King’s College Chapel (Cambridge)

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King’s College Chapel

King’s College Chapel (Kapelle des King’s College) ist die Kapelle des King’s College, das zur University of Cambridge gehört.

Die Kapelle wurde von drei aufeinander folgenden Königen von England zwischen 1446 und 1515 in der Zeit der Rosenkriege errichtet. Sie gilt als ein Beispiel des Perpendicular Style. Die großen Bleiglasfenster wurden erst 1531 fertiggestellt, der Lettner im Renaissance-Stil wurde 1532 bis 1536 errichtet. Die Kapelle ist ein anglikanisches Gotteshaus, in dem der King’s College Choir sein Heim hat. Die bedeutende Sehenswürdigkeit wird häufig als Symbol der Stadt Cambridge benutzt. Die Kapelle ist seit 1950 als Kulturdenkmal der Kategorie Grade I[1] eingestuft.

Bau der Chapel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Altar zum Lettner mit der Chororgel
Fächergewölbe

König Heinrich VI. selbst gab die Ausmaße der Collegebaus vor. Dafür wurde ein ganzes Stadtviertel abgerissen, einschließlich der Kirche St John Zachary. Von den detaillierten Bauplänen, die der König vorgegeben hatte, wurde aber nur die Kapelle verwirklicht.[2] Es ist nicht gesichert, wer der Baumeister war. Es könnte der königliche Baumeister Reginald Ely (fl. 1438–1471) gewesen sein. Nicholas Close (oder Cloos) († 1452), einer der ersten sechs Fellows des 1441 gegründeten Colleges und Priester an der abgebrochenen Kirche St John Zachary, wird als Aufseher (surveyor) genannt, was oft als Architekt verstanden wurde.[3] Der König legte den Grundstein am Fest des Heiligen Jakobus am 25. Juli 1446. Als Heinrich VI. im Zuge der Rosenkriege 1461 abgesetzt wurde, endeten die Baumaßnahmen zunächst. Bis dahin standen erst die Fundamente und die Ostwand.[2]

Erst unter Richard III. wurden die Bauarbeiten wiederaufgenommen. Zum Ende seiner Regentschaft 1485 waren fünf Joche fertiggestellt und mit einem Holzdach versehen, so dass sie zum Gottesdienst genutzt werden konnten. Heinrich VII., der Begründer der Tudor-Dynastie, besuchte den unfertigen Bau 1506. Unter dem Einfluss seiner Mutter Margaret Beaufort sorgte er für die Wiederaufnahme der Arbeit und hinterließ eine Summe, um zu gewährleisten, dass der von seinem abgesetzten Onkel begonnene Bau nach seinem Tod fortgeführt werden konnte.[2] 1515 unter Heinrich VIII. war der Bau mit Ausnahme der großen Fenster fertig.

Die Kapelle enthält das größte Fächergewölbe der Welt, das von 1512 bis 1515 von John Wastell errichtet wurde. Sie enthält auch außergewöhnliche mittelalterliche Fenster.

Während des Englischen Bürgerkrieges wurde die Kirche von Oliver Cromwells Truppen benutzt. Sie wurde jedoch nicht zerstört, da Cromwell in Cambridge studiert hatte. Graffiti, die seine Soldaten zurückließen, gibt es noch. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten Fensterscheiben ausgelagert, und die Kapelle blieb unbeschädigt.[4]

Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das große Ostfenster zeigt in der oberen Hälfte die Kreuzigung Christi

Die Fenster der King’s College Chapel gehören zu den besten Glasmalerarbeiten ihrer Zeit. Es sind zwölf große Fenster auf jeder Längstseite und jeweils größere Fenster an den Ost- und Westenden. Mit Ausnahme des Westfensters sind sie flämischer Herkunft und datieren aus den Jahren 1515 bis 1531. Vier Fenster sind Werke von Barnard Flower. Gaylon Hone schuf zusammen mit drei Partnern das Ostfenster und sechzehn weitere Fenster zwischen 1526 und 1531. Die letzten vier Fenster stellten Francis Williamson and Symon Symondes her. Das einzige moderne Fenster ist das Westfenster, das der King’s Alumnus Francis Stacey 1879 stiftete.

Altargemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Altargemälde Anbetung der Könige stammt von Peter Paul Rubens, der es 1634 für den Karmeliterkonvent in Leuven malte.[5] Als die Klöster in Belgien im Zuge des Josephinismus aufgelöst wurden, wurde das Gemälde 1788 an William Petty, 2. Earl of Shelburne verkauft. Nach dessen Tod kaufte es Robert Grosvenor, 1. Marquess of Westminster, dessen Nachfahre es 1959 versteigern ließ. Der neue Besitzer, Alfred Ernest Allnatt, schenkte es dem King’s College. Bevor das Bild 1968 in der Kapelle aufgestellt werden konnte, wurden die Stufen vor dem Altar abgetragen, damit es das Ostfenster nicht verstellte. Unter den tudorzeitlichen Stufen fanden sich Bleisärge aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, die exhumiert wurden.[6] Damit das Altarbild nicht zu klein wirkte unter dem Ostfenster, wurde das Retabel um zwei leere Seitenflügel ergänzt.

Lettner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer holzgeschnitzter Lettner trennt Kirchenschiff und Chorraum. Er trägt die Chororgel. Der Lettner wurde von Heinrich VIII. zur Feier seiner Eheschließung mit Anne Boleyn in Auftrag gegeben. Er ist ein frühes Beispiel der englischen Renaissance-Architektur und steht im Kontrast zur gotischen Architektur der Kapelle. Nikolaus Pevsner bezeichnete ihn als „the most exquisite piece of Italian decoration surviving“,[7] als bestes erhaltenes Beispiel italienischer Einrichtung in England.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Orgeln in der Kapelle des King's College beginnt nachweislich bereits im 15. Jahrhundert. Quellen zufolge wurden in den Jahren 1450 bis 1451 zwei Orgeln repariert. Für das Jahr 1508 ist ein Neubau durch den Orgelbauer Thomas Browne belegt. Dieses Instrument wurde wohl nach 1564 abgebaut und verkauft. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts baute der Orgelbauer Thomas Dallam ein neues Instrument. Es wurde 1617 durch den Orgelbauer Robert Dallam auf einer Orgelbühne aufgestellt.

Im Laufe der Zeit wurden weitere Instrumente erbaut. Das Instrument in seiner heutigen Gestalt geht zurück auf die Orgelbauer Harrison & Harrison, welche das vorhandene Instrument 1934 reorganisierten und erweiterten. Die letzten Arbeiten fanden 2016 statt. Das Instrument hat heute 81 Register (darunter einige Transmissionen) auf vier Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektropneumatisch.

Das auffallende Orgelgehäuse zählt zu den ältesten in ganz England, und stammt wohl noch von dem Instrument von Dallam von Beginn des 17. Jahrhunderts. Das Gehäuse der Choir Organ stammt wohl aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Das Hauptgehäuse wurde 1958 in seiner Tiefe verdoppelt, um das ausgeweitete Instrument zu umfassen.[8]

I Choir Organ C–c4
1. Double Salicional (Ext. Nr. 4) 16'
2. Open Diapason 08'
3. Claribel Flute 08'
4. Salicional 08'
5. Dulciana 08'
6. Gemshorn 04'
7. Suabe Flute 04'
8. Nazard 0223'
9. Dulcet 02'
10. Tierce 0135'
11. Larigot 0113'
12. Twenty-second 01'
13. Corno di Bassetto 08'
14. Contra Tromba 16'
15. Tromba 08'
16. Octave Tromba 04'
II Great Organ C–c4
17. Double Open Diapason 16'
18. Open Diapason I 08'
19. Open Diapason II 08'
20. Stopped Diapason 08'
21. Octave 04'
22. Principal 04'
23. Wald Flute 04'
24. Octave Quint 0223'
25. Super Octave 02'
26. Open Flute 02'
27. Mixture IV 0113'
28. Sesquialtera III 0135'
29. Contra Tromba (= Nr. 14) 16
30. Tromba (= Nr. 15) 08
31. Octave Tromba (= Nr. 16) 04
III Swell Organ C–c4
32. Quintatön 16'
33. Open Diapason 08'
34. Violin Diapason 08'
35. Voix céleste 08'
36. Lieblich Gedeckt 08'
37. Echo Salicional 08'
38. Vox Angelica 08'
39. Principal 04'
40. Lieblich Flute 04'
41. Fifteenth 02'
42. Mixture III 0223'
43. Oboe 08'
Tremulant
45. Double Trumpet 16'
46. Trumpet 08'
47. Clarion 04'
IV Solo Organ C–c4
schwellbar
48. Contra Viola 16'
49. Viole d'orchestre 08'
50. Viole octaviante 08'
51. Cornet de violes III 0315'
52. Harmonic Flute 08'
53. Concert Flute 04'
54. Cor anglais 16'
55. Clarinet 08'
56. Orchestral Hautboy 08'
Tremulant
57. French Horn 08'
schwellbar
58. Tuba 08'
Pedal Organ C–g1
59. Double Open Wood (Ext. Nr. 60) 32'
60. Open Wood 16'
61. Open Diapason (= Nr. 17) 16
62. Geigen 16'
63. Bourdon 16'
64. Salicional 16'
65. Echo Violone (= Nr. 48) 16
66. Principal 08'
67. Flute (Ext.) 08'
68. Fifteenth 04'
69. Rohr Flute 04'
70. Open Flute 02'
71. Mixture V 0113'
72. Double Ophicleide (Ext. Nr. 73) 32'
73. Ophicleide 16'
74. Trombone (= Nr. 29) 16
75. Double Trumpet (= Nr. 45) 16
76. Cor anglais (= Nr. 54) 08
77. Posaune (Ext.) 08'
78. Tromba (= Nr. 30) 08
79. Octave Tromba (= Nr. 31) 04
80. Schalmei 04'

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle wird als Kirche genutzt, außerdem für Konzerte und Veranstaltungen des Colleges, darunter das traditionelle jährliche King's College Music Society May Week Concert, das immer am Montag der May Week abgehalten wird. Der Kirchenraum hat eine ausgezeichnete Akustik. Der weltberühmte Choir of King's College, Cambridge besteht seit 1441. Er singt während der Unterrichtszeit fast täglich, tritt in Konzerten auf sowie in Einspielungen für Rundfunk, CD und DVD. Er ist berühmt für die jährliche Direktübertragung der Nine Lessons and Carols durch die BBC am Heiligabend, die seit 1928 ausgestrahlt wird. Der Chor wurde von 1982 bis 2019 von Stephen Cleobury geleitet. In einem weiteren Chor, King's Voices, singen Studentinnen und Studenten wöchentlich während des Semesters den Evensong.

Das bedeutende touristische Ziel wird häufig als Symbol der Stadt Cambridge benutzt, zum Beispiel im Logo des Stadtrats.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josephine Warrior, Tim Rawle: A Guide to King’s College Chapel. Cambridge 1994, OCLC 1008205477 (Neudrucke 1997 u. ö.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: King’s College Chapel (Cambridge) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. King’s College, Chapel. In: historicengland.org.uk. Abgerufen am 24. Dezember 2019 (englisch).
  2. a b c History of the Chapel. In: kings.cam.ac.uk. Abgerufen am 24. Dezember 2019 (englisch).
  3. Thomas John P. Carter: King’s college chapel: notes on its history and present condition. Macmillan and Co, 1867, S. 10.
  4. David Ross: King’s College Chapel, Cambridge. In: Britain Express. Abgerufen am 24. Dezember 2019 (englisch).
  5. Lancelot Patrick Wilkinson: A Century of King’s 1873–1972. King’s College, Cambridge, 1980, ISBN 978-0-9502450-5-8, S. 130–131.
  6. Chainey Graham: A season for crying in the chapel: Millions will enjoy today’s festival of carols from King’s College, Cambridge. But Graham Chainey mourns a botched ‘restoration’. In: The Independent. 24. Dezember 1992, abgerufen am 14. März 2017 (englisch).
  7. Nikolaus Pevsner: An Outline of European architecture. Penguin Books, Harmondsworth, 7. Auflage, 1963, S. 292f.
  8. Informationen zur Orgel
  9. Manage your properties with our landlord portal. Cambridge City Council, abgerufen am 24. Dezember 2019 (englisch).

Koordinaten: 52° 12′ 17″ N, 0° 6′ 59″ O