Kidnapping (Fernsehserie)

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Fernsehserie
Deutscher TitelKidnapping
OriginaltitelDNA (Dänemark),
Kidnapping (Frankreich)
ProduktionslandDänemark, Frankreich
OriginalspracheDänisch, Englisch, Polnisch, Französisch
Jahr2019
Produktions-
unternehmen
Nordisk Film, Frenchkiss Pictures, ARTE France, Public Service Puljen, Warner Bros. International Television Production
Länge40 Minuten
Episoden8 in 1 Staffel
GenreKrimiserie
RegieHenrik Ruben Genz, Kasper Gaardsøe
DrehbuchTorleif Hoppe, Nanna Westh
ProduktionSven Clausen, Trin Thomsen
MusikJacob Groth
KameraJørgen Johansson, Jan Pallesen
Erstausstrahlung9. Sep. 2019 auf TV 2
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
24. Sep. 2020 auf Arte-Mediathek
Besetzung

Kidnapping ist eine dänisch-französische Krimi-Fernsehserie, die 2019 begonnen hat. In der 8-teiligen ersten Staffel geht es um Kinderentführung und -handel.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt, die in Parallelmontage inszeniert sind. Ein Handlungsstrang spielt 2014 und der andere 2019.

Die Handlung setzt 2014 ein. Der Kopenhagener Kriminalkommissar Rolf Larsen, kürzlich Vater des Mädchens Andrea geworden, beginnt im Falle der mutmaßlichen Entführung des kleinen Mädchens Minna zu ermitteln. Minnas Vater Zaid, ein Migrant, gerät unter Verdacht, seine Tochter illegal mit in den Iran nehmen zu wollen, jedoch hat er ein Alibi für die Tatzeit. Die Ermittlungen ergeben, dass eine Spur des Mädchens bis nach Polen führt. Begleitet von seinem Freund und Kollegen, dem Kriminalforensiker Jarl Skaubo, folgt Rolf der Spur und setzt dazu mit einer Ostseefähre von Dänemark nach Rostock über. Mangels Betreuungsmöglichkeit für Andrea nimmt er diese mit an Bord. Während der Überfahrt und bei schwerem Seegang lässt er den Kinderwagen mit ihr kurze Zeit auf Deck unbeaufsichtigt. Bei seiner Rückkehr ist Andrea verschwunden, der Kinderwagen liegt umgestürzt am Außengeländer. Es bleibt daher offen, ob Andrea über Bord gespült wurde oder ebenfalls Opfer des möglicherweise an Bord befindlichen Entführers wurde.

Ebenfalls 2014 verliert die 19-jährige schwangere Polin Julita ihren Verlobten bei einem tödlichen Verkehrsunfall. Als potentielle Alleinerziehende und zur Vorbereitung auf die Geburt begibt sie sich in eine katholische Geburtsklinik, in dem Ordensschwestern vielen schwangeren Frauen bei der Geburtsvorbereitung helfen, sie aber auch wiederholt auffordern, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Da Julita ihr Kind behalten möchte, versucht sie hochschwanger und erfolglos aus der Einrichtung zu fliehen und stürzt dabei, woraufhin die Wehen einsetzen. Unmittelbar nach der Geburt sieht Julita ihre Tochter kurz lebend, ehe Julita von den Schwestern sediert wird. Wieder zu sich gekommen, erhält sie von den Schwestern die Nachricht, dass ihre Tochter totgeboren wurde, schenkt ihnen aber keinen Glauben und vermutet, dass das Kind lebt. Sie beobachtet aus der Ferne, wie Neugeborene von fremden Personen aus der Klinik in eine abgelegene klosterähnliche Einrichtung der Glaubensgemeinschaft gebracht werden, und verfolgt sie bis dorthin. Dort kann sie ihre wahre Identität nicht lange verbergen und wird beim Versuch, zu ihrer mutmaßlichen Tochter zu gelangen, von den Schwestern eingesperrt. Sie beobachtet, wie das Kind aus der Einrichtung fortgebracht wird. Mit der Hilfe einer anderen Schwester gelingt ihr bald die Flucht.

2019 arbeitet Rolf als Landpolizist in Jütland, seine Ehe ist zerbrochen. Die Ermittlungen im Entführungsfall Minna wurden längst eingestellt, ihr Vater gilt als Schuldiger. Während Rolf davon überzeugt ist, dass Andrea entführt wurde, sind alle Anderen der Auffassung, dass sie damals über Bord gespült wurde. Bei einer Verkehrskontrolle durch Rolfs Kollegin Neel flüchtet der gestoppte Mann, von dem sich bei den weiteren Ermittlungen herausstellt, dass seine DNS nicht im Kopenhagener DNS-Register enthalten ist, obwohl er mehrfach vorbestraft ist. Dadurch bemerkt die Polizei auch das Fehlen der DNS-Proben vieler anderer Verbrecher im DNS-Register. Wegen dieses für die Polizei sehr unangenehmen Umstands lässt Rolf noch einmal die Spuren im Falle des Verschwindens von Minna und Andrea prüfen und DNS in das Register einpflegen, welche an Minnas Gummistiefel sichergestellt worden war. Nach dem Datenbankeintrag meldet das europäisch vernetzte System, dass dieselbe DNS kürzlich bei einer ermordeten Frau in Frankreich gefunden wurde. Da der Mörder und der Entführer deshalb ein- und dieselbe Person sein könnten, wird ein Ermittlungsteam zur Suche nach ihm zusammengestellt, zu dem neben Rolf und Neel auch die französische Ermittlerin Claire Bobin gehört.

In der Folge finden die Ermittler heraus, dass mit Kindern, die in Polen offiziell zur Adoption freigegeben wurden, tatsächlich aber ihren leiblichen Eltern entrissen wurden, grenzüberschreitend Kinderhandel betrieben wird. Etliche Kinder wurden in der katholischen Einrichtung, in der auch Julita war, geboren und zur Adoption freigegeben. Der Kinderhandel floriert in Polen besonders, weil dort Abtreibung vergleichsweise eingeschränkt möglich ist und dadurch viele ungewollte Kinder geboren werden. Minna entdecken die Ermittler bei einem Ehepaar in Warschau, das sie in dem Glauben, legal gehandelt zu haben, adoptiert hat. Rolf erlebt in Dänemark mit, wie sich Minna weigert, zu ihrer leiblichen Mutter zurückzukehren, da sie sich zu sehr an ihre Adoptiveltern gewöhnt hat.

2014 verfolgt Julita nach ihrer Flucht aus der katholischen Einrichtung die Entführer des Kindes bis nach Dänemark. Sie entdeckt, dass Jarl Skaubo und seine Ehefrau Eva mit den Entführern kooperieren, und beobachtet bei Dunkelheit, wie Jarl und Rolf ein Kind in ihr Auto tun. Sie verfolgt sie bis an Bord der Ostseefähre und nimmt das Kind in dem Glauben an sich, es sei ihre leibliche Tochter. Zurück in Polen, wird Julita von Jarl aufgesucht, der ihr dazu rät, sich mit dem Kind in ein französisches Frauenhaus zu begeben, wo sie geschützt leben könnten. Tatsächlich geht es Jarl dabei um Vertuschung seiner kriminellen Aktivität.

2019 erfahren die Ermittler von der Verstrickung von Jarl und Eva in die Entführungen und, dass Julitas leibliche Tochter an plötzlichem Kindstod starb. Eva hat als Standesbeamtin die eigentlich illegalen Adoptionen ermöglicht und Jarl hat sie gedeckt. Rolf zwingt Jarl mit körperlicher Gewalt und auf illegale Weise zur Preisgabe von Informationen über den Verbleib von Andrea. Dabei erfährt er, dass Andrea bei Julita in dem französischen Frauenhaus lebt. Er trifft die Beiden dort persönlich, aber kann sich nicht dazu überwinden, ihnen seine wahre Identität zu verraten, ehe er sich von der französischen Polizei verhaften lässt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreativ führend hinter der Serie war der dänische Autor Torleif Hoppe, der zuvor schon an bekannten Krimiserien wie etwa Kommissarin Lund – Das Verbrechen mitgearbeitet hatte. Als Inspirationsquelle für die in der ersten Staffel erzählte Geschichte war für ihn ein einige Jahre zuvor im dänischen DNS-Register aufgetretener Fehler.[1]

Hoppe sagte in einem Interview, dass der dänische Sender TV 2 Interesse an einer zweiten Staffel hat.[1]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie wurde vom 9. September bis 28. Oktober 2019 in Dänemark durch TV 2 erstausgestrahlt. Auf Deutsch erschien sie erstmals am 24. September 2020 zum Abruf in der Arte-Mediathek. Beginnend eine Woche danach, am 1. Oktober 2020, wurde sie auch bei Arte ausgestrahlt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

prisma kritisierte das Anfangsszenario der Serie als „etwas konstruiert“ wirkend, jedoch zeichne sie mit der Figur Rolf Larsen „überzeugend das Bild eines gebrochenen Mannes“.[2]

Die Pariser Zeitung Le Parisien lobte die Serie als „super“.[3] Die französische Zeitung Les Échos beurteilte es als „großartige inszenatorische Virtuosität“, wie der Handlungsstrang, in dem Julita um ihr Kind kämpft, in Rolfs Suche nach den verschwundenen Mädchen aufgeht.[4]

Die Serie wurde beim dänischen Film- und Fernsehpreis Robert 2020 für den Publikumspreis nominiert.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Annika Pham: Torleif Hoppe decodes TV2’s DNA, in: Nordisk Film & TV Fond vom 17. Sep. 2019, abgerufen am 4. Okt. 2020
  2. Andreas Schoettl: "Kidnapping": Wenn plötzlich das eigene Kind verschwindet, in: prisma (Fernsehzeitschrift), abgerufen am 4. Okt. 2020
  3. Sylvain Merle: Charlotte Rampling dans «Kidnapping» sur Arte : «J’ai accepté cette série grâce à la fin», in: Le Parisien vom 1. Okt. 2020, abgerufen am 4. Okt. 2020, Originalzitat: „superbe“
  4. Laura Berny: « Kidnapping » : thriller sartrien sur Arte, in: Les Échos vom 30. Sep. 2020, abgerufen am 4. Okt. 2020, Originalzitat: „grande virtuosité scénaristique“
  5. Awards, in: IMDb, abgerufen am 9. Okt. 2020