Kieler Rathaus

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Kieler Rathaus
Kieler Rathausturm (Aufnahme von 2008)
Rotunde im Eingangsbereich

Das Kieler Rathaus ist das Rathaus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Der 106 m hohe Rathausturm ist eines ihrer Wahrzeichen.

Rathäuser der Stadt Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bisherige Rathaus am Alten Markt wurde um 1900 für die damals stark wachsende Marine- und Werftenstadt zu klein. Daher wurde von 1907 bis 1911 das jetzige Rathaus mit Turm in der Vorstadt am heutigen Rathausplatz westlich der Altstadt gebaut. Es wurde lange als „Neues Rathaus“ bezeichnet.

Das Alte Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf einige Kellergewölbe vollständig zerstört. Im Jahr 2000 bot auch das Haus am Rathausplatz nicht mehr genügend Platz für die städtischen Ämter. Darum wurden vor allem seit 2008 Teile der Stadtverwaltung in das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion in der Andreas-Gayk-Straße ausgelagert. Dieses Gebäude wird seitdem „Neues Rathaus“ genannt.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ließ das heute denkmalgeschützte Rathaus nach den Entwürfen des Karlsruher Jugendstil-Architekten Hermann Billing in den Jahren 1907 bis 1911 erbauen. Der Tradition des repräsentativen Rathausbaus folgend verfügt das Gebäude über einen eigenen Turm. Er erhebt sich aus einem Verbindungsbau zwischen zwei Innenhöfen und ist in Anlehnung an einen Campanile wie den Markusturm der Lagunenstadt Venedig gestaltet. Dieser war 1902 eingestürzt und wurde ab 1903 wiederaufgebaut, worüber auch deutsche Bauzeitschriften berichteten.[1] Der 106 m hohe Kieler Turm überragt den Markusturm allerdings um 7,4 m. In 67 m Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform.

Glockenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Turm ertönt viertelstündlich ein Glockenspiel, welches bis zur vollen Stunde jeweils ein weiteres Viertel der Melodie hören lässt. Der schon beim Bau des Rathauses weit über Plan gestiegenen Kosten wegen, unterlegte der Kieler Volksmund das Glockenspiel von Beginn an mit dem Spottvers:

„Kiel hett keen Geld/dat weet de Welt/ob's mal wat kriecht/dat weet man nich.“[2]

Der Komponist des Glockenspiels ist der Kgl. Musikdirektor Heinrich Johannsen (* 30. Juli 1864 in Lauenburg; † 8. Februar 1947 in Eutin), der sich 1946 in einem Brief selbst zur Entstehung des Geläuts geäußert hat: „Ich wählte ... die 4 Töne des sog. Westminsterschlages (bestehend aus Quinte, Grundton, Sekunde und Terz), denen ich als 5. Ton noch die untere Oktave des Grundtones hinzufügte.“[3]

Die Tonart ist E-Dur. Die Tatsache, dass es sich bei dem verwendeten Westminsterschlag um ein musikalisches Motiv oder eine überlieferte Melodie handelt, ist eine Erklärung für die Eingängigkeit des Glockenspiels des Kieler Rathauses, das dem Glockengeläut des Uhrturmes Big Ben in London oder dem Glockengeläut des Kopenhagener Rathauses überaus ähnlich ist.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm des Rathauses ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Ein Aufzug fährt bis zur Aussichtsebene in 67 m Höhe, die sich um den Turm herumzieht und weite Ausblicke über die Innenstadt und den Hafen im Nordosten, das Ostufer der Kieler Förde, den Hauptbahnhof und die Hörn im Süden sowie die westlichen Ansiedlungen bis Mettenhof gestattet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva-Maria Karpf: 100 Jahre Kieler Rathaus 1911–2011. Kiel 2011, ISBN 978-3-00-034867-9 (PDF-Datei; 2 MB).
  • Jörg Talanow: Kiel – so wie es war. Bd. 2, Droste, Düsseldorf 1978, ISBN 3-7700-0509-0
  • Jörg Talanow: Kiel – Modernes historisch gesehen. Schmidt und Klaunig, Kiel 1972
  • Originalbrief des Kgl. Musikdirektors Heinrich Johannsen von 1946

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva-Maria Karpf: 100 Jahre Kieler Rathaus 1911–2011. Kiel 2011, ISBN 978-3-00-034867-9, S. 20.
  2. „Kiel hat kein Geld/das weiß die Welt/ob's mal was kriegt (erhält)/das weiß man nicht.“ – Es gibt auch einen (weniger bekannten) Originalreimvers, der dem Glockenspiel – das übrigens bereits seit dem 28. Mai 1911 zu hören ist – zugesprochen wurde. Dieser hat folgenden Wortlaut: „De Klock, de sleit, de Tied, de geiht, ni to veel Quark, fix Hand an't Wark!“ [Die Uhr/Glocke, die schlägt, die Zeit, die (ver)geht, nie (nicht) zu viel Quark (Unsinn, Quatsch machen oder reden), schnell Hand an's Werk (legen oder gelegt)]. Dieses berichtet Jörg Talanow in seinem 1972 vorgelegten Werk „Kiel – Modernes historisch gesehen“.
  3. Der Brief des Kgl. Musikdirektors Heinrich Johannsen, aus dem dieser Auszug stammt, liegt im Kieler Stadtarchiv im Original vor und wurde zu demselben Thema in den Kieler Nachrichten vom 4. August 1964 ebenfalls auszugsweise zitiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kieler Rathaus – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 54° 19′ 21″ N, 10° 7′ 57″ O