Kirchenlamitz

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Wappen Deutschlandkarte
Kirchenlamitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kirchenlamitz hervorgehoben

Koordinaten: 50° 9′ N, 11° 57′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Wunsiedel im Fichtelgebirge
Höhe: 591 m ü. NHN
Fläche: 48,48 km2
Einwohner: 3103 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 95158, 95100
Vorwahl: 09285
Kfz-Kennzeichen: WUN, MAK, REH, SEL
Gemeindeschlüssel: 09 4 79 129
Stadtgliederung: 27 Gemeindeteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 3
95158 Kirchenlamitz
Website: www.kirchenlamitz.de
Erster Bürgermeister: Jens Büttner (CSU)
Lage der Stadt Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge
Martinlamitzer Forst-SüdMeierhöfer SeiteWeißenstadter Forst-SüdWeißenstadter Forst-NordTröstauer Forst-WestTröstauer Forst-OstSelbNeubauer Forst-SüdKaiserhammer Forst-OstVordorfer ForstSelbSelbHohenberg an der EgerHohenberg an der EgerMarktleuthenThierstein (Fichtelgebirge)SelbSelbWunsiedelWeißenstadtTröstauThiersheimSchönwald (Bayern)SchirndingRöslauMarktredwitzKirchenlamitzHohenberg an der EgerHöchstädt im FichtelgebirgeArzberg (Oberfranken)Bad AlexandersbadNagel (Fichtelgebirge)TschechienLandkreis TirschenreuthLandkreis BayreuthLandkreis HofKaiserhammer Forst-OstKarte
Über dieses Bild
Ansicht der Stadt vom Epprechtstein
Granit-Steinbruch Forstwiesenbruch

Kirchenlamitz ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 35 Kilometer nordöstlich von Bayreuth am Fluss Lamitz an der Bayerischen Porzellanstraße. Das nächste Oberzentrum ist Selb (mit der tschechischen Stadt ).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 25 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]

Kirchenlamitz Bahnhof, Niederlamitzerhammer zählen mittlerweile zum Gemeindeteil Niederlamitz. Die Weiler Oberschieda I und Oberschieda II, die vor der Gebietsreform unterschiedlichen Gemeinden angehörten, wurden zu Oberschieda vereinigt. Vorsuchhütte hat abweichend von den übrigen Gemeindeteilen die PLZ 95100.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von Kirchenlamitz ist auch die der etwa zwei Kilometer südwestlich gelegenen Burg Epprechtstein. 1352 wurden die Burggrafen von Nürnberg mit ihr belehnt und kamen kurze Zeit später in Besitz der gesamten Herrschaft und damit auch des Orts. Burggraf Friedrich V. von Nürnberg verlieh dem Ort zu Kirchenlomnicz 1374 das Stadtrecht,[4] das später wieder verloren ging. Das Fürstentum Bayreuth, zu dem der Ort dann gehörte, kam 1791 zum Königreich Preußen. Nach vierjähriger französischer Besetzung wurde das Fürstentum mit dem Ort und der Burg 1810 an das Königreich Bayern verkauft.[5] Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenlamitz wurde Sitz eines bis 1879 bestehenden bayerischen Landgerichts älterer Ordnung, das anschließend in ein Amtsgericht umgewandelt wurde. 1901 wurde Kirchenlamitz erneut zur Stadt erhoben. Das Amtsgericht wurde 1959 aufgelöst.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 die Gemeinde Dörflas bei Kirchenlamitz und der größte Teil der aufgelösten Gemeinden Raumetengrün und Reicholdsgrün eingegliedert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 4350 auf 3286 um 1064 bzw. um 24,5 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister war ab dem 1. Mai 2008 Thomas Schwarz (SPD).[7] Er wurde am 16. März 2008 in einer Stichwahl mit dem damals amtierenden Bürgermeister Reinhard Weiß (WÜL) gewählt. Bei einer Wahlbeteiligung von 68,42 % entfielen 1331 Stimmen auf Schwarz, Weiß erhielt 665 Stimmen. Bei den Bürgermeisterwahlen 2014 und 2020 wurde Schwarz als Erster Bürgermeister bestätigt.

Ab April 2022 befand er sich im Krankenstand und trat im September 2022 von seinem Amt zurück. Der Zweite Bürgermeister Jens Büttner (CSU) übernahm seitdem die Amtsgeschäfte, bis er am 25. September 2022 mit 77,7 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 62,4 Prozent zum neuen Bürgermeister gewählt wurde.[8][9] Zweite Bürgermeisterin ist Esra Özekimci (SPD), Dritter Bürgermeister Andreas Reul (WÜL).[10]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 2. März 2008 führte zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat:

Partei / Liste: CSU SPD WÜL* Gesamt
Stimmen: 10.134 12.458 8.489 31.081
Sitze: 5 7 4 16 Sitze

Die Kommunalwahl vom 16. März 2014 führte zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat (ab 1. Mai 2014):

Partei / Liste: CSU SPD WÜL* Gesamt
Stimmen: 12.230 10.557 5.198 27.985
Sitze: 7 6 3 16 Sitze

Die Kommunalwahl vom 15. März 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Stadtrat (ab 1. Mai 2020)[11]:

Partei / Liste: CSU SPD WÜL* Gesamt
Stimmen: 0 0 0 0
Sitze: 7 6 3 16 Sitze
* Wählergruppe Überparteiliche Liste

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Kirchenlamitz
Blasonierung: „Gespalten; vorne geviert von Silber und Schwarz; hinten in Blau auf einem mit einem silbernen Wellenbalken belegten grünen Hügel eine eintürmige silberne Kirche in Seitenansicht mit roten Dächern und goldenen Kreuzen.“[12]

Wappengeschichte: Die Geschichte von Kirchenlamitz ist eng verbunden mit der etwa 2 km südwestlich gelegenen Burg Epprechtsstein. 1352 wurden die Burggrafen von Nürnberg mit der Burg belehnt. Vier Jahre später waren sie im Besitz der gesamten Herrschaft Epprechtsstein und des Ortes Kirchenlamitz. Burggraf Friedrich V. verlieh dem Ort 1374 das Stadtrecht. Der Ort wurde aber weiterhin als Markt bezeichnet. Das Stadtrecht ging wieder verloren. Seit 1901 ist Kirchenlamitz erneut Stadt. Aus dem Jahr 1471 ist der Abdruck eines Siegels überliefert, das um 1380 entstanden ist. Im gespaltenen Schild stand vorne auf grünem Hügel die Ortskirche St. Michael, hinten das Zollernwappen. Später kam noch der Wellenbalken hinzu als Hinweis auf den Fluss Lamitz. Das Wappen ist auch in einer farbigen Abbildung von 1581 überliefert. Ab dem 17. Jahrhundert sind die beiden Schildhälften vertauscht. 1819 zeigte die Zollernvierung die Farben Silber und Blau, die silberne Kirche stand in goldenem Feld. Von 1837 bis 1931 tauchte in den Dienstsiegeln am unteren Schildrand ein Männerkopf auf. Er beruht auf einer Fehldeutung des barocken Schildrahmens in einem Siegel von 1611.[12] Dieses Wappen wird seit dem 15. Jahrhundert geführt.[12]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kobyla Góra in Polen ist die Partnergemeinde der Stadt Kirchenlamitz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Epprechtstein im Gemeindeteil Buchhaus

Auf dem Epprechtstein befinden sich zahlreiche ehemalige Steinbrüche des Epprechtstein-Granits. Einige davon sind über einen Steinbruch-Rundwanderweg miteinander verbunden. Die meisten sind aufgelassen und das Regenwasser hat darin Seen gebildet.

An einigen älteren Häusern können heute selten gewordene Vorfenster beobachtet werden.

Im Juni 2021 wurde die Stadt Kirchenlamitz für die Hammerscheune in Niederlamitz vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit dem Staatspreis für Erhalt der Baukultur im ländlichen Raum ausgezeichnet.[13]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mittelschwere Skilanglauf-Loipen auf dem Epprechtstein von sechs, vier und neun Kilometer Länge und etwa 100 Meter Höhenunterschied

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Juli: Volks- und Wiesenfest Kirchenlamitz
  • August: Kichweihen Raumetengrün und Reicholdsgrün
  • Oktober: Kirchweihen Kirchenlamitz und Niederlamitz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Steinindustrie-Unternehmen Reul bestand von 1909 bis 1996 in Kirchenlamitz.

Zudem wurde in Kirchenlamitz Porzellan hergestellt. Von 1914 bis 1974 bestand eine Porzellanmanufaktur zunächst unter dem Namen Wächter & Fürbringer, später als Firma Rudolf Wächter.[14] Ein weiteres Porzellanwerk wurde 1920 von der Porzellanfabrik Oscar Schaller & Co. errichtet.[15] Sie gehörte zu den Fabriken der Gebrüder Winterling, aus deren Unternehmen 1992 die Winterling Porzellan AG mit Sitz in Kirchenlamitz gebildet wurde; das Unternehmen produzierte bis zur Insolvenz 1999 am Ort.[16]

Von Ende der 1970er Jahre an wurde in der Grube Christa bei Großschloppen Pechblende abgebaut; 1989 wurde der Betrieb wegen des niedrigen Weltmarktpreises für Uran eingestellt.[17] Laut Medienberichten sind Aussagen der Endlagerkommission so zu verstehen, dass das ehemalige Bergwerk wegen des Granitgesteins in die Voruntersuchungen als Atommüll-Endlager mit einbezogen werden könnte.[18]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsneckname von Kirchenlamitz beziehungsweise der Spitzname der Kirchenlamitzer Bürger ist Krebsbacker.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsstraßen St 2176 und St 2177 treffen sich nahe Kirchenlamitz. Nahe Niederlamitz liegt der Haltepunkt Kirchenlamitz Ost der Bahnstrecke Weiden–Oberkotzau. Zudem bestand bis 1982 über die Bahnstrecke Kirchenlamitz–Weißenstadt eine Bahnverbindung nach Weißenstadt.

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kirchenlamitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Kirchenlamitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-003r Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtag (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Kirchenlamitz in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 24. März 2021. Hier werden noch 28 Gemeindeteile aufgelistet.
  3. Stadt Kirchenlamitz, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 9. März 2021.
  4. Geschichte. Gemeinde Kirchenlamitz, abgerufen am 30. August 2020.
  5. Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten. 1. Auflage. Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-0809-8, S. 139.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 700.
  7. Stadtrat. Gemeinde Kirchenlamitz, abgerufen am 30. August 2020.
  8. HCS Content GmbH: 20 Jahre an der Spitze der Sechsämterstadt: Bürgermeister Thomas Schwarz hört auf - Frankenpost. Abgerufen am 25. September 2022.
  9. HCS Content GmbH: Kirchenlamitz: Büttner (CSU) gewinnt Bürgermeisterwahl - Frankenpost. Abgerufen am 25. September 2022.
  10. http://www.kirchenlamitz.de/index.php/unsere-stadt2/stadtrat/buergermeister
  11. http://www.kirchenlamitz.de/index.php/unsere-stadt/rathaus/stadtrat
  12. a b c Eintrag zum Wappen von Kirchenlamitz in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  13. Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Dorferneuerung und Baukultur. Die Gewinner der Staatspreise 2021, 16. Juni 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.
  14. Werner Bergmann: Die Porzellanmanufaktur Rudolf Wächter in Kirchenlamitz, 2007
  15. Stefan Stroessenreuther: Kirchenlamitz Winterling. In: Porzellan Selb. Abgerufen am 8. November 2021.
  16. Orte: Kirchenlamitz. Porzellangeschichte. In: porzellanstrasse.de. Porzellanstraße e. V., Selb, abgerufen am 8. November 2021.
  17. Erwin Purucker: Uransuche in Großschloppen bei Kirchenlamitz auf fichtelgebirge-oberfranken.de, abgerufen am 20. Mai 2016
  18. Peter Engelbrecht: Neue Suche nach Atommüll-Lager, Nordbayerischer Kurier vom 20. Mai 2016, S. 19