Kinderwunsch

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Dieser Artikel behandelt das Bedürfnis, Nachkommen zu haben. Zum österreichischen TV-Krimi siehe Tatort: Kinderwunsch.

Als Kinderwunsch bezeichnet man den Wunsch (oder das Bedürfnis) von Menschen Kinder zu haben. Der Begriff wird heute häufig fälschlicherweise synonym zur Bezeichnung eines unerfüllten Kinderwunsches (Unfruchtbarkeit) benutzt.

Geschichte und Soziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kinderwunsch in seiner heutigen Form wird in der psychologischen Fachliteratur als ein Phänomen der Moderne diskutiert, da erst seit der Möglichkeit einer wirksamen Empfängnisverhütung eine Trennung von Sexualität und Mutter- bzw. Vaterschaft möglich wurde. Erst die Wahlfreiheit zwischen Elternschaft und gewollter Kinderlosigkeit im Rahmen der Lebensplanung ermöglichte die Möglichkeit eines Wunsches.[1][2]

Unterschiede zwischen Männern und Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung wünschen sich Männer und Frauen unterschiedlich viele Kinder (s. Tabelle).[3] Überraschend war dabei u.a. der Befund, dass sich 33 % der Männer mehr als 3 Kinder wünschen, aber nur 26 % aller Frauen. Auch wünschen sich 10 % der Frauen gar keine Kinder, aber nur 5 % der Männer. 2-4 % aller Befragten wollten Kinder, ohne aber eine bestimmte Zahl angeben zu können ("?" in der Tabelle).

Gewünschte Kinderzahl Männer Frauen
0 (gar keine) 5 % 10 %
1 5 % 5 %
2 37 % 40 %
3 11 % 26 %
>3 (mehr als 3) 33 % 26 %
? (unsicher) 2 % 4 %

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Motive für einen Kinderwunsch sind vielfältig. Manche Autoren argumentieren, dass der Kinderwunsch eines Menschen weder biologisch noch instinktiv bedingt ist.[1][4] Ein Kinderwunsch kann selbst-, partner- oder paarbezogen, normativ oder sozial bedingt sein. Beispiele für selbstbezogene Motive sind aus psychologischer Sicht eine erweiterte Körpererfahrung, die Ansicht als Lebensaufgabe, die Überwindung von Einsamkeit, oder auch die Wiederbelebung der eigenen Kindheit. Eine gewünschte Stabilisierung der Partnerschaft, oder die Behebung von Defiziten in einer Beziehung gelten als paarbezogene Motive. Die Ansicht, dass Kinder zu einer Familie gehören, stellt ein normativ geprägtes Motiv dar, der Wunsch der eigenen Eltern nach Enkeln ein soziales.[5]
Dabei ist der Kinderwunsch seinem Wesen nach immer ambivalent, da neben dem Wunsch nach einem Kind auch Ängste bezüglich der Veränderungen in der persönlichen Lebenssituation, Belastungen und Einschränkungen bestehen.[6]
Fehlt diese Ambivalenz, spricht man auch von einem überwertigen Kinderwunsch. Der Wunsch nach einem Kind wird lebensbestimmend und betroffene Paare sind bereit, der Erfüllung des Wunsches viele andere Bereiche unterzuordnen.[7]

Unerfüllter Kinderwunsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von unerfülltem Kinderwunsch spricht man, wenn es über einen längeren Zeitraum nicht zum Eintreten einer Schwangerschaft kommt, die auch mit einer Geburt endet.

Im Rahmen einer präkozeptionellen Beratung wird Frauen, die bald ein Kind zu bekommen planen, unter Anderem empfohlen, sich bereits vor der Schwangerschaft gesund zu ernähren, eventuell eine Folsäure- und Vitamin D-Prophylaxe durchzuführen und einen Eisenmangel auszuschließen. Zudem ist der Impfstatus von Bedeutung, wobei ggf. vor der Schwangerschaft eventuelle Nachimpfungen (etwa gegen Masern, Mumps, Röteln, Varizellen und Pneumokokken) durchgeführt werden. Auch weitere Untersuchungen, etwa eine genetische Beratung, werden in Betracht gezogen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flora Albarelli, Simone Widhalm: Eiertanz, das Kinderwunschbuch, mvg, München 2010, ISBN 978-3-86882-206-9.
  • Jessica Groß: Kinderwunsch und Sterilität: zur Motivation des Kinderwunsches bei Sterilitätspatientinnen (= Forschung psychosozial). Psychosozialverlag, Gießen 1999, ISBN 3-932133-71-4 (Dissertation Humboldt-Universität Berlin 1999, 387 Seiten, 21 cm).
  • Millay Hyatt: Ungestillte Sehnsucht: Wenn der Kinderwunsch uns umtreibt. Ch. Links, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-665-9.
  • Regina Könnecke: Bewältigungsmuster ungewollt kinderloser Männer, VAS, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-88864-294-9 (Dissertation Universität Heidelberg 1999, 185 Seiten, 21 cm).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jessica Groß: Kinderwunsch und Sterilität. Zur Motivation des Kinderwunsches bei Sterilitätspatientinnen. Psychosozial-Verlag, 1999, ISBN 3932133714, S. 338
  2. C. Maier-Kirstätter, S. Ditz: Psychosomatische Aspekte bei Diagnostik und Therapie der Sterilität. In: Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Springer 1994, ISBN 978-3-662-07634-7, S. 189–207
  3. Tutt, C. (2016) Akademikerinnen wünschen sich häufiger Kinder als andere Frauen, Wirtschaftswoche 30. Mai 2016
  4. C. Maier-Kirstätter, S. Ditz: Psychosomatische Aspekte bei Diagnostik und Therapie der Sterilität. In: Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Springer 1994, ISBN 978-3-662-07634-7, S. 189–207
  5. Heike Stammer, Rolf Verres, Tewes Wischmann: Paarberatung und -therapie bei unerfülltem Kinderwunsch. Hogrefe Verlag, 2004, ISBN 3840914582, S. 18
  6. Viola Frick-Bruder: Betreuung des infertilen Paares unter Einbeziehung psychosomatischer und psychodynamischer Aspekte. In: C. Schirren, F. Leidenberger, V. Frick-Bruder, G. E. Hirsch, K. Rudolf, B. Schütte: Unerfüllter Kinderwunsch. Deutscher Ärzteverlag, Köln 1995, ISBN 3-7691-0299-1, S. 233–244
  7. J. Kowalcek, M. Stauber: Ehesterilität und Reproduktionsmedizin: Psychosomatische Aspekte. In: Klaus Diedrich (Hrsg.): Weibliche Sterilität: Ursachen, Diagnostik und Therapie. Springer, 1998, ISBN 3642587380, S. 282–293.
  8. Volker Briese: Ernährungsberatung in der Schwangerschaft, Walter de Gruyter, 2010, ISBN 978-3-11-024620-9. S. 5.