Kim Petras

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Kim Petras (2018)

Kim Petras (* 27. August 1992 in Köln) ist eine deutsche Sängerin und Songwriterin, die in Los Angeles lebt. Als Jugendliche kam sie durch ihre früh entdeckte und behandelte Transidentität zu weltweiter Bekanntheit.[1][2][3] Mit 15 Jahren begann sie, im Internet eigene Popsongs zu veröffentlichen, später arbeitete sie als Songschreiberin in den USA. Seit 2017 tritt sie zunehmend auch als Sängerin in Erscheinung. Mittlerweile hat sie zwei eigene Studioalben veröffentlicht und mit Musikern wie Dr. Luke, Charli XCX, Kygo und Paris Hilton zusammengearbeitet.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kim Petras wuchs in Uckerath auf[4] und begann im Alter von zwei Jahren mit dem Tragen von Mädchenkleidung. Ihre Eltern dachten anfangs, es handele sich um eine Phase, an der ihr Kind irgendwann das Interesse verliere.[5] Als sie mit fünf Jahren zum ersten Mal den Wunsch äußerte, ein Mädchen zu sein, reagierten sie wohlwollend: Ihre Mutter, die mit transsexuellen Menschen befreundet war, sicherte ihr eine Behandlung zu, wenn sie alt genug wäre. Viele Ärzte, die die Familie später aufsuchte, lehnten dies jedoch ab und nannten sie verrückt.[6] 2003 trafen sie Bernd Meyenburg an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der damals Chefarzt der Kinderklinik war und Transgeschlechtlichkeit seit den 1970er Jahren untersuchte. Er bescheinigte ihr: „Es besteht kein Zweifel an der Unumkehrbarkeit des Wunschs [nach einer Geschlechtsanpassung], da er durchgehend seit frühester Kindheit zu beobachten war.“[5]

In der Schule wurde Petras wegen ihrer femininen Kleidung gemobbt, das Leben im falschen Körper löste Selbstmordgedanken aus.[4] Sie flüchtete sich in die Welt der Popmusik, lernte Englisch und begann, eigene Songs und Texte zu schreiben.[7] Ab ihrem 12. Lebensjahr erhielt Petras eine Hormontherapie, die zuerst die mit der Pubertät verbundene Entwicklung zum Mann stoppte und anschließend die Entwicklung zur Frau einleitete.[5] Sie nannte sich von nun an „Kim“. 2006, im Alter von 13 Jahren, trat sie erstmals bei Stern TV mit ihren Eltern auf und beschrieb ihre Hormonbehandlung durch Achim Wüsthof in Hamburg. Mit 14 wurde sie international bekannt durch die Reportage Mann oder Frau? auf VOX, in der sie um eine vorgezogene geschlechtsangleichende Operation bat. Im November 2008, im Alter von 16 Jahren, gab Petras auf ihrem Blog bekannt, geschlechtsanpassend operiert worden zu sein.[8][9] Sie ist damit die weltweit jüngste Transsexuelle, die so behandelt worden ist.[10][11][12]

Rückblickend nennt sie ihre Jugend „tragisch, aber auch unglaublich“.[13]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge im Internet und erste Erfolge in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 begann Petras, eigene Gesangsvideos online zu stellen, darunter auch eigene Kompositionen. 2008 wurde die Single Last Forever online veröffentlicht und bekam viel Resonanz auf YouTube und MySpace. Im September 2008 wurde mit der Single Fade Away erstmals einer ihrer Songs kommerziell veröffentlicht.[10] Am 17. April 2009 folgte dann Last Forever als Promotion auf iTunes.[14] Am 11. März 2011 ist ihre Extended Play One Piece of Tape erschienen.[15][16]

Umzug in die USA und Era 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petras bei einem Auftritt im Jahr 2014

Deutsche Musiklabels fanden ihre Musik allerdings „zu [sehr] Pop“ und „zu amerikanisch“.[4] Daher entschied sich Petras 2011, nach Los Angeles zu gehen, um in der dortigen Pop-Szene als Songwriterin zu arbeiten. Ohne Geld und Kontakte hatte sie es zunächst schwer; nach eigenen Aussagen schlief sie auf einer Studiocouch und hielt sich mit Kompositionsaufträgen über Wasser. Erst als Fergie einen ihrer Songs einsang (der allerdings nie veröffentlicht wurde), wurde ihr ein Vertrag angeboten.[17][18] Sie arbeitete danach mit bekannten Produzentinnen und Produzenten zusammen[19], war aber auch weiterhin als Sängerin aktiv. So war sie etwa 2013 in den Singles Flight to Paris und Heartbeat von Klaas Gerling zu hören. 2016 gründete sie ihr eigenes Musiklabel BunHead Records.[20]

Der Durchbruch als Sängerin gelang Petras im August 2017 mit ihrem Song I Don't Want It at All. Er erreichte die Spitze der Spotify Global Viral 50 Charts,[21] im dazugehörigen Musikvideo hat Paris Hilton einen Gastauftritt.[22] Im Juni 2018 trat sie in der Serie Gute Zeiten, schlechte Zeiten auf.[23] Am 1. Oktober 2018 erschien die Halloween-inspirierte EP Turn Off the Light, Vol. 1 auf der auch Elvira – Herrscherin der Dunkelheit als Gastsängerin mitwirkte.[24] Seit ihrem Erfolg mit I Don't Want It at All brachte Kim Petras zwischen 2017 und 2019 immer wieder einzelne Singles heraus, die aber nie für ein Album oder ein offizielles Musikprojekt geplant waren. Aus diesem Grund bezeichnete Kim Petras diese Singles als Era 1 (also ‚Ära 1‘ oder ‚die erste Ära‘). Dazu gehören ihre Hitsingle Heart to Break und viele andere Songs (Slow It Down, Can't Do Better, All the Time, 1,2,3 Dayz Up, If U Think About Me uvm.).[25] Im Februar 2019 nannte sie Era 1 „vollendet“.[26]

Kim Petras (links) und Aaron Carter auf der Clarity Tour in Berlin

Turn Off the Light und Clarity[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2019 veröffentlichte sie ihr Debüt-Album Clarity, aus der sie (ähnlich wie bei ihrer Era 1 Phase) auch mehrere Singles vor der Veröffentlichung des Albums rausgebracht hatte, darunter die Singles Broken, Got My Number, Blow It All, Sweet Spot, Do Me, Clarity, All I Do Is Cry, Personal Hell, Another One und Icy. Von den Songs des Albums, die Kim Petras veröffentlicht hatte, galt Icy als die Lead-Single des Albums. Parallel zur Veröffentlichung trat Petras bei der Broken Tour in verschiedenen Städten der USA und in Europa auf. Danach wurde die Clarity Tour bekanntgegeben, die vom 21. Oktober 2019 bis zum 11. Februar 2020 durch die USA und Europa führt.[27][28]

Ende September 2019 kündigte Kim Petras ihr zweites Album an, was sich als eine erweiterte Albumversion ihrer im Jahr 2018 erschienene Halloween-EP Turn Off the Light, Vol. 1 herausstellte. Das Album Turn Off the Light erschien am 1. Oktober 2019, exakt ein Jahr nach Veröffentlichung der Vorgänger-EP.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Hauptmusikstil ist Pop. Sie bindet aber auch R&B, Electro, Dance und Hip-Hop in ihre Musik mit ein.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[29]
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DE AT AT CH CH US US CA CA NO NO SE SE
2019 Clarity
BunHead
DEDE ATAT CHCH USUS CACA NONO SESE
Erstveröffentlichung: 28. Juni 2019
Turn Off The Light
BunHead
DEDE ATAT CHCH USUS CACA NONO SESE
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 2019

EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011: One Piece of Tape
  • 2018: Spotify Singles
  • 2018: Turn Off The Light, Vol. 1

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Leadmusikerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Fade Away
  • 2009: Boomerang
  • 2009: Die For You
  • 2009: Last Forever
  • 2017: I Don't Want It At All
  • 2017: Hillside Boys
  • 2017: Hills (featuring Baby E)
  • 2017: Slow It Down
  • 2017: Faded (featuring Lil Aaron)
  • 2018: Heart To Break
  • 2018: Can't Do Better
  • 2018: All The Time
  • 2018: Feeling Of Falling (mit Cheat Codes)
  • 2019: If U Think About Me...
  • 2019: Homework (featuring Lil Aaron)
  • 2019: 1,2,3 Dayz Up (featuring Sophie)
  • 2019: Icy
  • 2019: How It's Done (mit Kash Doll, Alma und Stefflon Don)
  • 2020: Reminds Me
  • 2020: Malibu
  • 2020: VILLAIN (als K/DA mit Madison Beer)

Als Gastmusikerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[29]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DE AT AT CH CH US US CA CA NO NO SE SE
2020 Broken Glass DEDE ATAT CH78
(1 Wo.)CH
USUS CACA NO15
(6 Wo.)NO
SE34
(2 Wo.)SE
Erstveröffentlichung: 28. Mai 2020
mit Kygo
Villain DEDE ATAT CHCH USUS CACA NONO SESE
Erstveröffentlichung: 6. November 2020
mit K/DA und Madison Beer

Weitere Gastbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: Taste (Sobertruth featuring Kim Petras)
  • 2011: Magnetic (KeeMo featuring Kim Petras)
  • 2013: Flight to Paris (Klaas featuring Kim Petras)
  • 2013: Heartbeat (Klaas featuring Kim Petras)
  • 2015: You (Isaac Phase featuring Kim Petras)
  • 2017: Unlock It (Charli XCX, Jay Park mit Kim Petras)
  • 2018: ANYMORE (Lil Aaron featuring Kim Petras)
  • 2018: The Drugs Don't Work (Baby E mit Kim Petras)
  • 2019: Love Me Less (MAX featuring Kim Petras)
  • 2019: Click (Charli XCX, Tommy Cash mit Kim Petras)
  • 2019: Click (No Boys Remix) (Charli XCX featuring Kim Petras, Slayyyter)

Musikvideos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Regisseur(e)
2009 "Die For You"
2011 "Feel It" Maison Kelmd
"One Piece of Tape" Kim Petras, Linestyle Artwork
2013 "Heartbeat"
2017 "I Don't Want It At All" Charlotte Rutherford
2018 "Faded" Nicholas Harwood
"Heart To Break"
"Anymore" (Kim Petras ft. Lil Aaron) Lewis Grant
2019 "Icy" Alexandre Moors
2020 "Malibu" (At Home Edition)
"Broken Glass" (Kygo with Kim Petras) Griffin Stoddard

Tourneen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Headliner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2019: Broken Tour
  • 2019–2020: The Clarity Tour

Als Supporting Act[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kim Petras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kim Petras, adolescente transexual. Part 1. In: Rojo y Negro. Telecinco, 20. Oktober 2009, abgerufen am 29. November 2010 (spanisch, Interview mit Kim Petras).
  2. Kim Petras, adolescente transexual. Part 2. In: Rojo y Negro. Telecinco, 20. Oktober 2009, abgerufen am 29. November 2010 (spanisch, Interview mit Kim Petras).
  3. Teenage girl who used to be a boy. In: BBC World Service. Abgerufen am 29. November 2010 (Interview zwischen Matthew Bannister und Kim Petras von 12 Minuten 35 Sekunden bis 19 Minuten 50 Sekunden).
  4. a b c Antje Harders: Kim Petras: "Ich wollte mich mit einer Schere davon befreien". In: Die Zeit. 30. Mai 2018, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 24. September 2019]).
  5. a b c Fehler in der Himmelsfabrik. In: Der Spiegel. Nr. 4, 2007 (online).
  6. Jim Farber: Kim Petras Just Wants to Be a Pop Star. In: The New York Times. 17. März 2018, ISSN 0362-4331 (englisch, nytimes.com [abgerufen am 14. Februar 2020]).
  7. Kim Petras on Charli XCX and what it's like to write total bangers. In: NME Music News, Reviews, Videos, Galleries, Tickets and Blogs | NME.COM. 23. April 2018, abgerufen am 14. Februar 2020 (britisches Englisch).
  8. So wurd’ ich von Tim zum Mädchen. Abgerufen am 29. November 2010.
  9. Offizielle Seite - About me. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. November 2010; abgerufen am 29. November 2010.
  10. a b From Tim to Kim: German pop star, 16, becomes world’s youngest transsexual after sex change op. Abgerufen am 29. November 2010 (englisch).
  11. World’s youngest sex-change operation. Abgerufen am 29. November 2010 (englisch).
  12. Ich war ein Junge. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 23. Februar 2011; abgerufen am 21. Februar 2011.
  13. The Glow-Up of Kim Petras. 26. Juli 2019, abgerufen am 14. Februar 2020 (englisch).
  14. Kim Petras – laut.de – Band. Abgerufen am 14. Februar 2020.
  15. Kim Petras - One Piece Of Tape. Abgerufen am 14. Februar 2020.
  16. Video Log 28: If one piece of Tape could have a Photoshooting!. Archiviert vom Original am 14. Februar 2013.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.youtube.com Abgerufen am 1. März 2011.
  17. Kerstin Poppendieck: Deutschlandfunk Kultur - Tonart. 8. Januar 2018, abgerufen am 14. Februar 2020 (deutsch).
  18. Kim Petras: Popstar oder lieber doch Achterbahndesignerin? 7. Mai 2018, abgerufen am 14. Februar 2020.
  19. Nasty Gal: We Want All of Kim Petras. In: Nasty Galaxy. 13. Dezember 2017, abgerufen am 14. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  20. Joshua Graham: "Ich bin für mein eigenes Schicksal verantwortlich": Kim Petras erklärt, warum sie selbst die Regeln macht – und bricht. 20. November 2019, abgerufen am 14. Februar 2020 (deutsch).
  21. Kim Petras: Most Likely to Dominate the Pop Charts. 27. Dezember 2017, abgerufen am 14. Februar 2020 (englisch).
  22. I Don't Want It At All - Kim Petras (Official Music Video). Abgerufen am 14. Februar 2020 (deutsch).
  23. "Mauer Flower" bei GZSZ: Thaddäus Meilinger trifft Kim Petras. Abgerufen am 14. Februar 2020.
  24. Claire Valentine: Boo Ah! Kim Petras Gets Spooky With Halloween Icon Elvira. 24. Oktober 2018, abgerufen am 14. Februar 2020 (englisch).
  25. Xavier Piedra: Every Kim Petras 'Era 1' Single Ranked: Critic's Picks. 2. Dezember 2019, abgerufen am 14. Februar 2020.
  26. New Music With SOPHIE & lil aaron 💕💕💕. Abgerufen am 14. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  27. LAKE SCHATZ: Kim Petras announces 'Broken' Tour 2019. In: Consequence of Sound. Consequence Holdings, LLC, 5. September 2019, abgerufen am 22. November 2019 (englisch).
  28. KIM PETRAS ANNOUNCES UK AND EUROPEAN TOUR. In: DIYMAG. DIYMAG, 14. Oktober 2019, abgerufen am 22. November 2019 (englisch).
  29. a b Chartquellen: CH US