Kettler (Unternehmen)

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Kettler Freizeit GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1949
Auflösung 2019
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Ense-Parsit, Deutschland
Leitung Olaf Bierhoff
Mitarbeiterzahl 500
Branche Sportartikel, Gartenmöbel, Spielzeug
Website www.kettler.de
Stand: 2019

Das Familienunternehmen Kettler hat Sportartikel, Gartenmöbel sowie Spiel- und Kind-Produkte entwickelt, produziert und vertrieben.[1] Die Fahrradsparte wurde 2015 an die namensähnliche, aber nicht mit der Unternehmensgruppe Kettler zusammenhängende Kettler Alu-Rad GmbH mit Sitz in Köln abgegeben.[2]

Unternehmensaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgebäude in Ense-Parsit
Kettler-Werk in Ense-Parsit

Das Unternehmen hatte seinen Stammsitz in Ense-Parsit in Nordrhein-Westfalen. Dort befand sich die Hauptverwaltung. In der Nachbarstadt Werl unterhielt Kettler insgesamt vier Werke. Das Werk „Mersch“ war das größte innerhalb der Unternehmensgruppe und beherbergte überdies ein großes Zentrallager und die Produktionsstätte des Kunststoffbereichs, die ebenfalls zum Unternehmen gehörte. Die Werke Werl-Sönnern I und II an der Hammer Straße in Werl produzierten u. a. Tischtennisplatten, Sportgeräte, Gartenmöbel aus Aluminium sowie Spielgeräte und Spielfahrzeuge.

Das Unternehmen hatte Niederlassungen in den USA, den Niederlanden, Österreich, Polen, England und Frankreich.[3]

Kettler hatte drei Ladengeschäfte für Fabrikverkauf, in denen Produkte zweiter Wahl und Auslaufware vertrieben wurden: in Bokeloh, Werl und Kamen.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1949 von Heinz Kettler in Parsit (heute ein Ortsteil von Ense im Sauerland) gegründet.[5][6]

1962 brachte das Unternehmen das Tretauto Kettcar als Kinderspielzeug auf den Markt, das ein weltweiter Erfolg wurde; es wurden etwa 15 Millionen Exemplare verkauft. 1977 kam das Kettler Alu-Rad 2600, ein Fahrrad mit Aluminiumrahmen mit einem Gesamtgewicht von 13 kg. Auch als Hersteller von Gartenmöbeln war Kettler lange erfolgreich.

Heinz Kettler wollte seinen gleichnamigen Sohn zum Nachfolger aufbauen, doch kam dieser 1981 bei einem Autounfall ums Leben. Heinz Kettler starb 2005 im Alter von 77 Jahren. Das Unternehmen wurde danach von seiner Tochter, der Biologin Karin Kettler, als Alleingesellschafterin geführt.[5] Zu diesem Zeitpunkt war die Firma bereits in Schwierigkeiten. Am 3. Juni 2015 stellte das Unternehmen schließlich beim Amtsgericht Arnsberg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung, um die unkontrollierte Übernahme[7] durch einen Finanzinvestor zu verhindern.[5][8][9]

Im Dezember 2015 übernahm die ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG) die Fahrradsparte von Kettler. Der Gläubigerausschuss der Heinz Kettler GmbH & Co. KG und das Bundeskartellamt gaben ihre Zustimmungen zu dem Verkauf am 17. Dezember 2015 bekannt. Das Fahrradwerk im saarländischen Hanweiler wird von der ZEG als KETTLER Alu-Rad GmbH[10] weitergeführt, die 80 Beschäftigten wurden übernommen.[11]

Am 31. März 2016 wurde das Insolvenzverfahren gegen die Heinz Kettler GmbH & Co. KG aufgehoben. Am 1. November 2016 ging der Geschäftsbetrieb der Heinz Kettler GmbH & Co. KG mit landesverbürgter Finanzierung auf die Kettler GmbH über. Die Heinz Kettler GmbH & Co. KG wickelte lediglich den Insolvenzplan ab.[12]

Das Bundeskartellamt verhängte im Dezember 2016 Bußgelder von 4,43 Millionen Euro wegen illegaler Methoden zur Preisdurchsetzung gegen fünf deutsche Möbelhersteller, darunter auch gegen die Heinz Kettler GmbH. Bei einigen der Möbelhersteller wurden die Strafen gesenkt, weil sie finanzielle Probleme hatten und in einem Sanierungs- oder Umstrukturierungsprozess waren.[13]

Nach Beendigung des Insolvenzverfahrens zog Karin Kettler sich aus dem operativen Geschäft zurück. Sie starb am 3. März 2017 im Alter von 57 Jahren, eine Woche nach einem schweren Autounfall.[14]

Im Juli 2018 meldete das Unternehmen erneut Insolvenz an.[15] Am 1. Oktober 2018 eröffnete das Amtsgericht Arnsberg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und bestellte Rechtsanwalt Horst Piepenburg zum Sachwalter.[16]

Im Dezember 2018 erwarb der Finanzinvestor Lafayette Mittelstand Capital die Firma.[17] Ende Juli 2019 stellten die Kettler Freizeit GmbH und die Kettler Plastics GmbH Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung.[18][19][20]

Am 11. Oktober 2019 wurde durch den Gläubigerausschuss das endgültige „Aus“ der Firmen Kettler Freizeit GmbH und Kettler Plastics GmbH beschlossen und die Mitarbeiter hierüber am 14. Oktober 2019 informiert. Die Produktion soll zum Jahreswechsel 2019/2020 eingestellt werden.[21][22][23]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kettler Alu-Rad am Bahnhof Ybbs an der Donau, Österreich (2017)

Das Kettler Alu-Rad 2600 war 1977[24] das wohl weltweit erste geschweißte Großserien-Aluminium-Fahrrad: „Das direkte Verschweißen von Alurohren in Großserie wagte erst […] Heinz Kettler […] mit dem ‚Typ 2600‘.“[25] (Grundsätzlich waren Räder mit Aluminium-Rahmen bereits seit den 1890er Jahren in Produktion.)[26] Das Modell Alu-Rad 2600 entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Modelle seiner Klasse in Deutschland; Kettler legte das Modell 2009 erneut auf, um das 30-jährige Jubiläum des Alu-Rades zu begehen.[27] Ein weiterer Bereich war die Herstellung von Kinderfahrzeugen wie Tretrollern, Rutsch-Fahrzeugen, Lauf- und Dreirädern, insbesondere dem bekanntesten Produkt der Firma, dem Kettcar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kettler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kettler. Abgerufen am 12. März 2019.
  2. Kettler. Abgerufen am 12. März 2019.
  3. a b Über KETTLER. Abgerufen am 12. März 2019.
  4. Kettler schließt Werksverkauf vorerst in Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10. Januar 2019
  5. a b c K. Terpitz, C. Kapalschinski: Wie Kettler aus der Spur kam. Insolvenz aus Angst vor Übernahme. In: Handelsblatt Nr. 105 vom 5./6./7. Juni 2015, S. 23.
  6. Thomas Steinmann: Wie ein Mittelständler sich nach der Insolvenz neu erfinden will. In: Capital.de. 4. Mai 2019, abgerufen am 5. Mai 2019.
  7. Die deutsche Commerzbank hatte zuvor ihre Kreditforderungen an den amerikanischen Investor Carlyle abgetreten. Kettler auf der Kippe. In: Welt am Sonntag, 7. Juni 2015 (welt.de)
  8. Kettcar-Hersteller Kettler meldet Insolvenz an n-tv.de, 3. Juni 2015.
  9. Kettler und Kettcar: Fahrradfirma meldet Insolvenz an. In: Der Spiegel Online, 3. Juni 2015.
  10. Website der KETTLER Alu-Rad GmbH (Memento des Originals vom 23. März 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.kettler-alu-rad.de, abgerufen am 8. März 2017
  11. ZEG Pressemitteilungen. In: ZEG. Abgerufen am 12. Februar 2016 (deutsch).
  12. Kettler sieht sich nach „turbulentem Jahr“ auf gutem Weg. In: Soester Anzeiger. 17. Dezember 2016 (soester-anzeiger.de [abgerufen am 20. Dezember 2016]).
  13. Fallbericht des Bundeskartellamts vom 11. Januar 2017 - Bußgelder wegen vertikaler Preisbindung beim Vertrieb von Möbeln. (PDF) Bundeskartellamt, 11. Januar 2017, abgerufen am 15. Januar 2017.
  14. Firmenerbin stirbt nach Autounfall
  15. t-online.de: Kettcar-Hersteller Kettler meldet erneut Insolvenz an, abgerufen am 2. Oktober 2018.
  16. Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung vom 2. Oktober 2018
  17. Finanzinvestor will Traditionsbetrieb weiterführen. www.spiegel.de, 9. Dezember 2018.
  18. Kettler erneut in der Krise. www.spiegel.de, 31. Juli 2019.
  19. Kettcar-Hersteller Kettler ist erneut insolvent. Abgerufen am 4. August 2019.
  20. Kettler beantragt Insolvenz: Das sagt das Unternehmen. 31. Juli 2019, abgerufen am 4. August 2019.
  21. Entscheidung: Endgültiges Aus für Kettler nach Gläubigerausschuss. 11. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  22. Rolf Hansmann: Kettler-Aus: „Als wäre ein Familienmitglied gestorben“. 14. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019 (deutsch).
  23. Mitarbeiter erfahren auf Betriebsversammlung: Kettler-Produktion wird eingestellt. 14. Oktober 2019, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  24. Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Springer-Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-8349-0436-2, S. 279.
  25. Delius-Klasing: Industrie-Denkmal. In: Trekkingbike, Nr. 6, November 2009, S. 22–25.
  26. Bonanzero: Ab wann gab es die ersten Alurahmen? www.rennrad-news.de, 22. Januar 2017, abgerufen am 22. Januar 2017.
  27. bva-media: 30 Jahre Kettler Alurad: Kettler legt das »2600« wieder auf! In: Aktiv Radfahren. 19. August 2009 (aktiv-radfahren.de [abgerufen am 22. Januar 2017]).

Koordinaten: 51° 30′ 5,2″ N, 7° 57′ 29,2″ O