Killing-Vektorfeld

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Ein Killing-Vektorfeld (benannt nach dem deutschen Mathematiker Wilhelm Killing) ist ein Vektorfeld auf einer Riemann'schen Mannigfaltigkeit, das die Metrik erhält. Killing-Vektorfelder sind die infinitesimalen Generatoren von Isometrien (siehe auch Lie-Gruppe).

Entsprechendes gilt für pseudo-Riemann'sche Mannigfaltigkeiten, z. B. in der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Definition und Eigenschaften[Bearbeiten]

Ein Vektorfeld X ist ein Killing-Vektorfeld, wenn die Lie-Ableitung der Metrik g bezüglich X verschwindet:

\mathcal{L}_X g = 0.\,

Mit Hilfe des Levi-Civita-Zusammenhangs bedeutet dies punktweise

g(\nabla_Y X, Z) + g(Y, \nabla_Z X) = 0

für alle Vektoren Y und Z, beziehungsweise dass \nabla_\bullet X ein bezüglich g schiefsymmetrischer Endomorphismus auf dem Tangentialraum ist.

In lokalen Koordinaten führt dies zur sogenannten Killing-Gleichung

\nabla_i X_j + \nabla_j X_i = 0.

Ein Killing-Feld ist auf der ganzen Raumzeit eindeutig bestimmt durch einen Vektor an einem Punkt und die kovarianten Ableitungen des Vektors an diesem Punkt.

Die Lie-Klammer zweier Killing-Felder ist wieder ein Killing-Feld. Die Killing-Felder einer Mannigfaltigkeit M bilden also eine Lie-Algebra auf M. Dies ist die Lie-Algebra der sog. Isometrie-Gruppe der Mannigfaltigkeit (falls M vollständig ist).

Ein Vektorfeld ist genau dann ein Killing-Vektorfeld, wenn es entlang jeder Geodätischen ein Jacobi-Vektorfeld ist.

Erhaltungsgrößen[Bearbeiten]

Da Killing-Vektorfelder Isometrien generieren, gibt es in der Physik zu jedem Killing-Vektorfeld eine Erhaltungsgröße der entsprechenden Raumzeit. In der Allgemeinen Relativitätstheorie sind Killing-Vektorfelder daher von großer Bedeutung bei der Charakterisierung von Lösungen der Einstein'schen Feldgleichungen. Die Erhaltungsgröße QX zu einem Killing-Vektorfeld X berechnet sich dabei als

\mathrm Q_X= \int \mathrm{d}^3x \sqrt{|g|} \,T_{0 \mu} X^{\mu}\,,

wobei T der Energie-Impuls-Tensor und |g| der Betrag der 4x4-Determinante des metrischen Tensors ist . In der Formel wurde Einsteins Summenkonvention verwendet.

(Die Raumzeit selbst ist eine vierdimensionale pseudo-Riemann'sche Mannigfaltigkeit mit einer Zeitkoordinate x0 („obere Indizes“) und drei Raumkoordinaten x1, x2 und x3 , mit gemischter Signatur, z. B. entsprechend dem Schema (-,+,+,+). Das Killing-Vektorfeld hat ebenfalls vier Komponenten; die g-Matrix („4x4“) hat z. B. einen negativen und drei positive Eigenwerte. Die Lorentz-Transformationen im flachen pseudo-Riemann'schen Minkowskiraum können als Pseudo-Drehungen aufgefasst werden und haben als Determinante den Wert Eins. Die Ergebnisse gelten aber auch in nicht-flachen Räumen.)

Integrationbereiche und Kausalität[Bearbeiten]

Die Frage des Integrationsbereichs in Formeln der obigen Art ist u.a. deshalb diffizil - nicht zufällig fehlen oben genaue Angaben - , weil man i.A. die Begrenztheit der ursächlich in Frage kommenden Raumbereiche (siehe Ursache und Wirkung oder Kausalstruktur) sowie den zeitlichen Vorlauf („Retardation“) der Ursachen berücksichtigen und bei allen Größen i.A. die jeweiligen Argumente und die Summationsbereiche explizit angeben muss. Auch das ist oben absichtlich nicht der Fall.

In der Tat ist bei obiger Formel der Integrationsbereich der räumlichen Koordinaten der volle \mathbb R^3, unter der Voraussetzung, dass Ursache und Wirkung zeitlich unendlich weit auseinander liegen. Man kann aber statt des \mathbb R^3 eine beliebige dreidimensionale Hyperfläche wählen, die kausal ähnlich strukturiert ist. Das bedeutet zugleich, dass die Formel nicht für Schwarze Löcher gilt.

Beispiele[Bearbeiten]

Genau dann wenn die Koeffizienten g_{\mu \nu} der Metrik g in der Basis dx^\mu \otimes dx^\nu unabhängig  von einer lokalen Koordinate x^k sind, ist X = \frac{\partial}{\partial x^k} ein Killing-Vektorfeld. In ebendiesen lokalen Koordinaten lautet es dann X_\mu = \delta_\mu^k, wobei \delta_\mu^k das Kroneckerdelta ist.[1]

Ein Satz unabhängiger Killing-Vektorfelder der Einheitssphäre S^2 mit der induzierten Metrik \mathrm d s^2 = \mathrm d\theta^2 + \sin^2(\theta)\mathrm d\phi^2 in Kugelkoordinaten sind:

 K^{(x)} = -z\partial_y + y\partial_z
= -\sin(\phi)\partial_\theta - \cot(\theta)\cos(\phi)\partial_\phi
 K^{(y)} = -x\partial_z + z\partial_x
= \cos(\phi)\partial_\theta - \cot(\theta)\sin(\phi)\partial_\phi
 K^{(z)} = -y\partial_x + x\partial_y
= \partial_\phi

Das entspricht den Drehungen um die x- bzw. y- bzw. z-Achse und in der Quantenmechanik, abgesehen von einem Faktor 1/i, den Komponenten der Drehimpulsoperatoren.

Alle Linearkombinationen dieser Vektorfelder stellen wieder Killing-Vektorfelder dar. Die induzierten Isometrien sind genau die Elemente der Drehgrupppe \mathrm{SO}(3). Der zugehörige Erhaltungssatz ist der Drehimpulssatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Misner, Thorne, Wheeler: Gravitation. W H Freeman and Company, 1973, ISBN 0-7167-0344-0.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Steven Weinberg: Gravitation and Cosmology. John Wiley & sons, New York 1972, ISBN 0-471-92567-5.
  •  Jürgen Jost: Riemannian Geometry and Geometric Analysis. Springer Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-540-42627-2.
  •  Adler, Ronald; Bazin, Maurice & Schiffer, Menahem: Introduction to General Relativity. 2. Auflage. McGraw-Hill, New York 1975, ISBN 0-07-000423-4 (siehe Kapitel 2 und 9).