Kirchensteuer (sonstige Staaten)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Außerhalb des deutschsprachigen Raums existiert nur in wenigen Ländern eine Kirchensteuer. Die Abgabe wird zwar mit dem mittelalterlichen Zehnt in Verbindung gebracht, sie wurde jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert von staatlichen Stellen geschaffen, nachdem den Kirchen im Zuge der Säkularisation große Teile ihrer materiellen Basis entzogen worden waren. Im Judentum kennt man die Kultussteuer.[1] Weltweit werden 50 bis 75 Prozent der Einkünfte der Kirchen aus freiwilligen Spenden bestritten. Einige Besonderheiten anderer Länder seien hier aufgeführt:

Frankreich und Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Französischen und der Amerikanischen Revolution wurde in Frankreich und in den USA der Kirchenzehnt abgeschafft. Die Kirchen sind im Wesentlichen auf Spenden angewiesen. Gemäß dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat (Frankreich) müssen sich Kirchen in Frankreich zum großen Teil selbst finanzieren. Nur in Elsass und dem Département Moselle, also den drei Departements, die als Reichsland Elsaß-Lothringen bis 1918 zum Deutschen Reich gehörten, wird Kirchensteuer erhoben.[2] Pfarrer erhalten in etwa das Gehalt eines Lehrers, wie es der Code Napoléon bestimmt hatte.

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Niederlanden gibt es keine Kirchensteuer und auch keine staatliche Förderung der Religionsgemeinschaften. Diese finanzieren sich ausschließlich regional aus Spendengeldern.

Belgien und Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Belgien und Griechenland werden Pfarrer und Bischöfe wie Beamte vom Staat bezahlt. Die Gemeinden sind gesetzlich zur Unterhaltung der Gebäude verpflichtet.

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien wurden die Kirchen nie enteignet – wie vor allem in Frankreich, Deutschland –, daher bestreiten sie die nicht durch Spenden gedeckten Ausgaben aus ihrem eigenen Vermögen heraus.

Spanien und Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Italien wird eine obligatorische Kirchen- und Kultursteuer (otto per mille, also 8 ‰, bezogen auf die Bruttoeinkommensteuer) erhoben. Der Steuerpflichtige kann auf der Steuererklärung angeben, welcher Religionsgemeinschaft die Steuer zugutekommen soll oder ob sie sozialen Zwecken oder dem Staat zufließen soll.[3] In Spanien gilt seit 2007 dasselbe System, jedoch liegt der Steuerbetrag, der der katholischen Kirche oder anderen sozialen und kulturellen Zwecken zufließt, bei 0,7 %. Trifft der Steuerzahler keine Entscheidung, wird das Geld automatisch den „anderen Zwecken“ zugeleitet.[4]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Polen gibt es keine Kirchensteuer, die Kirche wird von Spenden und Beiträgen finanziert.

Es besteht ein Kirchenfonds über etwa 21,5 Millionen Euro (Stand 2012) im Staatshaushalt, der aus Steuermitteln finanziert wird. Dieser Fonds resultiert aus der Enteignung der polnischen Kirche durch die kommunistische Regierung. Der Fonds wurde nach der Wende 1990 eingeführt und soll die Kirche für nicht mehr übertragbare Ländereien, Gebäude und Einrichtungen entschädigen. Darüber hinaus waren Priester und Mitglieder von Klöstern und kirchlichen Kongregationen im kommunistischen Polen (Volksrepublik Polen) nicht sozialversichert, somit hatten sie keine medizinische Versorgung und keine Altersvorsorge.

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Dänische Volkskirche wird mit staatlichen Mitteln unterstützt. Die Kirchensteuer wird von der örtlichen Kirchengemeinde festgesetzt und muss von der politischen Gemeinde und vom Kirchenministerium bestätigt werden. Sie ist lokal unterschiedlich, kann bis zu 7 Prozent betragen und wird mit der Lohn- und Einkommensteuer eingehoben. Etwa drei Fünftel der kirchlichen Haushalte werden direkt aus staatlichen Mitteln finanziert.[5]

Schweden und Finnland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesen Ländern gibt es ebenfalls eine Kirchensteuer. In Schweden heißt diese nach der Trennung von Staat und Kirche „Kirchenabgabe“ (kyrkoavgift) und wird von der staatlichen Steuerbehörde eingezogen. Die Höhe der Abgabe wird dabei von der Kirchengemeinde bestimmt, der man angehört.[6] Die durchschnittliche Höhe der Abgabe beträgt 2015 1,00 % des zu versteuernden Einkommens. In Finnland beträgt die Kirchensteuer 1 bis 2 Prozent des zu versteuernden Einkommens, wobei auch Unternehmen kirchensteuerpflichtig sind.[7]

Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Norwegische Kirche wird als Staatskirche durch die Staatskasse finanziert. Eine Kirchensteuer im eigentlichen Sinne gibt es nicht.[8]

Island[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Island ist von Personen ab 16 Jahren ein sogenanntes sóknargjald[9] (etwa: „Gemeinde-Entgelt“, Plural sóknargjöld) zu entrichten, das von der Einkommensteuer abgezogen wird.[10] Das sóknargjald geht an die staatlich anerkannte religiöse Gemeinschaft oder weltlich-humanistische Gruppierung, als deren Mitglied die Person registriert ist.[10] Bis 2009 ging das sóknargjald von Personen, die keiner religiösen Gemeinschaft oder weltlichen Gruppierung angehören, an die Universität Island; durch eine Gesetzesänderung[11] fließt das Geld in diesen Fällen seither in den allgemeinen Staatshaushalt. 2015 betrug das Sóknargjald 824 Isländische Kronen monatlich[9] (etwa 5,80 Euro).

Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der folgende Absatz ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Siehe Diskussionsseite.

In Brasilien, wo die größte katholische Gemeinde der Erde existiert, zahlen die Katholiken keine Kirchensteuer. Dennoch verliert gerade diese Glaubensgemeinschaft am schnellsten Mitglieder an Evangélicos, Maranatas und andere Gemeinschaften, welche um die zehn Prozent ihres Einkommens an die jeweilige Glaubensverwaltung freiwillig abführen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine kurze Geschichte der Kirchensteuer. Erzbistum Köln, archiviert vom Original am 14. September 2005; abgerufen am 10. November 2017.
  2. Jens Petersen: Die Kirchensteuer – eine kurze Information. Evangelische Kirche in Deutschland, S. 2, archiviert vom Original am 19. Oktober 2013; abgerufen am 10. November 2017 (pdf; 66 kB).
  3. Jens Petersen: Die Kirchensteuer. Eine kurze Information. Wedemark 2001, S. 41.
  4. El nuevo sistema de asignación tributaria en favor de la iglesia católica. Spanische Bischofskonferenz, 29. September 2006, archiviert vom Original am 31. März 2010; abgerufen am 10. November 2017 (pdf, 103 kB, spanisch).
  5. Jens Petersen: Die Kirchensteuer. Eine kurze Information; Wedemark 2001, S. 40
  6. Homepage der schwedischen Kirche zur Kirchenabgabe (schwedisch)
  7. Jens Petersen: Die Kirchensteuer. Eine kurze Information; Wedemark 2001, S. 42f.
  8. Jens Petersen: Die Kirchensteuer. Eine kurze Information; Wedemark 2001; S. 42
  9. a b Kirkjumál og skráð trúfélög og lífsskoðunarfélög. Isländisches Innenministerium (Innanríkisráðuneytið); abgerufen am 7. Dezember 2015 (isländisch).
  10. a b Bureau of Democracy, Human Rights and Labor: International Religious Freedom Report for 2014: Iceland. U.S. Department of State, 2014; abgerufen am 7. Dezember 2015 (englisch).
  11. Frumvarp til laga um ráðstafanir í ríkisfjármálum. Alþingi, 2009; abgerufen am 7. Dezember 2015 (isländisch).