Kietz (Berlin-Köpenick)

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Bronzemodell des Kietzes; Ausschnitt aus dem Altstadtmodell

Der Kietz war ursprünglich eine slawische Fischersiedlung südöstlich des Zentrums des Berliner Ortsteils Köpenick, heute Teil des Bezirks Treptow-Köpenick, die bis Ende des 19. Jahrhunderts ihre kommunalrechtliche Eigenständigkeit bewahrte (Selbstverwaltung). Seine Bevölkerung zählte stadtrechtlich weder zu den Bewohnern der Burg und des späteren Schlosses Köpenick noch zu den Einwohnern der Stadt Köpenick.

Im Stadtbild ist in der gleichnamigen Straße ein im Wesentlichen geschlossenes Gebäudeensemble aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben, das unter Denkmalschutz steht.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kietz liegt am Ostufer der Dahme südlich der Müggelheimer Straße. Gegenüber dem Kietz liegt auf einer Insel in der Dahme das Köpenicker Schloss, nördlich daran schließt sich die Köpenicker Altstadt an. Die Altstadtinsel und der Kietz sind durch den Kietzer Graben getrennt. Der Kietz besteht aus der gleichnamigen Straße, die von der Müggelheimer Straße nach Süden in Richtung Wendenschloss führt, der parallelen Gartenstraße und einigen kurzen Verbindungsstraßen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofgebäude im Kietz Köpenick, 1975

Seit dem 7. Jahrhundert gab es eine slawische Burg an der Stelle des heutigen Schlosses Köpenick.

Vermutlich entstand der Kietz Köpenick im 13. Jahrhundert. Um 1240 errichteten die Askanier eine neue Burg. Die Slawen wurden von der Insel umgesiedelt. Ein Teil von ihnen wurde auf dem Ostufer der Dahme angesiedelt, um einen für jene Zeit typischen Kietz als Dienstsiedlung für eine deutsche Burg auf der Schlossinsel zu bilden. Die Einwohner hatten vor allem die neue markgräfliche Burg mit Fischen zu beliefern. Die älteste nachgewiesene urkundliche Erwähnung des Kietzes stammte aus dem Jahr 1355. Laut Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 existierten 24 Häuser.[1] Die Bewohner lebten vor allem von der Fischerei. Das Erbregister von 1589 führte im Kietz 31 Hausstellen auf, die alle die Fischereigerechtigkeit besaßen.[2] Damit auch die Bewohner auf der flussabgewandten Ostseite der Straße die Fischerei betreiben konnten, wurden zu ihren Grundstücken Wassergassen angelegt. Zum Kietz gehörten größere Wiesenflächen, die weit über die Umgebung verstreut waren, allerdings kein Ackerland. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Kietz teilweise zerstört, später in alter Struktur wieder aufgebaut. An der Größe des Kietzes änderte sich jahrhundertelang nur wenig. Auch 1743 wurden 31 Wohngebäude gezählt, in den folgenden hundert Jahren kamen lediglich sechs hinzu. Die Einwohnerzahl war bis 1858 auf 415 Personen gestiegen.[3] Die Häuser lagen zunächst ausschließlich der entlang der Dahme führenden Straße (heute die Straße ‚Kietz‘), später siedelten sich Handwerker und Gewerbetreibende auch an einer Parallelstraße (der heutigen ‚Gartenstraße‘) an.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten auf dem Ostufer der Dahme eine Reihe von Industriebetrieben. Daneben entstand an den Kietz angrenzend ein Wohngebiet, die Kietzer Vorstadt. Auch im Kietz selbst entstanden einige mehrgeschossige Wohnbauten. Am 1. April 1898 wurde der Kietz nach Köpenick eingemeindet. 1920 wurde Köpenick und damit auch der Kietz Teil von Groß-Berlin. 1993 wurde der Kietz zusammen mit der Köpenicker Altstadt vom Berliner Senat zum Sanierungsgebiet erklärt.[4] In den folgenden Jahren wurden viele Gebäude denkmalgerecht saniert.

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kietz ist heute zwar weitgehend in der Köpenicker Bebauung aufgegangen, vor allem in der Straße Kietz ist aber ein weitgehend geschlossenes Ensemble von Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Das Haus Kietz 27 weist noch eine weitgehende Originalsubstanz aus dem Jahr 1727 auf. Das Haus Kietz 21 stammt aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Einige weitere Häuser wie Kietz 19 sind im Kern ebenfalls vom Anfang des 18. Jahrhunderts, jedoch teilweise seitdem mehrfach umgebaut.[5] Die älteren Fischerhäuser sind eingeschossig mit Satteldächern, neuere Bauten zwei- und dreigeschossig, in der Gartenstraße und an wenigen Stellen in der Straße Kietz gibt es einige mehrgeschossige Häuser aus der Gründerzeit. Das Gebäudeensemble steht komplett unter Denkmalschutz,[6] daneben sind eine Reihe von Häusern als Einzeldenkmale ausgewiesen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Ludat: Die ostdeutschen Kietze. Verlag Gustav Kunze, Bernburg 1936, DNB 574915672.
  • Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  • Bruno Krüger (Autor), H. Schneemann (Kartographie): Die Kietzsiedlungen im nördlichen Mitteleuropa. Beiträge der Archäologie zu ihrer Altersbestimmung und Wesensdeutung. Mit 3 Verbreitungskarten im Anhang (= Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.]: Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte. Band 11). Akademie-Verlag, Berlin 1962, DNB 452605652.
  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. Ein Handbuch der ehemaligen Landgemeinden im Stadtgebiet von Berlin. Hrsg.: Wissenschaftsbereich Kulturgeschichte/Volkskunde im Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 2., durchgesehene Auflage. Verlag für Bauwesen, Berlin 1990, ISBN 3-345-00243-4, Kietz bei Köpenick. Stadtbezirk Köpenick, S. 155–157.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fischerkietz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Die Burgen]. De castrἱs super Teltow. Copenick. Kytz, S. 38.
  2. Köpenicker Fischervereinigung, Der Kietz bei Köpenick und die Fischerei, abgerufen am 25. Oktober 2010
  3. Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. Ein Handbuch der ehemaligen Landgemeinden von Berlin. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1988, ISBN 3-345-00243-4, S. 155–157
  4. Neunte Verordnung über die förmliche Festlegung von Sanierungsgebieten (PDF; 1,1 MB) vom 21. September 1993
  5. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Berlin. Deutscher Kunstverlag 2006, ISBN 3-422-03111-1, S. 550
  6. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste

Koordinaten: 52° 27′ N, 13° 35′ O