Kinderarmut in den Industrieländern

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Dieser Artikel behandelt „Kinderarmut“ als die wirtschaftliche Armut von Kindern. Für „Kinderarmut in den Industrieländern“ als Abnahme der Geburten siehe Geburtendefizit.

Kinderarmut bezeichnet hier die Armut von Personen eines vorgegebenen Altersrahmens; definiert im Allgemeinen als: Kinder ab Geburt und Jugendliche bis 18 Jahre.

Kinderarmut kann auf verschiedene Arten berechnet werden, wobei normative Komponenten immer eine Rolle spielen. Kinderarmut wird weithin als Ursache der Unterversorgung in wichtigen Lebensbereichen wie Wohnen oder Ernährung verantwortlich gemacht. Tatsächlich ist dies für einige Industrieländer zu bestätigen. Kinderarmut kann zu eingeschränkten Entwicklungschancen und schlechteren Bildungschancen bei den betroffenen Kindern führen. Ob Kinderarmut Konsequenzen hat und welche, hängt immer noch von einer Reihe weiterer Faktoren ab. In Industrieländern diskutiert man eine Reihe von Gegenmaßnahmen gegen Kinderarmut und ihre Auswirkungen. Einige davon erwiesen sich als erfolgreich, andere nicht.

Zur Berechnung der Kinderarmut[Bearbeiten]

Da existenzgefährdende, absolute Armut in industrialisierten Gesellschaften selten ist, wird Kinderarmut in den Industrieländern als materielle, relative Armut gemessen: Kinder gelten als arm, wenn sie in Haushalten leben, deren Einkommen unterhalb einer relativen Armutsgrenze liegt. Diese Grenze wird unterschiedlich definiert – oft bei 50 % und 60 % des Medians vom jeweiligen gewichteten Nettoäquivalenzeinkommen eines Landes angesetzt.[1]

Andere Studien bezeichnen diejenigen als arm, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Durch die unterschiedliche Definition von Kinderarmut und Art der Berechnung ergeben sich unterschiedliche Armutsquoten, so dass die Vergleichbarkeit von in verschiedenen Staaten ermittelten Zahlen ausscheidet.

Aus soziologischer Sicht wird hervorgehoben, „Armut“ ließe sich nicht rein wissenschaftlich definieren, da in jede Definition normative Komponenten einfließen.[2] Bei der Berechnung des Äquivalenzeinkommens spielt auch die Gewichtung der Haushaltsmitglieder eine Rolle. Die geschieht durch die Äquivalenzskala, die festlegt, welcher Anteil des Bedarfs eines Einpersonenhaushaltes als Bedarf eines Erwachsenen, eines Kindes oder eines Jugendlichen in einem Mehrpersonenhaushalt angenommen wird. Dazu heißt es im ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2001: „Herangezogen werden die „Alte OECD-Skala“ (1.Person im Haushalt: Gewicht 1, weitere Haushaltsmitglieder ab 15 Jahren: Gewicht 0,7 und Jugendliche unter 15 Jahre: Gewicht 0,5) und die „Neue OECD-Skala“ (1. Person im Haushalt: Gewicht 1, weitere Haushaltsmitglieder ab 15 Jahren: Gewicht 0,5 und Jugendliche unter 15 Jahren: Gewicht 0,3).[3] Eine verschiedene Gewichtung der Personen führt zu Unterschieden in den daraus ermittelten relativen Kinderarmutsquoten.

Zur Kinderarmut allgemein[Bearbeiten]

Mutter mit hungernden Kindern von Heinrich Zille

Einer Studie der UNICEF zufolge stieg in den Jahren 1995 bis 2005 die Anzahl der in Armut lebenden Kinder in 17 und fiel in sieben von 24 OECD-Staaten. Sechs der sieben Staaten mit fallender Kinderarmut hatten zuvor ein sehr hohes Niveau der Kinderarmut. Lediglich Norwegen ist ein Industriestaat mit geringer und kontinuierlich fallender Kinderarmut. Am stärksten stieg die Kinderarmut in Polen (+4,3 %), Luxemburg (+4,1 %) und der tschechischen Republik (+4,1 %). Am stärksten sank sie in England (-3,1 %), den USA (-2,8 %) und Norwegen (-1,8 %). Auch in Deutschland war der Anstieg mit +2,7 % überdurchschnittlich.[4]

Das Ausmaß von Kinderarmut ist durch soziale oder steuerliche Maßnahmen steuerbar, wie sich an den skandinavischen Ländern nachweisen lässt, die selbst bei Alleinerziehenden oder Paarfamilien ohne Einkommensbezieher signifikant niedrige Armutsraten aufweisen.[5]

Kinderarmut geht oft mit schlechter Gesundheit und verzögerter emotionaler und kognitiver Entwicklung einher. Kinder, die in Armut aufwachsen, erbringen schlechtere schulische Leistungen als andere Kinder,[6] besuchen in Ländern mit gegliedertem Schulsystem seltener höhere Schulformen,[7] kommen im Erwachsenenalter weniger häufig an Hochschulen,[6] werden häufiger schon im minderjährigen Alter Eltern,[6] rauchen häufiger, benutzen öfter illegale Drogen[6] und sind als Erwachsene häufiger arbeitslos.[6]

Armutslagen im Elternhaus prägen nicht alle Kinder gleichermaßen negativ. Elterliche Ressourcen wie Werthaltungen und Bewältigungsstrategien, Humankompetenz und kulturelles Kapital können dazu beitragen, dass sich Kinder trotz Armut gut entwickeln. Studien aus Dresden zeigen, dass Eltern sich oft bemühen, ihre Kinder vor den Auswirkungen der Armut zu schützen.[8] Besonders Eltern, die selbst über eine hohe Bildung verfügen, oder generell selber sozial abgestiegen sind, engagieren sich trotz Armut stark für den schulischen Werdegang ihrer Kinder.[9] Auch Kinder, die in kulturellen Milieus aufwachsen, die sich durch gegenseitige Hilfestellung und starke Familienwerte auszeichnen, scheinen vor den Auswirkungen der Armut weitgehend geschützt. Dazu zählen etwa Kinder von Minderheiten wie der vietnamesischen Minderheit in den USA[10] und Bauernkinder der meisten Ländern Europas und der USA.[11]

Kinderarmut wird sowohl aufgrund des Mitgefühls mit betroffenen Kindern als auch wegen der möglichen langfristigen Wirkungen auf die Gesellschaft gesellschaftlich meist sehr ernst genommen. Beispielsweise weist man darauf hin, dass sich die durch langfristige Armut aufstauenden Emotionen Wut, Hass und Verzweiflung in Kleinkriminalität und organisiertem Verbrechen ausdrücken und langfristig Kosten für Gewalt- und Drogenbekämpfung nach sich ziehen können.[12]

Kinderarmut ist nicht nur Ausdruck eines temporären Mangels sondern kann auch als Defizit an Zukunftschancen begriffen werden. Eine zukunftsorientierte Kinderpolitik kann Vorteile in den Vordergrund stellen, die sich im Sinne der Humankapitaltheorie ergeben, wenn Menschen auf zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen vorbereitet sind. Durch rechtzeitige Investitionen können soziale Folgekosten verringert werden, die sich andernfalls für nachträgliche Versuche der Integration und Qualifikation erwarten lassen.

Dies kann über verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten von Kindern auf allen Gebieten erreicht werden, wozu einige bildungsökonomische Erwägungen ausgearbeitet sind.

Die Bedeutung verbesserter Ausbildung zeigt sich beispielhaft am Zugang zu Medien und Informationen sowie der Fähigkeit des Umgangs mit ihnen. Kennzahlen über die Zugriffsmöglichkeiten von Kindern auf Computer und das Internet sind hierfür eine breit akzeptierte Messgröße. Modelle aus skandinavischen Ländern nach dem Prinzip „jedem Kind seinen PC und seine Online-Verbindung auf Staatskosten“ zeigen, dass eine Vorbereitung der zukünftigen Berufsgeneration angesichts der globalisierten Welt sinnvoll und staatswirtschaftlich ohne Schwierigkeit finanzierbar ist. Ähnlichen Zielen dient der 100-Dollar-Laptop im Rahmen des Projektes One Laptop per Child, das sich an Schüler und Schulen in Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern richtet.

Geschichte[Bearbeiten]

siehe auch: Armut im geschichtlichen Wandel

Materielle Armut war je nach Zeit und Gesellschaftsform unterschiedlich geprägt. Das Verständnis der Armut und der Umgang mit dieser hing stark von der Zeitepoche ab. Kinderarmut wurde in den meisten Industrieländern seit der industriellen Revolution als Bestandteil der sozialen Frage thematisiert. Die Wohn- und Ernährungsverhältnisse weiter Schichten der Bevölkerung waren, vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, katastrophal.

Um 1840 starben z. Bsp. in der englischen Stadt Manchester noch 57 % der Arbeiterkinder vor dem fünften Lebensjahr. Aufgrund der niedrigen Löhne ihrer Eltern waren viele Arbeiterkinder in der Frühzeit der Industrialisierung gezwungen, zu arbeiten.[13].

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde zwischen Politik und Wissenschaft nach Lösungen gesucht, wie die Armutsspirale durchbrochen werden könnte. Damals hatte z. Bsp. der englische Sozialforscher Charles Booth die Lebensverhältnisse von Arbeitern in London dokumentiert. Er schlug z.Bsp. vor, Arme so über die Stadt zu verteilen, dass etwa Kinderreichtum und schlechte Wohnsituation möglichst ohne Folgen blieben. Im Jahr 1890 belegte der amerikanische Journalist Jacob Riis mit Fotografien die Lebensverhältnisse von Kindern in New Yorker Slums. Zeitgleich führte Reichskanzler Otto von Bismarck in Deutschland die ersten Sozialgesetze ein; eine Reaktion auf die wachsende Verelendung vieler Arbeiterfamilien.[14]

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Armut in den meisten industrialisierten Ländern zu sinken, bis die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zu einem Wiederanstieg der Armut führte.[15] Ab 1939 führten der Zweite Weltkrieg speziell bei Kindern zeitweise okkupierter Länder und die Nachkriegszeit[16] zu einem dramatischen Anwachsen von Obdachlosigkeit, Hunger und Armut.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts schien Armut fast besiegt. In Deutschland kam es zum Wirtschaftswunder. Einige Zeit später waren auch für Arbeiter Urlaubsreisen und Autos erschwinglich. Sie konnten nun einen Lebensstil pflegen, der eine Generation zuvor noch der Mittelschicht vorbehalten war. Soziologen wie Helmut Schelsky sprachen von der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“, in der die Mittelschicht immer umfangreicher werde und die Mehrheit der Menschen sich zum Mittelstand gehörig fühle.

In den 1960er Jahren betraf Armut nur eine Minderheit der Kinder. 1965 war in Deutschland nur jedes 75. Kind unter sieben Jahren auf Sozialhilfe angewiesen.[17] Danach begann die Kinderarmut wieder deutlich zu steigen.

Seit Beginn der Industrialisierung hat die Kinderarmut ihr Gesicht verändert. Sie ist nun nicht mehr absolute, sondern relative Armut, die sich nicht mehr im Mangel an Nahrung, Unterkunft, Kleidung und Zugang zur Schule, sondern in Erscheinungsformen wie eingeschränkter materieller Grundversorgung, verminderten Bildungschancen, schlechterer Gesundheit und geringerer soziale Teilhabe zeigt.[18]

Auswirkungen und Zusammenhänge[Bearbeiten]

Armut kann negative Konsequenzen für die kindliche Entwicklung haben. Ob es wirklich zur Ausbildung von Defiziten und Problemen kommt, hängt jedoch von vielerlei Faktoren ab. Was die Belastungen betrifft, entscheidet vor allem die Anzahl der Risikofaktoren, ob ernsthafte Schäden bei Kindern eintreten. Armut ist oft korreliert mit anderen Risikofaktoren, wie zum Beispiel einem niedrigen Bildungsgrad oder einer psychischen Erkrankung der Eltern oder der Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit. Studien beweisen, dass einer dieser Risikofaktoren allein die kindliche Entwicklung oft kaum beeinträchtigt, treten jedoch mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auf, ist das Kind mit der Bewältigung der Probleme überfordert und es zeigen sich negative Konsequenzen. Neben den Risikofaktoren spielen auch Schutzfaktoren (etwa die enge Bindung an eine Bezugsperson oder ein sogenanntes „positives Temperament“) eine Rolle. Diese können die Auswirkungen der Risikofaktoren abmildern.[19] Roland Merten, Staatssekretär im Thüringer Kultusministerium und Professor für Sozialpädagogik an der Universität Jena spricht von multipler Deprivation, von verschiedenen Elementen, die alle negativ in einen Kreis zusammenwirken.[20]

Gesundheit[Bearbeiten]

Die folgenden Ausführungen über ungleiche Gesundheitschancen beziehen sich im Detail auf Deutschland, lassen sich jedoch großteils auf die Mehrheit der Industrieländer übertragen. Eine Ausnahme bilden hier die sehr armen Industrieländer wie Polen, wo Armut nicht mit Übergewicht, sondern mit Unterernährung einhergeht.

Allgemein[Bearbeiten]

Nach Angaben von Klaus Peter Strohmeier, Professor für Stadt- und Regionalsoziologie, sind 80 % der Jugendlichen der bürgerlichen Viertel Bochums gesund. In den Großsiedlungen sind es nur 10 bis 15 %. Krankheiten, die mit Kinderarmut einhergehen, sind vor allem Übergewicht und motorische Störungen.[21]

Dauerhafte Armutserfahrung während der Grundschulzeit führt offenbar zu einer deutlich erhöhten motorischen Unruhe.[22] Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert, dass Kinderarmut in Zukunft entschieden bekämpft wird. Der Präsident des Verbandes, Wolfram Hartmann, warnt vor den Folgen der Kinderarmut: Entwicklungsstörungen, Übergewicht, Drogenkonsum, lückenhafter Impfschutz und chronische Krankheiten: die gesundheitlichen Schäden, die eng mit Kinderarmut verbunden sind, sind dramatisch.

Sozialkapital[Bearbeiten]

Es muss nicht jedes Kind in Armut mit den gleichen Risiken für Gesundheit und Entwicklung rechnen. Mitentscheidend sind die individuellen und familiären Ressourcen, wie zum Beispiel die Unterstützung bzw. die soziale Integration, die das betroffene Kind in der Familie, im Freundeskreis, in der Umgebung (Nachbarschaft) oder in der Schule erfährt (Sozialkapital). Es wird zwischen einer strukturellen und einer individuellen kognitiven Komponente des Sozialkapitals unterschieden. Die individuelle kognitive Komponente wird auch als soziale Kohäsion (Kohäsion (Psychologie)) im Sinne von allseitig anerkannten Normen, Gefühl von Stabilität und Sicherheit in der jeweiligen Gemeinde und Kommune beschrieben. Die bisherigen Befunde stützen die Ansicht, dass es eine positive Korrelation zwischen Gesundheit und Sozialkapital gibt. Fehlen umgekehrt solche personalen als auch psychosozialen Ressourcen, verstärkt der Mangel an Sozialkapital etwaige exogene krankmachende Einflüsse.[23]

Schwangerschaft[Bearbeiten]

Die schlechteren Gesundheitschancen finden sich in vielen Bereichen wieder. Bereits in der Schwangerschaft haben arme Kinder schlechtere Chancen. Kinder armer Mütter kommen häufiger zu früh zur Welt als Kinder wohlhabenderer Mütter, was im späteren Leben zu Lernstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und Intelligenzentwicklungsstörungen führen kann.[24]

In der unteren sozialen Schicht rauchen 40 % während der Schwangerschaft,[25] In drei von vier Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren wird geraucht.[26]

Umwelteinflüsse[Bearbeiten]

Arme Kinder werden darüber hinaus nicht selten Opfer von Umweltverschmutzung. Umweltbundesamt-Präsident Andreas Troge berichtete, dass sie besonders Autoabgas- und Nikotin-Vergiftungen erlitten, die deutlich mit ihrem Aufwachsen in ärmlichen Wohnvierteln zusammenhingen.[27] Arme Kinder verunglücken häufiger als nichtarme Kinder. Sie haben doppelt so häufig Verkehrsunfälle und Verbrühungen wie Kinder aus wohlhabenden Familien. Auch bei tödlichen Unfällen sind arme Kinder überrepräsentiert.[28]

Ernährung[Bearbeiten]

Arme Kinder ernähren sich oft ungesünder als reiche. So nehmen sie mehr Fleisch, Fast-Food, Chips und Limonaden und weniger Obst, Gemüse und Vollkornbrot zu sich.[29][30] Infolgedessen leiden sie häufiger unter Vitaminmangel, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Übergewicht. Wie die Sendung Planet Wissen berichtete, können sich Arbeitslosengeld-II-Empfänger nicht gesund ernähren, da das Geld nicht für die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesration reicht.[31][32]

Psyche[Bearbeiten]

Ein Teil psychischer Erkrankungen wird durch soziale Faktoren in ihrer Entstehung und Ausprägung beeinflusst. Dies bedeutet für arme Kinder, ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen zu entwickeln und aufgrund vielfältiger armutsbezogener struktureller Defizite wie dem Fehlen von Interventions- und Präventionsmöglichkeiten der Gefahr einer Chronifizierung der psychischen Störung ausgesetzt zu sein.[23] Der Kölner Armutsforscher Jürgen Friedrichs geht davon aus, dass Armut dauerhaft psychischen Druck, Stress erzeugt, der sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit auswirkt und auch vererbt wird.[14]

Bildung, Kognition und Intellekt[Bearbeiten]

Viele Kinder aus benachteiligten Wohnvierteln weisen bereits bei der Einschulung Defizite bei Feinmotorik, Grobmotorik und Sprachfähigkeit auf.[33]

Kinder armer Eltern erhalten häufig keine oder unzureichende Frühförderung und entwicklungsunterstützende Therapien.[28] Nach Trabert belegen Daten des Jugendgesundheitsdienstes Köln, dass die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen U8 und U9 ebenso wie die Inanspruchnahme von Therapien bei behandlungsbedürftigen Entwicklungsstörungen vom sozialen Status der Eltern abhängen. Eine weitere Untersuchung zur Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchung U9 zeigte, dass die Teilnahmequote von Kindern aus Familien ohne eigenes Einkommen bei 27 Prozent lag, wohingegen sie insgesamt 61 Prozent betrug.[28]

Der sozioökonomische Status der Eltern bestimmt die Intelligenzentwicklung des Kindes mehr als alle derzeit erfassbaren pränatalen und perinatalen Risikofaktoren.[34]

In Deutschland haben Kinder aus Familien, die lange in Armut leben, durchschnittlich einen um 9 Punkte geringeren IQ als Kinder aus nie verarmten Familien. Kinder, die kürzere Zeit in Armut leben, haben einen um vier Punkte geringeren IQ.[34][35] Unter armen Kindern ist der Prozentsatz, welcher Gefahr läuft schulisch zu versagen, stark erhöht.

Ähnliche Unterschiede bezüglich der Entwicklung der Intelligenz zeigten sich auch in Studien aus den USA. Bei diesen Studien konnten IQ-Einbußen zwischen 6 und 13 Punkten nachgewiesen werden.[36] Sie weisen nach, dass sich der niedrige IQ von Kindern aus armen Familien vor allem durch Umweltfaktoren erklären lässt. Während in der Mittelschicht die Intelligenz zu einem großen Teil von der Vererbung beeinflusst wird, lässt sich der niedrige IQ der Kinder aus verarmten Bevölkerungsschichten vor allem durch mangelnde Förderung, schlechte Ernährung und Schulen erklären.[37] Kritiker argumentieren jedoch, dass Intelligenztest, da sie von Personen der Mittelschicht konstruiert würden, nicht die wahren Fähigkeiten armer Kinder messen würden. Siehe dazu auch: Kritik am Intelligenzbegriff

Armut führt nicht immer zu niedriger Intelligenz. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel. So zeigten etwa die Oakland Growth and Berkeley Guidance Studies keine signifikanten Auswirkungen von Armut bei Jungen aus der Arbeiter- und Mittelschicht. Arme Mittelschichtsjungen hatten einen Durchschnitts-IQ von 115.9, arme Arbeiterjungen einen Durchschnitts-IQ von 113.1.[38] Die Ergebnisse dieser Studien, die sich mit Individuen beschäftigen, die zwischen 1920 bis 1929 in Kalifornien geboren wurden, lassen sich nicht uneingeschränkt auf die heutige Zeit übertragen. Auch sind dies Jungen, die trotz Armut in einer relativ guten sozialen Umgebung aufwuchsen.[39] Doch zeigen sie, dass nicht alles hoffnungslos ist.

Intelligenzentwicklung ist mit speziellen Programmen förderbar. Am bekanntesten wurde hier das Milwaukee Project. In Deutschland gibt es nur wenige solcher Programme. Zwischen Armut, Bildungsarmut und Bildungsbenachteiligung besteht eine Wechselwirkung.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2009 zieht andererseits die Tatsache, dass etwa jeder fünfte Jugendliche eine nur unzureichende Bildung erhält, in Deutschland volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von rund 2,8 Billionen Euro nach sich.[40]

80–90 % der Kinder in Schulen für Lernbehinderte stammen aus dem Armutsmilieu oder andersherum betrachtet: 19 % der Kinder aus der Unterschicht sind auf einer Sonderschule, im Vergleich zu 1 % der Kinder aus der Oberschicht. Die unsichere berufliche und finanzielle Situation der Eltern, schlechte Wohnbedingungen, das Leben in sozialen Brennpunkten, unvollständige Familien, eingeschränkte und einseitige Anregungen und soziale Isolation tragen laut Schlack dazu bei, dass in dieser Lebenswelt die Bedürfnisse der Kinder nicht befriedigt werden können. Dies führt dazu, dass sie ihr intellektuelles Potential nicht erreichen können.[22][41]

Laut einer im Jahr 2011 veröffentlichten Studie der Vodafone-Stiftung sind Unterschiede in den unterschiedlichen Übergangsquoten von armen und nicht verarmten Kindern zu einem großen Teil auf unterschiedliche Leistung zurückzuführen. Doch auch bei gleicher Leistung werden arme Kinder schlechter benotet.[42] [43]

Charakter[Bearbeiten]

Ruby Payne vertritt die These, dass das Aufwachsen in Armut wichtige Auswirkungen auf den Charakter habe. Um in Armut zu überleben, müssten arme Kinder eher nonverbal kommunizieren und auf Sinneseindrücke sofort reagieren. In der Schule, in der vornehmlich verbalisiert und abstrahiert wird, ist dies ein Nachteil.[44][45] Nach Walter Mischel haben arme Kinder weniger Selbstkontrolle und streben stärker nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung.[46] Donna Beegle ist der Ansicht, dass arme und wohlhabende Familien in verschiedenen Kulturen lebten. In armen Familien herrsche eine an Spontaneität, Gegenwartsorientierung, Emotionen und ganzheitlichen Sichtweisen ausgerichtete orale Kultur. In wohlhabenden Familien dagegen herrsche die Schriftkultur, welche Selbstdisziplin, die Fähigkeit zielorientierten, analytisch-strategischen Vorgehens, technische Fähigkeiten und Belohnungsaufschub bevorzuge.[47]

Abweichendes Verhalten[Bearbeiten]

Arme Kinder und Jugendliche sind bei kriminellen und aggressiven Verhaltensweisen überrepräsentiert. Ob diese Jugendlichen Personen sind, die sich von den Werten der Gesellschaft verabschiedet haben, ist nicht geklärt. Eine Einzelstudie von Engel und Hurrelmann legte nahe, dass gerade kriminell gewordene arme Jugendliche die gesellschaftlichen Werte Erfolg und Überlegenheit teilen. Da sie jedoch meinten, diese nicht mit legalen Mitteln erreichen zu können, griffen sie häufig zu gesetzlich verbotenen Mitteln.[48] Die Beziehungen zu den Gleichaltrigen können die Persönlichkeitsbildung ebenfalls entscheidend beeinflussen. Diese Beziehungen hemmen bei Kindern aus der Mittel- und Oberschicht in der Regel auch die Tendenz zur sogenannten Externalisierung und unterbinden damit aggressives und gewalttätiges Verhalten. Den Kindern aus armen Familien fehlen oft vergleichbare Maßstäbe und Vorbilder.[22]

Mutterschaft Minderjähriger[Bearbeiten]

In Armut aufgewachsene Jugendliche werden viel häufiger im Teenage-Alter schwanger als im Wohlstand aufgewachsene Jugendliche.

In Großbritannien lassen in Armut lebende Teenager etwa doppelt so häufig Abtreibungen vornehmen und bringen zehnmal so häufig ein Kind zur Welt als in Wohlstand lebende Gleichaltrige.[49] Auch in Deutschland erhöht soziale Benachteiligung das Risiko, schon im minderjährigen Alter Mutter zu werden,[50] oft mit fatalen Folgen, da es für minderjährige Mütter schwieriger ist, aus der Armutsfalle zu entkommen.

Wertetyp[Bearbeiten]

Laut Ronald Inglehart prägt das Aufwachsen in Armut den Wertetyp eines Menschen. Wer in Armut aufgewachsen ist, wird später eher materialistisch eingestellt sein. Er wird religiöser sein, eher zur Vaterlandsliebe tendieren und konservativen Werten zuneigen. Er wird zum Beispiel der Homosexualität eher ablehnend gegenüberstehen und Abtreibungen missbilligen. In der Politik wird er eher konservativ sein. Die sogenannten „neuen politischen Bewegungen“ wie zum Beispiel die Umweltschutzbewegung, die Anti-AKW-Bewegung oder die Friedensbewegungen werden eher von im Wohlstand aufgewachsenen Menschen unterstützt. Diese Tendenzen lassen sich in allen Ländern beobachten, über die Inglehart Daten des World Values Surveys vorliegen.[51][52]

Lebenschancen[Bearbeiten]

Die Auswirkungen der Armut auf die Lebenschancen sind verschieden. Es ist falsch, von einer einheitlichen Lebenssituation armer Kinder auszugehen. Armut wirkt am zerstörerischsten, wo sie lange dauert und mit Bildungsarmut der Eltern, Arbeitslosigkeit und dem Leben in benachteiligten Stadtteilen einhergeht.

Es gibt eine Vielzahl von Umständen, die die Auswirkungen von Armut auf die Lebenschancen der Kinder abmildern können. Ein Faktor ist die Berufstätigkeit der Eltern. Kindern der Working Poor (arbeitenden Armen) geht es besser als Kindern Arbeitsloser. Vandell und Ramanan stellten zu Frage der Mütter fest, dass arme Kinder, deren Mütter arbeiteten, als die Kinder jung waren, signifikant bessere Lese- und Rechenleistung erbrachten als andere arme Kinder.[53] Auch Woods[54] und Milne, Myers, Rosenthal und Ginsburg[55] stellten fest, dass arme Kinder von einer Berufstätigkeit der Mutter profitieren und sich dann besser entwickeln.

Arbeitslosigkeit bedeutet jedoch nicht immer, dass die Lebenschancen des Kindes schlecht sind. Eine hohe Bildung der Eltern kann es vor den Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit schützen.[56] In einer Dresdner Stichprobe besuchten 62,4 % der Kinder von Eltern, die arm und arbeitslos waren, aber den Abschluss der Erweiterten Oberschule (EOS) hatten, ein Gymnasium. 30,1 % dieser Kinder besuchten die Realschule und nur 8,4 % die Hauptschule.[57]

Dorothea Langes Migrant Mother von 1936. Ein ikonenhaftes Bild der Great Depression

Dass Armut auch positiv auf den weiteren Lebensverlauf wirken kann, deutet sich in den Forschungen von Glen Elder an. Er hat den Lebensweg von Kindern nachverfolgt, die zurzeit der Großen Depression in Armut lebten. Die Kinder wurden zu sozial angepassten Erwachsenen mit starken Familienwerten und sie waren beruflich erfolgreicher als Personen aus Familien, die nie arm gewesen waren.[58]

Es liegen empirische Hinweise vor, dass Armut in der heutigen Zeit vor allem in bildungsfernen Schichten auftritt.[59] Diese können mit den Belastungen der Armut schlechter umgehen als bildungsnahe Familien. Auch weitere Belastungen kumulieren sich in den armen Familien. Dies trägt maßgeblich zu den mangelnden Bildungschancen armer Kinder bei. Bei einer Untersuchung der Arbeiterwohlfahrt wurde festgestellt, dass insgesamt nur 4 % die Chance haben, ein Gymnasium zu besuchen.[60]

Entkommen aus der Armutsfalle[Bearbeiten]

Da spanische Migranten-Familien in den siebziger Jahren meist arm und ungelernt waren und sie die deutsche Sprache nicht beherrschten, hatten ihre Kinder schlechte Zeugnisse und mit den häufigen Schwierigkeiten von Einwanderern, Fremdheit von Sprache, Mentalität und Kultur zu kämpfen.[61] Heute sind sie in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen und besetzen ähnliche Berufspositionen wie Deutsche. Diesen Aufschwung können starke Selbstorganisation der spanischen Einwanderer und gezielte Bejahung der vollen Integration in das einheimische Schulsystem erklären. In Deutschland wurde diese zum Teil gegen Behörden, die Sonderklassen bilden wollten, durchgesetzt.[62] Dies führte zu guten Schulabschlüssen[61] und entsprechenden Berufserfolgen.[63] Es fällt auf, dass die beruflichen und schulischen Erfolge der Spanier nicht mit einem Verlust ihrer kulturellen Identität einhergehen.[64]

Ein weiteres Beispiel für einen sozialen Aufstieg ist die vietnamesische Bevölkerungsgruppe in Ostdeutschland. Obwohl sie in Armut lebt und die meisten Eltern nur eine geringe formale Bildung haben, erwiesen sich ihre Kinder als erfolgreich in der Schule. Sie machen häufiger das Abitur als Deutsche. In den Familien dieser Herkunftskulturen hat Bildung einen hohen Wert.[65][66][67] Migranten aus Asien haben besonders hohe Bildungsansprüche.[68] Gerade für schwache Schüler ist Anstrengung in Vietnam lohnend, Motivation ist für vietnamesische Lehrer, die wie Eltern als Respektspersonen gelten, problemlos zu erzielen, da die Kinder lernbegierig und selbstbeherrscht sind.[69]. Es ist gut möglich, dass Vietnamesen auch in Deutschland ähnliche Einstellungen haben.

Kinderarmut in einzelnen Staaten und Regionen[Bearbeiten]

Kinderarmut in einigen industrialisierten Ländern (Stand 2005 nach UNICEF[4])

Die internationale UNICEF-Studie „Child Poverty in Rich Countries 2005“[4][70] stellte fest, dass die Kinderarmutsrate in der Mehrheit der Industriestaaten von 1995 bis 2005 angestiegen sei und untersuchte Ursachen für diesen Anstieg und für die Unterschiede in den Erfolgen beim Schutz armutsgefährdeter Kinder.

Eine Studie der UNICEF aus dem Jahre 2007 bezieht sechs Armuts-Dimensionen ein:

1. Materielle Situation
2. Gesundheitsfaktoren wie Säuglingssterblichkeit, Geburtsgewicht, Impfraten, Todesfälle durch Gewalt. Hier haben alle Industriestaaten ein hohes Niveau
3. Bildung, gemessen an den in den PISA-Studien erhobenen schulischen Leistungen, dem Prozentsatz der Schüler, die eine weiterführende Schule besuchen, der Jugendarbeitslosigkeit und den Erwartungen für die berufliche Zukunft
4. Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen wie Anteil der Kinder, die in Pflegefamilien aufwachsen, Anteil der Kinder, die in Einelternfamilien aufwachsen, Zeit für gemeinsame Mahlzeiten und Gespräche mit den Kindern und Beziehungen zu Gleichaltrigen
5. Lebensweise und Risiken wie Übergewicht, Drogenmissbrauch, Risiken beim Sexualverhalten, Gewalterfahrungen und sportliche Betätigung
6. Selbsteinschätzung der Kinder unter Auswertung von Umfragen zum Thema Gesundheit, Schule und persönlichem Wohlbefinden.[71]

Die Niederlande erreichten insgesamt den Rang der kinderfreundlichsten Nation, wobei sie in jeder der sechs Dimensionen zu den zehn besten gehörten. Großbritannien und die USA schnitten besonders schlecht ab. Es konnte keine direkte Beziehung zwischen dem Wohlergehen von Kindern und dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nachgewiesen werden.[71][72].

Mexikanische Mutter mit Kindern 1917. In Mexiko lebt noch 2005 fast jedes dritte Kind in Armut

Eine 2006 von der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführte Berechnung auf Basis von Daten aus 22 OECD-Staaten legte den Schluss nahe, dass Transferleistungen nur eine begrenzte Wirksamkeit haben könnten: eine Erhöhung der Ausgaben für familienbezogene Transfers um einen Prozentpunkt relativ zum Bruttoinlandsprodukt verringere die Kinderarmutsrate unter sonst gleichen Umständen nur um etwas mehr als einen Prozentpunkt. Gleichzeitig werde ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen soziodemographischen Erklärungsfaktoren und der Kinderarmutsrate deutlich: so sei Kinderarmut in jenen Ländern besonders von Bedeutung, in denen viele Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden leben; ein hoher Jugendquotient gehe tendenziell mit höheren Kinderarmutsraten einher und ein hoher Altenquotient eher mit niedrigeren. Die Berechnung zeigte keinen systematischen Einfluss der Arbeitslosenquote auf die Kinderarmutsrate.[73]

Beim Vergleich der Kinderarmutsraten verschiedener Staaten muss bedacht werden, dass die Armutsgrenze vom Wohlstand des betreffenden Staates abhängt. Je höher der Wohlstand, desto höher die Armutsgrenze. So wären viele der deutschen armen Kinder in Polen nicht arm. Das Ausmaß der Kinderarmut in anderen Industriestaaten wie Mexiko und der Türkei mit 19,7 % in 2000,[74] und Bosnien-Herzegowina ist meist größer als in Deutschland. Die Spannweite bewegt sich dabei von Dänemark mit 2,4 % bis Mexiko mit 27,7 %. Italien belegt mit 16,6 % den Spitzenplatz in Bezug auf Kinderarmut innerhalb der EU. Deutschland liegt mit 10,2 % im unteren Mittelfeld.[4][75][76] In Schwellen- und Entwicklungsländern erreicht die Kinderarmut qualitativ weit höhere Dimensionen.

Deutschland[Bearbeiten]

Die erste umfassende Milieustudie von Kindern zwischen acht und elf Jahren, die das Kinderhilfswerk World Vision Deutschland finanziert hatte und für die 1.600 Kinder in Deutschland befragt wurden, zeigte, dass Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern sich schon in diesem Alter für den Rest ihres Lebens benachteiligt fühlen. Der Sozialwissenschaftler und Leiter der Studie Klaus Hurrelmann kommentierte: die schlechten Startchancen prägen alle Lebensbereiche und wirken wie ein Teufelskreis. Wie ein ‚roter Faden‘ zieht sich eine Stigmatisierung und Benachteiligung dieser Kinder durch das ganze Leben hindurch. Weiter belegte die Studie, dass Kinder aus sozial schwachen Schichten häufig auf sich allein gestellt sind. Da Rückhalt, Anregungen oder gezielte Förderung fehlen, sei der Alltag dieser Kinder häufig einseitig auf Medienkonsum ausgerichtet.

Die Mitautorin der Studie Sabine Andresen stellte heraus, dass die Klassengesellschaft keine neue Entwicklung sei. Erschreckend sei, wie sich in einem reichen Land wie Deutschland die Armut von Kindern „eklatant“ auf ihre Biografien auswirke. Die Forscher stellten fest, dass viele Eltern mit der Erziehung überfordert sind. Deswegen müssten alle Bereiche der Gesellschaft helfen, die Kinder stark zu machen.[77] 2010 wurde die Studie fortgesetzt.

Laut einer im Herbst 2011 veröffentlichten UNICEF-Studie lebten ca. 14 % der Kinder in Deutschland in relativer Armut. Eine Berufstätigkeit der Eltern wirkte sich nicht nur aufgrund der besseren materiellen Versorgung und Sicherheit positiv auf die Bildung der Kinder aus.[78] Im Mai 2012 zeigte eine weitere Studie der UNICEF, dass rund 1,2 Millionen Kinder in Deutschland in relativer Armut leben. Deutschland lag damit auf Platz 15 im Vergleich von 29 Industrienationen. Am besten schnitten Island und Schweden ab.[79]

Anzeichen und Verbreitung[Bearbeiten]

Die AWO-Studie[80], einer Langzeitstudie im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt unter Kindern im Vorschulalter 1997 bis 2000 und einer Teilgruppe derselben Kinder im frühen Grundschulalter 2002 bis 2005, betrachtet neun kindspezifische Dimensionen von Armut: materielle Armut, ein Teil davon ist die finanzielle Armut, anteilig am jeweiligen Haushaltseinkommen; Bildungsbenachteiligung; geistige und kulturelle Armut; soziale Armut; fehlende Werte; seelische, emotionale und psychische Armut; Vernachlässigung, falsche Versorgung und ausländerspezifische Benachteiligung.

Diese Studie weist unter anderem unterschiedliche Lebensbedingungen für Kinder nach Migrationshintergrund und Geschlecht nach. Sie stellt gesellschaftlichen und politischen Handlungsbedarf fest.

Bundesland Anteil Kinder, die
Sozialgeld beziehen
Bayern 6,6 %
Baden-Württemberg 7,2 %
Rheinland-Pfalz 9,9 %
Hessen 12,0 %
Niedersachsen 13,5 %
Nordrhein-Westfalen 14,0 %
Saarland 14,0 %
Schleswig-Holstein 14,4 %
Hamburg 20,8 %
Thüringen 20,8 %
Brandenburg 21,5 %
Sachsen 22,8 %
Mecklenburg-Vorpommern 27,8 %
Sachsen-Anhalt 27,9 %
Bremen 28,1 %
Berlin 30,7 %
Deutschland (insgesamt) 14 %
Stand: Juni 2005[81]

Das Deutsche Kinderhilfswerk gibt jährlich den 'Kinderreport Deutschland' heraus. Dem Kinderreport Deutschland 2007 zufolge sind in der Bundesrepublik Deutschland 14 % der Kinder arm. Es wird geschätzt, dass knapp 6 Millionen Kinder in Haushalten wohnen, in denen die Eltern über ein für die Familie nicht existenzsicherndes Jahreseinkommen von 15.300 Euro verfügen.[82][83] Dies sind ein Drittel der kindergeldberechtigten Eltern. Auf großes Medieninteresse stieß dabei 2007 die Feststellung einer Verdopplung der Zahl sozialhilfebedürftiger Kinder alle zehn Jahre bezogen auf den Zeitraum seit 1965. Inzwischen hat sich die Kinderarmut in Deutschland nach Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes bei ca. 2,8 Millionen Kinder eingepegelt, das ist in etwa jedes fünfte Kind unter 18 Jahren. Gemäß dem Armutsbericht der Bundesregierung 2008 ist jedes 8. Kind arm, gemäß dem Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von UNICEF (2008) ist es jedes 6. Kind.[84]

Es gibt starke Unterschiede hinsichtlich der Kinderarmut. In Bayern leben nur 6,6 % der Kinder von Sozialgeld, während in Berlin 30,7 % der Kinder von Sozialgeld leben.

Noch größer fallen die Differenzen aus, wenn die „Sozialgeld-Dichte“ kleinräumiger nach Städten bzw. Landkreisen unterschieden wird: In den 388 Kreisen, zu denen Daten vorlagen, reichte sie unter den Bis-zu-14-Jährigen von 40,6 bzw. 38,6 Prozent in den Städten Görlitz bzw. Bremerhaven bis 0,29 bzw. 0,28 Prozent in den Landkreisen Ebersberg bzw. Eichstätt. In ländlichen Gemeinden lebt ein viel geringere Teil der Kinder in Armut als in größeren Städten.[85]

Untersuchungen von UNICEF zeigen, dass die Kinderarmutsrate in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt trotz sinkender Geburtenrate deutlich schneller gestiegen ist als die Armutsrate in der übrigen Bevölkerung. Besonders schwierig ist die Situation für Kinder aus Zuwandererfamilien und Kinder von Alleinerziehenden.[33]

Mögliche Ursachen[Bearbeiten]

Die UNICEF Teilstudie zu Deutschland „A Portrait of Child Poverty in Germany“ von 2005 wurde mit dem Augenmerk auf Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und gemäß Familienstruktur und Staatsbürgerschaft durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass die Kinderarmutsrate seit 1991 angestiegen war, und zwar seit Mitte der 1990er stärker als die auf die Gesamtbevölkerung bezogene Armutsrate. Kinder in Haushalten Alleinerziehender oder in Haushalten, bei denen der Haushaltsvorstehende nicht deutscher Staatsbürgerschaft ist, waren besonders betroffen, und es bestanden signifikante Unterschiede zwischen Ost und West.[86] Der Bericht über die Studie betonte die Rolle des Steuer- und Sozialsystems zur Verringerung des Risikos von Armut bei Kindern.[86] Ursachen und Gegenmaßnahmen sind in der Tagespresse vielfach als Thema aufgegriffen. Der „Tagesspiegel“ hebt hervor, der „Kinderreport Deutschland 2007“ des Deutschen Kinderhilfswerkes sehe das deutsche Steuer- und Sozialrecht als entscheidenden Grund für die Entwicklung der Kinderarmut. Es bestehe eine „strukturelle“ steuerliche Benachteiligung von Familien. Das steuerfreie Existenzminimum der Kinder sei zu niedrig bemessen, Verbrauchssteuern würden Familien stärker belasten als Einzelpersonen, Sozialversicherungsbeiträge träfen niedrige Einkommen überproportional hart und die Kosten für die Kindererziehung würden allein den Eltern aufgebürdet, während die Alterssicherung von der Gesellschaft als Ganzes getragen werde.[87] Kinderarmut in Deutschland begründet sich gemäß der Sichtweise des Deutschen Kinderhilfswerkes insbesondere darin, dass das Steuer- und Sozialsystem keine eigenständige Kindergrundsicherung vorsieht.[88]

Christoph Butterwegge machte 2005 auf eine möglicherweise ambivalente Rolle staatlicher Transferleistungen aufmerksam: „Ehegattensplitting, Erziehungsgeld und Kindergeld sollen Frauen das Zuhausebleiben schmackhaft machen und sind damit Teil einer Familienpolitik, die Frauen unversehens in die Armut führt“.[89] Kinderarmut lasse sich in der Regel auf Mütterarmut zurückführen und könne durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen verringert werden.[89]

Der Bericht über eine Studie der OECD nannte als Ursache für die hohe Kinderarmut in Deutschland, dass Familien vor allem über Transfers und Steuernachlässe wie Kindergeld oder Kinderfreibeträge unterstützt werden, dass aber gute Betreuungsangebote der Kinderarmut wirksamer vorbeugen könnten. So sollten nach Empfehlung der OECD in Deutschland Dienstleistungen wie Kinderbetreuungen und Ganztagsschulen ausgebaut werden und mehr frühkindliche Bildung in öffentlichen Einrichtungen angeboten werden.[90]

Familiärer Hintergrund armer Kinder[Bearbeiten]

Ein Bericht des DIW verweist auf Hauptbetroffene „verfestigter Armut“. Dies sind vor allem Arbeiterfamilien mit Migrationshintergrund und mehreren Kindern. Armut als Problem einer kulturell verwahrlosten neuen Unterschicht zu deuten oder als kollektive Abstiegsbedrohung der gesamten Gesellschaft zu dramatisieren, geht laut Aussage des Soziologen Olaf Groh-Samberg an der Realität vorbei.[91]

Besonders häufig betroffen sind Kinder von Eltern ohne Schul- und Berufsabschluss. 42 % der Eltern armer Kinder haben keinen Beruf erlernt[92] und Kinder von Alleinerziehenden sind häufiger arm als Paare mit ein oder zwei Kindern.[93].

Landwirtskinder[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es nur wenige Landwirtsfamilien. Sie gehören mit einem monatlichen Pro-Kopf-Haushaltsnettoeinkommen unter dem von Familien von Ungelernten zu den Ärmsten des Landes.[94] Landwirte verfügen dafür über relativ großes Vermögen in Form von Grundbesitz,[95] und Einkommensarmut geht bei ihnen nicht mit Unterversorgung im Bereich der Ernährung, Wohnung und Bildung der Kinder einher.[96] In vielen Ländern und möglicherweise auch in Deutschland existieren im landwirtschaftlichen Milieu weniger materiell ausgerichtete Wertorientierungen,[97] was dazu führt, dass Armut bei Landwirtskindern nicht die oben erwähnten negativen Konsequenzen hat. Angesichts eines nicht nur am Geld festgemachten, sondern die gesamte Lebenslage der betreffenden Bevölkerungsgruppe betrachtenden Armutsbegriffs erscheint fraglich, ob von „echter Armut“ gesprochen werden kann.[98] Die Arbeitszeit von Landwirten ist vor allem in den Monaten der Haupternte sehr hoch und bei einer Bewertung der Lebenslage zu berücksichtigen.[96]

Kritik am Nachweis von Kinderarmut[Bearbeiten]

Der Soziologe Paul Nolte hat die Behauptung aufgestellt, es gäbe keine Kinderarmut in Deutschland. Er sagte: „Wir nennen Armut, was eigentlich nur Ungleichheit ist“. Die Unterschicht sei nicht wirklich arm, sondern nur verwahrlost.[99] Nicht Armut sei das Hauptproblem der neuen Unterschicht, sondern der massenhafte Konsum von Fast Food und Fernsehen.[100] Auch Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt stellte 2009 fest: „Überall lesen Sie zum Beispiel Überschriften, wieviel Prozent arme Kinder in Deutschland leben. Manches, was man heute als Armut beklagt, wäre in meiner Kindheit beinahe kleinbürgerlicher Wohlstand gewesen.“[101]

Nolte beklagte, dass der Unterschicht alte bürgerliche Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Disziplin und das Streben nach Bildung nicht mehr wichtig seien. Stattdessen habe sich eine Kultur der Verantwortungslosigkeit und Verwahrlosung gebildet.[102]

Kinder als Armutsrisiko darzustellen ist laut Nolte nur „die halbe Wahrheit“. Kinder kämen vor allem dort zur Welt „wo Bildung und Chancen auf sichere Erwerbstätigkeit fehlen, wo Kompetenzen selbständiger Lebensführung und verantwortlicher Erziehung verlorengegangen sind. Nicht Kinder machen arm – Armut gebiert Kinder“.[103]

Dies wurde vom Sonderpädagogen Hans Weiß als diskriminierend kritisiert, weil es die vielfältigen, auch ökonomischen und sozialstrukturellen Bedingungen der Entstehung von sozialer Benachteiligung, Verarmung und Deklassierung vernachlässige und die Schuld auf die Betroffenen schiebe. Einschränkende materielle Bedingungen könnten, besonders wenn sie lange anhalten, zu sozialer und kultureller Unzulänglichkeit führen, wie umgekehrt unzureichende Verhaltensweisen die Auswirkungen von Armut auch für Kinder verstärkten, es ergebe sich ein Teufelskreis der Armut.[99] Eine Studie des DIW kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass eine kulturalistische Interpretation von Kinderarmut, wie sie Nolte vornimmt, an der Realität vorbeigehe.[104]

Schweiz[Bearbeiten]

2005 bezogen in der Schweiz 237.000 Personen gleich 3,3 % der Bevölkerung auf staatliche Unterstützung. In Städten ist die Sozialhilfequote höher als in ländlichen Regionen. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die mit einem Elternteil oder in kinderreichen Familien aufwachsen. Fast 17 % der Haushalte mit nur einem Elternteil bezog 2005 Sozialhilfe. Kinder und Jugendliche sind unter den Sozialhilfe beziehenden Personen mit einem Anteil von 31 % gegenüber 21 % in der Gesamtbevölkerung deutlich überrepräsentiert.[105]

Österreich[Bearbeiten]

Österreich gibt im Vergleich zu anderen OECD-Ländern erheblich mehr Geld zur finanziellen Unterstützung von Familien mit Kleinkindern aus. Dies führt zu einer vergleichsweise geringen Kinderarmut und dazu, dass viele Frauen für mehrere Jahre aus dem Beruf aussteigen, um Hausfrau und Mutter zu werden.[106]

Frankreich[Bearbeiten]

Brennendes Auto in einer Banlieue von Straßburg 2005

In Frankreich lebten 1999 eine Million Kinder unterhalb der bei 590 Euro angesetzten Armutsgrenze und waren damit im Schnitt ärmer als die übrige Bevölkerung.[107] Für das Jahr 2005 ermittelte die UNICEF einen Kinderarmutswert von 7,5 %. Die gut ausgebaute Kinderbetreuung und das dichte Netz an Sozialhilfen speziell für junge Familien tragen zur Verhinderung der groben Nöte bei und ermöglichen später eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt. Mit dem Alter der Kinder sinken staatliche Hilfen. Daraus resultiert ein deutlich höheres Armutsrisiko bei Familien mit älteren Kindern. Im regionalen Vergleich führt Nordfrankreich aufgrund einer hohen Arbeitslosen- und Geburtenrate die Statistik negativ an.[108] Das Armutsrisiko von Kindern mit Eltern nichtfranzösischer Staatsangehörigkeit, speziell von Staaten außerhalb der EU, ist deutlich erhöht.[109] Besonders prekär scheint die Situation in den Banlieues zu sein. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erreichen die Immigrantenkinder dort genau so gute Schulabschlüsse wie ihre französischen Altersgenossen. Nach der Schule jedoch fänden sie keine Arbeit.[110] Die ohnehin angespannte Situation dort eskalierte bei den Unruhen in Frankreich 2005. Dort kam es zu Gewaltausbrüchen von Jugendlichen, die ihrem Unmut über herrschende Zustände Luft machten. Der Inlandsgeheimdienst kennzeichnete die Banlieue-Unruhen als eine „Revolte in den Cités, ohne Anführer, ohne Forderungen und ohne Programm“, geleitet allein von dem gemeinsamen Gefühl der Jugendlichen, durch „ihre Armut, ihre Hautfarbe und ihren Namen“ gestraft zu sein.[111]

Großbritannien[Bearbeiten]

Kinderarmutsrate in Großbritannien
(Kinder in Haushalten mit weniger
als 60 % des Durchschnittseinkommens)
Jahr Insgesamt nach Abzug der
Wohnungskosten
1979 12 % 14 %
1995–1996 26 % 35 %
2003–2004 21 % 28 %
http://www.theyworkforyou.com/wrans/?id=2005-06-20a.807.h

Kinderarmutsanteil in der Bevölkerung[Bearbeiten]

In Großbritannien hat sich die Anzahl der Kinder in armen Haushalten mit weniger als 60 % des Durchschnitteinkommens von 12 % 1979 auf 26 % 1996 mehr als verdoppelt und ist seitdem wieder leicht rückläufig. 2004 lebten 21 % in Armut. Die Zahl der Kinder in Armut stieg von 14 % 1979 auf 35 % 1996 und sank dann wieder auf 28 % im Jahr 2004.[112]

Staatliche Wohlfahrt ist in Großbritannien vorrangig als Absicherung von Not- und Krisensituationen konzipiert. Nicht allgemeine Unterstützung von Familien, sondern gezielte armutsverhindernde Maßnahmen für Bedürftige kennzeichnete die Sozialpolitik bis in die 1980er. In den 1990ern wurde der hohe Anteil von Alleinerziehenden, die zu einem großen Anteil nicht erwerbstätig waren, zu einer der Hauptursachen für Armut. Großbritannien hatte eine der EU-weit höchsten Armutsraten von Kindern in Einelternfamilien.[113] Großbritannien nahm laut UNICEF-Studie von 2007 zur Situation der Kinder in Industrieländern insgesamt unter 21 untersuchten Staaten den letzten Rang ein.[71]

Politische Hintergründe in Großbritannien[Bearbeiten]

Die Arbeits-, Steuer- und Familienpolitik setzte sich die Bekämpfung der Kinderarmut als wichtigstes Ziel. In diesem Zusammenhang richteten sich politische Bemühungen, vor allem seit der Wahl von New Labour unter Tony Blair 1997, auf eine bessere Gestaltung von Transferleistungen für Kinder in Familien mit niedrigem Einkommen sowie auf die Erhöhung der Beschäftigungsrate alleinerziehender Mütter. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf war ein diesem Zweck untergeordnetes Ziel. Mütter wurden zu einer arbeitsmarktpolitischen Zielgruppe, in großem Maße für geringfügige Beschäftigung im Niedriglohnbereich. Schrittweise Abschaffung der ehebezogenen Transferleistung Married Couples Allowance und Ausbau des Kindergeldes ergänzt durch das einkommensabhängige zusätzliche Kindergeld Child Tax Credit erhöhten die Transferleistungen für Kinder erheblich. Kinderbetreuungsplätze wurden in großer Zahl im Umfang von einigen Stunden pro Woche zur Verfügung gestellt.[113]

Der kindbezogene Gesetzesentwurf Children’s Bill legte Entwicklungsziele für Kinder und vielfältige Maßnahmen zu deren Erreichung fest. Neue in Grundschulen unterzubringende Zentren sollten die Early Excellence Centre und die Sure Start Programme im Interesse einer präventiven Armutsbekämpfung zu einem Programm zusammenfügen.[113]

Tony Blair hatte nach eigenen Angaben das Ziel, die Kinderarmut innerhalb von 1999 bis 2005 um ein Viertel zu senken, bis 2010 zu halbieren und bis 2020 zu beenden.[113][114]. Das Ziel von 2005 wurde mit rund 700,000 aus Armut befreiten Kindern nicht erreicht; 3,4 Millionen leben noch in Armut.[115]. Nach der Studie der UNICEF von 2005 zur Kinderarmut in reichen Staaten sank die Kinderarmut zwischen 1995 und 2005 in Großbritannien um 3,1 % und damit stärker als in allen anderen OECD-Staaten.[4][70]

Staatliche Maßnahmen bleiben weiterhin vorrangig auf einkommensschwache Haushalte ausgerichtet. Kritisch gesehen wird, dass Eltern der Mittelschicht ihre Kinderbetreuung oft privat organisieren. So bleiben Kinder der verschiedenen sozialen Schichten unter sich.[113] Noch immer leben viele Kinder in peripheren Gebieten in Armut, so im schottischen Craigmillar 59,6 %.[116]

Großbritannien gilt nach einer Studie von UNICEF als dasjenige der untersuchten Industrieländer mit den schlechtesten Lebensbedingungen für Kinder. Dies liegt vor allem an nichtmateriellen Faktoren, die UNICEF in seine Armutsdefinition einfließen lässt. Die Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen sind hier schlecht und die Lebensweise riskant. Rein materiell liegt Großbritannien auf dem 18. von 21 Plätzen.[117]

Italien[Bearbeiten]

Italien gibt weniger als fünf Prozent seines Bruttosozialprodukts für Sozialleistungen aus. Über 15 % der Kinder leben in relativer Armut. Mangelnde staatliche Unterstützung kann im Süden des Landes durch intakte familiale Solidarität wie verstärkter Einbeziehung von Großeltern und weiterer Mitglieder der Großfamilie teilweise kompensiert werden.[118]

Osteuropa[Bearbeiten]

In der früheren Sowjetunion und den mitteleuropäischen Reformstaaten lebt einer UNICEF-Studie zufolge jedes dritte Kind in Armut.[119] Ungarn wird im UNICEF-Bericht als ein besonders extremes Beispiel für die Verschlechterung der Situation von Kindern erwähnt. Ausgehend vom derzeitig stark gesunkenen Durchschnittseinkommen hat sich die Armutsrate von Kindern seit 1991 von knapp sieben auf neun Prozent erhöht. Legt man das Durchschnittseinkommen von 1991 als Bezugsgröße zugrunde, so ist die Kinderarmut seit dieser Zeit auf über 20 % angestiegen. Was auf Ungarn zutrifft, gilt verallgemeinernd auch für die Situation in Polen und anderen osteuropäischen Länder.[120]

Auch im real existierenden Sozialismus vor 1990 bestand meist erhebliche Armut. So lebten 19,8 % der Bevölkerung der UdSSR im Jahr 1975 unterhalb der Armutsgrenze.[121]

Polen[Bearbeiten]

Ende 2003 lebten 12 % der Polen in Armut. Sie ist vor allem ein Problem der Landbevölkerung und der Bevölkerung in den Kleinstädten des nördlichen Polens. Die Bevölkerung in den Städten dagegen ist wohlhabender. Der Norden Polens ist ärmer als der Süden.[122] Kinderreiche Familien sind besonders betroffen. Von diesen leben 42 % in Armut.[123] Armut in Polen geht mit einer schlechten Ernährungslage der Familien einher.[124] Zwar konnte Tarkowska beobachten, dass die Bedürfnisse der Kinder in den Familien meistens im Vordergrund stehen, doch oft sind die Kinder trotzdem unterernährt und anfällig für Infektionen.[124] Im Fall einer Krankheit sind die Familien oft nicht in der Lage, die Medikamente zu bezahlen.[125] Die Wohnverhältnisse sind durch Raummangel sowie Kälte und mangelnde Hygiene aufgrund der Notwendigkeit zur Einsparung von Heiz- und Wasserkosten geprägt.[125] Tarkowska meint, dass Kinder armer Familien in Polen praktisch keine Kindheit hätten, da sie von jung auf Erwachsenenpflichten übernehmen müssten.[126] Bauernkinder sind oft von Kindheit an zur Arbeit auf dem Hof gezwungen.[127] Bei einer Studie von UNICEF liegt Polen auf dem letzten Platz der untersuchten Industriestaaten, wenn es um die materielle Versorgung der Kinder geht. Insgesamt belegt Polen bei der Kinderarmut jedoch einen Platz im Mittelfeld und liegt damit knapp hinter Deutschland. Dies liegt daran, dass UNICEF hier die Bildungschancen in besonderer Art und Weise berücksichtigt sieht. Hier liegt Polen auf dem 3. Platz aller Industrienationen. Außerdem sieht UNICEF kaum Risiken in der Lebensweise.[117] Ob die Bildungschancen in Polen tatsächlich so gut sind, wie UNICEF es sieht, ist umstritten. Laut Tarkowska beenden Kinder aus armen polnischen Familien ihre Schulkarriere oft schon nach der Grundschule und spätestens nach der Berufsschule. Dies liegt zum einen an materiellen, zum anderen an kulturellen Gründen, denn im polnischen Armutsmilieu werden früher Berufseintritt und Familiengründung im Vergleich zu Bildung höher angesehen.[128]

Rumänien[Bearbeiten]

Eine Studie der UNICEF Romania zeigte 2006, dass mehr als eine Million rumänischer Kinder in diesem Jahr in Armut lebte, 350.000 davon in extremer Armut. Armut unter Roma-Kindern war drei Mal höher als unter den Kindern der Mehrheitsbevölkerung. 27.000 rumänische Kinder lebten nicht in elterlicher Obhut, sondern in Institutionen oder anderen vom Staat anerkannten Einrichtungen. 73 % der rumänischen Eltern misshandelten ihre Kinder körperlich.[129]

USA[Bearbeiten]

Armutsraten und Art der Sozialfürsorge[Bearbeiten]

1992 wurde in New Jersey die so genannte Family Cap eingeführt. Frauen, die schwanger werden, während sie staatlich unterstützt werden, bekommen keine zusätzliche staatliche Unterstützung für das weitere Kind. 1998 haben 22 Bundesstaaten der USA Family Caps.[130]

Nach Angaben des Armutsberichts des Amts für Volkszählungen vom August 2005 ist in den USA die Zahl der Menschen mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze, die mit weniger als 19.310 Dollar im Jahr für eine vierköpfige Familie und 9.650 Dollar für Alleinstehende angesetzt wurde, 2004 zum vierten Mal in Folge angestiegen. 37 Millionen Menschen, damit 12,7 % der Bevölkerung sind arm. Dies ist ein Anstieg von 0,2 % gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg sei vor allem auf den höheren Anteil von armen Weißen zurückzuführen.

1996 wurde in Amerika die Sozialhilfe wie folgt geregelt: man kann sie zwei Jahre in Folge beziehen und insgesamt während des gesamten Lebens fünf Jahre. So kam es zu einem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger.

1996 wurde die staatliche Sozialfürsorge als Workfare mit Arbeitsverpflichtung neu geregelt. Seitdem ist vorgeschrieben, dass Fürsorgeempfänger nach zweijährigem Bezug mindestens 30 Wochenstunden Arbeitsdienst in öffentlichen Arbeitsprogrammen leisten müssen, um weiter Leistungen zu erhalten.[131]

Befürworter der Reformen weisen darauf hin, dass durch diese Maßnahmen die Anzahl armer Kinder abgenommen habe.[132] Kritiker wiesen früh darauf hin, dass diese Abnahme der Kinderarmut vor allem durch eine Zunahme der Abtreibungen zu erklären sei und nicht dadurch, dass die Eltern in die Lage versetzt worden wären für ihre Kinder zu sorgen.[133][134] Allein zwischen 1992 und 1996 brachten in New Jersey Frauen, die Sozialhilfe bezogen, 14057 Kinder weniger zur Welt als statistisch bei gleich bleibender Geburtenrate zu erwarten gewesen wäre. Die Abtreibungsrate lag um 1429 Fälle höher als zu erwarten.[130] Damit stieg die Abtreibungsrate unter Sozialhilfeempfängern in New Jersey um 14 %.[135] 28000 Kindern in New Jersey wurde wegen der Family Cap die Sozialhilfe vorenthalten.[135]

Kinderarmutsrate verschiedener
ethnischer Gruppen in den USA
Jahr Insgesamt Afroamerikaner Hispanics
1996 20,5 % 39,9 % 40,3 %
2001 16,3 % 30,2 % 28,0 %
http://www.acf.hhs.gov/programs/ofa/annualreport5/chap09.htm

Die USA nahmen laut Ergebnissen der UNICEF-Studie 2007 zur Situation der Kinder in Industrieländern insgesamt nach Großbritannien den vorletzten Rang unter 21 untersuchten Staaten ein. Bei dieser Studie wurden nicht nur die materiellen Bedingungen berücksichtigt, sondern auch die Dimensionen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, Lebensweise und Risiken, sowie Selbsteinschätzung. Es sind vor allem schlechte gesundheitliche Versorgung, schlechte Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen und die riskante Lebensweise, die hier die Werte der USA verschlechtern. Rein materiell belegen die USA den 17. Platz.[117]

In den USA sind 2005 11,2 % aller Kinder unter 18 Jahren nicht krankenversichert; unter den armen Kindern sind es 19,0 %.[136] Dies wird in den USA auch als ein bildungspolitisches Problem angesehen, da die daraus ergebenden gesundheitlichen Probleme der Kinder zu Einbußen beim Unterricht führen.[137]

Erfolg trotz Armut[Bearbeiten]

Viele der vietnamesischen „Boat People“ besaßen zu Anfang weder materielle Güter noch englische Sprachkenntnisse, verfügten nur über eine rudimentäre Bildung, lebten in sehr schlechten Wohnverhältnissen und mussten mit öffentlichen Schulen vorliebnehmen. Ihr Scheitern schien damit vorhersehbar. Umso erstaunter war die Wissenschaft, als die Kinder dieser Gruppe bei allen Leistungstest besser abschnitten als Kinder aus der Mittelschicht.

Eines der auffälligsten Ergebnisse einer Studie war, dass Kinder mit vielen Geschwistern sich als leistungsstärker erwiesen als Kinder mit wenigen Geschwistern und Einzelkinder. Dies lässt sich aufgrund der eher kollektivistisch orientierten asiatischen Kultur begreifen. Die Geschwister profitieren dabei von der gegenseitigen Hilfe.

Es konnte nachgewiesen werden, dass für die Boat People und deren Kinder Bildung ein wichtigerer Wert war als für weiße Amerikaner[138],[139],[140]

Kinder verarmter Bauernfamilien sind trotz der Armut schulisch erfolgreich und gut integriert. Gründe dafür sind starke Bindungen zwischen den Generationen, Sozialisation in produktive Rollen, starker Einsatz der Eltern und Engagement der Kirchen, Schulen und der ländlichen Gemeinschaft.[141]

Japan[Bearbeiten]

Auch in einem hochindustrialisierten Land wie Japan liegt die Kinderarmut mit 14 % deutlich höher als das OECD-Mittel. Laut einem Bericht der OECD trugen Armutsraten unter Alleinerziehenden 2000 in wesentlichem Maße zu dieser hohen Zahl bei. Im Jahr 2002 reformierte die Regierung die Unterstützung für Alleinerziehende und schaffte für sie Anreize, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die Armutsrate gerade unter erwerbstätigen Alleinerziehenden liegt mit über 50 % höher als diejenige unter den Alleinerziehenden, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen; die Armutsrate erwerbstätiger Alleinerziehender liegt in OECD-Staaten mit 20 % im Mittel wesentlich niedriger.

Kinderarmut betrifft in Japan im Gegensatz zu Deutschland weit stärker im Arbeitsleben stehende Familien als reine Transferbezieher, welche aber trotz eigenem Arbeitseinkommen nicht über die Armutsgrenze hinwegkommen.[142] Ungefähr 70 % der erwerbstätigen japanischen Frauen ziehen sich aus dem Arbeitsmarkt zurück, nachdem sie Kinder geboren haben. Sofern japanische Mütter, wenn ihre Kinder älter sind, wieder eine Arbeit aufnehmen, tun sie dies oft im Rahmen eines gering bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnisses. Berufstätige Japanerinnen stehen trotz Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuungsplätzen für die Kleinsten unter hohem Druck, da Arbeitszeiten lang sind und die Erwartung vorherrscht, dass Frauen ältere Familienmitglieder versorgen .[143] Gegenwärtig entmutigen einige Aspekte der Regierungspolitik und Arbeitgeberpraktiken die Frauen, nach der Geburt von Kindern wieder eine Arbeit aufzunehmen.

Republik Korea[Bearbeiten]

Nach Amnesty International kam ein Bericht des World Food Programme und der UNICEF von 2006, der auch Daten der Nordkoreanischen Regierung auswertete, zu dem Ergebnis, dass im sozialistischen Nordkorea 7 % der Kinder schwer unterernährt, 37 % chronisch unterernährt und 23,4 % untergewichtig sind.[144] Für den OECD-Staat Republik Korea (Südkorea) wurde trotz gravierender regionaler Abweichungen ein generell besseres Bild gezeichnet. „Vor 40 Jahren war das Einkommen der Familien vergleichbar mit dem von Familien in den ärmeren Staaten Afrikas. Heute liegt es näher an dem der ärmeren Ländern in Europa.“[145]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten]

Art der Maßnahmen[Bearbeiten]

Es werden verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut und des Teufelskreis aus Armut und schlechter Bildung diskutiert, teilweise kontrovers.

Bildungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Es werden Betreuungs- und Bildungsangebote für sozial benachteiligte Familien: mehr Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und Horte, mehr Sozialpädagogen, Schulpsychologen und betreute Freizeitangebote gefordert.[89] Betreuungsangebote in den Schulen am Nachmittag sind umstritten, seit die 21st Century Community Learning Centers zu keiner Verbesserung der Schulleistung und zu einer Verschlechterung des Sozialverhalten armer Kinder geführt haben. Die Soziologin Jutta Allmendinger forderte die Einführung eines „Systems von Gemeinschafts- und Gesamtschulen“, um den Kreislauf aus Armut und Bildungsarmut zu durchbrechen.[146]. Die kompensatorische Erziehung hat das Ziel, die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien zu steigern. Unter den verschiedenen nur teilweise erfolgreichen Programmen ist das US-amerikanische Head-Start-Programm das weltweit umfangreichste. Selbsthilfe der betroffenen Familien wie in HIPPY, einem Programm, bei dem Migranteneltern mit ihren Kindern Deutsch üben, ist ein Mittel, die eigene Kompetenz zu stärken. Bei Versuchen in den USA mit Bildungsgutscheinen, die bei privaten High-Schools oder Nachhilfelehrern eingelöst werden konnten, zeigte die Gruppe derjenigen, die Gutscheine erhalten hatten, kaum signifikante Leistungssteigerungen gegenüber der Kontrollgruppe. Deswegen sehen viele Wissenschaftler Bildungsgutscheine nicht als geeignetes Mittel, die Schulleistungen benachteiligter Gruppen zu verbessern.[147][148][149] Integration des Themas Kinderarmut in die Lehrerausbildung ist eine weitere Idee. So kann gegen den Missstand vorgegangen werden, dass Lehrer wenig Kenntnis über Kinderarmut haben.[150] Auch Kurse mit besonders hohen akademischen Ansprüchen innerhalb des staatlichen Schulsystems werden debattiert. In den USA heißen diese Career Academies. Der Schüler bewirbt sich mit einem Motivationsbrief, in dem er auch die soziale Situation seiner Familie schildert. Arme Kinder werden gezielt bevorzugt. Career Academies führen dazu, dass Schüler häufiger einen Schulabschluss machen, später häufiger einen Hochschulabschluss machen und mehr verdienen. Der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf fordert eine Mindestquote der Studierenden aus bildungsfernen Schichten. Diese Quote soll der amerikanischen affirmative action ähneln.[151]

Sonstige Maßnahmen[Bearbeiten]

Von Kinderschutzorganisationen wird die verfassungsmäßige Verankerung von Kinderrechten eingefordert. Zudem sollen alle Industrieländer die Kinderrechtskonvention der UN umsetzen. So erkennt sie die Bundesrepublik Deutschland nicht vollständig an. Die Einführung und Erhöhung von Transferleistungen wie Kindergeld, Erziehungsgehalt, Elterngeld und zweckgebundener Beihilfen ist ein weiterer Vorschlag. In Deutschland schaffte die Bundesregierung 2005 mit der Einführung von Hartz IV die einmaligen Beihilfen für Kinderbekleidung und Schulbedarf ab. Dies wurde durch den Deutschen Kinderschutzbund als armutsverschärfend kritisiert, da der Kinderanteil bei Hartz IV in Höhe von 208 Euro den Bedarf nicht decke und direkte Beihilfen sinnvoll seien.[152][153] Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Sinne einer Arbeitsintegration der Eltern (insbesondere allein erziehender Mütter) kann eine Ursache von Kinderarmut beheben, dazu dienen Ausbau von Ganztagsschulen und Förderung von Betriebskindergärten und familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen.[89] Auch Suppenküchen und Volksküchen, die eine öffentliche Essensausgabe für Bedürftige, gratis oder gegen geringes Entgelt bieten, können wirken, ebenso gemeinnützige Hilfsorganisation wie „Tafeln“, die qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwendet und ansonsten vernichtet werden würden, an Bedürftige verteilen.[154] Die Anzahl der Tafeln stieg in den letzten Jahren auf bis über 700 an.

Wirksamkeit früher Hilfen für arme Kinder[Bearbeiten]

Es gibt kaum deutsche Forschungsbefunde, doch solche aus Amerika geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus.[99] Die Wirksamkeit der Interventionsprogramme ist nach diesen an einige Voraussetzungen gebunden, etwa möglichst frühzeitiger und intensiver Intervention, gestützt auf Kooperationsbereitschaft der betroffenen Familie und Bereitstellung von Schutz, Sicherheit und verlässlichen Beziehungen zu erwachsenen Bezugspersonen. Auch finanzielle, soziale und emotionale Unterstützung, konkrete Hilfen in der Alltagsgestaltung sowie Beratung und Unterstützung in Fragen des förderlichen Zusammenlebens mit den Kindern hilft. Wichtig erscheint, die Angebote auf die jeweiligen Möglichkeiten und Bedürfnisse des Kindes und der Familie individuell zuzuschneiden und Kontinuität der Maßnahmen insbesondere über die biographischen Übergänge wie den Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule hinweg zu sichern.[99] Für die längerfristige Wirkung der Förderung der Kinder durch Programme wie Head Start ist erforderlich, gleichzeitig Familiensituation und Beziehungen zur Nachbarschaft zu verbessern.[155]

Darstellung in den Medien[Bearbeiten]

Seit Beginn der Industrialisierung ist Kinderarmut Sujet literarischer Werke, das bekannteste ist Charles Dickens' Roman Oliver Twist. Erich Kästner schrieb die Lieder „Legende, nicht ganz stubenrein“ und „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“.[156] Paul Young ist ein weiterer Liedtexter, der sich mit Kinderarmut beschäftigt hat. Monty Python thematisieren im Sketch „Four Yorkshiremen“ und im Film „Monty Python's The Meaning of Life“ Kinderarmut in britischen Arbeitervierteln. Eli Reed drehte 1988 den Dokumentarfilm „America’s children: Poorest in the Land of Plenty“ (deutsch: Amerikas Kinder: Die Ärmsten im Land des Überflusses). Neuere Filme sind mit dem 1993 erschienenen „Raining Stones“ von Ken Loach und Stephen DaldrysBilly Elliot – I Will Dance“ zu nennen.

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein

  • Heinz Gerhard Beisenherz: Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft: das Kainsmal der Globalisierung. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3086-4.
  • Bruce Bradbury, Stephen P. Jenkins, John Micklewright: The Dynamics of Child Poverty in Industrialised Countries. Cambridge University Press, Cambridge [u.a] 2001, ISBN 0-521-00492-6.
  • Christoph Butterwegge: Armut und Kindheit – Ein regionaler, nationaler und internationaler Vergleich. VS Verlag, 2004, ISBN 3-531-33707-6.
  • Andreas Gestrich: Geschichte der Familie. Kröner, 2003, ISBN 3-520-37601-6.
  • Karin Holm, Uwe Schulz (Hrsg.): Kindheit in Armut weltweit. leske&budrich Opladen 2002, ISBN 3-8100-3311-1.
  • Lucinda Platt: Child Poverty in Historical Perspective – From 1900 to the Present. Routledge Advances, 2008, ISBN 978-0-415-33948-3.
  • Koen Vleminckx: Child Well-Being, Child Poverty and Child Policy in Modern Nations: What Do We Know? Policy Press, 2001, ISBN 1-86134-253-5.
  • Margherita Zander: Kinderarmut: Einführendes Handbuch für Forschung und soziale Praxis. VS-Verlag, 2005, ISBN 3-531-14450-2.
  • Margherita Zander: Armes Kind – starkes Kind? Die Chance der Resilienz. VS – Verlag für Sozialwissenschaften, 2008, ISBN 978-3-531-15226-4.

Deutschland

  • Kurt Bangert: Kinderarmut: in Deutschland und weltweit. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5253-2.
  • Jörg Fischer, Roland Merten (Hrsg.): Armut und soziale Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen: Problembestimmungen und Interventionsansätze. Schneider Verlag Hohengehren, 2010, ISBN 978-3-8340-0724-7.
  • Klaus Hurrelmann; TNS Infratest; Sabine Andresen; World Vision Deutschland (Hrsg.): Kinder in Deutschland 2010: 2. World Vision Kinderstudie, Fischer 2010, Frankfurt, ISBN 978-3-596-18640-2.
  • Klaus Hurrelmann: Kinder in Deutschland 2007-1. World Vision Kinderstudie. Fischer Taschenbuch, 2007, ISBN 978-3-596-17720-2.
  • Daniel Schniering: Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. Grundlagen, Dimensionen, Auswirkungen. VDM Verlag Dr. Müller, 2006, ISBN 3-86550-210-5.
  • Wolfgang Lauterbach: Armut in Deutschland: Folgen für Familien und Kinder. Oldenburg: Oldenburger Universitätsreden, ISBN 3-8142-1143-X.
  • Christian Palentien: Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. Wiesbaden. VS-Verlag für Sozialwissenschaften 2004, ISBN 3-531-14385-9.
  • Christoph Butterwegge: Kinderarmut in Deutschland. Ursachen, Erscheinungsformen und Gegenmaßnahmen. Campus Fachbuch, 2000, ISBN 3-593-36502-2.

USA

  • Barbara A. Arrighi/David J. MaumeChild: Poverty in America Today. Publishers Inc. U.S., 2007, ISBN 978-0-275-98926-2.
  • John Clausen: American lives – Looking back at the children of the great depression, 1995, University of California Press, 1995, ISBN 0-520-20149-3.
  • Glen H. Elder: Children of the Great Depression. Chicago University Press, 1974, Chicago University Press, 1974, ISBN 0-8133-3342-3.

Großbritannien

  • Report on Child Poverty in the UK – Reply by the Government to the Second Report of the Work and Pensions Select Committee Session 2003–2004 (HC 85-1): Cm. 6166 Stationery Office Books, 2004, ISBN 0-10-162002-0.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb):
    • Kinderarmut, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2006), bpb, 26. Juni 2006
    • Sozialer Wandel in Deutschland, Rainer Geißler, Informationen zur politischen Bildung (Heft 269), bpb, Überarbeitete Neuauflage 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Fertig: Kinderarmut in Deutschland und der OECD Ringvorlesung „Sozialreformen und soziale Gerechtigkeit“, 6. Juli 2005 (abgerufen am 25. November 2007)
  2. Stefan Weick: Relative Einkommensarmut bei Kindern: Untersuchungen zu Lebensbedingungen und Lebensqualität in Deutschland von 1984 bis 1996. Dissertation (Soziologie), Justus-Liebig-Universität Gießen, 8. Juli 1999, S. 37 [1]
  3. Lebenslagen in Deutschland – Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2001, S. 9.
  4. a b c d e UNICEF-Report: Child Poverty in Rich Countries 2005 (PDF; 222 kB), Innocenti Report Card, No.6 Download am 20. Januar 2008
  5. Christoph Butterwegge, Karin Holm, Margeritha Zander, unter anderem: Armut und Kindheit – Ein regionaler, nationaler und internationaler Vergleich. S. 124.
  6. a b c d e Poverty and Early Childhood Intervention – What Happens to Children Living in Poverty Download am 9. Dezember 2007
  7. AWO-Pressestelle: AWO/ISS-Studie zur Kinderarmut in Deutschland www.awo.org Download am 9. Dezember 2007
  8. Nietfeld/Becker (1999): Harte Zeiten für Familien. Theoretische Überlegungen und empirische Analysen zu Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und sozio-ökonomischer Deprivation auf die Qualität familialer Beziehungen Dresdner Familien. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 19: 369–387
  9. Vgl. Rolf Becker (1998): Dynamik rationaler Bildungsentscheidungen im Familien und Haushaltskontext. Eine empirische Untersuchung zum Bildungserfolg ostdeutscher Jugendlicher in Armutslagen. Dresden: Technische Universität: Manuskript
  10. Nathan Caplan unter anderem (1989): The Boat People and Achievement in America. A study of family life, hard work, and cultural values. University of Michigan Press, ISBN 0-472-09397-5.
  11. Glen H. Elder, Rand D. Conger (2000): Children of the Land: Adversity and Success in Rural America. University of Chicago Press, ISBN 978-0-226-20266-2.
  12. Vgl. Auf dem Weg in den „Suppenküchen-Staat“? Immer mehr Kinder in Deutschland leben in armen Verhältnissen, www.3sat.de, September 2006, abgerufen am 20. Januar 2008
  13. Andreas Gestrich (2003): Geschichte der Familie. Stuttgart: Kröner, ISBN 3-520-37601-6.
  14. a b http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1243947/ 9. August 2010
  15. John Clausen (1995): American lives: looking back at the children of the great depression. Berkeley: University of California Press, ISBN 0-520-20149-3.
  16. Wolfgang Lauterbach: Armut in Deutschland – mögliche Folgen für Familien und Kinder. Universität Oldenburg, Oldenburger Universitätsreden (2003), ISBN 3-8142-1143-X, S. 14.
  17. Deutsches Kinderhilfswerk e. V.: Kinderreport 2007
  18. Editorial, Katharina Belwe, in: Kinderarmut, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2006), Bundeszentrale für politische Bildung, 26. Juni 2006 (abgerufen am 30. Dezember 2007)
  19. Toni Mayr (2000): Entwicklungsrisiken bei armen und sozial benachteiligten Kindern und die Wirksamkeit früher Hilfen. In: Hans Weiß (Hrsg.): Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen. München/Basel: Ernst Reinhardt Verlag, ISBN 3-497-01539-3; S. 144.
  20. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1243947/ 9. August 2010
  21. Hans Boeckler Stiftung Magazin Mitbestimmung 1+2/2006 Download am 20. Januar 2008
  22. a b c Thorsten Stegemann. 8. November 2007. Vererbte Chancenlosigkeit http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26561/1.html
  23. a b Fritz Haverkamp: „Gesundheit und soziale Lebenslage“, S. 331 aus: Ernst-Ulrich Huster, Jürgen Boekh, Hildegard Mogge-Grothjahn: „Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung“
  24. Gerhard Trabert: Kinderarmut: Zwei-Klassen-Gesundheit Download am 20. Dezember 2007
  25. Alexander Schulze: Rauchen und soziale Ungleichheit – Konsequenzen für die Tabakkontrollpolitik Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg 2004, Download am 19. Dezember 2007
  26. Frauen mit Kindern rauchen häufiger als Kinderlose Ärzte Zeitung online
  27. Melike Sümbül: Kinderarmut in Deutschland www.evrensel.de 1. September 2007 abgerufen am 20. Januar 2008
  28. a b c Trabert, Gerhard: Kinderarmut: Zwei-Klassen-Gesundheit in Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: A 93–95, Ausgabe 3 vom 18. Januar 2002
  29. Mielck, A. (Hrsg.): Krankheit und soziale Ungleichheit. Opladen: Leske + Budrich
  30. Richter, Antje: Armutsprävention – ein Auftrag für Gesundheitsförderung 2005, S. 205. In: Margherita Zander: Kinderarmut. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, ISBN 3-531-14450-2.
  31. Planet Wissen: ARMUT IN DEUTSCHLAND: Dennis’ Experiment, 7. November 2005
  32. Larissa Kessner: Gesund essen – Eine Frage des Geldes? in UGB-Forum 2/07, S. 89–92 (download am 25. November 2007)
  33. a b UNICEF Deutschland: „Ausgeschlossen“ – Kinderarmut in Deutschland Stand 28. Januar 2008
  34. a b Roland Merten (2002): Psychosoziale Folgen von Armut im Kindes- und Jugendalter In Christoph Butterwegge, Michael Klundt (Hrsg.): Kinderarmut und Generationengerechtigkeit. Opladen: Leske und Budrich, ISBN 3-8100-3082-1, S. 149.
  35. Armut heißt: „Es gibt nichts mehr.“ Dokumentation des Jugendsozialgipfels vom 11. November 2006 Download am 30. November 1007
  36. Jeanne Brooks-Gunn, Greg J. Duncan: The Effects of Poverty on Children. In: The Future of Children 7 (2), S. 55–71, 1997, ISSN 1054-8289
  37. New Thinking on Children, Poverty & IQ Download am 30. November 2007
  38. Glen H. Elder: Children of the Great Depression, Chicago University Press, 1974, Chicago University Press, 1974, ISBN 0-8133-3342-3, S. 311, Tabelle A-18, IQ-Testungen wurden mit dem Stanford-Binet durchgeführt
  39. Glen H. Elder: Children of the Great Depression, Chicago University Press, 1974, Chicago University Press, 1974, ISBN 0-8133-3342-3, S. 167.
  40. nachdenkseiten.de, 1. Dezember 2009: Bertelsmann-Studie: „Die volkswirtschaftlichen Kosten unzureichender Bildung sind gewaltig“ (18. Oktober 2010)
  41. Schlack, Hans (1995): Lebenswelten von Kindern. In Schlack, Hans (Hrsg.): Sozialpädiatrie – Gesundheit – Krankheit – Lebenswelten. Stuttgart/Jena/NewYork: Gustav Fischer Verlag, ISBN 3-437-11664-9, S. 90/91
  42. Vodafone Stiftung Deutschland: Benotung und Schulempfehlung fördern Chancenungleichheit in der Bildung. In: vodafone-stiftung.de, Pressemitteilungen, 14. Dezember 2011 (16. Dezember 2011)
  43. dpa: Arme Schüler bekommen schlechtere Noten. In: badische-zeitung.de, Nachrichten, Deutschland, 15. Dezember 2011 (16. Dezember 2011)
  44. Ruby Payne: A Framework for Understanding Poverty. aha! Process Inc, Highlands 2006, ISBN 978-1-929229-68-0.
  45. Michael F. Shaughnessy: An Interview with Ruby Payne About Teaching Students from Poverty ednews.org 2005 Download am 12. Dezember 2007
  46. San Francisco Chronicle: Self-control is the key to success download am 16. Dezember 2007
  47. Donna Beegle: Educating children 0f Poverty Download am 16. Dezember 2007
  48. Christian Palentien (2004): Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. Wiesbaden. VS – Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14385-9; S. 218 und 219.
  49. West Lothian – Health Improvement Download am 25. Dezember 2007
  50. Teenager-Schwangerschaften: Von wegen aufgeklärt Download am 25. Dezember 2007
  51. Ronald Inglehart(1982): Die stille Revolution. Vom Wandel der Werte. Athenaeum
  52. Ronald Inglehart (1989): Kultureller Umbruch. Wertewandel in der westlichen Welt. Campus Verlag
  53. Vandell, D. L.; Ramanan, J. (1992): Effects of early and recent maternal employment on children from low income families. Child development, 63, S. 938–949.
  54. Woods, M.B. (1972): The unsupervised child and the working mother. Developmental psychology, 6, S. 14–25.
  55. Milne, A.M.; Myers, D.E.; Rosenthal, A.S.H.; Ginsburg, A. (1986): Single parents, working mothers and the educational achievement of school children. Sociology of Education, 59, S. 125–139.
  56. Becker/Nietfeld (1999): Arbeitslosigkeit und Bildungschancen von Kindern im Transformationsprozess. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 51, Heft 1, 1999, S. 62.
  57. Becker/Nietfeld (1999): Arbeitslosigkeit und Bildungschancen von Kindern im Transformationsprozess. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 51, Heft 1, 1999, S. 69, Tabelle.
  58. Glen H. Elder (1974): Children of the Great Depression. Chicago: University of Chicago Press S. 160.
  59. Andreas Lange/Wolfgang/Lauterbach/Rolf Becker (2002): Armut und Bildungschancen. In Christoph Butterwegge, Michael Klundt (Hrsg.): Kinderarmut und Generationengerechtigkeit. Opladen: Leske und Budrich, ISBN 3-8100-3082-1, S. 165.
  60. AWO/ISS-Studie zur Kinderarmut in Deutschland Download am 9. Dezember 2007
  61. a b Spi: Gut angekommen www.zeit.de 2006, Stand 26. Januar 2008
  62. B. von Breitenbach (1982): Italiener und Spanier als Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland München/Mainz, S. 120f., Thränhardt, D. (2000): Einwanderer-Kulturen und soziales Kapital in: Ders. /Uwe Hunger (Hrsg.): Einwanderer-Netzwerke und ihre Integrationsqualität in Deutschland und Israel Münster/ London, S. 32 f.
  63. B. von Breitenbach (1982): Italiener und Spanier als Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland München/Mainz
  64. Dietrich Thränhardt: Dezember 2006_Spanische_Einwanderer_schaffen_Bildungskapital.pdf Spanische Einwanderer schaffen Bildungskapital: Selbsthilfe-Netzwerke und Integrationserfolg in Europa 0egora.uni-muenster.de 2006, Stand 26. Januar 2008
  65. Beuchling, Olaf (2003): Vom Bootsflüchtling zum Bundesbürger – Migration, Integration und schulischer Erfolg in einer vietnamesischen Exilgemeinschaft. Waxmann, ISBN 978-3-8309-1278-1.
  66. Marina Mai: Vietnamesenkinder besonders schlau taz.de 2008, Stand 26. Januar 2008
  67. Karin Weiss & Mike Dennis (Hrsg.): Erfolg in der Nische? Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland Münster: LIT Verlag 2005
  68. Marina Mai: „Ostlehrer integrieren Migrantenkinder besser“ Interview mit Karin Weiss, taz.de 2006, Download am 18. Januar 2008
  69. Andreas Helmke und Vo Thi Anh Tuyet: Die Preußen Asiens – Warum vietnamesische Schüler besser als bayrische Schüler abschneiden. Stern 40/02, S. 204, zitiert in Pisa – Echo auf die Ergebnisse auf www.lesekompetenz.th.schule.de, Stand 28. Januar 2008
  70. a b OECD-Länder: 40 bis 50 Millionen Kinder leben in Armut – Kinderarmut in den meisten OECD-Ländern angestiegen, UNICEF Schweiz, 1. März 2005 (abgerufen am 30. Dezember 2007)
  71. a b c UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in Industrieländern: Deutschland nur Mittelmaß Studie zur Situation der Kinder_in Industrielaendern 2007 (PDF; 92 kB) Download am 20. Januar 2008
  72. Child poverty in perspective: An overview of child well-being in rich countries, Unicef Innocenti Research Center Report Card 7, 2007
  73. Michael Fertig, Marcus Tamm: Kapitel „Einfluss familienbezogener Transfers“, in: Michael Fertig, Marcus Tamm: Kinderarmut in reichen Ländern, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2006), Bundeszentrale für politische Bildung, 2006 (abgerufen am 29. Dezember 2007)
  74. Tabelle: Kinderarmut in Industriestaaten – Prozentsatz der Kinder unterhalb der relativen Armutsgrenze in % www.learn-line.nrw.de Stand 26. Januar 2008
  75. UNICEF Information Zusammenfassung der UNICEF-Studie Kinderarmut in reichen Ländern (PDF; 218 kB), 1. März 2005 (abgerufen am 30. Dezember 2007)
  76. Elisabeth Zimmermann: Neue UNICEF-Studie: Kinderarmut in reichen Ländern nimmt zu www.wsws.org, 18. März 2005 Stand 28. Januar 2008
  77. World Vision Deutschland (Hrsg.): „Kinder in Deutschland 2007.“ – 1. World Vision Kinder-Studie, Stand 28. Januar 2008
  78. mk/gx/AFP: Armut in Deutschland - Kinder profitieren von berufstätigen Eltern. In: focus.de, Panorama, 16. Dezember 2011 (16. Dezember 2011)
  79. UNICEF Vergleichsstudie Kinderarmut 2012
  80. Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik:Arm dran (?)! Lebenslagen und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen. Zu Armut und Benachteiligung in Deutschland 7. Oktober 1998, Stand 28. Januar 2008
  81. Vgl. ZEFIR-Datenpool: Leistungsempfänger/-innen von Sozialgeld nach SGB II im Alter von unter 15 Jahren im Juni 2005 (abgerufen am 25. November 2007)
  82. tagesschau.de vom 15. November 2007: Jedes sechste Kind lebt in Armut (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[2] [3] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung Stand 28. Januar 2008
  83. Netzeitung: Deutschland bei Familienarmut Spitze, Stand 15. November 2007
  84. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUnicef: Jedes sechste deutsche Kind in Deutschland ist arm. Abgerufen am 28. März 2009.
  85. Carolin Reißlandt/Gerd Nollmann: Kinderarmut im Stadtteil: Intervention und Prävention. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2006)
  86. a b Miles Corak, Michael Fertig and Marcus Tamm: A Portrait of Child Poverty in Germany (PDF; 241 kB), Innocenti Working Paper No. 2005-03. Florence, UNICEF Innocenti Research Centre, 2005 Stand 28. Januar 2008
  87. www.tagesspiegel.de: Armut ist auch ein Gefühl, erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16. November 2007 (abgerufen am 13. Januar 2008)
  88. Deutsches Kinderhilfswerk: Forderungskatalog zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland undatiert, S. 2 Stand 28. Januar 2008
  89. a b c d N.N.: Kinderarmut bekämpfen? Ein bisschen Mut braucht’s schon Böckler Impuls Ausgabe: 09/2005 (abgerufen am 19. November 2007)
  90. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format[http://boeckler.de/pdf/impuls_2009_16_7.pdf Betreuung bringt mehr als Bares.] In: Böcklerimpuls 16/2009, Böckler-Boxen. Hans Böckler Stiftung, abgerufen am 8. November 2009 (PDF; 83 kB).
  91. Olaf Groh-Samberg: Armut verfestigt sich (PDF; 576 kB) Wochenbericht der DIW Nr. 12/2007, 74. Jahrgang/21. März 2007, S. 177 Stand 29. Januar 2008
  92. Armut heißt: „Es gibt nichts mehr.“ Dokumentation des Jugendsozialgipfels vom 11. November 2006 Download am 25. Dezember 1007
  93. Kinderarmut in reichen Ländern (PDF; 218 kB) Download am 25. Dezember 2007
  94. Rainer Geißler (2006): Die Sozialstruktur Deutschlands. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-42923-X, S. 82.
  95. Rainer, Geißler (2006): Die Sozialstruktur Deutschlands. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-42923-X, S. 90.
  96. a b H. G. Beisenherz: Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft – Das Kainsmal der Globalisierung, Leske + Budrich Verlag, 2002, ISBN 3-8100-3086-4, S. 310f.
  97. für Amerika wurde das zum Beispiel dargelegt in: Elder, Glen H., Jr., & Rand D. Conger. 2002. Children of the land: Adversity and success in Rural America. Chicago: University of Chicago Press
  98. H. G. Beisenherz: Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft – Das Kainsmal der Globalisierung. Leske + Budrich Verlag, 2002, ISBN 3-8100-3086-4, S. 310.
  99. a b c d Hans Weiß: Armut als Entwicklungsrisiko – Möglichkeiten der Prävention (PDF; 41 kB) – Download am 25. November 2007
  100. Paul Nolte: Das große Fressen: Nicht Armut ist das Hauptproblem der Unterschicht. Sondern der massenhafte Konsum von Fast Food und TV. In: DIE ZEIT Nr.52, 17. Dezember 2003
  101. Helmut Schmidt, Giovanni Di Lorenzo, „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, S. 73.
  102. Paul Nolte (2006): Riskante Moderne. München: Beck, ISBN 978-3-406-54084-4.
  103. welt.de 26. Januar 2005: Natürlich sind Kinder ein Armutsrisiko – in den Mittelschichten gibt es ja kaum welche
  104. Olaf Groh-Samberg: Armut verfestigt sich (PDF; 576 kB) Wochenbericht der DIW Nr. 12/2007, 74. Jahrgang/21. März 2007, S. 177.
  105. ret/ap/sda: Armutsrisiko nimmt mit Kindern zu 26. Juni 2007 Stand 29. Januar 2008
  106. Berufstätige Mütter in Japan, Irland und Österreich benötigen Unterstützung, meinen OECD Experten www.oecd.org, 4. November 2003 Stand 29. Januar 2008
  107. Institut National de la Statistique et de Études Économiques: Les enfants pauvres: une autre image de la pauvreté ? (PDF; 669 kB) Oktober 2003 Stand 29. Januar 2008
  108. Kinderarmut in Europa www.arte.tv Zum Themenabend 10. Januar 2005 Stand 29. Januar 2008
  109. Conseil de l’emploi, des revenues et de la cohésion sociale: Les enfants pauvres en france (PDF; 759 kB) www.ladocumentationfrancaise.fr Stand 29. Januar 2008
  110. Alex Rühle: Draußen, unten, unter sichwww.sueddeutsche.de 29. März 2007 Download am 19. Januar 2008
  111. Der Fischer Weltalmanach: Banlieue-Unruhen Veröffentlicht auf Bundeszentrale für politische Bildung 2007 Download am 19. Januar 2008
  112. Margaret Hodge: Written answers 20. Juni 2005 Stand 30. Januar 2008
  113. a b c d e Siebter Familienbericht der Bundesregierung, Abschnitte II.3.3.4 „Das Beispiel: Vereinigtes Königreich“ und Abschnitt II.3.4 „Vergleichende Bewertung“, Unterabschnitt „Vereinigtes Königreich“ 26. April 2006 Stand 30. Januar 2008
  114. George Jones: Blair sets out mission to end child poverty within a generation www.telegraph.co.uk 19. März 1999 Stand 30. Januar 2008
  115. Hamish MacDonnell: Scots lead fight on child poverty news.scotsman.com 10. März 2006, Stand 30. Januar 2008
  116. Michael Blackley: Children trapped in poverty miss out on basics 19. Juni 2007 news.scotsman.com, Stand 30. Januar 2008
  117. a b c Deutschland nur Mittelmaß (PDF; 92 kB). Abgerufen am 17. Januar 2008
  118. Heinz Gerhard Beisenherz: Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft – das Kainsmal der Globalisierung. Leske + Budrich, Leverkusen, 2002, S. 42.
  119. Ministerium für Schule und Bildung NRW: www.learn-line.nrw.de 13. Oktober 2004 Stand 31. Januar 2008
  120. Elisabeth Zimmermann: Kinderarmut in reichen Ländern nimmt zu 18. März 2005 www.wsws.org Stand 31. Januar 2008
  121. Leah Smith: Armut in der Russischen Föderation heute 23. März 2004 www.weltpolitik.net Stand 31. Januar 2008
  122. Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 34.
  123. Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 36.
  124. a b Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 39.
  125. a b Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 40.
  126. Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 42.
  127. Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 45.
  128. Elzbieta Tarkowska (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Margherita Zander: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 47.
  129. frommelt.ag, Straßenkinder in Bukarest, 2003
  130. a b Teresa Malcolm: New Jersey „family cap“ increases abortion rate in National Catholic Reporter vom 20. November 1998, Stand 1. Februar 2008
  131. Der Einfluss von Religion auf Arbeitsfelder amerikanischer ‚Jugendhilfe’ und seine Charakterisierung, André Richter, Dissertationsschrift, Dortmund, 2003, S. 259 (abgerufen am 1. November 2009)
  132. Office of family assistance: Child Poverty and TANF 14. September 2004 Stand 1. Februar 2008
  133. Jennifer Preston, „With New Jersey Family Cap, Births Fall and Abortion Rise.“ The New York Times, November 3, 1998
  134. Ted Joyce und andere: Family Cap Provisions and Changes in Births and Abortions Stand 31. Januar 2008
  135. a b Welfare Policy: TANF Reauthorization Februar 2002 Download am 17. Januar 2008
  136. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHealth Insurance Coverage: 2005. In: Health Insurance. U.S. Census Bureau, 23. Mai 2007, abgerufen am 26. Januar 2008 (englisch).
  137. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTony Pugh: Children without health insurance lose out on learning at school. 18. November 2007, abgerufen am 26. Januar 2008 (englisch).
  138. Nathan Caplan u. a. (1989): The Boat People and Achievement in America: A study of family life, hard work, and cultural values. University of Michigan Press
  139. David W. Haines (Hrsg.) (1989): Refugees and immigrants: Cambodians, Laotians and Vietnamese und America. Rowman&Littlefield Publishers
  140. Nathan Caplan u. a. (1992): Indochinese Refugee Families and Academic Achievement In: Scientific American, Ausgabe Februar 1992; S. 18–24.
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