Khanat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Khanat (türkisch-neulateinisch[1]) oder Chanat (persisch خانات chānāt, türkisch Hanlık) ist die Bezeichnung für die historischen Staatsgebilde der türkischen und mongolischen Stämme im Sinne eines mittelalterlichen Feudalstaates. Sie wurden von einem Khan (oder Chan) regiert, woher auch der Name rührt. Zum Vergleich für ähnliche europäische Staatsgebilde können z. B. ein Fürstentum oder ein Königreich genannt werden.

Größer und mächtiger als ein Khanat war ein Khaghanat (Chaghanat) – das Verhältnis ist vergleichbar wie das eines Königreichs zu einem Kaiserreich.

Liste der Khanate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bulgarische Khanate:

Nachfolger des Mongolischen Reiches:
  • Khanat der Goldenen Horde
  • Tschagatai-Khanat
  • Ilchanat
  • und das Reich der Yuan-Dynastie
  • Die großen Reiche der Mongolen:

    • Das Mongolische Reich (1190 bis 1260) wird auch als mongolisches Großkhanat bezeichnet[2]
    • Tschagatai-Khanat (1229–1571), Nachfolger des Mongolischen Reiches, eines der sogenannten Vier großen Mongolen-Khanate
    • Yarkant-Khanat (1514–1680), auf dem Gebiet des Tschagatai-Khanats
    • Khanat von Mogulistan (14./15. Jahrhundert), im Osten des Tschagatai-Khanats
    • Ilchanat (1256–1335), Nachfolger des Mongolischen Reiches, eines der sogenannten Vier großen Mongolen-Khanate
    • Ögedei-Khanat (ungefähr 1225–1309), Nachfolger des Mongolischen Reiches[3]
    • Khanat der Goldenen Horde (1236–1502), auch Kyptschak-Khanat, Nachfolger des Mongolischen Reiches, eines der sogenannten Vier großen Mongolen-Khanate
    • Orda-Khanat, Khanat der Weißen Horde und Khanat der Blauen Horde, Teilreiche der Goldenen Horde

    Weitere nachfolgenden Reiche:

    • Khanat Kasan (1437–1552), Abspaltung bzw. Nachfolger der Goldenen Horde, ein tatarisches Khanat
    • Khanat der Großen Horde (1438–1502),[4] der Rest von der Goldenen Horde nach den Abspaltungen
    • Khanat der Krim (1440–1783/92), Abspaltung von der Goldenen Horde
    • Khanat Astrachan (1441/66–1554), tatarische Abspaltung von der Goldenen Horde
    • Khanat der Nogaier-Horde (13.–16. Jahrhundert), tatarische Abspaltung der Goldenen Horde
    • Usbeken-Khanat (1428–1506), Nachfolger der Goldenen Horde, später Khanat Buchara (1506–1753/85)
    • Khanat Sibir (1467–1582/1600), tatarische Abspaltung vom Usbeken-Khanat
    • Khanat Chiwa (1510–1920), Abspaltung vom Khanat Buchara
    • Khanat Kokand (1710–1876), Abspaltung vom Khanat Buchara

    Spätere, neue Reiche:

    Weitere Herrschaften:

    Khanate im Kaukasus, insbesondere in Aserbaidschan; sie erlangten nach dem Tod Nadir Schahs im Jahr 1747 ihre Unabhängigkeit von Persien, um später von Russland annektiert zu werden:

    Karte mit Khanaten im Kaukasus (französisch), 2011

    Verwendung des Begriffes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Es gibt viele historische Staaten, die Khanate waren, für die sich aber (im Deutschen) die Verwendung von 'Reich' durchgesetzt hat. Dazu gehören (im 10.–12. Jahrhundert) die frühen turko-mongolische Reiche der Petschenegen, Keraiten, Merkiten, Kara Kitai, Tataren und Naimanen.

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wiktionary: Khanat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Duden: das Khanat.
    2. Marion Linska, Andrea Handl, Gabriele Rasuly-Paleczek: Einführung in die Ethnologie Zentralasiens. S. 65.
    3. vgl. J. Paul: Zentralasien, 2012. Das Ögedei-Khanat umfasste das Gebiet des Großkhans, außerdem die Dsungarei und das Altai-Gebiet, S. 225. Nach dem mißglückten Attentatsversuch verlor das Ögedei-Khanat an Wichtigkeit, S. 224
    4. Marion Linska, Andrea Handl, Gabriele Rasuly-Paleczek: Einführung in die Ethnologie Zentralasiens. S. 66.
    5. J. Paul: Zentralasien, 2012, S. 416