Kirche Lasdehnen

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Kirche Lasdehnen (Haselberg)
Кирха Ласденена
Kirche St. Peter und Paul Krasnosnamensk
Церковь Петра и Павла
Красноснаменск
Einst evangelische, jetzt orthodoxe Kirche St. Peter und Paul, Lasdehnen (Haselberg)/Krasnosnamensk

Einst evangelische, jetzt orthodoxe Kirche St. Peter und Paul, Lasdehnen (Haselberg)/Krasnosnamensk

Baujahr: 1875 bis 1877
Einweihung: 5. Oktober 1877 (evang.),
Oktober 1992 (orthodox)
Baumeister: Kreisbaumeister Costede, Pillkallen
Architekt: Friedrich August Stüler
Stilelemente: Neugotik,
dreischiffige Basilika
Bauherr: Evangelische Kirchengemeinde Lasdehnen,
Kirchenprovinz Ostpreußen, Kirche der Altpreußischen Union
Platz: 1100 Personen
Turmhöhe:

40 m

Lage: 54° 56′ 59,2″ N, 22° 29′ 44,6″ OKoordinaten: 54° 56′ 59,2″ N, 22° 29′ 44,6″ O
Standort: Krasnosnamensk
Kaliningrad, Russland
Zweck: evangelisch-lutherische, jetzt: orthodoxe Pfarrkirche
Gemeinde: Russisch-orthodoxe Gemeinde
Bistum: Diözese Kaliningrad und Baltijsk der Russisch-orthodoxen Kirche

Die Kirche in Lasdehnen (russisch Кирха Ласденена, der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg) ist ein neugotischer Backsteinbau mit Apsis und hohem Turm. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die im Kirchspiel des einst ostpreußischen Ortes und der heute Krasnosnamensk genannten Stadt im Nordosten der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Seit 1992 ist sie gottesdienstliches Zentrum der örtlichen russisch-orthodoxen Gemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Kreisstadt Krasnosnamensk liegt am Scheschuppe-Fluss im Schnittpunkt mehrerer Regional- und Nebenstraßen. Bis zur Staatsgrenze nach Litauen sind es zehn Kilometer. Eine Bahnanbindung besteht seit 1945 nicht mehr.

Die Kirche steht im einstigen Ortsteil Neuhof-Lasdehnen (1938 bis 1946: Altbaum, russisch: Smolenskoje) auf einem steil zur Scheschuppe abfallenden Hügel in einiger Entfernung zum Stadtzentrum. Der hohe Turm lässt die Kirche weithin sichtbar sein.

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste bereits 1578 vorhandene Kirche in Lasdehnen[1] wurde – wohl durch den Einfall der Schamaiten – zerstört und abgebrannt. Ein Nachfolgebau, für den Kurfürst Friedrich Wilhelm das Geld und die Ziegel gestiftet hatte, wurde 1869 wegen Baufälligkeit geschlossen.

Nach Entwürfen des preußischen Baumeisters und Berliner Architekten Friedrich August Stüler wurde 1875 mit dem Bau einer neuen Kirche[2] begonnen, deren Grundsteinlegung am 8. Juni 1875 erfolgte. Die Bauregie führte der Pillkaller Kreisbaumeister Costede. Es entstand ein rechteckiger neugotischer Ziegelbau mit Apsis und einem 40 Meter hohen Turm. Als dreischiffige Basilika bot die Kirche Platz für 1.100 Gottesdienstbesucher. Im Osten befand sich der Altarraum mit zwei seitlichen Anbauten. Im Westen hatte der Turm ebenfalls zwei Anbauten.

Der Innenraum der Kirche war wie ihr Äußeres in neugotischem Stil gehalten. Über dem mittleren Kirchenschiff war die Decke gewölbt. Der Altar war eine Holzarbeit, der Taufstein aus Terrakotta gebildet. Vor 1945 befanden sich im Pfarrarchiv noch ein Glasbild von 1578, ein Abendmahlskelch von 1691 sowie eine Patene von 1661.[1]

Während des Zweiten Weltkrieges war die Kirche nur wenig beschädigt worden.[3] Nach 1945 allerdings wurde sie zweckentfremdet und als Lagerhalle benutzt. Immerhin blieb das Gebäude auf diese Weise einigermaßen unversehrt erhalten. Nur an der südlichen Mauer war eine quadratische Tür durchgebrochen worden. Im oberen Teil des Turms, an seiner Südostecke, steckte ein nicht explodiertes Artilleriegeschoss.

Im Jahre 1991 wurde der Bau an die Russisch-orthodoxe Kirche übereignet.[4] Diese ließ eine grundlegende Renovierung durchführen und stattete den Altarraum mit einer – der orthodoxen Liturgie entsprechenden – Ikonostase aus. Im Oktober 1992 erhielt die Kirche die Weihe durch Metropolit Kyrill I. Sie trägt seither den Namen der „Heiligen Apostel Peter und Paul“.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis 1945 bestehende evangelische Kirchengemeinde Lasdehnen (ab 1938: Haselberg) erfuhr ihre Gründung im Jahre 1578.[5] Einst zur Inspektion Ragnit gehörig war sie zuletzt Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte sie 8061 Gemeindeglieder, die in einem weitflächigen Kirchspiel von mehr als 50 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen (darunter 13 Schulorte) lebten. Amtierte an der Kirche zunächst lediglich ein Geistlicher, so wurde ab 1846 ein Hilfsprediger eingesetzt und ab 1874 eine zweite Pfarrstelle errichtet.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die restriktive Kirchenpolitik der Sowjetunion machten kirchliches Leben nach 1945 in Lasdehnen wie im ganzen Gebiet der Oblast Kaliningrad nicht mehr möglich.

Erst in den 1990er Jahren entstanden neue evangelische und auch orthodoxe Gemeinden. So konnte sich in Krasnosnamensk eine russisch-orthodoxe Gemeinde mit der einst evangelischen Pfarrkirche als Gotteshaus etablieren. Sie ist Teil der Diözese Kaliningrad und Baltijsk der Russisch-orthodoxen Kirche. Für evangelische Kirchenglieder allerdings liegt die nächste – evangelisch-lutherische – Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgwangen). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[6] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte (bis 1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (Haselberg) gehörten vor 1945 neben dem Pfarrort (eingeschlossen der Wohnplatz Bergershof, heute russisch: Samarskoje) noch 54 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:[5][7]

Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name
Alt Skardupönen Königsfeld *Löbegallen Löbenau Tolstowo
*Alxnupönen Altsnappen Wyssokoje Löblaugken seit 1929:
Waldlinden
Rossoschanskoje,
jetzt: Ostrogoschskoje
Ambrasgirren seit 1929:
Waldlinden
Rossoschanskoje,
jetzt: Ostrogoschskoje
Lubinehlen Lubenwalde Illowaiskoje
Antbudupönen Vormwalde *Maszuiken
1936–38: Maschuiken
Blockswalde Udarnoje
Bagdohnen Rodungen Scheikino Neu Löbegallen Neulöbenau Meschduretschje
*Ballupönen Ballen Poljanskoje *Neu Skardupönen Grenzwald Pugatschowo
Beinigkehmen Beinicken Dolgoje Neuhof-Lasdehnen Altbaum Smolenskoje
Budupönen Sandhöhe Berestowoje Nickelstanaten Altbaum Smolenskoje
Darguszen (Forst)
1936–38: Darguschen
Siebeneichen Sredneretschje Payszeln
1936–38: Payscheln
Insterwangen Lwowskoje
Endruscheiten Kleinluben Udarnoje *Plonszöwen seit 1936:
Waldhufen
Paporotnoje
Eygarren Eigern Rucken Rossoschanskoje,
jetzt: Ostrogoschskoje
Grenzwald Pugatschowo Sallehnen Sallen
Gricklaugken Bönick Selenolessje Schillenehlen Flußfelde
Groß Darguszen
1936–38: Groß Darguschen
Tanneck *Schilleningken Ebertann Chlebnikowo
*Groß Wersmeningken Langenfelde Belkino Schönhof
Hermoneiten Hermannshof Jolkino Sturmen Paporotnoje
Inster (Forst) Szogelgalwen
1936–38: Schogelgalwen
Kiefernhorst
*Jucknaten Meißnersrode Illowaiskoje Trakinnen
Kalnischken Hohentann *Tulpeningken Tulpeningen Saretschnoje
Kallwellen (Forst) Lindnershorst *Tuppen Podgornoje
Karunischken Königsfeld Uszballen
1936–38: Uschballen
Lindnershorst Poljanskoje
Klein Darguszen
1936–38: Klein Darguschen
Grenzheide Sredneretschje Uszbördszen
1936–38: Uschbördschen
Karpfenwinkel Ostrogoschsnoje
Klein Wersmeningken Dreßlershausen Uszeszuppen
1936–38: Uscheschuppen
Altbaum Smolenskoje
Klohnen Uszproduppen
1936–38: Uschproduppen
Dachsheide Udarnoje
Königshuld Friedrichsweiler Poljanskoje Wersmeningken (Forst) Langenfelde
*Lasdinehlen Sommerswalde Mitschurino Weszkallen
(Forst)
seit 1929:
Waldlinden
Rossoschanskoje,
jetzt: Ostrogoschskoje
*Laukehlischken Cäsarsruhe Danilewskoje Woitekaten Ostfurt Saretschnoje

Pfarrer (1578–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Kirche Lasdehnen amtierten 32 evangelische Geistliche:[8]

  • Stanislaus Musa, bis 1584.
  • Daniel Musa, 1584–1623
  • Johann Wittich, 1623–1631
  • Johann von Sanden, 1631–1643
  • Tobias Woller, bis 1666.
  • Johann Sperber, 1666–1683
  • Gottfried Sperber, 1683–1688
  • Abraham David Lüneburg, 1688–1706
  • Johann Christ. Rosochatius, 1698–1709
  • Johann Schultz, 1709–1710
  • Johann Friedrich Falck, 1710–1754
  • Carl Christoph Schiemann, 1753–1764
  • Daniel Gottfried Dresler, 1764–1799
  • Johann Ernst Lengnick, 1798–1826
  • August Ferdinand Lengnick, 1825–1827
  • Gotthilf Wilhelm Ernst, 1827–1844
  • Carl Wilhelm Gottfried Schreiner, 1844–1866
  • Theodor Otto Leopold Pastenaci, 1846–1853
  • Hermann Jacob Theodor Krüger, 1853–1855
  • Hugo Richard Friedrich Marcus, 1855–1860
  • Georg Adolf Michael Kerkau, bis 1896.
  • Gustav Eduard Friedrich Hahn, 1866–1877
  • Eugen Louis Oskar Stephani, 1874–1880
  • Ludwig Emil Mack, 1877–1905
  • Carl Johann Robert Schimkus, 1887–1896
  • Alfred Otto Johann Schulz, 1896–1910
  • Georg Loius B. Wittke, 1905–1925
  • Ernst Köhler, 1911–1916
  • Kurt Donde, 1920–1932
  • Hans Jakobsen, 1923–1926
  • Erich Sack, 1926–1943
  • Gustav Müller, 1933–1945

Pfarrer Erich Sack entwickelte sich in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem unversöhnlichen Gegner des Regimes. Als er während des Konfirmandenunterrichts im Sommer 1942 anmerkte, dass ein Volk untergehen werde, wenn es den Glauben verleugne, wurde er wegen Schwächung der Wehrkraft des deutschen Volkes verhaftet.[1] Seit August 1942 war er Häftling im Konzentrationslager Dachau, wo er am 24. Januar 1943 an Entkräftung und Erschöpfung starb.[3]

Kirchenbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Lasdehnen/Haselberg haben sich erhalten und werden im Sächsischen Staatsarchiv in Leipzig aufbewahrt:[1]

  • Taufen: 170 bis 1834.
  • Trauungen: 1683 bis 1702, 1705 bis 1765, 1803 bis 1834.
  • Begräbnisse: 1710 bis 1834.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 132.
  • Kühnast: Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen. Band 2, Gumbinnen 1863, S. 482–506.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Lasdehnen bei GenWiki
  2. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 109, Abb. 479
  3. a b A.P. Bachtin, Kirchen Ostpreußens. Alte und neue Fotos. Informationen zur Geschichte, Reihe: Sehenswürdigkeiten in der Region Kaliningrad A 87, Verlag Baltpromo, Kaliningrad, 2013, S. 48–49.
  4. Кирха Ласденена - Die Kirche Lasdehnen bei prussia39.ru (mit Fotos der Kirche aus dem Jahre 2012)
  5. a b Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 485.
  6. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  7. Ein * kennzeichnet einen Schulort
  8. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 82–83.