Kindertagesbetreuung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Kinderbetreuung und Kindertagesbetreuung überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Naremus (Diskussion) 21:17, 13. Okt. 2013 (CEST)

Kindertagesbetreuung, kurz Tagesbetreuung, auch Ganztagsbetreuung, ist ein Sammelbegriff für alle Formen der Betreuung von Kindern außerhalb der Familien.

Begriff und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wird der Begriff der familienexternen Tagesbetreuung oder der familienergänzenden Tagesbetreuung verwendet, damit begrifflich eine Abgrenzung von der traditionellen Betreuung der Kinder durch die Mütter oder Väter zuhause gewährleistet ist. In Österreich ist ebenfalls der Begriff Kinderbetreuung üblich, während man im schulischen Bereich speziell von Ganztagsbetreuung respektive Nachmittagsbetreuung spricht.

Als Kindertagesbetreuung wird die Ergänzung der elterlichen Erziehung verstanden. Sie hat eine doppelte Aufgabe; zum einen soll sie die Entwicklung und Bildung der Kinder fördern, zum anderen die Berufstätigkeit der Eltern ermöglichen. Die beiden Aspekte, Bildungseinrichtung und Bewahranstalt zu sein, prägten die historische Entwicklung des Kindergartens und wurden vielfach als Gegensätze angesehen, die sich auch in unterschiedlichen Einrichtungen für unterschiedliche soziale Schichten ausdrücken konnten. Heute werden beide Aspekte als Einheit betrachtet, die in der Trias von Erziehung, Bildung und Betreuung aufgehoben sind. Der OECD-Länderbericht über die Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung in der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 2004 hebt dieses sozialpädagogische Profil als charakteristisch für die deutsche Kindertagesbetreuung hervor; eine Charakterisierung, die für Österreich und die Schweiz ebenfalls gelten kann:

„Für den Pädagogen, der mit dem ganzen Kind arbeitet, sind die Elemente des ursprünglichen deutschen Pädagogikkonzepts Betreuung, Bildung und Erziehung eng miteinander verknüpft. Es sind tatsächlich untrennbare Aktivitäten bei der täglichen Arbeit. Dies sind keine eigenständigen Bereiche, die zusammengefügt werden müssen, sondern zusammenhängende Teile des kindlichen Lebens.“

– (Rz. 44)

Kindertagesbetreuung umfasst, meist mit Ausnahme des Schulunterrichts, des Internats und des Kinderheims:

Einrichtungen der Kindertagesbetreuung werden von staatlichen, kommunalen und freien Anbietern eingerichtet und getragen. Traditionell ist die Kindertagesbetreuung auch ein Betätigungsfeld für kirchliche und caritative Verbände.

Kindertagespflegepersonen werden auch im Rahmen betrieblicher Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an Eltern vermittelt, die beruflich bedingt abwesend sind oder auch eine häusliche Betreuung eines erkrankten Kindes suchen.

Schulische Ganztagsbetreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Tagesbetreuung oder Ganztagsbetreuung versteht man ein Serviceangebot an Schulen oder außerschulisch, in dem Schüler über den Umfang des Schulunterrichts hinaus innerhalb der Arbeitszeiten betreut werden. Sie ist teils ein alternatives Konzept zur Ganztagsschule, um zu verhindern, dass Kinder werktätiger Eltern (respektive Erziehender) in der Freizeit ohne Aufsicht sind, teils Teil dieser Schulformen. Beim den in der Regelschule etwa um oder nach Mittag endenden Unterrichtszeiten handelt es sich also primär um Nachmittagsbetreuung, sie kann aber auch andere Zeiten umfassen.

Die Tagesbetreuung umfasst meist einen individuellen Lernteil für Hausaufgaben, Stoffwiederholungen und schulische Vorbereitungen, unter Umständen auch Nachhilfe, und beaufsichtigte Freizeit einschliesslich Verpflegung.

Nationales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Union: Barcelona-Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Rat forderte im März 2002 bei seiner Zusammenkunft in Barcelona zwei Ziele, die als Barcelona-Ziele bekannt wurden. Die Mitgliedstaaten sollten

  • „Hemmnisse beseitigen, die Frauen an einer Beteiligung am Erwerbsleben abhalten“ und
  • „bestrebt sein, nach Maßgabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben für das Versorgungsangebot bis 2010 für mindestens 90 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für mindestens 33 % der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen“.[1]

Diese Ziele sind Bestandteil der Europäischen Wachstums- und Beschäftigungsstrategie. Sie sollen die Beschäftigungsrate junger Eltern erhöhen und zur Geschlechtergleichstellung beitragen. Auch die Europäische Kommission bestätigte in ihrem „Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2006-10)“, dass sie die Erreichung der Barcelona-Ziele unterstütze.[2] In einem Bericht vom 3. Oktober 2008 kritisierte die Kommission den hohen Preis der Kindertagesbetreuung und ihre fehlende Anpassung an die Bedürfnisse von Eltern, die in Vollzeit arbeiteten oder atypische Arbeitszeiten hatten. Die Kommission betonte zugleich, dass die Qualität der Betreuungseinrichtungen erhöht werden müsse. Hierzu gehöre auch eine verbesserte Ausbildung, höhere gesellschaftliche Wertschätzung und besseres Entgelt für das Betreuungspersonal.[2]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird als Kindertagesbetreuung die öffentlich organisierte und finanzierte Förderung von Kindern in Einrichtungen, in denen sie sich für einen Teil des Tages oder ganztägig aufhalten und in Gruppen gefördert werden, oder die Kindertagespflege, bezeichnet. Kinder sind alle, die noch nicht 14 Jahre alt sind. Die Kindertagesbetreuung gehört zur Kinder- und Jugendhilfe und ist nicht, wie in manchen anderen Ländern, Teil des Schul- oder Gesundheitswesens. Ihre rechtliche Grundlage findet sie in den §§ 22 ff. des Kinder- und Jugendhilfegesetz genannten SGB VIII des Bundes und in den Landesausführungsgesetzen. Die Kindertagesstätten-Gesetze der Länder regeln vom Bundesrecht nicht erfasste Tatbestände oder bestimmen allgemeine bundesrechtliche Regelungen näher. Eine umfassende Übersicht bieten der Deutsche Bildungsserver[3] und das Deutsche Jugendinstitut: Zahlenspiegel 2005 [4]

Kindertagesbetreuung umfasst nach § 22 SGB VIII die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Einrichtungen (Kindertagesstätten) oder in Kindertagespflege (Tagesmutter) im Hinblick auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Sie soll die Erziehung und Bildung in der Familie unterstützen und ergänzen und den Eltern dabei helfen, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können.

Seit 1996 haben nach § 24 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII Kinder ab 3 Jahren bis zum Schuleinritt einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Tageseinrichtung (Kindergartenplatz).[5] Bis zum Sommer 2013 soll nach § 24a SGB VIII das Förderangebot auch für Kinder unter drei Jahren stufenweise ausgebaut werden, ehe ab dem 1. August 2013 jedes Kind mit Vollendung des ersten Lebensjahres bis zum Schuleintritt einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege haben wird[6]. Ob ein Anspruch auf wohnortnahen Besuch einer Tageseinrichtung besteht, wird kontrovers beurteilt.[7]

In der Übergangszeit sollen vor allem diejenigen unter dreijährigen Kinder gefördert werden, deren Eltern berufstätig sind oder eine Berufstätigkeit beginnen oder die in Ausbildung oder Weiterbildung sind oder studieren. Im Übrigen sind die Träger der öffentlichen Jugendhilfe verpflichtet, für Kleinkinder und für schulpflichtige Kinder bis 13 Jahren ein bedarfsgerechtes Platzangebot vorzuhalten, ohne dass damit ein individueller Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz verbunden wäre. Die tatsächliche Möglichkeit für Kinder im Schul- oder Kleinkindalter einen Platz in Kindertagesbetreuung zu bekommen, ist in vielen Gegenden immer noch äußerst gering. Lediglich in den östlichen Bundesländern und den großen Städten im Westen gibt es bereits in nennenswertem Umfang auch Plätze für jüngere und ältere Kinder.

In der Folge der Diskussionen um die Schulleistungen deutscher Schüler (PISA-Studien) geriet auch die frühkindliche Bildung verstärkt in das Blickfeld. Die seit 2003 entstandenen Bildungspläne der Bundesländer sind ein Ausdruck für das Bemühen, die frühe Bildung in der Kindertagesbetreuung zu verbessern und zu verstärken – ohne aber den Anspruch auf eine ganzheitliche Förderung der Entwicklung des Kindes aufzugeben.

Zu Kindertagesstätten-Gesetzen der Länder siehe auch die Artikel: Bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzKindertagesförderungsgesetz (Berlin)Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder (Niedersachsen)Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern (NRW)

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich fällt die Regelung des Kindergarten- und Hortwesens in die ausschließliche Zuständigkeit der Bundesländer. Daneben wird das Tagesmutterwesen sowie die Betreuung von Kleinkindern teilweise im Jugendwohlfahrtsrecht, teilweise in speziellen Kinderbetreuungs- bzw. Tagesbetreuungsgesetzen geregelt. Daraus ergibt sich, dass abgesehen von Ausbildungsvorschriften für das Fachpersonal keine österreichweiten Qualitätsstandards gelten. In den einzelnen Gesetzen und Verordnungen der Bundesländer sind jedoch Bewilligungsvoraussetzungen, zum Beispiel Größe und Ausstattung der Räumlichkeiten, Gruppengröße, Qualifikation der Betreuer/innen, für Kinderbetreuungseinrichtungen geregelt. Der Betrieb einer Betreuungseinrichtung oder die Tätigkeit als Tagesmutter/-vater bedarf einer behördlichen Bewilligung.

Schulen sind in Österreich nicht verpflichtet, die Schüler nach Unterrichtsende im Stundenplan zu beaufsichtigen.[8] Da sich eine Einführung einer generellen Ganztagsschule bisher politisch nicht durchsetzen konnte, haben sich im schulischen Bereich mehrere Formen entwickelt:[9]

  • Ganztägige Schulformen[10] – Schulen, die regulär eine kostenpflichtige Tagesbetreuung anbieten; diese gibt es bei den Pflichtschulen (Volks-, Sonder-, Haupt-/neue Mittelschule und Polytechnikum)[11] ebenso wie bei der Unterstufe der AHS (Gymnasium)[12] und den BMS/BHS.
    • Ganztagsschule (verschränkte Schulform)[11][13] – Modell mit einem über den ganzen Tag verteilten Stundenplan und Anwesenheitspflicht für Unterrichts- wie auch Betreuungsteil
    • Offene Schule – Modell mit einem Angebot für einen Betreuungsteil; Schüler müssen nicht teilnehmen[11]
    • Campus – Betreuungsmodell mit Fokus auf Sport und Musik, Vernetzung mit dem angeschlossenen Kindergarten[14]
  • Weitere Angebote sind beispielsweise der Lern- und Freizeitklub, der in der Stadt Wien angeboten wird,[11] oder Horte, die es ebenfalls teils von den Ländern, teils Gemeinden, teils von privaten Organisationen wie Hilfswerk[15] oder Caritas[16] betrieben gibt.

Daneben hat sich durch die Einführung der Fünf-Tage-Woche an Schulen der Nachmittagsunterricht generell zugenommen, so hat 2015 das letzte Gymnasium Österreichs (das Militärgymnasium Wiener Neustadt) den Samstagsunterricht abgeschafft.[17]

Dabei ist allgemein die Betreuung auch an schulfreien Tagen, etwa dem Samstag, wie auch während der Semester-, Oster- und Hauptferien möglich, oder sogar vorgesehen. Meist gibt es Ermäßigungen für den Elternbeitrag für sozialschwache Familien.

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung wird in jüngsten Jahren forciert, so wurden seitens des Bundes ab 2012 jährlich 15 Mio. Euro als Anstoßfinanzierung bereitgestellt.[18] Bis 2015 sollte nach Plan an der Hälfte aller Schulen Nachmittagsbetreuung angeboten werden.[18] Die Betreuung, für die als Schulerhalter der Bund zuständig ist, werden die Kosten im Personalbereich für die einzelnen Schulen meist über 15a-Vereinbarung durch das Land gefördert.[19]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz gibt es nebst den öffentlichen Varianten zahlreiche von Privaten, Vereinen, Verbänden, Unternehmen und Kirchen organisierte und finanzierte Formen der Kindertagesbetreuung.

Die Kindertagesstätten, Tageskindergärten und Tagesschulen sind bewilligungspflichtig, die Spielgruppen in den meisten Kantonen nicht. Die Gesetze und Verordnungen sind kantonal sehr unterschiedlich.

Die Kindertagesbetreuung ist zunehmend ein gleichstellungsrelevantes politisches Thema, während früher die soziale Not der Kindertagesbetreuung in Anspruch nehmenden Eltern im Vordergrund stand.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: „Umsetzung der Barcelona-Ziele auf dem Gebiet der Betreuungseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter“. 8. Oktober 2008, abgerufen am 6. November 2009 (PDF; 185 kB).
  2. a b Neue europapolitische Initiativen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hintergrundpapier. Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland und Friedrich-Ebert-Stiftung, 7. November 2008, abgerufen am 6. November 2009 (PDF; 110 kB).
  3. „Das Angebot umfasst Informationen zu Kindertagespflege und Tageseinrichtungen für Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren, von der Tagesmutter/Kinderkrippe über den Kindergarten bis zum Hort“. Elementarbildung – Bildung und Erziehung in Kindertagesbetreuung. In: Deutsche Bildungsserver. Abgerufen am 1. August 2010.
  4. Roger Prott: Rechtsgrundlagen und finanzielle Regelungen für Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege. In: Deutsches Jugendinstitut im Zahlenspiegel 2005. Abgerufen am 23. Mai 2008 (PDF; 178 kB).
  5. Übersicht über die Rechtslage [Stand: September 2013]
  6. § 24 SGB VIII in der Fassung des Artikel 1 Nr. 7 des Kinderförderungsgesetzes (KiföG; PDF; 484 kB) vom 10. Dezember 2008 in Verbindung mit Artikel 10 KiföG, BGBl. I, S. 2403
  7. Das VG Köln bejaht einen Anspruch auf wohnortnahe Kindertagesbetreuung (bis 5 km) zumindest in städtischen Ballungsgebieten, vgl. Anmerkung zur Entscheidung des VG Köln, Beschl. v. 18. Juli 2013 – 19 L 877/13 -.
  8. Vergl. § 51Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche Schulunterrichtsgesetz
  9. Schulische Tagesbetreuung. wien.gv.at, abgerufen 6. April 2016.
  10. Ganztägige Schulformen. bmbf.gv.at
  11. a b c d Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler. wien.gv.at, abgerufen 6. April 2016.
  12. Tagesbetreuung an einer AHS. wien.gv.at, abgerufen 6. April 2016.
  13. Tagesbetreuung an Schulen. graz.at; insb. FAQs – Fragen + Antworten: 2.; beide abgerufen 6. April 2016.
  14. Das Wiener Campusmodell. wien.gv.at, abgerufen 6. April 2016.
  15. Nachmittagsbetreuung. hilfswerk.at
  16. Beispielsweise: Nachhilfe & Nachmittagsbetreuung. caritas-burgenland.at
  17. Fünf-Tage-Woche! In: NÖN.at, 17. April 2016.
  18. a b Ganztagsbetreuung: Länder begrüßen Ausbau. ORF.at, 11. April 2012
  19. Förderung der schulischen Tagesbetreuung. noe.gv.at, abgerufen 6. April 2016.