Kirchgasse (Wiesbaden)

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Kirchgasse
Wappen
Straße in Wiesbaden
Kirchgasse
Kirchgasse am Mauritiusplatz 2014
Basisdaten
Ort Wiesbaden
Ortsteil Mitte
Neugestaltet 2004–2008[1]
Querstraßen Marktstraße, Michelsberg, Kleine Kirchgasse, Mauritiusstraße, Kleine Schwalbacher Straße, Schulgasse, Faulbrunnenstraße, Friedrichstraße, Luisenstraße, Rheinstraße
Plätze Mauritiusplatz
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 550 m

Die Kirchgasse ist ein als Fußgängerzone ausgebauter Straßenzug in Wiesbaden. Zusammen mit ihrer nördlichen Fortsetzung, der Langgasse, ist sie die wichtigste Einkaufsstraße der Stadt. Namensgebend war die an Ihr gelegene Mauritiuskirche, die 1850 einem Brand zerstört wurde. An ihrer Stelle befindet sich heute der Mauritiusplatz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchgasse beginnt im Süden an der Rheinstraße und führt dann über die von Bussen befahrene Luisenstraße und Friedrichstraße hinweg, am Mauritiusplatz vorbei bis zur Kreuzung mit dem Michelsberg und der Marktstraße wo sie nahtlos in die Langgasse übergeht, die ebenfalls als Fußgängerzone ausgebaut ist. Zusammen bilden die in einer leichten Biegung nach Nordosten verlaufende Kirch- und Langasse die Haupteinkaufsstraße der Stadt und die wesentliche Fußgängerverbindung im Historischen Fünfeck.

Mauritiusplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 10. Jahrhundert stand auf dem Maritiusplatz eine dreischiffige romanische Basilika. Namensgeber ist der Heilige Mauritius, der das Christentum im 3. Jahrhundert in der Region verbreitete. Um 1488 wurde die alte Kirche ersetzt. Die neue Kirche fiel im Jahr 1850 einem Brand zum Opfer. Lediglich der Sarkophag der Herzogin Elisabeth konnte gerettet werden. So entstand der Platz, war aber kleiner, da er zur Schulstraße mit Häuser bebaut war. In der Nachkriegszeit stand auf dem Platz ein gastronomische Pavillon. Im Januar 2004 wurde mit der Neugestaltung des Mauritiusplatzes begonnen. Geblieben sind die beiden großen Platanen, die mit Sitzpodesten umgeben wurden. An der ehemaligen Brandwand wurde ein schmales Restaurant angebaut. Der lang gestreckte Brunnen soll die sieben Orte der Wiesbadener Thermalquellen und somit auch die frühe Geschichte der Bäderstadt Wiesbaden symbolisieren.

Auf dem heutigen Platz finden häufig Veranstaltungen statt.

Bedeutung als Einkaufsstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Erhebung des Immobilienberatungsunternehmens Jones Lang LaSalle belegte die Kirchgasse 2015 Rang vier der meistfrequentierten Einkaufsmeilen Deutschlands mit bis zu 13.100 Passanten pro Stunde; In Hessen konnte nur in der Zeil in Frankfurt eine höhere Passantenfrequenz von bis zu 13.500 Passanten pro Stunde gemessen werden.[2][3] Zudem waren 2013 die Mietpreise mit etwa 140 Euro pro Quadratmeter nach denen in der Frankfurter Innenstadt die höchsten in Hessen.[4]

2017 hatte die Fußgängerzone mit 7.585 Fußgängern 40 % weniger Passanten als 2015.[5] Als Gründe werden austauschbare Ladenketten, zu wenig Cafés, zu teure Parkmöglichkeiten, der Internethandel und Verschmutzungen genannt. [6]

Historische Warenhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kirchgasse 45 Ecke Schulgasse, gegenüber dem heutigen Mauritiusplatz, eröffnete 1892 der Jüdische Unternehmer Julius Bormass sein Kaufhaus mit Bedarfsartikeln vor allem für Bekleidung, Bett- und Kurzwaren. 1927 musste wegen der Wirtschaftskrise sein Sohn Konkurs anmelden. 1929 übernahm die Karstadt AG von der Firma Lindemann&Co das Warenhaus und nannte es zwischen 1932 und 1964 Karzentra. Auf dem Dachfirst zierte ein großer Globus das Gründerzeithaus. Innen beeindruckte ein prachtvolles Treppenhaus das Kaufhaus.[7] Auch nach dem 2. Weltkrieg war es voll in Betrieb.

Direkt neben Bormass entstand 1907 das Kaufhaus Blumenthal, ebenfalls eine jüdischer Unternehmerfamilie. Sie musste ihr Kaufhaus 1935 an Mitarbeiter verscherbeln, da der Boykottaufruf ab 1933 sie zur Aufgabe zwang. Neben dem Kaufhaus Blumenthal[8] etablierte sich als drittes Warenhaus 1908 das Modehaus Schneider an der Kirchgasse. Beiden Warenhäuser übernahm Karstadt 1948.

Alle 3 Kaufhäuser ließ der Karstadt-Konzern 1968 abreißen, um einem gesichtslosem Neubau Platz zu machen. Dabei wurde auch die rückseitige historische Feuerwache von Felix Genzmer an der Neugasse für den Neubau und dem Parkhaus beseitigt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirchgasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Wiesbaden: Geschichte Wiesbadens 1945 bis 2011. Abgerufen am 4. Februar 2016.
  2. Kaufingerstraße in München ist Deutschlands meistbesuchte Einkaufsmeile 2015. Jones Lang LaSalle, 15. Juni 2016, abgerufen am 4. Februar 2016.
  3. presseportal.de: Deutschlands meistbesuchte Einkaufsmeile 2014: Köln erstmals Double-Sieger.
  4. Wirtschaftswoche: Deutschlands teuerste Einkaufsstraßen. Artikel vom 10. September 2013
  5. Abwärtstrend hält an: 40 Prozent weniger Passanten in Wiesbadener Fußgängerzone als 2015 Wiesbadener Kurier vom 11.07.2017
  6. Warum die Wiesbadener immer weniger in der Innenstadt shoppen Merkurist Juli 2017
  7. Kaufhaus Bormass, Aktives Museum Spiegelgasse
  8. Kaufhaus Blumenthal, Aktives Museum Spiegelgasse

Koordinaten: 50° 4′ 47″ N, 8° 14′ 17″ O