Kirche Hl. Sava (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Friedenskirche

Die Kirche Hl. Sava (serbisch: Црква светог Саве Српског/ Crkva svetog Save Srpskog) ist eine serbisch-orthodoxe Kirche, die 1888 bis 1891 von August Orth als evangelische Friedenskirche erbaut wurde. Sie steht im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte in der Ruppiner Straße 28. Die am 19. Januar 1891 geweihte Saalkirche auf rechteckigem Grundriss im Architekturstil der Neugotik steht unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee zum Bau der Friedenskirche zur besseren kirchlichen Versorgung der Bewohner im dicht besiedelten Gebiet um den Vinetaplatz entstand durch das Engagement der christliche Arbeiterbewegung. Die von Adolf Stoecker geleitete Berliner Stadtmission und ein 1885 gegründeter Kapellenverein trugen das Geld für den Kirchenbau zusammen. Nach der Einweihung der Kirche wurde die Friedensgemeinde von St. Bartholomäus ausgegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche gering beschädigt, bis 1953 war sie wiederhergestellt. In den 1980er Jahren versammelte sich die Friedensgemeinde zunehmend in den Räumen der Himmelfahrt-Kirche und die Friedenskirche stand leer. Ein Abriss kam wegen des Denkmalschutzes nicht in Frage. Nach den Empfehlungen der Evangelischen Kirche in Deutschland soll ein Kirchengebäude nur ausnahmsweise abgegeben werden.

Als Jugoslawien seine Grenzen öffnete, kamen nach Berlin auch viele Serben, die 1970 die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde zum heiligen Sava gegründeten. Die Gemeinde hatte kein eigenes Gotteshaus, doch konnte sie ihre Gottesdienste in den Kirchen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) (bis 2003 Vorgängerin der EKBO) zelebrieren. Ende 1990 wurde die Friedenskirche an die Berliner Gemeinde der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland verkauft. Altar und Kanzel wurden entfernt, da sie für den orthodoxen Ritus nicht gebräuchlich sind. Nach dem Umbau und der Neuausstattung der Kirche mit einer Ikonostase mit Ikonen erfolgte am 11. November 2001 ihre erneute, diesmal orthodoxe Einweihung.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mit roten Backsteinen verkleidete Mauerwerksbau war ursprünglich in die geschlossene Blockrandbebauung eingebunden, durch den veränderten Stadtraum infolge der Stadtsanierung und Stadterneuerung in den frühen 1970er Jahren steht er nunmehr freier. Die Grundstücksbreite beträgt nur 15 Meter. Ein kleiner Vorplatz wurde dadurch gewonnen, dass man die Fassade der Kirche um sieben Meter von der ursprünglichen Fluchtlinie zurücksetzte. Die schmale 50 Meter hohe, weit über die Traufhöhe herausgehobene Fassade ist vertikal betont. Sie enthält drei mit abgetreppten Wimpergen bekrönte spitzbogige Portale, in der Ebene darüber drei schlanke Spitzbogenfenster und im oberen Bereich, etwas zurückgesetzt hinter einem Balkon, einen steilen Staffelgiebel mit einer großen spitzbogigen Schallöffnung zur Glockenstube. Zwei polygonale Türmchen mit Zinne und spitzem Helm flankieren den Giebel. Um möglichst viel Sitzplätze zu schaffen, laufen bis zum Altarraum weit ausladende Emporen um, die sich auf einem freitragenden Tragwerk aus Stahl befinden, das unter Backstein verborgen ist.

Das Innere erhielt ursprünglich Tageslicht nur durch die drei Fenster im polygonal abgeschlossenen Chor und drei kreisrunde Oberlichte in den Jochen des Kreuzrippengewölbes, die sich unter dem Flachdach des Kirchenschiffs befinden. Infolge der Stadtsanierung in den frühen 1970er Jahren wurden die benachbarten Mietskasernen abgerissen und durch neue Häuserblöcke ohne Seitenflügel ersetzt. Dadurch konnten an der Südseite drei Rundfenster eingebrochen werden.

Der aus Eichenholz geschnitzte Altar, die Figuren des Gekreuzigten mit Maria und Johannes vor einem goldenen Hintergrund auf dem Retabel und die ebenfalls aus Eichenholz bestehende Kanzel wurden von Holzbildhauer Gustav Kuntzsch aus Wernigerode geschaffen.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Glockenstube hängen drei Gussstahlglocken, die 1890 vom Bochumer Verein gegossen wurden.

Schlag­ton Gewicht
(kg)
Durch­messer
(cm)
Höhe
(cm)
Inschrift
f' 990 134 115 Schulter: GEG. IN DER FABRIK DES BOCHUMER VEREINS FÜR BERGBAU UND GUSS-STAHLFABRIKATION IN BOCHUM, WESTFALEN, 1890.
Flanke: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE.
as' 582 113 103 Schulter: GEG. IN DER FABRIK DES BOCHUMER VEREINS FÜR BERGBAU UND GUSS-STAHLFABRIKATION IN BOCHUM, WESTFALEN, 1890.
Flanke: WACHET!
c" 302 89 79 Schulter: GEG. IN DER FABRIK DES BOCHUMER VEREINS FÜR BERGBAU UND GUSS-STAHLFABRIKATION IN BOCHUM, WESTFALEN, 1890.
Flanke: BETET!

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Band Berlin, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2006, ISBN 3-422-03111-1.
  • Angela Beeskow: Die Ausstattung in den Kirchen des Berliner Kirchenbauvereins (1890–1904). Mit einem Beitrag zur Ikonographie des Protestantismus. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-7861-1765-0, S. 351 f., 425.
  • Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam, Wichern-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-88981-140-X.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI. Sakralbauten, Verlag DOM publishers, Berlin 1997, ISBN 3-433-01016-1.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-7861-1443-9.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. Christlicher Zeitschriftenverlag (CZV), Berlin 1978, ISBN 3-7674-0158-4, S. 286 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedenskirche Zum Heiligen Sava (Berlin-Gesundbrunnen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 32′ 28,6″ N, 13° 23′ 49,3″ O