Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa (Ellhofen)

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Die Kirche von Norden
Blick zum Chor

Die Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa ist die evangelische Pfarrkirche Ellhofens. Sie beherbergt den Genovefa-Altar, einen bedeutenden Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kapelle in Ellhofen wurde 1303 als Filiale der Sülzbacher Pfarrkirche erstmals erwähnt. Ob sich diese Kapelle bereits an der Stelle der heutigen Kirche befunden hat, ist ungewiss, wird gemeinhin aber angenommen. Bei der Schenkung des Patronatsrechts der Sülzbacher Kirche an das Kloster Schöntal durch Engelhard von Weinsberg behielt sich Engelhard das Patronatsrecht über die Ellhofener Kirche ausdrücklich vor. Anlässlich dieser Schenkung werden auch die damaligen Kirchenheiligen genannt: das heilige Kreuz, Petrus, die heiligen Unschuldigen und Genoveva. In einer Ablass-Urkunde des Bischofs Albert von Würzburg von 1357 wird die Kapelle erstmals als ecclesia (Kirche) bezeichnet. Zu jener Zeit war die von einem Kaplan versorgte Kirche das Ziel von Wallfahrten.

Den Kern des heutigen Bauwerks bildet eine romanische Chorturmkirche, mit deren Bau gemäß den im Turmchor erhaltenen Fresken spätestens um 1380 begonnen worden sein dürfte. 1412 erwarb die Kurpfalz gemeinsam mit der Hälfte von Burg und Ort auch das Patronatsrecht über die Kirche von den Herren von Weinsberg. Gemäß einer Bauinschrift wurde der Chorturm 1498 in seiner heutigen Gestalt fertiggestellt. Der heute noch erhaltene spätgotische Schnitzaltar kam vermutlich im Zusammenhang mit diesem Ausbau in die Kirche.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg 1504 kam die Ellhofen mit der Herrschaft Weinsberg an Württemberg und wurde von dort aus 1534 reformiert. Nachdem die Toten aus Ellhofen ursprünglich in Sülzbach bestattet worden waren, legte man 1589/91 in Ellhofen einen eigenen Friedhof an. Um jene Zeit fand auch die kirchliche Loslösung von Sülzbach statt, künftig wurde die Kirche vom Diakonat in Weinsberg betreut.

Die Sakristei der Kirche wurde 1733 erneuert, nach 1741 schloss sich wohl auch eine umfassende Renovierung der Kirche an. Eine weitere größere Renovierung fand 1799 statt. 1837 wurde die Kirche nach Süden hin erweitert.

Obwohl sich die Gemeinde bereits seit dem 19. Jahrhundert um eine eigene Pfarrstelle bemühte, wurde eine solche erst 1953 eingerichtet. Im kreuzgewölbten Ostturm wurden 1960 Wandmalereien freigelegt. Zwischen 1975 und 1977 wurde die Kirche nochmals renoviert und baulich erweitert.

Genovefa-Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirche befindet sich ein spätgotischer Flügelaltar aus der Zeit um 1515, der dem Umfeld Hans Seyfers zugeschrieben wird und im Zentrum die Anbetung der Könige als vollplastische Schnitzfiguren zeigt. Auf den Innenflügeln sind in den oberen Hälften die Verkündigung an Maria und Mariä Heimsuchung, in den unteren die Geburt Christi und die Beschneidung des Herrn jeweils als Reliefschnitzereien zu sehen.[1]

Die Außenseiten der Flügel sind bemalt. Links oben wird die Geburt des Gottessohns und rechts oben die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige (Epiphanie) gezeigt. Die beiden unteren Gemälde zeigen Bilder aus dem Leben der Heiligen Genoveva: Links unten erweckt Genoveva ein Kind, das im Brunnen ertrunken ist. Rechts unten ist zu sehen, wie sie Blinde und Gehbehinderte heilt und andere von Aussatz und Pest befreit.[2]

Die Predella zeigt Christus als Schmerzensmann zwischen seiner Mutter und Johannes, dem Evangelisten, jeweils als plastische Halbfiguren. Im Altarauszug befinden sich vollplastische Figuren des Hl. Christophorus, der Hl. Barbara, der Hl. Genoveva, jeweils in von Gesprenge bekrönten Nischen.

Im Zentrum des Mittelschreins steht die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige. In der Mitte sitzt Maria und hält mit der rechten Hand ihren Sohn auf ihrem Knie fest. In der linken Hand trägt sie ein Schatzkästchen, ein Geschenk des Königs, der zu ihrer Rechten kniet. Zu ihrer Linken stehen die beiden anderen Könige, mit Weihrauchgefäß und Olifant ausgestattet. Ganz links im Schrein steht eine Frau, die bei der letzten Restaurierung irrtümlicherweise ein Schwert erhielt und daher als Katharina identifiziert wird. Aufgrund ihrer Körper- und Handhaltung ist diese jedoch als Genoveva zu verstehen, die ursprünglich eine Kerze in der rechten Hand trug. Unter Maria ist in einer Art unterteiltem Mittelfach der Prophet Jesaja zu sehen, der in seiner rechten Hand ein Band trägt und mit seiner linken Hand darauf deutet. Auf diesem Band ist ein Zitat von ihm zu lesen: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,5 EU).

In der Unterteilung des Mittelschreins in ein Ensemble von Figuren, die auf treppenartigen Sockeln thronen, ähnelt der Altar stilistisch der Cyriakuskirche in Bönnigheim.[3] Das mittlere Fach des Schreinaltars wurde in beiden Kirchen nochmals geteilt. Im unteren Mittelfach des Altars in Bönnigheim steht der Namenspatron der Kirche. In Ellhofen steht im unteren Mittelfach der Prophet Jesaja.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. 2. Auflage. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2
  2. Hartmut Gräf: Unterländer Altäre 1350-1540. Eine Bestandsaufnahme. Städtische Museen Heilbronn, Heilbronn 1983 (Heilbronner Museumsheft. Nr. 2). S. 45
  3. Ilse Rauschenberger: Drei neckarschwäbische Schnitzretabel der Spätgotik. Bönnigheim – Ellhofen – Neckargartach. Städtische Museen Heilbronn, Heilbronn 1980 (Heilbronner Museumshefte. Nr. 7)
  4. Fleck 1981, Abb. 35.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther-Gerd-Fleck: Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa Ellhofen. Ellhofen 1981
  • Wolfram Angerbauer: Kirchliche Verhältnisse bis um 1900, in: Ellhofen 1037 bis 1987, Ellhofen 1988, S. 125–134.
  • Hartmut Gräf: Unterländer Altäre 1350–1540. Eine Bestandsaufnahme. Städtische Museen Heilbronn, Heilbronn 1983 (Heilbronner Museumsheft. Nr. 2)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa (Ellhofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 8′ 49,2″ N, 9° 19′ 18,1″ O