Kierberg
Kierberg Stadt Brühl
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| Koordinaten: | 50° 50′ N, 6° 53′ O |
| Höhe: | 97 m ü. NHN |
| Einwohner: | 4283 (31. Dez. 2019)[1] |
| Eingemeindung: | 1932 |
| Eingemeindet nach: | Brühl |
| Postleitzahl: | 50321 |
| Vorwahl: | 02232 |
Häuserzeile an der Kaiserstraße
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Kierberg ist ein Stadtteil und zugleich eine Gemarkung der Stadt Brühl im Rhein-Erft-Kreis.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kierberg liegt im Nordwesten Brühls im sogenannten Vorgebirge am mittleren Osthang der Ville und somit am Westrand der inneren Kölner Bucht im Süden von Nordrhein-Westfalen.
Im Norden geht Kierberg nahtlos in den benachbarten Brühler Stadtteil Vochem über. Im Osten und Süden grenzt Kierberg hingegen an die Brühler Innenstadt. Im Westen liegt schließlich der Brühler Stadtteil Heide, von Kierberg durch die Benden und den Siegesbach mit seinem kleinen Wasserfall getrennt.
Am äußeren Westrand Kierbergs verläuft der Naturpark Rheinland mit den dazugehörigen Wäldern und Seen. Während der Gruhlsee noch auf Kierberger Gebiet liegt, bildet der Bleibtreusee die natürliche Grenze zur Stadt Hürth mit ihrem Stadtteil Knapsack.
Die Innenstadt Kölns liegt rund zehn Kilometer von Kierberg entfernt.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Römerzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bevölkert wurde das Areal des heutigen Stadtteiles von Brühl, wie der Großteil des fruchtbaren Vorgebirges, sehr wahrscheinlich bereits in der Jungsteinzeit. Die ältesten erhaltenen Menschenfunde stammen jedoch aus der Römerzeit, in der mehrere Trassen zwischen Bonn und Köln durch das heutige Kierberg verliefen.
Frankenzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachweislich besiedelt wurde Kierberg erstmals von den Franken während der Herrschaft der Merowinger. Die Ursprünge des heutigen Stadtteiles gehen auf das 7. Jahrhundert zurück, in dem unter dem Kölner Bischof Kunibert der Fronhof Merreche (abgeleitet von curtis in myrica, deutsch Hof in der Heide) aus dem fränkischen Königsgut dem Bistum Köln geschenkt wurde. Aus diesem frühen Namen entwickelten sich später auch die Bezeichnungen Meregge, Merrechte und Merrich.
Nach dem Bau einer ersten Kapelle und einer späteren Kirche auf dem höchsten Punkt des Ortes, entstand der Flurname Kyrbergh. Dieser sollte sich später zum heutigen Ortsnamen Kierberg entwickeln.
Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 12. Jahrhundert wurde der Fronhof Merreche zu einem Rittergut ausgebaut. Eine Urkunde von 1231 belegt in diesem Zusammenhang den Ort als Sitz des Ritters Hermann, Sohn Lamberts von Merreche, und des Weiteren ein unterhalb Merrches gelegenes Kloster. In der gleichen Urkunde wird auch die Bezeichnung Marienbende bei Merrege benutzt.
Rund um das Rittergut waren, wie im restlichen Vorgebirge, vorwiegend Rebstöcke angelegt. Der in Merreche angebaute Wein wurde anschließend von den Winzern nach Köln und Bonn veräußert. Aus den unverkauften Restbeständen wurde für die lokale Bevölkerung der sogenannte Bleichert hergestellt, ein blassrötlicher Wein.
1242 eroberte und plünderte Graf Wilhelm von Jülich mit den kaiserlichen Truppen die Stadt Bonn. Als er auf seinem Rückzug offenbar sorglos in der Nähe Brühls übernachtete, wurde er von den Truppen des kölnischen Erzbischofs Konrad von Hochstaden überrascht und geschlagen. Diese Schlacht soll bei Merreche stattgefunden haben.[2]
In der Urkunde Testes exauditi von 1304 ist von einer Kapelle zu Meregge die Rede, die mit der Kirche in Brühl und Vochem zur Mutterkirche Kendenich in der heutigen Stadt Hürth gehörte, 1324 wurde schließlich von Kyrbergh sowie Aufm Kirchberg gesprochen. In einem anderen Dokument des Fronhofes zu Vochem verwendete man 1577 anlässlich eines Pachtvertrages für eine Mühle die weiter abgewandelte Form Merrich. Nach Theodor Lacomblet war der Eigentümer dieses Fronhofes Degenhard Komp (das Bild zeigt sein Grab).
Nachdem Brühl seine Stadtrechte erhalten hatte und befestigt worden war, zogen die Bewohner von Merrich mehrheitlich in den Schutz der erzbischöflichen Burg, so dass die Gemarkung annähernd wüst fiel. 1635 gab es auf dem Gebiet des heutigen Kierberg nur noch einen Hof der Pfarre Sankt Margareta, das Kierbeger Gütchen, den Karthäuserhof, drei bewohnte Kotten und die Mühlen im Siegesbachtal. Laut einer Rechnung von 1696 wurde die als verwahrlost bezeichnete Kapelle von Grund auf bis auf das Dach in Fachwerk neu aufgebaut. 1733 wurde sie mit einem neuen Bodenbelag versehen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts standen im Ort lediglich 35 Häuser.
19. Jahrhundert
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Bedeutsam wurde der Ort erst im Zeitalter der Industrialisierung. Die Bezeichnung Kierberg erschien erstmals 1821 im Zusammenhang mit der preußischen Katasteraufnahme. 1875 wurde die Eifelstrecke zwischen Köln und Euskirchen eröffnet, die den Ort seit dem in einem tiefen Graben durchschneidet. Kierberg erhielt einen eigenen Haltepunkt, der als Kaiserbahnhof besonders prachtvoll gestaltet wurde, da Kaiser Wilhelm I. von hier zu den Manöverplätzen in der Eifel fuhr. Über die Kaiserstraße konnte er anschließend das Stadtzentrum von Brühl mit dem Schloss Augustusburg erreichen, wo er nächtigte.
20. und 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kierbergs neuere Geschichte wurde vor allem durch den Braunkohletagebau geprägt. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, 1910 zählte der Ort 2594 Einwohner.[3] Neben prachtvollen Bürgervillen entlang der Kaiserstraße entstanden Arbeitersiedlungen für die Beschäftigten des Braunkohletagebaus und der Brikettfabriken im Rheinischen Braunkohlerevier.
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Gruben rekultiviert und die Brikettfabriken abgerissen. Durch den Ausbau Kierbergs in nördliche, östliche und südliche Richtung, wuchs Kierberg schließlich mit den ihn umgebenden Stadtteilen Brühls zusammen.
Schulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kierberg besitzt zwei Grundschulen. Die Barbaraschule am Mühlenbach wurde 1968 als katholische Grundschule Kierberg gegründet. Ihren Namen erhielt sie nach der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergarbeiter, da die ehemals vom Braunkohletagebau geprägten Stadtteile Kierberg und Heide ihr Einzugsgebiet bilden. Im Gebäude der 2025 stark ausgebauten und zweigliedrigen Barbaraschule ist seit 2002 auch das Archiv der Stadt Brühl untergebracht.
Die Regenbogenschule an der Kaiserstraße wurde 2019 durch die Zusammenlegung der ehemaligen Melanchthonschule mit der ehemaligen katholischen Grundschule Vochem gegründet. Sie stellt eine dreizügige Schule des Gemeinsamen Lernens mit den Schwerpunkten Vielfalt und digitales Lernen dar. Am Standort in Kierberg werden die Klassen 1 und 2, in Vochem die Klassen 3 und 4 unterrichtet. Der Schulbezirk der in Kierberg ursprünglich nach Philipp Melanchthon benannten evangelischen Grundschule erstreckt sich auf die Stadtteile Heide, Kierberg und Vochem und umfasst das Stadtgebiet nördlich des Schulbezirkes der innerstädtischen Astrid-Lindgren-Schule am Rodderweg, sowie nordwestlich des Schulbezirkes der Martin-Luther-Schule an der Bonnstraße.
Bauwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die katholische Pfarrkirche Sankt Servatius, genannt Arbeiterdom: Die neugotische Hallenkirche entstand in den Jahren 1903 bis 1904 nach Plänen des Architekten Alfred Tepe. Sie ersetzte einen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert. Neben den neugotischen Fenstern ist insbesondere ein Altar aus dem 17. Jahrhundert sehenswert, der den Aposteln Matthias und Jakobus gewidmet ist. Ein Volksaltar stammt vom Sürther Bildhauer Theo Heiermann.
- Der Kaiserbahnhof von 1875, seit dem 20. Jahrhundert gastronomisch genutzt.
- Der Kierberger Bahnhofspark ist eine Grünanlage, die 1875 gemeinsam mit dem angrenzenden Bahnhofsgebäude entstand. Neben altem Baumbestand steht dort unter anderem eine Plastik aus der Zeit um 1900, die den Raub der Persephone zeigt. Sie wird im Volksmund Bläcker Mann genannt.[4][5]
- Entlang der Kaiserstraße stehen zahlreiche Gebäude aus der Gründerzeit unter Denkmalschutz.
Schienenverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Haltepunkt Brühl-Kierberg (bis 2016 nur Kierberg) liegt an der Eifelstrecke (Köln–Euskirchen–Gerolstein–Trier), auf der im Schienenpersonennahverkehr die Regionalbahn RB 24 Köln–Euskirchen–Kall, in der Hauptverkehrszeit bis Gerolstein, verkehrt.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Franz Wilhelm Koenigs (1881–1941), in Kierberg geborener deutsch-niederländischer Bankier und Kunstsammler
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl , J. P. Bachem Verlag, Köln 1887.
- Wilfried Hansmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Erftkreises. Stadt Brühl (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen. I. Rheinland, Band 7.3), hrsg. vom Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-7861-3000-0, S. 172–173.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Einwohner nach Ortsteilen Stadt Brühl 2019, Webseite der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale Rhein-Erft-Rur, abgerufen am 21. Februar 2023.
- ↑ Georg Waitz, Chron. Regia 307: Chronici Rythmici Coloniensis fragmenta
- ↑ http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900/gem1900.htm?rheinprovinz/koeln.htm
- ↑ bj: Bläcker Mann. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 22. Februar 2006, abgerufen am 28. Februar 2018.
- ↑ Klütten, Kaiser, Bürgersleut – Zur Geschichte des Kaiserbahnhof, (PDF; 360 kB), Webseite des Wisoveg – Wirtschafts-, Sozial- und Verkehrsgeschehen im Rheinland, abgerufen am 23. Februar 2018.
