Kielzugvogel

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Klassenzeichen
Kielzugvogel black.svg
Bootsmaße
Länge üA: 5,80 m
Länge WL: 5,50 m
Breite üA: 1,88 m
Freibord: ca. 0,4 m
Tiefgang: 0,90 m
Masthöhe: 8,40 m
Gewicht (segelfertig): 340 kg
Gewicht (Ballast, Kiel): 140 kg
Segelfläche
Segelfläche am Wind: 20,0 m²
Großsegel: 11,5 m²
Genua: 8,5 m²
Sonstiges
Takelungsart: Slup
Yardstickzahl: 108, ab Bj. 1978: 106
Klasse: national

Der Kielzugvogel ist ein offenes Kielboot für zwei Personen mit holbarem Ballastkiel. Im deutschen Segler-Verband ist er eine nationale Einheitsklasse, in der deutsche Meisterschaften ausgerichtet werden.

Es gleicht in der Bauweise bzw. der Rumpfform dem Schwertzugvogel. Trotz der großen konstruktiven Übereinstimmung sind Kielzugvogel und Schwertzugvogel zwei verschiedene Klassen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Initiative der Segel-Zeitschrift Die Yacht konstruierte Ernst Lehfeld 1960 eine kostengünstige Wanderjolle, die auch in Eigenarbeit hergestellt werden konnte. [1][2] Das Boot sollte gutmütig und stabil sein, so dass es auch von Anfängern oder älteren Seglern genutzt werden konnte. Um von jungen Leuten und Familien eine günstige Möglichkeit für Wanderfahrten zu bieten, war in der ursprünglichen Version auch eine Zeltkajüte vorgesehen. [1] Neben der Jollenversion mit Schwert sollte es auch eine Version mit Ballastkiel geben, um den Zugvogel auch in Küstengewässern einsetzen zu können sowie älteren Seglern und Familien eine noch kentersicherere Möglichkeit zu bieten.[1]

Obwohl der Zugvogel explizit nicht für den Rennsegelsport konstruiert wurde[1], entwickelte sich rasch eine Regattaszene. Dementsprechend wurde auch die Einführung von Spinnaker und Trapez in den 60er Jahren diskutiert, jedoch abgelehnt. [3] Während der Schwertzugvogel rasch zu einer beliebten Klasse wurde, dauerte es beim Kielzugvogel etwas länger. [4]

Abgrenzung zum Schwertzugvogel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwertzugvogel unterscheidet sich in der Bauweise vom Kielzugvogel durch die Ausstattung des Unterwasserschiffs mit einem Schwert anstelle des holbaren Ballastkiels (Kielplatte mit Bleibombe), sowie durch die geringere Masthöhe und Segelfläche. Da Kiel- und Schwertzugvogel den gleichen Rumpf haben, ist eine Umrüstung prinzipiell möglich. Dazu muss das Schwert gegen den Kiel getauscht werden und ein anderer Mast genutzt werden. Einige Werften bieten ihre Rümpfe mit der Möglichkeit zur einfachen Umrüstung an.

Zunächst wurde beim Deutschen Segler-Verband die Anerkennung des Zugvogels als eine Klassenvereinigung beantragt. Der Deutsche Seglertag als zuständiges Gremium lehnte das jedoch ab und empfahl die Gründung von zwei getrennten Klassenvereinigungen für Schwert- und Kielzugvogel, was 1965 auch geschah. [5] Allerdings gibt es nur eine Klassenvorschrift für beide Klassen, so dass technische Änderungen im Reglement von beiden Klassenvereinigungen übereinstimmend beschlossen werden müssen. [6]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliche Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Bau des Schiffes nicht unnötig zu erschweren, wurde als Bauweise der Knickspant in Sperrholz gewählt. Inzwischen hat aber auch hier die GFK-Sandwichbauweise den Holzbau abgelöst. Die Schiffe sind auch nach einigen Jahren noch nicht „weich“ und lassen sich immer noch schnell und erfolgreich segeln, so dass der Zugvogel eine stabile und sichere Jolle mit hohem Wiederverkaufswert ist. [7]

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten 50 Jahren hat sich diese Klasse aus einer Wanderjolle hin zu einem durchkonstruierten Regattaboot entwickelt, bei dem durch streng reglementierte Bauvorschriften technisch ausgeglichene Bedingungen herrschen. Zahlreiche Weiterentwicklungen ließen den Charakter einer Wanderjolle mehr in den Hintergrund treten. Beispiele dafür sind die Einführung des Travellers oder der Wegfall der Staumöglichkeiten im Bug zugunsten von Auftriebskörpern. Die neueste Regeländerung sind mittels Streckzug verstellbare Oberwanten, so dass diese nun während des Segelns verstellt werden können. Nach wie vor wird ohne Spinnaker und ohne Trapez gesegelt. Auf Vorwindkursen wird stattdessen das Vorsegel (Genua) mit einem Spinnakerbaum „ausgebaumt“, und es gibt Ausreitgurte für Steuermann und Vorschoter. Bei Wettfahrten besteht die Besatzung aus zwei Personen.

1978 wurde das Rigg unter anderem durch die Einführung von Unterwanten geändert. Entscheidender war die Verlegung der Ansatzpunkte der Oberwanten auf dem Deck weiter nach innen, so dass das Vorsegel dichter geholt werden kann und damit die Eigenschaften auf Amwindkursen verbessert wurden. Somit sind alte Zugvögel von den Segelleistungen nicht mit neueren ab 1978 vergleichbar, was sich auch in der Änderung der Yardstickzahl niederschlägt.

Bis heute wurden über 4000 Boote in beiden Varianten gebaut. [8]

Segeleigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zugvogel ist trotz seiner Gutmütigkeit ein komplex zu segelndes Boot auch für leichtere Mannschaften, da eine Vielzahl von Trimmmöglichkeiten es ermöglichen, das Rigg den Erfordernissen entsprechend einzustellen. Bei ausreichend Wind kommen sowohl Schwert- wie auch Kielzugvogel auf Raum- und Vorwindkursen ins Gleiten. Nach wie vor gilt er als gut geeignete Wanderjolle. [8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kielzugvogel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Der Zugvogel ist da (ohne Autor) in: Die Yacht (Bielefeld), Nr. 21/1960, S. 798–800 + 808
  2. L. Johannsen: "50 JAHRE ZUGVOGEL - Er zieht und zieht und zieht..." In Yacht 11/2010
  3. Zugvogel - mit Trapez und Spinnaker? in Yacht 7/1962 S. 25
  4. Erfahrungen mit dem Kielzugvogel in Yacht 1/1964 S. 66
  5. Antrag an den Deutschen Seglertag Yacht Nr. 4/1963 S. 5
  6. Klassenvorschrift
  7. Ein Klassiker im Aufwind in Segler-Zeitung 5/2011 S. 113
  8. a b A. Fritsch: "Tourenzwerge" in Yacht 23/2009 S. 22ff.