St. Catharinen (Westensee)

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Die Catharinenkirche von Norden mit (von rechts) der Ahlefeldtschen und der Bosseer Kapelle. Links die Sakristei.

Die St. Catharinen-Kirche ist die Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Westensee (Schleswig-Holstein).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Altar

Die Kirche stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes nach der Schlacht bei Bornhöved (1227). Sie wurde als Filiale des Klosters Neumünster gegründet. Das aus Feldsteinen errichtete Langhaus aus dem 13. Jahrhundert sah vermutlich ursprünglich den Feldsteinkirchen von Ratekau und Flemhude ähnlich.[1] Um 1300 wurde es durch einen das Kirchenschiff überragenden gotischen Backsteinchor ergänzt, angeblich mit Geld aus einem Schatzfund zwischen den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern Emkendorf und Brux. Zu dieser Zeit war die der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Kirche eine Wallfahrtskirche mit fünf Vikarien und einem Jahrmarkt am Catharinentag, dem 25. November. Möglicherweise war beabsichtigt, die ganze Kirche durch einen gotischen Neubau zu ersetzen, was aber unterblieb. Wohl 1505 wurde der Westturm angefügt.

Die Reformation wurde in Westensee verhältnismäßig früh eingeführt von Johann von Wehrden, dem früheren Hauslehrer der Kinder des Herzogs Friedrich, der 1529–1539 der erste evangelische Pastor war.[2] Nach der Reformation wurde der Besitzer des Guts Bossee Patron der Kirche. Nach einem jahrelangen Streit des Gutsbesitzers Wilhelm von Rumohr von Gut Westensee mit den Besitzern der umliegenden Güter Bossee, Deutsch-Nienhof, Emkendorf, Schierensee und Klein Nordsee regelte von 1724 bis 1876 ein vor allem aus allen Gutsbesitzern bestehender Konvent die Belange der Gemeinde. 1879 wurde ein Kirchenvorstand eingesetzt.

Patronatslogen

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließen sich die Gutsherren der Güter Logen in der Kirche errichten. Diese Logen befanden sich ursprünglich im Chor. Die adligen Gutsbesitzer wurden auch in der Kirche beigesetzt. 1691 ließ Bendix von Ahlefeldt anlässlich des Todes seiner Frau die erste von sechs Grabkapellen an die Kirche anbauen. Später wurden er selbst († 1701), sein Sohn Hans Heinrich und dessen Ehefrau dort beigesetzt. Bis 1851 errichteten auch die Besitzer der anderen Güter solche Begräbniskapellen. Die heutige Sakristei war die Kapelle der Familie Bülow.[3] Als letzte wurde 1953 Diana von Reventlow-Criminil, die sogenannte Halliggräfin von Südfall, in der Familienkapelle beigesetzt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden alle beweglichen Kunstgegenstände wie ein Taufbecken aus Bronze gestohlen und die 1503 von den Rantzaus auf Nienhof gestiftete erste Orgel zerstört.

1753 wurde das Pastorat mit allen Kirchenbüchern und Dokumenten durch Brandstiftung vernichtet. Im 1754 von Sonnin errichteten neuen Pastorat war Matthias Claudius 1813 auf der Flucht vor den Franzosen zu Gast. Die Kirche wurde in dieser Zeit stark vernachlässigt. 1777 wurde sogar überlegt, sie durch einen Neubau zu ersetzen, was aber aus Geldmangel unterblieb. Baufälligkeit machte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts notwendig, den Chor durch Stützpfeiler von außen und Balken von innen zu stabilisieren. Gleichzeitig wurden die schmalen gotischen Fenster erweitert und die bemalten Scheiben durch schlichtes Glas ersetzt. Auch der Chorbogen wurde erweitert, um der Gemeinde bessere Sicht auf den Altar zu ermöglichen.

In den 30er Jahren wurde aus den in eine Empore integrierten Überresten der Renaissancekanzel ein Kanzelkorb rekonstruiert. 1954 wurden neue Fenster im Chor eingebaut. Der Barockaltar wurde durch die Reste eines frühneuzeitlichen Schnitzaltars ersetzt und die ursprüngliche Balkendecke im Kirchenschiff freigelegt. In den 1970er Jahren machten Mauerrisse im Chor eine erneute Renovierung notwendig. Der Chor erhielt einen neuen Dachstuhl und die im 19. Jahrhundert errichteten, ursprünglich hohlen und mit Gebeinen gefüllten Stützpfeiler wurden durch mit Ziegel umkleidete Stahlbetonpfeiler ersetzt.[4] Im Inneren der Kirche wurden die Emporen und Gutsgestühle aus dem Chor entfernt und Zuganker zur Bausicherung eingezogen. Dabei wurde die Orgel durch eine neue Schwalbennestorgel ersetzt. Die Gutslogen wurden an den Eingang des Kirchenschiffs verlegt und auch die Kanzel erhielt ihren heutigen Platz.

Die evangelische Kirchengemeinde Westensee gehört zum Kirchenkreis Altholstein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Zur Kirchengemeinde gehören neben dem Kirchdorf Westensee Felde, Kleinvollstedt, Emkendorf, Rodenbek und Schierensee. In Felde und Kleinvollstedt befinden sich Kapellen aus den 1960er Jahren.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar

Von dem spätgotischen Schnitzaltar existiert nur noch der Mittelschrein mit einer Kreuzigungsdarstellung, getragen von einer Predella mit einer Abbildung des Passahmahls aus dem 18. Jahrhundert. Der schlichte, halbkugelförmige Taufstein aus Granit stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Außerdem befindet sich im Chor ein fünfsitziges Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert vor einer Nische mit spätgotischer Rankenwerk-Ausmalung.

Epitaph von Daniel Rantzau

Zwischen Kirchenschiff und Chor befinden sich ein Triumphkreuz mit spätgotischem Corpus und die Kanzel, deren erneuerter Korb noch Schnitzelemente von 1560 enthält. An der Nordwand des Kirchenschiffs sind ein Holzepitaph des 1579 mit seiner Frau und zwei Töchtern an der Pest verstorbenen Pastors Balthasar Oldeneiken, sowie zwei Bilder, die nacheinander Altarbilder des 1957 entfernten Barockaltars waren, eine Abendmahlsdarstellung aus dem 18. Jahrhundert, ferner eine Kopie der Beweinung Christi von Jürgen Ovens (Original in der St.-Christophorus-Kirche (Friedrichstadt)), angebracht.

Im Kirchenschiff befinden sich mehrere Grabsteine. Das größte Grabmal ist das des dänischen Feldherrn Daniel Rantzau südlich des Chorbogens. Ursprünglich bestand es aus einem Epitaph und einem freistehenden Kenotaph mit einer Liegefigur. Der im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden beschädigte Kenotaph wurde um 1770 demontiert. 1918 wurde das Monument aus den Bruchstücken und einem Grabstein von 1840 als Deckplatte direkt vor dem Epitaph rekonstruiert. Außerdem sind drei Grabplatten von adligen Gutsbesitzerpaaren aus dem 16. Jahrhundert erhalten und an der Südwand des Kirchenschiffs angebracht: von Daniel Rantzaus Eltern, Godske und Margaretha Rantzau (beide † 1564) von Deutsch-Nienhof, und seinen Großeltern, Tonnies († 1533) und Drude Rantzau († 1540) von Bossee, sowie von Jürgen und Lucia von Ahlefeldt von Gut Westensee, die jedoch in Stellau beigesetzt sind.

Die Neuthor-Orgel von 1979 befindet sich an der Nordseite des Chores.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Anhalt, Bernhard Schütz: Ev.-luth. St.-Catharinen-Kirche Westensee. Schnell Kunstführer 1202, 2. Aufl. 2000
  • Hartmut Beseler: Kunsttopographie Schleswig-Holstein, Neumünster 1974, S. 654–656
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 965–966
  • Paul von Hedemann: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee; Kiel 1889
  • Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994²
  • Richard Haupt: Die Bau und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein. Bd. 2, Kiel 1888, S. 219–222

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Catharinenkirche (Westensee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994², S. 34ff; siehe auch Wegweiser durch St. Catherinen
  2. Jensen/Michelsen: Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte Bd. 3 S. 31. Johann von Wehrden wurde 1539 Nachfolger von Johannes Jüngling in Bovenau.
  3. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; S. 52f
  4. Anhalt/Schütz: Ev.-luth. St.-Catharinen-Kirche Westensee; S. 6
  5. Orgel

Koordinaten: 54° 16′ 32″ N, 9° 54′ 5″ O