Kernkraftwerk Perry

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
f1
Kernkraftwerk Perry
Kraftwerk vom Headlands State Park aus gesehen
Kraftwerk vom Headlands State Park aus gesehen
Lage
Kernkraftwerk Perry (Ohio)
Kernkraftwerk Perry
Koordinaten 41° 48′ 3″ N, 81° 8′ 36″ WKoordinaten: 41° 48′ 3″ N, 81° 8′ 36″ W
Land: USA
Daten
Eigentümer: Nuclear GenCorp
Betreiber: FirstEnergy Nuclear Operating Co.
Projektbeginn: 1972
Kommerzieller Betrieb: 18. November 1987

Aktive Reaktoren (Brutto):

1  (1303 MW)

Bau eingestellt:

1
Eingespeiste Energie im Jahr 2008: 10.680 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 171.504 GWh
Stand: 30. Januar 2010
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Perry (englisch Perry Nuclear Power Plant) mit einem Siedewasserreaktor liegt am Eriesee, 65 km nordöstlich von Cleveland im US-Bundesstaat Ohio.

Das Kraftwerk besteht aus einem General Electric-Siedewasserreaktor vom Typ BWR-6. Er hat eine Nettoleistung von 1245 MW. Am 3. Mai 1977 startete der Bau des Reaktors. Er wurde am 6. Juni 1986 zum ersten Mal kritisch. Die erste Netzsynchronisation fand am 19. Dezember 1986 statt. Den kommerziellen Leistungsbetrieb nahm der Reaktor am 18. November 1987 auf. Im Jahr 2000 wurde die thermische Leistung des Reaktors von 3579 MW auf 3758 MW erhöht. Damit wurde der Reaktor zu einem der leistungsstärksten Reaktoren in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Anlage war ursprünglich für zwei Kernreaktoren vorgesehen. Die Bauarbeiten am Block 2 wurden im Jahr 1985 unterbrochen und im Jahr 1994 formell eingestellt. Zum Zeitpunkt der Stornierung waren alle wichtigen Gebäude und Bauten für den zweiten Block bereits fertiggestellt, einschließlich des Kühlturms. Mit einem Investitionsaufwand von sechs Milliarden Dollar ist die Anlage eine der teuersten Kraftwerksanlagen in den USA.

Zukunft der Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den meisten aktiven AKW in den USA hat Perry noch keine 20-jährige Laufzeitverlängerung durch die US-Atomaufsichtsbehörde genehmigt bekommen. Die Betriebsbewilligung für die Anlage ist derzeit somit bis zum 18. März 2026 gültig.

Mittlerweile ist die Zukunft der Anlage ungewiss. Wie viele andere Kernkraftwerke ist auch Perry zunehmend nicht mehr wettbewerbsfähig, da durch die Schiefergasgewinnung und den Ausbau der erneuerbaren Energien auf vielen Strommärkten in den USA ein Überangebot an billigem Strom zur Verfügung steht. Eine Reihe von Anlagen (Crystal River, Kewaunee, San Onofre 2 und 3, Vermont Yankee, Fort Calhoun) wurde aus diesen Gründen bereits stillgelegt, weitere Reaktorblöcke (Pilgrim, Three Mile Island 1, Oyster Creek, Indian Point 2 und 3, Palisades, Diablo Canyon 1 und 2) sind zur Stilllegung vorgesehen, die vorzeitige Abschaltung weiterer Anlagen (Prairie Island, Duane Arnold) ist im Gespräch. Neubauprojekte werden abgesagt, zuletzt wurde der Bau von zwei Blöcken am Kernkraftwerk Virgil C. Summer aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochen.

Auf Grund dieser schwierigen Marktlage wirbt FirstEnergy bei den Staatsregierungen von Ohio und Pennsylvania intensiv um eine Subventionierung seiner Atomkraftwerke. Die Anlagen sollen mit öffentlichen Geldern aus Budgets für den Ausbau CO2-freier Energien nach dem Vorbild von New York und Illinois gefördert werden. In diesen Bundesstaaten hat Exelon 2016 die angekündigte Stilllegung von insgesamt sechs Reaktoren (Quad Cities 1 und 2, Clinton, Ginna, Nine Mile Point 1, Fitzpatrick) wieder zurückgezogen, nachdem die jeweiligen Regierungen zugesagt haben, die Anlagen aus Fonds für schadstofffreie Energien zu subventionieren. In New York bereiten Umweltinitiativen jedoch eine Klage gegen diese Subventionierung von AKW vor.[1]

Die Kampagnen von FirstEnergy haben bisweilen (Stand: Februar 2018) in keinem der beiden Bundesstaaten zu einem Erfolg geführt. Seit Monaten kündigt das Unternehmen an, seine Atomkraftwerke, zu denen neben Perry auch Beaver Valley 1 und 2 sowie Davis Besse gehören, zu verkaufen oder stillzulegen, sofern sich die Lage nicht zeitnah ändern sollte.[2] Im Januar 2018 wurde bekannt, dass FirstEnergy auf Grund der finanziellen Schräglage für die folgenden 18 Monate eine Finanzierung über einen Hedge-Fonds in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar vereinbart hat.[3]

Im März 2018 teilte der Betreiber der US-Atombehörde mit, dass das Kraftwerk 2021Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren stillgelegt werden soll.[4]

Am 25. April 2018 teilte FirstEnergy der Atomaufsichtsbehörde mit, dass das AKW Perry am 31. Mai 2021 endgültig vom Netz gehen soll.[5]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Perry hat einen in Betrieb befindlichen Block:

Reaktorblock Reaktortyp Netto­leistung Brutto­leistung Baubeginn Netzsyn­chronisation Kommer­zieller Betrieb Abschal­tung
Perry-1[6] Siedewasserreaktor 1245 MW 1303 MW 3.05.1977 19.12.1986 18.11.1987 (31.05.2021 geplant)Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren
Perry-2[7] Siedewasserreaktor 1205 MW 01.04.1984 Bau abgebrochen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.whec.com/news/nuclear-subsidy-lawsuit-victory/4765527/
  2. http://www.power-eng.com/articles/2018/01/firstenergy-says-ohio-pa-nuclear-plants-in-danger-of-closing.html
  3. http://www.news-herald.com/general-news/20180201/lake-county-commissioners-air-disagreements-over-resolution-to-support-perry-nuclear-power-plant
  4. Davis-Besse Nuclear Power Station to close in 2020. In: The Morning Journal News, 28. März 2018. Abgerufen am 29. März 2018.
  5. FirstEnergy Solutions definitely to close its nuclear power plants. In Cleveland.com, 25. April 2018. Abgerufen am 25. April 2018.
  6. Power Reactor Information System der IAEA: „United States of America: Nuclear Power Reactors - Alphabetic“ (englisch)
  7. Das Kernkraftwerk Perry 2 im PRIS der IAEA. Archiviert vom Original am 4. Juni 2011; abgerufen am 28. April 2014 (englisch).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]