Kientzheim

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Kientzheim
Wappen von Kientzheim
Kientzheim (Frankreich)
Kientzheim
Region Elsass
Département Haut-Rhin
Arrondissement Ribeauvillé
Kanton Kaysersberg
Koordinaten 48° 8′ N, 7° 17′ O48.1361111111117.2861111111111225Koordinaten: 48° 8′ N, 7° 17′ O
Höhe 220–662 m
Fläche 4,83 km²
Einwohner 729 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 151 Einw./km²
Postleitzahl 68240
INSEE-Code

Kientzheim (deutsch Kienzheim) ist eine Gemeinde mit 729 Einwohnern (Stand 1. Januar 2012) im Kanton Kaysersberg im Département Haut-Rhin in der Region Elsass in Frankreich. Sie ist Mitglied der Communauté de communes de la Vallée de Kaysersberg. Die Gemeinde ist nicht zu verwechseln mit dem etwa 30 km nördlich liegenden Kintzheim im Département Bas-Rhin.

Geographie[Bearbeiten]

Kientzheim liegt am Rand der Vogesen, am Austritt der Weiss aus dem Gebirge in die Oberrheinische Tiefebene. Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges. Das Dorf liegt ungefähr zehn Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Colmar. Unmittelbare Nachbargemeinden von Kientzheim sind Sigolsheim, Ammerschwihr und Kaysersberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Kientzheim wurde als Chonesheim schon im 8. Jahrhundert in einem Güterverzeichnis der Abtei Fulda, der hier Ländereien gehörten, erwähnt. Auch hatte die Zürcher Abtei St. Felix und Regula hier Besitz. Die Herren der Ortschaft wechselten häufig. Zu ihnen gehörten zeitweise die Herren von Eguisheim, die Herren von Ferrette oder die von Hohlandsberg. 1347 erhielt der Ort durch Erzherzog Leopold von Österreich das Stadtrecht. Im 16. Jahrhundert war Lazarus von Schwendi Stadtherr, der die Burg zum Schloss ausbauen und die Stadt weiter befestigen ließ.

Zwischen 1845 und 1861 residierte hier der aus dem Elsass stammende bayerische Diplomat Johann Franz Anton von Olry (1769–1863) und war der Mittelpunkt eines katholisch-aristokratischen Gesellschaftskreises. Es ist u.a. überliefert dass er noch mit über 80 Jahren in der Kirche von Kientzheim als Ministrant am Altar diente.[1]

Während der Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1944 das Städtchen zu etwa 70 % zerstört, wertvolle Archivbestände wurden vernichtet. An der Kirche erinnert eine Gedenktafel an die Malgré-nous, zwangsweise von den Deutschen während des Krieges eingezogene Elsässer.

In Kientzheim wurde 1986 der Lazarus-von-Schwendi-Städtebund gegründet, dem neben Kientzheim und anderen elsässischen Gemeinden auch Orte in Deutschland und in Belgien angehören.. Die Gebeine der Herren von Schwendi ruhen in der Kirche.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 850 896 864 811 933 827 786

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Stadtmauer mit einigen Türmen aus dem 14. Jahrhundert
  • Das Schloss Schwendi aus dem 15. Jahrhundert
  • Die Kirche St. Marien von 1722 mit Chor und Turm aus dem 15. Jahrhundert mit den Grabmalen von Lazarus von Schwendi (1554) und dessen Sohn (1609) und gotischem Beinhaus
  • Kapelle St. Felix und Regula mit einer einmaligen Sammlung von Votivbildern aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Weinbau[Bearbeiten]

Der Ort ist wie die meisten Orte der Vogesen-Vorbergzone ein Weinort und liegt daher an der Elsässer Weinstraße. Die Weinlagen Furstentum (mit Sigolsheim) und Schlossberg (mit Kaysersberg) sind besonders wertvolle Alsace Grand Cru-Lagen. Die Weinbruderschaft St. Etienne, die sich um die Erhaltung der traditionellen Weinherstellung und die Weinqualität der Elsässer Weine bemüht, hat im Kientzheimer Schloss Schwendi ihren Sitz. Das elsässische Weinbaumuseum zeigt alles rund um den für das Elsass so wichtigen und charakteristischen Weinbau. Das örtliche Weinfest findet am letzten Juliwochenende statt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kientzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Binder (Herausgeber): Aus dem Leben des Ritters von Olry, Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, Band 52 (1863, 2. Band), Seite 642, Scan aus der Quelle