St. Catharinen (Westensee)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Catharinenkirche von Norden mit (von rechts) der Ahlefeldtschen, der Bosseer und von Bülowische Kapelle; letztere ist heute Sakristei.

Die St. Catharinen-Kirche ist die Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Westensee (Schleswig-Holstein).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Altar

Die Kirche stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes nach der Schlacht bei Bornhöved (1227). Sie wurde erstmals 1253 als Filiale des Klosters Neumünster erwähnt. Das aus Feldsteinen errichtete Langhaus aus dem 13. Jahrhundert entsprach ursprünglich den Feldsteinkirchen von Ratekau und Flemhude. Im Osten befand sich eine Apsis, deren Fundamente bei der Renovierung in den 1970er Jahren gefunden wurden, und im Westen möglicherweise ein Rundturm wie bei den Vicelinkirchen. Die Kirche betrat man durch zwei Eingänge im Norden (Frauentür) und Süden (Männertür). Die heute zugemauerten Türen sind noch zu erkennen.[1]

Nach 1300 wurde es durch einen das Kirchenschiff überragenden gotischen Backsteinchor ergänzt. In der Form ist der fünfeckige Chor dem der Kirche des Klosters Cismar nachempfunden. Diesem verkaufte der Ritter von Westensee, der Patron der Westenseer Kirche, etwa gleichzeitig Grömitz. Der Sage nach wurde der Bau mit Geld aus einem Schatzfund zwischen den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern Emkendorf und Brux finanziert. Zu dieser Zeit war die der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Kirche eine Wallfahrtskirche mit fünf Vikarien und einem Jahrmarkt am Catharinentag, dem 25. November. Möglicherweise war beabsichtigt, die ganze Kirche durch einen gotischen Neubau zu ersetzen. Wohl 1505 wurde das Kirchenschiff nach Westen erweitert und der Westturm angefügt.

Die Reformation wurde in Westensee verhältnismäßig früh eingeführt von Johann von Wehrden, dem früheren Hauslehrer der Kinder des Herzogs Friedrich, der 1529–1539 der erste evangelische Pastor war.[2] Nach der Reformation wurde der Besitzer des Guts Bossee Patron der Kirche. Nach einem jahrelangen Streit des Gutsbesitzers Wilhelm von Rumohr von Gut Westensee mit den Besitzern der umliegenden Güter Bossee, Deutsch-Nienhof, Emkendorf, Schierensee und Klein Nordsee regelte von 1724 bis 1876 ein vor allem aus allen Gutsbesitzern bestehender Konvent die Belange der Gemeinde. Erst drei Jahre nach Einführung der Kirchengemeinde- und Synodalordnung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1876 wurde 1879 ein Kirchenvorstand eingesetzt.

Patronatslogen

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließen sich die Gutsherren der Güter Logen in der Kirche errichten. Diese Logen befanden sich ursprünglich im Chor. Die adligen Gutsbesitzer wurden auch in der Kirche beigesetzt. 1691 ließ Bendix von Ahlefeldt anlässlich des Todes seiner Frau die erste von sechs Grabkapellen an die Kirche anbauen. Später wurden er selbst († 1701), sein Sohn Hans Heinrich und dessen Ehefrau dort beigesetzt. Bis 1851 errichteten auch die Besitzer der anderen Güter solche Begräbniskapellen. Die heutige Sakristei war wohl ursprünglich Garwekammer und wurde im 19. Jahrhundert die Kapelle der Familie Bülow.[3] Als letzte wurde 1953 Diana von Reventlow-Criminil, die sogenannte Halliggräfin von Südfall, in der Familienkapelle beigesetzt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden alle beweglichen Kunstgegenstände wie ein Taufbecken aus Bronze gestohlen und die 1503 von den Rantzaus auf Deutsch-Nienhof gestiftete erste Orgel zerstört.

Pastorat

1753 fiel das Pastorat mit allen Kirchenbüchern und Dokumenten einer Brandstiftung zum Opfer. Im 1754 von Sonnin errichteten neuen Pastorat war Matthias Claudius 1813 auf der Flucht vor den Franzosen zu Gast. Die Kirche wurde in dieser Zeit stark vernachlässigt. Um 1775 wurde sogar überlegt, sie durch einen Neubau zu ersetzen, was aber aus Geldmangel unterblieb. Baufälligkeit machte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts notwendig, den Chor durch Stützpfeiler von außen und Balken von innen zu stabilisieren. Die schmalen gotischen Fenster wurden erweitert und die bemalten Scheiben durch schlichtes Glas ersetzt. Auch der Chorbogen wurde erweitert, um der Gemeinde bessere Sicht auf den Altar zu ermöglichen. Das monumentale Kenotaph des Daniel Rantzau wurde abgerissen.

In den 1930er Jahren wurde aus den in eine Empore integrierten Überresten der Renaissancekanzel ein Kanzelkorb rekonstruiert. 1954 fand eine Renovierung statt. Dabei wurden zwei im Zuge des Anbaus der Grabkapellen zugemauerte Fenster im Chor wieder geöffnet und auch die übrigen Fenster erneuert. Die Gutslogen wurden aus dem Chor an den Eingang des Kirchenschiffs verlegt. Anstelle des barocken Altars wurden die Reste eines frühneuzeitlichen Schnitzaltars in einem neuen Altarschrein aufgestellt.

In den 1970er Jahren machten Mauerrisse im Chor eine grundlegende Renovierung notwendig. Die im 19. Jahrhundert errichteten, ursprünglich hohlen und mit Gebeinen gefüllten Stützpfeiler wurden durch mit Ziegel umkleidete Stahlbetonpfeiler ersetzt.[4] Die Kirche erhielt einen neuen Dachstuhl; dabei wurde die ursprüngliche Balkendecke im Kirchenschiff unter einer Putzschicht freigelegt. Im Chor wurden neue Zuganker zur Bausicherung eingezogen. Zudem wurde die bisherige Orgel durch eine neue Schwalbennestorgel ersetzt und die Kanzel erhielt ihren heutigen Platz links vom Chorbogen. Die Emporen wurden entfernt, die Seitentür, die bisher vom Süden direkt in den Chor geführt hatte, wurde zugemauert und der Eingangsbereich durch den Westturm neu gestaltet. Die Särge aus den Grabkapellen wurden auf den Friedhof umgebettet.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar

Von dem spätgotischen Flügelaltar existiert nur noch die Figurengruppe aus dem Mittelschrein mit einer Kreuzigungsdarstellung, deren Schnitzarbeiten in Eichenholz ursprünglich farbig gefasst waren.[5] Nach 1958 wurden die Reste dieser Bemalung entfernt. Die Reste der Seitenflügel werden im Depot des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf aufbewahrt. Die Predella wurde im 18. Jahrhundert mit einer Abbildung des Passahmahls bemalt. Der gemauerte Altartisch hat an den Seiten zwei Hohlräume, die in vorreformatorischer Zeit wohl zur Aufnahme von Reliquien dienten.

Der schlichte, halbkugelförmige Taufstein aus Granit stammt vermutlich aus der Erbauungszeit der Kirche. Er stand lange als Blumenkübel im Park von Gut Emkendorf. Außerdem befindet sich im Chor ein fünfsitziges Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert vor einer Nische mit spätgotischer Rankenwerk-Ausmalung.

Im Chorbogen hängt ein Triumphkreuz mit spätgotischem Corpus. Von der im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach umgestalteten Kanzel im Renaissance-Stil von etwa 1560 haben sich drei Seitenteile erhalten. Die ursprüngliche Fassung ist nicht erhalten, da die Holzteile bereits vor 1908 abgebeizt wurden[6] und nun holzsichtig schlicht sind.

An der Nordwand des Kirchenschiffs hängen ein Holzepitaph des 1579 mit seiner Frau und zwei Töchtern an der Pest verstorbenen Pastors Balthasar Oldeneiken, sowie zwei Bilder, die nacheinander Altarbilder des 1954 durch den Schnitzaltaraufsatz ersetzten Barockretabels waren: eine Abendmahlsdarstellung aus dem 18. Jahrhundert und eine Kopie der Beweinung Christi von Jürgen Ovens, deren Original sich in der St.-Christophorus-Kirche in Friedrichstadt befindet, durch Julius Fürst von 1911. Die Bekrönung des Barockaltars, eine Darstellung der Trinität als Auge im von Strahlen umgebenen Dreieck, wurde 1977 an der Decke des Turmraumes aufgehängt.

Epitaph von Daniel Rantzau

Das größte Grabmal im Kirchenschiff ist das des dänischen Feldherrn Daniel Rantzau südlich des Chorbogens. Ursprünglich bestand es aus einem Epitaph und einem von einem Baldachin beschirmten freistehenden Kenotaph mit einer Liegefigur. Das Epitaph ist das älteste Renaissancekunstwerk in Schleswig-Holstein, das sich noch in situ befindet. Das 1645 von den Schweden beschädigte Kenotaph wurde um 1770 demontiert. 1918 wurde die Liegefigur auf einem neuen Unterbau mit einem Grabstein von 1840 als Deckplatte direkt vor dem Epitaph aufgestellt. Außerdem sind drei Grabplatten von adligen Gutsbesitzerpaaren aus dem 16. Jahrhundert erhalten und an der Südwand des Kirchenschiffs angebracht: von Daniel Rantzaus Eltern, Godske und Margaretha Rantzau (beide † 1564) von Gut Deutsch-Nienhof, und seinen Großeltern, Tonnies († 1533) und Drude Rantzau († 1540) von Gut Bossee, sowie von Jürgen und Lucia von Ahlefeldt von Gut Westensee, die jedoch in Stellau beigesetzt sind. Die beiden Rantzau-Grabplatten lagen ursprünglich über der Rantzau-Gruft vor Daniel Rantzaus Epitaph. Die Ahlefeldt-Grabplatte wurde 1918 beim Neubau der Orgel unter der alten Empore entdeckt. Bei ihr sind Reste der ursprünglichen Bemalung erhalten. Die fehlenden Sterbedaten zeigen, dass sie nicht benutzt wurde.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neuthor-Orgel von 1979, eine Schwalbennestorgel, befindet sich an der Nordseite des Chores. Es ist die fünfte Orgel der Kirche: die erste wurde 1503 gestiftet und 1629/1645 zerstört. 1666 wurde an der Stelle der heutigen Orgel ein neues Instrument auf einer Empore erbaut. Diese wurde um 1770 von Johann Daniel Busch instand gesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts war sie nicht mehr spielbar, wurde aber erst nach der Abgabe der Prospektpfeifen für die Metallspende im 1. Weltkriege im Frühjahr 1918 durch eine Marcussen-Orgel ersetzt. Die von Oscar Troplowitz, dem damaligen Besitzer von Gut Westensee, mitfinanzierte Orgel erwies sich schon bald als mangelhaft. 1963 setzte die Firma Marcussen ein aus einer anderen Kirche ausgebautes Werk in das Gehäuse ein. 1976 mussten Orgel und Empore den zur Stabilisierung des einsturzgefährdeten Chors eingezogenen Zugankern weichen. Die Disposition der heutigen Neuthor-Orgel, ein Werk mit 18 Registern auf zwei Manualen und Pedal, lautet:[7]

I Hauptwerk C–
1. Prinzipal 8′
2. Koppelflöte 8′
3. Oktave 4′
4. Flöte 4′
5. Quinte 223
6. Gemshorn 2′
7. Mixtur III–IV
8. Trompete 8′
II Schwellwerk C–
9. Gedeckt 8′
10. Rohrflöte 4′
11. Prinzipal 2′
12. Sesquialter II
13. Scharfzimbel III
14. Oboe 8′
Tremolo
Pedal C–
15. Subbass 16′
16. Gedacktbass 8′
17. Choralbass 4′
18. Fagott 16′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche besitzt zwei Glocken, die von Hand geläutet werden, eine 1950 gegossene und etwa 1600 kg schwere Eisenhartgussglocke von Schilling & Lautermann mit dem Schlagton d' und eine kleinere Bronzeglocke aus dem 16. Jahrhundert mit Schlagton fis'.[8]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Westensee gehört zum Kirchenkreis Altholstein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Zur Kirchengemeinde gehören neben dem Kirchdorf Westensee die Kommunalgemeinden Felde, Kleinvollstedt, Emkendorf, Rodenbek und Schierensee sowie die Dörfer Enkendorf und Pohlsee aus der Gemeinde Langwedel, die bis 1928 zum Gutsbetzirk Deutsch-Nienhof gehört hatten. In Felde und Kleinvollstedt befinden sich zwei Kapellen aus den 1960er Jahren, die nach dem von dem Architekten Wilhelm Neveling eingereichten Siegerentwurf für das Kapellenbauprogramm errichtet wurden.[9] Eine weitere Kapelle in Bokelholm[10] wurde 2005 abgerissen. Die Kirchengemeinde unterhält Friedhöfe in Westensee, Kleinvollstedt und Bokelholm.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Anhalt, Bernhard Schütz: Ev.-luth. St.-Catharinen-Kirche Westensee. Schnell Kunstführer 1202, 2. Auflage 2000.
  • Hartmut Beseler: Kunsttopographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974, S. 654–656.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 965–966.
  • Paul von Hedemann: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee. Kiel 1889.
  • Paul von Hedemann-Heespen: Daniel Rantzaus Denkmal und andere personengeschichtlichen Erinnerungen der Kirche St. Katharinen zu Westensee in Holstein ([2] PDF, abgerufen am 8. Mai 2019).
  • Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. 2. Auflage, Wachholtz Neumünster 1994.
  • Richard Haupt: Die Bau und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein. Band 2, Kiel 1888, S. 219–222 (Textarchiv – Internet Archive).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Catharinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. Wachholtz Neumünster 1994², S. 34 ff.
  2. Jensen/Michelsen: Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Band 3, S. 31 ([1] – Johann von Wehrden wurde 1539 Nachfolger von Johannes Jüngling in Bovenau).
  3. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. S. 52 f.
  4. Anhalt/Schütz: Ev.-luth. St.-Catharinen-Kirche Westensee. S. 6.
  5. Detail vom Altar 1956 bei bildindex.de.
  6. Zustand der Kanzel um 1908 bei bildindex.de.
  7. Orgel
  8. Josephsglocke: Catharinenkirche Westensee Glocken. In: YouTube. 4. Dezember 2021, abgerufen am 30. Dezember 2021.
  9. Matthias-Claudius-Kapelle, Kleinvollstedt und Adventskapelle, Felde.
  10. Ansgarkapelle, Bokelholm.


Koordinaten: 54° 16′ 32,4″ N, 9° 54′ 4,7″ O