Kirche Levenhagen
Die Kirche Levenhagen (auch: Kirche St. Maria und Johannes) ist ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes spätgotisches Kirchengebäude in der Gemeinde Levenhagen in Vorpommern.
Der Polygonchor des Backsteinbaus stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Gemeindesaal mit je zwei Nebenkapellen an den Längsseiten wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet. Nach der Vermauerung des Wallfahrtsportals wurde der verbretterte, kupfergedeckte Kirchturm angefügt.
Im Innenraum finden sich ein Kreuzrippengewölbe und ornamentale Gewölbemalerei aus der Zeit um 1500. Die Wandmalerei stammt vom Anfang des 15. Jahrhunderts.
Zur Ausstattung gehören ein Altaraufsatz von 1646 mit Darstellung des Mannawunders in der Wüste und Schnitzfiguren. Das zwölfeckige Taufbecken wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus gotländischem Kalkstein gefertigt und zeigt in den Feldern die zwölf Apostel in Ritzzeichnung.
Zum Geläut der Kirche gehören zwei Glocken: Die ältere, von 1668, wurde von Peter Barner aus Greifswald gefertigt, die jüngere stammt von 1968.
Auf dem Kirchhof befinden sich eine Vielzahl gut erhaltener Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert. Eine von ihnen erinnert an ein Kind mit dem Namen Beata Christin von Scheven. Die Vorderseite ist beschriftet mit: „Blind geboren den 11. Jan 1784. Lernte weder gehen noch sprechen und starb an Auszehrung den 2. März 1792.“ Auf der Rückseite ist die Inschrift zu sehen „Hier im Dunkel, dort im Licht schaue ich Gottes Angesicht“.
Neben der Kirche befindet sich eine ehemalige Wallfahrtskapelle. Sie gilt als die kleinste in Nordeuropa über die Reformation hinaus erhaltene freistehende Kapelle des Mittelalters.[1] Der Vergleich weiterer erhaltener Kapellen dieser Art wie etwa in Biesterfelde (heute Bystrze) oder in Gnojau (heute Gnojewo) legt jedoch auch die Vermutung der früheren Funktion einer Wegekapelle, eines Heiligenhäuschens oder eines Beinhauses nahe.[2]
Die evangelische Kirchgemeinde Dersekow-Levenhagen und Görmin gehört seit 2012 zur Propstei Demmin im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Vorher gehörte sie zum Kirchenkreis Greifswald der Pommerschen Evangelischen Kirche.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur über Kirche Levenhagen in der Landesbibliographie MV
- Kirchengemeinde Dersekow-Levenhagen und Görmin
- Informationen zur Kirche auf www.kirchentour.de
- Informationen zur Kirche auf www.kirche-mv.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Burkhard Kunkel: Rezeption – Renovation. Reformatorisches Gestalten mittelalterlicher Ausstattungen pommerscher Kirchen zwischen Ästhetik und Katechese. In: Gerhard Eimer, Ernst Gierlich, Matthias Müller (Hrsg.): Ecclesiae ornatae. Kirchenausstattungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit zwischen Denkmalwert und Funktionalität. Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen, Bonn 2009, ISBN 978-3-88557-226-8, S. 269–290, hier S. 272–273.
- ↑ Zur Kapelle als ehemaliges Beinhaus siehe Burkhard Kunkel: Die Kunst der lutherischen Kirchen im 16. Jahrhundert. Medien, Mitteldinge, Monumente – eine Geschichte der materiellen Kultur. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7861-2848-9, S. 19, 40–41 und 332.
Koordinaten: 54° 5′ 16,1″ N, 13° 16′ 20,3″ O
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