Khevenhüller Gymnasium Linz

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Khevenhüller Gymnasium Linz
Logo des Khevenhüller Gymnasiums
Schulform Gymnasium, Realgymnasium
Gründung 1911
Adresse

Khevenhüllerstraße 1

Ort Linz
Bundesland Oberösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 48° 18′ 7″ N, 14° 18′ 5″ O48.30194444444414.301388888889Koordinaten: 48° 18′ 7″ N, 14° 18′ 5″ O
Schüler 490
Lehrkräfte 62
Leitung Andreas Pree
Website www.khev.at
Khevenhüller Gymnasium Linz

Das Khevenhüller Gymnasium Linz ist seit 1911 eine Allgemeinbildende Höhere Schule in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. Es bestehen die Schulzweige Kulturgymnasium und Realgymnasium. Die Schule liegt an der Khevenhüllerstraße, woher sich auch der Name ableitet.

Geschichte[Bearbeiten]

1911 bis 1918[Bearbeiten]

Das 1911 gegründete „k. k. Staats-Realgymnasium“ war zunächst provisorisch am Hessenplatz in Linz untergebracht. 1913, mit Beginn der Eröffnung der dritten Klasse, musste sich die Schule für eine der beiden vom Lehrplan vorgesehenen lebenden Fremdsprachen, Englisch oder Französisch, entscheiden. Die Wahl fiel nach öffentlicher Diskussion auf Englisch.

1919 bis 1945[Bearbeiten]

Im Jahr 1919 übersiedelte die Schule, die nun zunächst „Staats-Realgymnasium“ und ab 1924 „Bundes-Realgymnasium“ hieß, in den Hofteil des Gebäudes der Allgemeinen Sparkasse auf der Promenade. Erst 1926/27 wurde an der Khevenhüllerstraße das neue Schulgebäude, die heutige Heimstätte des Khevenhüller Gymnasiums, errichtet und am 25. Oktober 1927 feierlich eröffnet.

Die politischen Kämpfe der 1930er Jahre, die Ausschaltung des Parlamentes, der Bürgerkrieg, das Verbot der Sozialdemokratie, die Errichtung des Austrofaschismus und die Aktivitäten der illegalen österreichischen Nationalsozialisten schlugen sich in Form von Versetzung von Lehrern und Ausschluss von Schülern in der Schule nieder. Der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich führte dazu, dass politisch missliebige Lehrer, meist Anhänger des „Ständestaates“, entfernt wurden und jüdische Schüler verschwanden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Lehrer zur Wehrmacht einberufen, was in verschiedenen Fächern Unterrichtskürzungen zur Folge hatte. Aber auch Schüler wurden ab 1943 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Die häufigen Luftangriffe ab 1943 beeinträchtigten den Unterricht, und im Dezember 1944 wurde er gänzlich eingestellt. Am 31. März 1945 zerstörte eine Fliegerbombe den Mittelteil des Westtraktes. Der zerstörte Gebäudeteil wurde 1948 wieder völlig instand gesetzt. 118 Schüler bzw. ehemalige Schüler kamen während des Krieges ums Leben: als Soldaten, als Bombenopfer, in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Seit 2004 erinnern in einer Aula acht kleine Spiegel mit eingravierten Namen der 83 ehemaligen jüdischen Schüler an diese Zeit.

ab 1945[Bearbeiten]

Anfang Oktober 1945 wurde der Großteil des Schulgebäudes von den amerikanischen Besatzungstruppen freigegeben. Kurz darauf begann der Unterricht. Eine Reihe von Lehrern, die in der NS-Zeit unterrichtet hatten, wurde außer Dienst gestellt. Die Unterrichtsarbeit musste zum Teil ohne Schulbücher und Unterrichtsbehelfe auskommen, da die NS-Schulbücher eingezogen wurden, manches dem Bombentreffer (v. a. die Physiksammlung) oder Plünderungen zu Kriegsende zum Opfer gefallen war. In manchen Klassenräumen fehlte die Einrichtung noch auf Jahre hinaus. Für den Fremdsprachenunterricht am Realgymnasium galt nun (wie übrigens schon in der „Oberschule“ der NS-Zeit): Englisch ab der 1. Klasse, Latein ab der 3. Klasse.

In den 1950er Jahren erfuhr das Linzer Bundesrealgymnasium einen derart starken Zuwachs an Schülern – Höhepunkt war das Schuljahr 1956/57 mit 924 Schülern in 24 Klassen, davon vier Klassen mit über 50 Schülern –, dass 1957 im Hummelhof sechs Klassen untergebracht wurden. Auf Grund des neuen Schulorganisationsgesetzes wurde aus der Schule im Jahr 1964 ein Bundesgymnasium mit neusprachlichem und realistischem Zweig, der Name lautete nun „2. Bundesgymnasium Linz“. Die 1970er Jahre brachten Reformbestrebungen im Unterricht, mit dem Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) erstmals ein Gremium aus Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern und die Einführung der Koedukation, die 1976 mit den ersten acht Mädchen begann.

Auf Walter Dorninger, Direktor seit Mitte der 1960er Jahre, folgte Mitte der 1970er Jahre Helmut Salfinger. In seine Amtszeit fiel die Errichtung der VÖEST-Turnhalle 1976 und v. a. die Generalsanierung des Schulgebäudes. 1981 wurde das Gebäude geräumt und die Schule übersiedelte für zwei Jahre in die ehemalige Ursulinenschule (heute Offenes Kulturhaus). Seit 1983/84 verfügt das Schulhaus über ein drittes Stockwerk mit Sonderunterrichtsräumen.

Die prägende Entwicklung der 1990er Jahre, in denen Hermann Heisler Direktor war, ist das Schul-Marketing, d. h. die Profilierung der Schule im Wettbewerb. Symbolisch dafür steht der neue Name „Khevenhüller Gymnasium“. Zentrales Ergebnis dieser Arbeit am Schulprofil war die Neugestaltung des Typenangebotes.

Seit 1998/99 bot die Schule drei Zweige an:

  • Gymnasium mit Latein ab der 3. Klasse und einer zweiten lebenden Fremdsprache ab der 5. Klasse
  • der gymnasiale Schulversuch mit einer zweiten lebenden Fremdsprache ab der 3. Klasse und Latein ab der 5. Klasse
  • das neue Realgymnasium mit naturwissenschaftlichen Praktika und einer zweiten lebenden Fremdsprache oder Latein ab der 5. Klasse

1990 wurde die zentrale Schulbibliothek mit einem Buchbestand von ungefähr 10 000 Bücher an der Schule eröffnet. Der Absolventenverein KEKS (Kollegium ehemaliger Khevenhüller-SchülerInnen) wurde im Jahr 1997 gegründet. Im Jahr 1998 erhielt die gesamte Schule außerdem eine strukturierte EDV-Verkabelung.

Barbara Moser, die seit 2000 das Khevenhüller Gymnasium leitet, hat einen weit reichenden Schulentwicklungsprozess initiiert, der den in Österreich einzigartigen Typus Kulturgymnasium seit 2002/03 geschaffen hat. Seit 2001/02 kommen regelmäßig verschiedene Instrumente zum Einsatz, um die Qualität des Unterrichts zu erheben. 2006 lieferte „AHS 3000“ Vergleichswerte mit anderen Gymnasien Oberösterreichs und zeigte, dass mehr als zwei Drittel der Unterstufenschüler mit dem Khevenhüller Gymnasium zufrieden sind. Seit dem Schuljahr 2005/06 besteht für Schüler der 4. Klasse Volksschule die Möglichkeit an einem Schnuppertag den Schulalltag persönlich kennenzulernen. Im Jahr 2006 wurde das Khevenhüller Gymnasium als ELSA-Schule zertifiziert. 2009 untersuchte Armin Lohmann vom Kultusministerium Niedersachsen 15 Qualitätsbereiche; dabei wurden dem Unterrichtsklima, der Schülerunterstützung, der Zielorientierung und dem Schulklima hohe Werte attestiert. In der Momo-Stunde am Montagmorgen wurde das Soziale Lernen in der 1. Klasse etabliert. Die Tagesbetreuung bietet der Unterstufe Mittagessen, Lernzeit und Freizeit.

Die Erweiterung der EDV-Verkabelung 2010 ermöglichte Computer mit Internetanschluss in jeder Klasse. Weiters wurde die Schule in diesem Jahr behindertengerecht mit Lift, Behinderten-WCs, Treppenlift, Rollstuhlrampen adaptiert.

Seit 1. Oktober 2011 führt Andreas Pree als provisorischer Leiter die Schule. Am 24. Oktober 2011 besuchte Bundespräsident Heinz Fischer im Rahmen der 100-Jahr-Feier die Schule.

Leiter der Schule[Bearbeiten]

1911 – 1927: Eduard Huemer
1928 – 1936: Alois Wolfersberger
1936 – 1938: Hans Commenda
1940 – 1945: Walter Gabl
1948 – 1965: Josef Angsüsser
1966 – 1975: Walter Dorninger
1976 – 1987: Helmut Salfinger
1987 – 1990: Josef Wolfsgruber
1990 – 2000: Hermann Heisler
2000 - 2011 Barbara Moser
ab 2011 Andreas Pree

Ausstattung[Bearbeiten]

Es stehen den Schülern 3 Informatikräume sowie frei zugängliche Computer in den Aulen zur Verfügung. In jeder Klasse befindet sich ein Klassencomputer, ein Beamer sowie eine Beschallungsanlage. Drei Klassenräume haben zusätzlich eine Multimediaausstattung. Weiters verfügt die Schule über ein flächendeckendes WLAN und betreibt für e-Learning einen eigenen Moodle-Server. Nebenbei ist sie auch noch ein ECDL-Prüfungszentrum.

Im 3. Stock befindet sich ein naturwissenschaftliches Zentrum mit Chemie-, Physik-, Biologie- und naturwissenschaftlichem Saal, die alle modern ausgestattet sind. Weiters gibt es für künstlerische Aktivitäten zwei Zeichen-, zwei Werksäle und einen Musiksaal. Für Bewegung und Sport stehen zwei Turnsäle und ein Freiluftplatz zur Verfügung. Theater und Musicalaufführungen finden im schuleigenen Festsaal statt.

Schultypen und Angebot (Stand von 2011)[Bearbeiten]

Kulturgymnasium - Schwerpunkte Kultur und Sprachen[Bearbeiten]

Für Kinder und Jugendliche mit Interesse und Begabung im bildnerischen, musikalischen, literarischen, szenischen oder tänzerischen Bereich.

  • Förderung der individuellen Begabung und breite Ausbildung auf kulturellen und sprachlichen Gebieten
  • fächerübergreifendes und projektorientiertes Arbeiten
  • Theaterwerkstatt, Schreibwerkstatt, Atelierwerkstatt, Musikwerkstatt
  • kulturelle Exkursionen und Projektwochen
  • Kultur(projekt)management (6. Klasse)
  • Präsentation und Kommunikation (4. Klasse)
  • Konversation in den lebenden Fremdsprachen
  • Fremdsprachen: Englisch (ab 1. Kl.), Spanisch (Französisch) ab 3. Kl. und Latein ab 5. Klasse
  • Informatik in der ersten Klasse

Realgymnasium - Schwerpunkt Naturwissenschaften[Bearbeiten]

Für Kinder und Jugendliche mit Interesse und Begabung im naturwissenschaftlichen, mathematischen und informationstechnologischen Bereich.

  • Praktika in Biologie (3. Kl.), Chemie und Physik (4. Kl.)
  • fächerübergreifendes Praktikum Chemie-Physik (6.Kl.)
  • Betonung der Naturwissenschaften in den Fächern Mathematik, Geometrisch Zeichnen, Technisches/Textiles Werken
  • Notebookklassen in der Oberstufe
  • Informatikschwerpunkt (5. – 7. Klasse)
  • Darstellende Geometrie (7. – 8. Klasse) – CAD-Zertifikat möglich (Microstation)
  • naturwissenschaftliche Projekttage und –woche
  • Präsentation und Kommunikation (4. Klasse)
  • Englisch (1. – 8. Kl.); Latein oder Spanisch (ab 5. Kl.)
  • Informatik in der ersten Klasse

Weitere Angebote[Bearbeiten]

  • Cambridge-Zertifikat
  • Europäischer Computerführerschein
  • ECHA-Kurse für hochbegabte Schüler
  • Soziales Lernen
  • Peers (helfen Schülern Konflikte zu lösen)
  • eTwinning
  • Physik- und Chemieolympiade
  • Schultheater
  • Schulchor
  • Schulorchester
  • Schülerzeitung Khevi Magazin

Bekannte Absolventen[Bearbeiten]

  • Herbert Bayer (†), Künstler
  • Adi Hirschal, Schauspieler, Intendant
  • Georg Schmiedleitner, Theaterregisseur
  • Henry Mason, Theaterregisseur, Autor
  • Markus Binder, Duo Attwenger
  • Peter Assmann, Direktor der OÖ. Landesmuseen
  • Kurt Steyrer (†), ehem. Minister für Gesundheit und Umweltschutz
  • Ernst Fehrer (†), Unternehmer und Erfinder
  • Fritz Hatschek, Unternehmer
  • Ernst Reichl (†), Univ.-Prof für betriebliche Datenverarbeitung, Rektor der Johannes Kepler Universität Linz
  • Max Schachinger, Unternehmer
  • Günther Erhartmaier, Landesdirektor
  • Manfred Födermayr, Vorstandsvorsitzender einer großen internationalen Firma
  • Eduard Arzt, Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart
  • Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik
  • Heinz Engl, Univ.-Prof für Industriemathematik, Rektor der Universität Wien
  • Günther Apfalter, Europa-Chef des Magna-Konzerns
  • Georg Werthner, Zehnkämpfer, Olympiavierter 1980
  • Eduard Koblmüller, Extrembergsteiger, Leiter der Alpinschule "Die Bergspechte"
  • Christian Scheib, Musikchef von Ö1
  • Wolfgang Lehner, ORF-Moderator
  • Silvia Schneider, LT1-Moderatorin
  • Heinz Hollerweger, Entwicklungschef AUDI

Weblinks[Bearbeiten]