Kierberg

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Kierberg
Stadt Brühl
Koordinaten: 50° 50′ 15″ N, 6° 53′ 8″ O
Höhe: 97 m ü. NHN
Einwohner: 4265 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1932
Postleitzahl: 50321
Vorwahl: 02232
Pfarrkirche Sankt Servatius

Kierberg ist ein nordwestlicher Ortsteil der Stadt Brühl und liegt am östlichen Rand des Vorgebirges..

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kierberg liegt am oberen Osthang der Ville im Vorgebirge und am Westrand der inneren Kölner Bucht. Nachbarorte sind die Ortsteile Heide und Vochem sowie Brühl-Innenstadt. Die Stadtmitte des Hauptortes Brühl liegt etwa zwei Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merowinger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge des heutigen Ortes Kierberg gehen auf das 7. Jahrhundert zurück. Unter dem Kölner Bischof Kunibert wird der Fronhof „Merreche“ (= curtis in myrica; deutsch: „Hof in der Heide“) aus fränkischem Königsgut der kölnischen Kirche geschenkt. Aus diesem frühen Namen wird später die Bezeichnung „Meregge“, oder „Merrechte“ und „Merrich“. Nach dem Bau einer ersten Kapelle und einer späteren Kirche auf dem Berg entsteht der Name Kirberg und wird zum heutigen Kierberg.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch im 12. Jahrhundert ist von einem Hof in Merreche die Rede. Eine Urkunde von 1231 spricht in diesem Zusammenhang von Ritter Hermann, Sohn Lamberts von Merreche, und erwähnt ein unterhalb Merrches gelegenes Kloster. Die gleiche Urkunde benutzt auch die Bezeichnung „Marienbende bei Merrege“.

Im Jahr 1242 erobert und plündert Graf Wilhelm von Jülich mit den kaiserlichen Truppen die Stadt Bonn. Als er auf seinem Rückzug offenbar sorglos in der Nähe Brühls übernachtet, wird er von den Truppen des Kölner Erzbischofs überrascht und geschlagen. Diese Schlacht soll bei „Merreche“ stattgefunden haben[2].

Familiengrab Komp, auf dem alten Kirchhof in Vochem.

In der Urkunde „Testes exauditi“ aus dem Jahre 1304 ist von einer Kapelle zu „Meregge“ die Rede, die mit der Kirche in Brühl und Vochem zur Mutterkirche Kendenich (Hürth) gehörte. Ein anderes Dokument des Fronhofes zu Vochem verwendet im Jahr 1577 anlässlich eines Pachtvertrags für eine Mühle schon die weiter abgewandelte Form Merrich. Nach Lacomblet ist der Eigentümer dieses Hofes „Herr Degenhard Komp, ef. Vochem“ (das Bild zeigt sein Grab).

Laut einer Rechnung aus dem Jahr 1696 wurde die als verwahrlost bezeichnete Kapelle von Grund aus bis auf das Dach in Fachwerk neu aufgebaut. 1733 wurde sie mit einem neuen Bodenbelag versehen.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiserbahnhof Kierberg im 19. Jahrhundert

Bedeutsam wurde der Ort erst im Zeitalter der Industrialisierung. 1875 wurde die Eifelstrecke Köln-Euskirchen eröffnet, die den Ort in einem tiefen Graben durchschneidet. Kierberg erhielt einen eigenen Haltepunkt, der als „Kaiserbahnhof“ besonders prachtvoll gestaltet wurde, da Kaiser Wilhelm I. von hier zu den Manöverplätzen in der Eifel fuhr. Die Kaiserstraße verbindet den Ortsteil mit dem Brühler Schloss Augustusburg, wo der Kaiser nächtigte.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kierbergs neuere Geschichte wurde vor allem durch den Braunkohletagebau geprägt. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, 1910 zählte der Ort 2594 Einwohner[3]. Neben prachtvollen Bürgervillen entlang der Kaiserstraße entstanden Arbeitersiedlungen für die Beschäftigten des Braunkohletagebaus und der Brikettfabriken im Rheinischen Braunkohlerevier. Im 21. Jahrhundert sind die Gruben rekultiviert und die Brikettfabriken abgerissen.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Barbaraschule (am Mühlenbach) wurde 1968 als katholische Grundschule Kierberg gegründet. Ihren Namen erhielt sie nach der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergarbeiter, da die ehemals vom Braunkohletagebau geprägten Stadtteile Kierberg und Heide ihr Einzugsgebiet bilden. Im Gebäude der Barbaraschule ist seit Ende 2002 das Archiv der Stadt Brühl untergebracht.

Der Schulbezirk der (ursprünglich evangelischen) Melanchthonschule (Kaiserstraße), einer heutigen Gemeinschaftsgrundschule, erstreckt sich auf die Stadtteile Heide, Kierberg und Vochem und umfasst das Stadtgebiet nördlich des Schulbezirks der innerstädtischen Astrid Lindgren-Schule, Rodderweg, und nordwestlich des Schulbezirks der Martin Luther-Schule an der Bonnstraße.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnstation Kaiserbahnhof, Brühl-Kierberg, 21. Jahrhundert

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Brühl-Kierberg (bis 2016 nur Kierberg) liegt an der Eifelstrecke (Köln–Euskirchen–Gerolstein–Trier), auf der im Schienenpersonennahverkehr die Regionalbahn RB 24 Köln–Euskirchen–Kall, in der Hauptverkehrszeit bis Gerolstein, verkehrt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl , J. P. Bachem Verlag Köln 1887

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://offenedaten.kdvz-frechen.de/dataset/6af925ab-855f-457d-b3b8-7904f9faad3a/resource/6af925ab-855f-457d-b3b8-7904f9faad3a
  2. Georg Waitz, Chron. Regia 307: Chronici Rythmici Coloniensis fragmenta
  3. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900/gem1900.htm?rheinprovinz/koeln.htm
  4. bj: Bläcker Mann. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 22. Februar 2006, abgerufen am 28. Februar 2018.
  5. Klütten, Kaiser, Bürgersleut – Zur Geschichte des Kaiserbahnhof, (PDF), Webseite des Wisoveg – Wirtschafts-, Sozial- und Verkehrsgeschehen im Rheinland, abgerufen am 23. Februar 2018.