Kilian (Heiliger)

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Kilian, Kolonat und Totnan, Kopien der Riemenschneider-Holzfiguren von Heinrich Schiestl in der Neumünster-Kirche, Würzburg

Der heilige Kilian (* vielleicht um 640 in Mullagh, County Cavan, Irland; † der Legende nach um 689 in Würzburg) war gemäß der Überlieferung ein iro-schottischer Missionsbischof. Er wird zusammen mit seinen beiden Wegbegleitern Kolonat und Totnan als Frankenapostel verehrt.

Der Name Kilian kann mit Kämpfer übersetzt werden und entstammt der keltischen Urform Ceallach, was auch Krieg oder Kampf bedeutet. In älteren Namenbüchern wird er meist mit Kirchenmann übersetzt, was sich vermutlich auf seinen berühmtesten Träger bezieht und als eigentlicher Sinn des Wortes nicht in Frage kommt.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermordung des hl. Kilian; links hinten Herzog Gosbert. Darstellung aus einem Straßburger Codex, um 1418

Da die beiden ältesten Heiligenleben, die Passio Kiliani minor[1] und die jüngere Passio maior,[2] erst aus dem 9. Jahrhundert stammen, ist allen hier gebotenen Angaben zum Leben Kilians mit größter Skepsis zu begegnen, zumal es keine Kontinuität des Kults zwischen Tod (angeblich 689) und Erhebung der Gebeine (752, im sachlichen Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Würzburg 742) gegeben zu haben scheint. So ist es höchst zweifelhaft, ob der in der Tradition der irischen Peregrinatio wurzelnde Mönch Kilian tatsächlich Bischof war und als solcher missionierte und taufte. Noch unwahrscheinlicher ist die behauptete Romreise zu Papst Konon. Beide Motive entsprechen nämlich der späteren Tradition der angelsächsischen Mission und sind offenbar konstruiert worden, um Kilian als Vorläufer des angelsächsischen Missionsbischofs und päpstlichen Legaten Bonifatius darzustellen. Damit fällt aber die einzige Angabe, der Pontifikat des Konon (686/689), aus der sich ein präzises Datum gewinnen lässt und von dem aus die übrigen Zeitangaben errechnet wurden. Nach dieser Berechnung kam Kilian 686 n.Chr. mit seinen elf Begleitern (zusammen also die Zwölfzahl der Apostel!) bzw. nach der jüngeren Vita mit zwei Gefährten (ein Topos der asketischen Tradition), Kolonat und Totnan, nach Würzburg. Er soll hier und in der Umgebung gepredigt und missioniert haben und sei dann (ca. 689) gemeinsam mit seinen Begleitern ermordet worden, nach dem Martyrologium des Hrabanus Maurus vom Herzog, die Passiones dagegen legen die Ermordung Gailana, der Frau des fränkischen Herzogs Gosbert, zur Last. Sie war die Witwe von dessen Bruder, und ihre Heirat mit Gosbert galt daher nach christlichem Kirchenrecht als Blutschande. Kilian soll den bereits getauften Herzog gedrängt haben, die Verbindung aufzulösen. Gailana nutzte eine Abwesenheit ihres Mannes, den Bischof und seine beiden Gefährten ermorden zu lassen, ein Motiv, das aus der Korbiniansvita des Arbeo von Freising übernommen sein dürfte. Die Leichen sollen im Pferdestall der Herzogsburg (an der Stelle der heutigen Neumünsterkirche) verscharrt worden sein.

Kult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schädel-Reliquie von Kilian, Kolonat und Totnan

Kilian gehört zu den nördlich der Alpen tätig gewesenen Wanderbischöfen und Missionaren des 7. Jahrhunderts, die – seit dem im 8. Jahrhundert bekräftigten Bestreben der Kirche, jeden ihrer Altäre mit Heiligenreliquien auszustatten – relativ schnell zu Heiligen erklärt wurden.[3][4] Im Jahr 752 wurde, wohl auf Initiative des Bonifatius, die Auffindung der Reliquien von Bischof Burkard, dem ersten Würzburger Bischof, inszeniert und wahrscheinlich durch das nach späterer Tradition angeblich im Grab erhalten gebliebene Kiliansevangeliar (Würzburg, Universitätsbibliothek, M.p.th.q.1a), eine Evangelienhandschrift des frühesten 7. Jahrhunderts aus Gallien, beglaubigt.[5]

Heute werden die Gebeine der drei Heiligen in einem Reliquienschrein von Heinrich Gerhard Bücker in der Krypta der Neumünsterkirche aufbewahrt, die Schädel befinden sich in einem Schrein aus Bergkristall, der in den Altar des Kiliansdoms eingelassen ist. Während der Kiliani-Oktav (Woche um den 8. Juli) wird der Schrein mit den Schädeln öffentlich ausgestellt. Zu dieser Zeit findet auf dem Talavera-Festplatz in Würzburg das Kiliani-Volksfest und auf dem Marktplatz die Kiliani-Verkaufsmesse statt.

Die frühesten sicheren Zeugnisse für die Verehrung Kilians finden sich im Kalendar des Godescalc-Evangelistars (Paris, Bibl. nat., Nouv. Acq. lat. 1203) von 781 bis 783, in einem auf vor 838 zu datierenden Nachtrag einer Würzburger Handschrift des Martyrologium des Beda Venerabilis (Würzburg, Universitätsbil., M.p.th.f.49) und in dem Martyrologium des Hrabanus Maurus (842-856). Eine Fuldaer Handschrift der Passio minor aus dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts enthält den frühesten erhaltenen Bildzyklus der Kilianslegende und ist damit das früheste erhaltene Beispiel einer ausführlich illustrierten Heiligenvita überhaupt. Ikonografisches Modell waren vermutlich entsprechende Bonifatiuszyklen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden die Kiliansreliquien vergessen[6]. Die silbernen Reliquienbüsten der Frankenapostel wurden bereits 1794 zu Münzen eingeschmolzen. Die hölzernen teilverglasten Sockel, die die Häupter der Heiligen bargen, stuften die zuständigen Kommissare während der folgenden Säkularisation in Bayern als wertlos ein; sie werden in der Ornatkannmer des Doms abgestellt und dort vergessen. Die Reliquien gelten fortan als verschollen. Erst 1849 entdeckt man sie wieder und lässt einen neuen Reliquienschrein anfertigen, der 1874 durch einen wertvolleren ersetzt wird[7]. Dieser wird schließlich im Feuersturm des 16. März 1945 untergehen. Die Reliquien selbst waren 1943 in Gerolzhofen versteckt worden und kehrten 1949 in einer dreitägigen Prozession nach Würzburg zurück[8][9].

Patronate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heilige ist Schutzpatron der Städte Würzburg, Heilbronn, Kostheim und der Region Franken sowie der Berufe Weißbinder und Tüchner. Er wird bei Augenleiden, Gicht und Rheumatismus angerufen. In Irland ist er Schutzpatron der Gemeinde Tuosist.

Attribute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Attributen des Heiligen zählen der Krummstab und das Schwert.

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Frankenapostel auf einer Gedenkmarke der Deutschen Bundespost

Sein katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 8. Juli. Es handelt sich in der katholischen Kirche dabei um einen nicht gebotenen Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender. Im Bistum Würzburg ist der 8. Juli jedoch Hochfest. Der evangelische Gedenktag ist im Evangelischen Namenkalender enthalten. Die orthodoxen Kirchen gedenken seiner auch am 8. Juli, oftmals am 21. Juli (dem 8. Juli gemäß dem julianischen Kalender).

Am Kilianstag ist auch Patroziniumstag der Vierzehn Nothelfer.

Bauernregel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet:

  • Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an.
  • Ist's zu St. Kilian schön, werden viele gute Tage vergehn.
  • An Sankt Kilian säe Wicken und Rüben an.

Weitere Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Kilian wird in der bildenden Kunst fast immer mit dem Schwert, mit dem er später getötet wurde, dargestellt. Oft trägt er zusätzlich den Bischofsstab. In der Kilianskirche in Heilbronn ist er mindestens drei Mal dargestellt: Im Hauptaltar von Hans Seyfer rechts neben der Maria mit dem Kind, in einer gotischen Fenstertafel (wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert) und im Tympanon am mittleren Südportal.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bruno Krusch, Wilhelm Levison (Hrsg.): Scriptores rerum Merovingicarum 5: Passiones vitaeque sanctorum aevi Merovingici (III). Hannover 1910, S. 711–728 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  2. ed. Emmerich, Franz: Der heilige Kilian. Regionarbischof und Martyrer, Würzburg 1896, S. 11–25
  3. Johannes Gottfried Mayer: Die Heiligen Emmeram und Kilian: Beobachtungen zu den ältesten Viten. In: St. Emmeram in Regensburg, Geschichte – Kunst – Denkmalpflege. In: Thurn-und-Taxis-Studien. Band 18, 1992, S. 33–40.
  4. Johannes Gottfried Mayer: Unversehrtheit des Leibes. Zur Leib-Seelevorstellung in Spätantike und Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 18, 1999, S. 75–85; hier: S. 82.
  5. Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron (s. unten Literatur) Nr. 227, S. 239, dazu Becht-Jördens (s. unten Literatur)
  6. Die Reliquien der drei ersten Apostel des Frankenlandes, der Heiligen Kilian, Colonat und Totnan: Eine Festgabe, bei der ersten öffentlichen Ausstellung der wieder aufgefundenen drei heiligen Häupter dem lieben Frankenvolke gewidmet, Franz Xaver Himmelstein, Bonitas-Bauer, 1850 - 56 Seiten. Abgerufen am 4. Juli 2016.
  7. 1849 - Wiederauffindung der Kiliansreliquien. Abgerufen am 4. Juli 2016.
  8. Die Heimkehr der Frankenapostel. Abgerufen am 4. Juli 2016.
  9. Der Retter der Häupter. Abgerufen am 4. Juli 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gereon Becht-Jördens: Die Ermordung des Erzbischofs Bonifatius durch die Friesen. Suche und Ausgestaltung eines Martyriums aus kirchenpolitischer Notwendigkeit? In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 57, 2005, S.95-132, bes. S. 114–116
  • Adriaan Breukelaar: Kilian (Chilian). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 1474–1477.
  • Claus Grimm (Hrsg.): Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron. Aufsätze (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 19/89), München 1989.
  • Hermann Multhaupt: Der heilige Kilian. Leben, Legende und Verehrung. Bonifatius Druck Buch Verlag, Paderborn 2009, ISBN 978-3-89710-445-7.
  • Ludwig K. Walter: St. Kilian. Schrifttumsverzeichnis zu Martyrium und Kult der Frankenapostel und zur Gründung des Bistums Würzburg. (Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 51, 1989, Ergänzungsband).
  • Franz Xaver von Wegele: Kilian der Heilige. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 735 f.
  • Alfred Wendehorst: Kilian. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 603 (Digitalisat).
  • Klaus Wittstadt: Sankt Kilian : Leben - Martyrium - Wirkung. Echter, Würzburg 1984
  • Klaus Wittstadt (Hrsg.): St. Kilian. 1300 Jahre Martyrium der Frankenapostel (Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 51, 1989).
  • Kilian. Mönch aus Irland aller Franken Patron. Katalog der Sonder-Ausstellung zur 1300-Jahr-Feier des Kiliansmartyriums, Würzburg 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sankt Kilian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien