Kevin Kühnert

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Kevin Kühnert, 2018

Kevin Kühnert (* 1. Juli 1989 in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker der SPD und seit dem 24. November 2017 Bundesvorsitzender der Jusos. Zuvor amtierte er als stellvertretender Vorsitzender.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühnert stammt aus einer Beamtenfamilie: Sein Vater ist Beamter in einer Berliner Bezirksverwaltung, seine Mutter arbeitet in einem Jobcenter. Sein Abitur erlangte er 2008 am Beethoven-Gymnasium in Berlin-Lankwitz, wo er auch Schülersprecher war.[2] Daraufhin war er ehrenamtlicher Mitarbeiter in einer Berliner Organisation, die Kinder und Jugendliche bei politischer Partizipation begleitet.[3]

Zunächst arbeitete Kühnert über drei Jahre in einem Callcenter,[4] anschließend studierte er an der FU Berlin Publizistik und Kommunikationswissenschaft, er verließ die Hochschule allerdings ohne Abschluss. Schließlich nahm er ein Studium der Politikwissenschaft und Soziologie an der Fernuniversität in Hagen auf,[5] und arbeitete im Berliner Abgeordnetenhaus für Melanie Kühnemann.[1] 2016 war er Aufsichtsratsmitglied bei Tennis Borussia Berlin.[6][7] Kühnert ist Fan des Fußballklubs Arminia Bielefeld [8].

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühnert trat 2005 in die SPD ein und war von 2012 bis 2015 Landesvorsitzender der Jusos Berlin. Ab 2015[9] fungierte er als stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender und war für die Themen Steuerpolitik, Rentenpolitik, Strukturpolitik, Rechtsextremismus und Migrationspolitik sowie für die Social-Media-Arbeit zuständig. Nachdem Johanna Uekermann nicht noch einmal zur Wahl angetreten war, wählte ihn der Bundeskongress in Saarbrücken im November 2017 mit 225 von 297 Stimmen zum Vorsitzenden der Jusos.[10]

Kommunalpolitisch ist Kühnert im Bezirk Tempelhof-Schöneberg als Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung aktiv.[11]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2018 äußerte sich Kevin Kühnert in einem Interview in der Zeitschrift Siegessäule erstmals zu seiner Homosexualität.[12][13][14]

Im Mai 2018 wurde Kevin Kühnert vom Time magazine zu einem "Next Generation Leader" gekürt. Dies begründete das US-Nachrichtenmagazin damit, dass die von ihm angeführte #NoGroko-Kampagne Angela Merkel fast zu Fall gebracht hätte und er, trotz der Niederlage beim Mitgliederentscheid, eine nationale Debatte über die Zukunft der SPD und über die Zukunft der deutschen Politik im Allgemeinen gestartet habe.[15][16]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühnert wirbt für eine Polarisierung zwischen den großen Volksparteien, damit Rechtspopulisten sich nicht als vermeintliche Alternative darstellen könnten; er nennt die Besteuerung von Vermögen, einen höheren Mindestlohn und die Bekämpfung von Leiharbeit.

Große Koalition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Wahl zum Juso-Bundesvorsitzenden sprach sich Kühnert gegen die Bildung einer erneuten Großen Koalition aus („#NoGroKo“).[17]

Die Glyphosat-Entscheidung im Kabinett Merkel III sei gegen einen klaren Kabinettsbeschluss der GroKo getroffen worden.[18] Hinsichtlich einer in der SPD diskutierten Kooperationskoalition (KoKo) sagte er in einem Interview im Dezember 2017: „Viele Menschen, die eine große Koalition nicht wollen, haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn versucht wird, ihnen ein alternatives Modell zu verkaufen, […]“[19] Während der Sondierungsgespräche über die Bildung einer Großen Koalition im Januar 2018 bekräftigte er seine Position und sprach sich stattdessen für eine Minderheitsregierung aus.

Kühnert bei einer #NoGroKo-Veranstaltung

Nach dem SPD-Parteitag vom 21. Januar 2018 in Bonn intensivierten die Jusos ihre Kampagne #NoGroko und forderten Unterstützer unter dem Motto „Tritt ein, sag’ Nein“ zum Eintritt in die SPD auf, um die Große Koalition bei der Urwahl zu verhindern.[20] SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisierte die Juso-Aktion: „Wenn man jetzt sagt, ‚Tritt ein: Für 10 Euro bleibst du zwei Monate Mitglied, stimmst gegen die Große Koalition und gehst dann wieder raus‘, das entspricht nicht dem, wie ich Partei-Arbeit verstehe. Das reduziert auch den Wert einer Mitgliedschaft. Da sollten wir klar vereinbaren, dass sowas nicht geht.“[21] Kühnert seinerseits betonte, dass die Jusos Neumitglieder werben wollten, die aus Überzeugung in die SPD eintreten, „weil sie unsere Grundwerte teilen. Wenn diese Mitglieder anschließend unserer Argumentation folgen, die Große Koalition abzulehnen, ist daran nichts anrüchig.“[22] Am 1. Februar 2018 wiederholte er im Interview mit Jan Böhmermann im Neo Magazin Royale seine Kritik an den Koalitionsverhandlungen und kritisierte den „rassistischen Bullshit“ der CSU, wobei er riet, diesen als Anlass für den Abbruch der Gespräche zu nutzen.[23][24]

Wie schon vor fünf Jahren ließ die SPD per Mitgliederentscheid über die Frage, ob die Partei eine Koalition mit der CDU/CSU bilden solle, abstimmen. Bis zum 2. März mussten die entsprechenden Stimmzettel zurück gesandt werden. Zuvor tourte Kühnert durch die Bundesrepublik, um vor Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit für die Ablehnung einer Großen Koalition zu werben. Bei Podiumsdiskussionen hatte er jeweils einen Vertreter der Pro-Position als Gegenüber. Begleitet wurde die Kampagne durch Radio- und TV-Interviews sowie der Teilnahme an Sendungen wie Markus Lanz. Hierdurch erlangte Kevin Kühnert Bekanntheit auch über Deutschland hinaus.

Mindestlohn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kevin Kühnert forderte zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2018 in der Rheinischen Post eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns von 8,85 Euro auf mindestens zwölf Euro je Stunde noch in der laufenden Wahlperiode: „Um den Mindestlohn armutssicher zu machen, müsste er schon heute zwölf Euro oder mehr betragen.“[25]

Arbeitslosengeld II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kevin Kühnert kritisierte zum 1. Mai 2018 die Situation von Empfängern von ALG II: „Bestehende Schikanen gehören abgeschafft, die Sanktionsmöglichkeiten vorneweg.“ Er kritisierte, dass viele Menschen in unsinnigen Weiterbildungsmaßnahmen festhingen oder umständlich die Reparatur von Haushaltsgeräten erstreiten müssten.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kevin Kühnert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kevin Kühnert | Stellvertretender Bundesvorsitzender. In: jusos.de. Jusos in der SPD, archiviert vom Original am 16. Dezember 2017; abgerufen am 16. Dezember 2017.
  2. Porträt Kevin Kühnert. In: bild.de. Bildzeitung, 20. Januar 2018, abgerufen am 29. Januar 2018.
  3. Daniel Goffart et al.: Juso-Chef Kevin Kühnert: Dieser junge Mann ist Merkels größte Sorge. In: focus.de. Focus Online, 20. Januar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018: „ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kinder- und Jugendbüro in Steglitz-Zehlendorf“.
  4. hr1-Talk vom 25. Februar, aufgezeichnet am 22. Februar 2018. hr1, 25. Februar 2018, abgerufen am 18. März 2018.
  5. Max Haerder: Ein Jungsozialist will die GroKo verhindern. In: wiwo.de. Wirtschaftswoche, 18. Januar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018.
  6. Mitgliederversammlung wählt neuen Aufsichtsrat. In: tebe.de. Tennis Borussia Berlin, 12. Juli 2016, abgerufen am 21. Januar 2018: „Der bisherige und neue Aufsichtsratsvorsitzende Thorsten Eckert sowie die Aufsichtsratsmitglieder Kevin Kühnert und Christian Gaebler wurden durch die fast einhundert stimm-, bzw. vertretungsberechtigten Mitglieder im Casino des Mommsenstadions in ihrem Amt bestätigt.“
  7. Aufsichtsrat. In: tebe.de, abgerufen am 25. Januar 2017 (Kühnert nicht mehr verzeichnet).
  8. Michael Schläger: Kühnert: »Merkels Linie ist diffus«. In: westfalen-blatt.de. Westfalen-Blatt, 18. Juni 2018, abgerufen am 30. Juni 2018.
  9. Pressemitteilung: Jusos Berlin nominieren den Berliner Kevin Kühnert für den Juso-Bundesvorsitz. In: jusosberlin.de. Jusos Berlin, 9. Oktober 2017, abgerufen am 16. Dezember 2017.
  10. (dpa): Wir sind Bollwerk gegen „GroKo“. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 24. November 2017, abgerufen am 26. November 2017.
  11. Karen Noetzel: Bezirksverordneter Kevin Kühnert wird Juso-Vorsitzender. In: Berliner Woche. Berliner Wochenblatt Verlag GmbH, 30. November 2017, abgerufen am 16. Dezember 2017: „Kühnert, der für die SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg in den Ausschüssen für Schule, für Soziales, Senioren und demographischen Wandel, für Jugendhilfe und für Sport sitzt, […].“
  12. Christian Arnold: SPD am Scheideweg: Juso-Chef Kevin Kühnert im Interview. In: Siegessäule. 5. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.
  13. Kevin Kühnert spricht erstmals über seine Homosexualität. In: welt.de. 6. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.
  14. Carolin Wollschied: Reaktionen auf Coming-Out: „Damit Erika Steinbach sich ärgern kann“. In: FAZ.net. 8. März 2018, abgerufen am 12. März 2018.
  15. Life of the Party. Abgerufen am 19. Mai 2018.
  16. Time-Magazine setzt "Milchgesicht" Kühnert auf Liste der "Next Generation Leader". Abgerufen am 11. Mai 2018.
  17. Kevin Kühnert: „Die SPD wird in keine Große Koalition gehen“. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 30. November 2017, abgerufen am 16. Dezember 2017 (Quelle: Zeit Online, dpa, AFP, Reuters, fin): „‚Ich erwarte vom Parteivorsitzenden, dass er auf den aktuellen Beschluss bei der SPD hinweist. Und das bedeutet: Die SPD wird in keine große Koalition gehen‘, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.“
  18. Max Holscher, Christian Teevs: Juso-Chef Kevin Kühnert: „Wir können die Große Koalition noch verhindern“. In: Spiegel Online. 10. Januar 2018, abgerufen am 11. Januar 2018.
  19. Nico Fried: Koalition – Kooperation – Krabbelgruppe. In: Süddeutsche Zeitung. 13. Dezember 2017, abgerufen am 19. Januar 2018.
  20. Paul Starzmann: Jusos und SPD-Linke werben um Groko-Gegner: „Tritt ein, sag Nein!“ In: tagesspiegel.de. 22. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  21. Angela Ulrich: SPD-Generalsekretär greift Juso-Kampagne an. In: mdr.de. Mitteldeutscher Rundfunk, 24. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  22. Jan Drebes: Juso-Chef: Kühnert lehnt Kurzzeit-SPD-Mitgliedschaften gegen Groko ab. In: rp-online.de. RP Online, 24. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  23. Gereon Asmuth: Kevin Kühnert bei Jan Böhmermann: „Rassistischer Bullshit der CSU“. In: taz.de, 1. Februar 2018, abgerufen am 19. Februar 2018.
  24. Yannik Buhl: Juso-Chef Kevin Kühnert im „Neo Magazin Royale“. Der Anfang von Angela Merkels Ende? In: Stuttgarter Zeitung. 2. Februar 2017, abgerufen am 19. Februar 2018.
  25. a b mik/dpa: Juso-Chef Kühnert fordert zwölf Euro Mindestlohn – mindestens. In: spiegel.de. 1. Mai 2018, abgerufen am 1. Mai 2018.