Höhen der Fibonacci-Folge entspricht.[4] Die Längsseiten des Maschinenhauses und der angeschlossenen Baukörper sind türkis gestrichen.

Im 144 m hohen Kühlturm rauschen pro Sekunde 33 Kubikmeter Wasser 12 Meter nach unten um sich im Gegenstrom aus Luft auch durch Verdunstung abzukühlen.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Planung des Kernkraftwerkes Leibstadt begann 1964 auf der Basis einer 600-MW-Anlage mit Flusswasserkühlung. Mit dem Verbot der Flusswasserkühlung durch den Bundesrat 1971 wurde eine Lösung mit Kühlturm benötigt. Im weiteren Planungsverlauf erhöhte man die Leistung von 600 auf 900 MW.

Infolge des Reaktorunfalls im Kernkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979 waren neue Sicherheitsbestimmungen erlassen worden, die die Fertigstellung um mehrere Jahre verzögerten. Statt der budgetierten zwei Milliarden Franken kostete das Kraftwerk am Ende über 4,8 Milliarden.

1984 konnte die Anlage nach elfjähriger Bauzeit den Betrieb aufnehmen. Am 15. Dezember 1984 nahm es als fünftes Schweizer Kernkraftwerk den Dauerbetrieb auf. Nach Beznau I, Beznau II, Mühleberg und Gösgen ist Leibstadt das jüngste und leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz. Seit 1984 produziert es rund ein Sechstel des in der Schweiz verbrauchten Stroms. Das entspricht zirka 29 Millionen Kilowattstunden jeden Tag.

Die Geschichte der Fertigstellung des KKL reflektiert die zunehmend kritische Haltung gegenüber der Kernenergie in der Schweiz während der 1970er- und 1980er-Jahre, die in der Auseinandersetzung um das Projekt Kernkraftwerk Kaiseraugst kulminierten.

Darstellung der Geschichte durch die KKL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Website des Kraftwerks berichtet auf der Unterseite Chronik mit Einträgen bis zum Jahr 2014.[6]

1973 wird eine Standortbewilligung vom Bund auf 940 MW Bruttoleistung erteilt. Am 26. November 1973 wird die KKL AG gegründet. Der Auftrag zum Bau wird am 1. Dezember 1973 erteilt und geht für die Hauptanlagen (Reaktor und Maschinenhaus) an ein Konsortium von Brown Boveri & Cie. (BBC), Baden, Schweiz und General Electric (GE), USA. Den Bau der Nebenanlagen (Kühlturm, Werkstatt, Bürogebäude ...) leitet die Elektrowatt AG. 1977 beginnen Ausbildungen für Bedienpersonal in den USA und Spanien. Bauverzögerung über den für 1978 geplanten Betriebsbeginn hinaus werden genützt um aus dem Unfall in Harrisburg (1979) zu lernen. 1982 geht das Personal auf Schichtbetrieb über, am 15. Dezember 1984 wird der Dauerbetrieb der Stromerzeugung aufgenommen.

Wenige Monate nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl starten noch 1986 die Unterschriftensammlungen zu zwei neuen Antiatominitiativen. 1990 wird die Volksinitiative für einen Atomstrom ausstieg mit 52,9 % Nein verworfen, das Moratorium, keine weiteren Atomkraftwerke zu bewilligen jedoch mit 54,5 % angenommen. Der Energieartikel in der Bundesverfassung wird mit 71,1 % Ja angenommen.

1994 ersetzt ein neues interaktiv ausgestattetes Infozentrum mit zylindrischer Glasfassade und mittigem Reaktormodell das Besucherzentrum aus 1974. Kostenlose Betriebsführungen werden angeboten. 1995 erhält das Werk einen eigenen Schulungssimulator, der Reisen nach Spanien ersetzt. 1998 bis 2003 wird in zwei Schritten im Dialog mit der Kontrollbehörde die Nettoleistung von 960 auf 1165 MW erhöht. Die Atomausstiegsinitiative von 2003 wird im Kanton (Aargau) zu 77,6 % verworfen, noch stärker im Bezirk Zurzach mit 85,4 % und der Gemeinde Leibstadt. Auch die Moratoriumsinitiative 2003 erhält eine klare Absage. 2003 übernimmt die NOK (Axpo) die Geschäftsleitung des KKL von der EGL.

2004 gibt die KKL das Sinken der Gestehungskosten der Stromproduktion von ursprünglich 9,23 auf nunmehr 5 Rappen/kWh an – inklusive 1 Rappen für Stilllegung der Anlage und die Entsorgung der Abfälle. 2005 steht das Werk wegen eines nichtnuklearen Defekts 5 Monate still; nach einem Erdschluss im Generator-Stator müssen Teile ausgetauscht werden. 3000 Besucher kamen zu den Infotagen im Mai 2006.

2008 wird nach einem neuen Verfahren von GE der Kühlwasserkreislauf mit Wasserstoff und Platin dotiert um den Reaktor und seine Einbauten vor Spannungsrisskorrosion zu schützen. 2009 gibt es 470 Mitarbeiter und 14 Azubis, 20 % von ihnen aus dem grenznahen Ausland. 2010 wird durch Doppelbesetzungen zum Know-how-Transfer der Generationenwechsel in der Belegschaft eingeleitet. 2010 steht die Anlage für eine mit 47 Tagen längere Revisionsperiode still, in der wichtige Grosskomponenten (Blocktransformator, 2 Niederdruckvorwärmer und 3 Niederdruckturbinen) getauscht werden, womit die Effizienz erhöht wird und die Ausbeute um 40 MW steigt. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima 2011 erbringt das KKL vom ENSI (Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat) geforderte Sicherheitsnachweise. 2012 wird der EU-Stresstest überdurchschnittlich gut bestanden und die bisher umfangreichste Jahreshauptrevision durchgeführt, bei der der Generator getauscht wird und die Brutto-Nennleistung auf 1275 MW steigt.

2013 erzielt das Werk 93 % Verfügbarkeit und seine bisher höchste Jahresstromproduktion von 9692 GWh. 2014 kumulieren in 30 Jahren Betrieb 250.000 GWh Stromproduktion.

Aktuelle Pressemitteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der geplanten Brennstoff-Inspektionen während der Jahreshauptrevision 2016 wurden an einigen Brennelementen lokale Verfärbungen am Hüllrohr der Brennstäbe entdeckt. Dies führte zu einem verlängerten Stillstand der Anlage. Die lokalen Verfärbungen an den Hüllrohren der Brennelemente stellten sich als Oxidationen heraus. Oxidationen an Brennstäben sind in einem Siedewasserreaktor ein normaler Prozess. An den Zirkonium Hüllrohren bildet sich in Verbindung mit dem Wasser des Reaktorkerns eine Schicht aus Zirkoniumoxid. Allerdings waren diese im 2016 so weit fortgeschritten, dass ein Wiedereinsatz der betroffenen Brennelemente für eine weitere Produktionsperiode nicht möglich war.[7][8] Mittels Oxidschichtdickemessungen wurden weitere betroffene Rohre gefunden. Von den insgesamt 648 Brennelementen des Reaktorkerns waren 47 Brennelemente stellenweise verfärbt. Es sind ausschliesslich Brennelemente im ersten Betriebszyklus (Jahr) betroffen. Die Reparatur erfolgte teilweise durch einen Ersatz von Hüllrohren durch massive Zirkonium-Stäbe ohne Uran-Inhalt. Als Folge davon war eine Neuauslegung und Neubeladung des Reaktors erforderlich. Damit einher gehen umfangreiche Berechnungen und Sicherheitsanalysen und eine Bewilligung für die Wiederinbetriebnahme ist nötig. Nachdem das ENSI die Freigabe für den nächsten Betriebszyklus unter Auflagen erteilt hat[9], ging das Werk am 17. Februar 2017 wieder ans Netz. Wegen einer Fehlfunktion der Abgasanlage (ein Defekt an einem Absaugestrang des Turbinen-Kondensators) wurde der Reaktor wieder heruntergefahren. Nach erfolgreicher Reparatur der Abgasanlage im Maschinenhaus wurde das Kraftwerk am 20. Februar 2017 schrittweise hochgefahren und um 17.10 Uhr mit dem Stromnetz synchronisiert. Damit es zu keinen neuen Oxidationen kommt, wurde die Auflage auferlegt, die Anlage mit reduzierter Gesamtleistung von 90 % zu fahren.

Am 18. September 2017 wurde das KKW für den Austausch von 76 der 648 Brennelemente sowie für verschiedene Prüfungen und Revisions- sowie Instandhaltungstätigkeiten (für geplante sieben Wochen) vom Netz genommen. Hierbei wurden auch die zuletzt neu eingesetzten Brennelemente besonders überprüft. Außerdem werden die beiden Wasserabscheider-Zwischenüberhitzer erneuert, zwei Großkomponenten im nicht-nuklearen Bereich aus je zwei Einzelteilen mit jeweils 130 Tonnen Gewicht. Während der Jahreshauptrevision unterstützen 1.600 externe Fachkräfte die 500 üblichen KKW-Mitarbeiter.[10]

Bereits am 19. Oktober wurde bekannt, dass der Austausch der Brennelemente eine Woche länger dauern würde.[11] Am 30. Oktober wurde die Frist um weitere 4 Tage verlängert. Bei einem Brennstofflieferanten des KKW seien 16 nicht spezifikationsgerechte Brennelemente festgestellt worden. Diese Elemente seien für den nächsten Betriebszyklus vorgesehen gewesen. Das AKW solle voraussichtlich am 17. November wieder ans Netz gehen.[12] Am 8. November wurde aber dann bekannt, dass weitere 8 (später auf 6 korrigiert[13]) fehlerhafte Brennelemente gefunden worden sind und das KKW bis voraussichtlich Ende Jahr still stehen werde, da das Ersetzen der Brennelemente eine Neuauslegung des Reaktorkerns und einen umfassenden Freigabeprozess durch die Aufsichtsbehörde notwendig machen würde.[14] Diese 6 Brennelemente sind bereits 3 bis 4 Jahre im Einsatz gestanden – «ohne jegliche Probleme», wie die Betreiber umgehend versichern. Trotzdem werden sie sie nun vorsorglich ausgetauscht.[13] Noch nicht eingesetzt gewesen waren die 16 übrigen Brennelemente mit "Qualitätssicherungsfehler".[15]

Störfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühlturm
Gesamtaufnahme des Kraftwerks

Am 11. August 1995 um 8.22 Uhr ereignete sich im KKW Leibstadt während der Revisionsarbeiten eine Wasserstoff-Verpuffung. Zwei Angestellte erlitten Verbrennungen dritten Grades. Die Monteure wollten im Maschinenhaus einen Teil der Hilfsdampfanlage überprüfen. Sie öffneten bei einem der Behälter einen Deckel; der austretende Wasserstoff entzündete sich. Im Normalbetrieb befindet sich im betroffenen System Frischdampf, der aus dem Reaktor kommt und demnach kontaminiert ist. Der Unfall fand im nicht-nuklearen Teil der Anlage statt.[16]

Am 28. März 2005 wurde das Kraftwerk auf Grund eines Erdschlusses im Generator heruntergefahren. Während der vorgezogenen Revision gab es einen Störfall der INES-Stufe 1. Am 2. September ging das Kraftwerk zurück ans Netz.

Im Jahr 2007 meldete das KKW Leibstadt der Bundes-Atomaufsicht drei Vorkommnisse. Während die Aufsichtsbehörde, die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), zwei der Zwischenfälle als Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung einstufte, klassierte sie die Reaktorschnellabschaltung wegen fehlerhafter Auslösung des automatischen Druckabbausystems am 6. März 2007 auf der INES-Stufe 1 als Störung, d. h. einer Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage.[17][18]

Bei der Jahresrevision 2010 ereignete sich ein Störfall (INES-2), bei dem ein Mitarbeiter an der Hand verstrahlt und der Jahresdosisgrenzwert für Hände überschritten wurde.[19][20]

Im Juli 2014 wurde zufällig entdeckt, dass bereits im Jahr 2008 von Fremdpersonal zur Anbringung von Feuerlöschern insgesamt sechs wanddurchdringende Bohrungen durch das Primärcontainment vorgenommen worden waren. Sie wurden nach der Entdeckung zunächst provisorisch abgedichtet. Von der schweizerischen Atomsicherheitsbehörde ENSI wurde der Vorgang scharf kritisiert: Ein solches Vorkommnis dürfe nicht passieren und weise auf ein „bedeutendes Defizit im organisatorischen Bereich hin“. Der Vorfall wurde auf der INES-Skala mit Stufe 1 bewertet.[21][22][23] Die Reparaturen wurden von dem ENSI am 18. Juli akzeptiert, darüber hinaus will die Behörde die vom Kernkraftwerk festgelegten Massnahmen zur zukünftigen Verhinderung solcher Vorkommnisse überprüfen.[24]

Schon 2014 kommt es an einem Hüllrohr zur Oxidation und Leckage von Radioaktivität in den Wasserkreislauf, was durch ENSI am 1. Februar 2017 publik wird.[25]

Im Rahmen der geplanten Brennstoff-Inspektionen während der Jahreshauptrevision 2016 wurden an einigen Brennelementen lokale Verfärbungen am Hüllrohr der Brennstäbe entdeckt. Dies führte zu einem verlängerten Stillstand der Anlage. Die Verfärbungen an den Brennelementen sind auf Oxidationen zurückzuführen. Die Oxidationsstellen waren lokal, zwischen 3-4 Millimeter bis 25 Zentimeter lang und befanden sich am oberen Teil des rund vier Meter langen Brennstabs.

Die abschliessende Ursache der Oxidationen, die vom ENSI als Vorkommnis der INES-Kategorie 1 eingestuft wurde, ist noch nicht geklärt.[26] Unter Auflagen des ENSI ging der Reaktor mit einer reduzierten Leistung im Laufe des 17. Februars 2017 wieder ans Netz,[27] wurde aber bereits in der folgenden Nacht wegen einer Fehlfunktion in der Abgasanlage im nicht-nuklearen Bereich wieder abgeschaltet. Nach erfolgreicher Reparatur der Abgasanlage im Maschinenhaus wurde das Kraftwerk am 20. Februar 2017 schrittweise hochgefahren und um 17.10 Uhr mit dem Stromnetz synchronisiert.[28]

Emissionsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das KKW Leibstadt muss die Abluftdaten veröffentlichen. Im November 2014 hatte Greenpeace beim ENSI, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, Zugang zu den Abluftdaten am Kühlturm des KKL für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis 1. November 2014 verlangt. Das ENSI teilte damals Greenpeace mit, dass es nicht mehr über diese Daten verfüge und das Kernkraftwerk Leibstadt nicht bereit sei, diese nochmals zu liefern. Nach der Durchführung eines Schlichtungsverfahrens empfahl der EDÖB im Oktober 2015, dass das ENSI die Daten beim KKL beschaffe und veröffentliche. Die Kernkraftwerk Leibstadt AG verlangte daraufhin eine anfechtbare Verfügung vom ENSI und gelangte mit einer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht, das ihr vollumfänglich Recht gab. Greenpeace erhob gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im August 2016 Beschwerde beim Bundesgericht. Das Bundesgericht korrigierte das vorinstanzliche Urteil und gab Greenpeace Recht und hat am 27. September 2017 das KKL verpflichtet, Greenpeace Zugang zu den Emissionsdaten für den verlangten Zeitraum zu gewähren. Das Bundesgericht hat sich für Transparenz entschieden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat in diesem Fall entschieden, dass es die von KKL bereitgestellten Daten nicht nur Greenpeace zustellt, sondern sie auch veröffentlicht. Das KKL habe in diesem Zeitraum die Abgabelimiten stets eingehalten.[29][30]

Protestaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Leibstadt war mehrmals Schauplatz von Protesten:

Am 29. März 1998 versiegelten Aktivisten von Greenpeace auf dem Gelände des Kraftwerks einen zur Verladung vorbereiteten Transportbehälter und besetzten den Verladekran. Greenpeace forderte die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) auf, auf den aktuellen Transport zu verzichten und aus der Wiederaufarbeitung auszusteigen, da die Schweiz sich mit dem Export abgebrannter Brennelemente an der radioaktiven Verseuchung des Meeres und der Umgebung der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague schuldig mache.[31]

Am 13. November 2000 hielt Greenpeace auf den Werksgleisen eine Mahnwache ab, um gegen die Atommülltransporte von Leibstadt nach La Hague zu protestieren. Kurz vor dem Protest war von der Schweizerischen Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen die KKL und die zuständigen Behörden verfügt worden.[32]

Am 13. März 2003 erkletterten Greenpeace-Aktivisten unter anderem den Kühlturm und entfalteten ein Transparent mit der Aufschrift «Kein Bedarf». An der Aktion beteiligten sich rund 60 Aktivisten aus acht Ländern, die auf das Werksgelände eingedrungen waren. Mit ihrem Protest auf dem Kühlturm und dem Kamin machten sie darauf aufmerksam, dass die Schweiz (2003) die gleiche Strommenge ins Ausland exportiert(e) wie ihn das Kernkraftwerk Leibstadt (oder die ältesten Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg zusammen) produzieren.[33]

Reaktordruckbehälter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile des Reaktordruckbehälters (RDB) des KKL wurden von der Rotterdamsche Droogdok Maatschappij (RDM) gefertigt. Mitte August 2012 wurden im belgischen Kernkraftwerk Doel am RDB des Blocks 3, der von RDM hergestellt wurde, Risse entdeckt. Die NEA veröffentlichte daraufhin eine Liste von 22 Reaktoren, bei deren Druckbehältern RDM an der Herstellung beteiligt war. Auf dieser Liste waren Mühleberg und Leibstadt aufgeführt.[34] Laut der Aufsichtsbehörde ENSI ist der RDB in Leibstadt aber nicht betroffen, da er sich sowohl bezüglich des Herstellers als auch bezüglich des Herstellungsprozesses von den belgischen Reaktoren unterscheidet. Für die zylindrischen Mantelringe, den gewölbten Boden und für den Deckel des RDB wurde kein geschmiedetes, sondern warmgewalztes Material verwendet. Die einzelnen Mantelringe wurden in Japan und Frankreich aus gewalztem Plattenmaterial hergestellt.[34][35]

Daten des Reaktorblocks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Leibstadt hat einen Block:

Reaktorblock [36] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschaltung
Leibstadt (KKL) Siedewasserreaktor 1220 MW 1275 MW 01.01.1974 24.05.1984 15.12.1984 Bisher unbefristet

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Leibstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage KKL
  2. Viel Zeit für den Atomausstieg; Bericht in der NZZ
  3. Technische Details des Kernkraftwerks Leibstadt
  4. Anlage Detailaufnahme 008 kkl.ch, abgerufen 19. Februar 2017.
  5. https://www.kkl.ch/besucherangebote/fuehrungen/fuer-schulen.html
  6. www.kkl.ch > KKL > Chronik abgerufen 19. Februar 2017.
  7. Medienmitteilung: Verlängerung der Jahreshauptrevision. 22. August 2016 abgerufen 19. Februar 2017.
  8. Medienmitteilungen > Archiv 1997–2016, Mitteilungen abgerufen 19. Februar 2017.
  9. [1]
  10. badische-zeitung.de, 21. September 2017: Sieben Wochen vom Netz (2. Oktober 2017)
  11. AKW Leibstadt: Keine weiteren Oxidationen an Brennelementen – Ursachenanalyse dauert an. aargauerzeitung.ch, 19. Oktober 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  12. AKW Leibstadt bleibt zehn Tage länger vom Netz – nun müssen neue Brennelemente ersetzt werden. aargauerzeitung.ch, 30. Oktober 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  13. a b AKW Leibstadt bis Ende Jahr lahmgelegt. tagesanzeiger.ch, 17. November 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  14. Weitere Brennelemente mit Mängeln: AKW Leibstadt bleibt bis Ende Jahr vom Netz. aargauerzeitung.ch, 8. November 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  15. AKW Leibstadt: Sechs mangelhafte Brennelemente waren im Einsatz. aargauerzeitung.ch, 17. November 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  16. Susan Boos: Strahlende Schweiz. Handbuch zur Atomwirtschaft. Rotpunktverlag, 1999
  17. HSK: Klassierte Vorkommnisse in Schweizerischen Kernkraftwerken, abgerufen am 20. Februar 2008
  18. HSK: Reaktorschnellabschaltung Leibstadt 6. März 2007, abgerufen am 20. Februar 2008
  19. Zwischenfall im Atomkraftwerk Leibstadt. In: NZZ Online vom 1. September 2010.
  20. AKW Leibstadt: Brisante Details aufgetaucht.
  21. Bohrlöcher im Primärcontainment des Kernkraftwerks Leibstadt. Pressemitteilung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats. Abgerufen am 8. Juli 2014.
  22. Löcher in Sicherheitshülle gebohrt: Atomaufsicht kritisiert AKW Leibstadt heftig. In: Aargauer Zeitung, 7. Juli 2014. Abgerufen am 8. Juli 2014.
  23. AKW Leibstadt: Löcher in Reaktorhülle blieben sechs Jahre lang unbemerkt. In: Aargauer Zeitung, 10. Juli 2014
  24. Kernkraftwerk Leibstadt erfüllt ENSI-Forderung zur Reparatur des Containments. Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat, 18. Juli 2014; abgerufen am 29. August 2014.
  25. Kühlversagen in Leibstadt: Ursache für Schäden unbekannt – AKW soll trotzdem ans Netz. 1. Februar 2017; abgerufen am 1. Februar 2017.
  26. Kühlversagen in Leibstadt: Ursache für Schäden unbekannt – AKW soll trotzdem ans Netz. 1. Februar 2017; abgerufen am 1. Februar 2017.
  27. Das AKW Leibstadt ist wieder am Netz – Stillstand kostete 180 Millionen. Aargauer Zeitung, 18. Februar 2017, abgerufen am gleichen Tage.
  28. AKW Leibstadt produziert nach Reparatur wieder Stromhttp://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/akw-leibstadt-produziert-nach-reparatur-wieder-strom-130994459
  29. Neue Zürcher Zeitung: Verwaltung muss auch Unbequemes veröffentlichen. 27. September 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  30. ENSI: Bundesgerichtsurteil: ENSI veröffentlicht EMI-Daten des KKL für den geforderten Zeitraum. 6. November 2017, abgerufen am 18. November 2017.
  31. Greenpeace Schweiz:Greenpeace verhindert Beladung von illegalem Atom-Müll-Zug, abgerufen am 9. März 2008
  32. Greenpeace Schweiz: Mahnwache beim AKW Leibstadt: Breite Unterstützung für Greenpeace-Protest, abgerufen am 9. März 2008
  33. Greenpeace Schweiz: Grosse Greenpeace-Aktion in Leibstadt: Schweizer AKW produzieren für das Ausland., abgerufen am 9. März 2008
  34. a b Inspektionen für 22 Reaktordruckbehälter geplant. www.nuklearforum.ch, 20. August 2012; abgerufen am 20. August 2015.
  35. Kernkraftwerk Leibstadt muss Reaktordruckbehälter nicht zusätzlich prüfen. ENSI, 2. Dezember 2013; abgerufen am 20. August 2015.
  36. Power Reactor Information System der IAEA: „Switzerland (Swiss Confederation): Nuclear Power Reactors.“ (englisch)