Kirchliches Forschungsheim

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Das Kirchliche Forschungsheim an seinem heutigen Standort

Das Kirchliche Forschungsheim in der Lutherstadt Wittenberg war zu DDR-Zeiten, besonders in den 1980er Jahren, intellektuelles Zentrum und Kristallisationspunkt der unabhängigen kirchlichen Umweltbewegung in der DDR.[1]

Es wurde am 10. Februar 1927 von dem Theologen und Ornithologen Otto Kleinschmidt gegründet. Dieser hatte um die Jahrhundertwende wesentlich an der Neukonzipierung des zoologischen Art-Begriffs mitgewirkt, sich kritisch mit der Evolutionstheorie befasst und eine umfangreiche zoologische, vor allem ornithologische Sammlung aufgebaut. Bei seiner Gründung hieß das Institut "Forschungsheim für Weltanschauungskunde". Es war seine Aufgabe, einen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft zu führen.[2]

Während der Zeit der Diktaturen versuchte Kleinschmidt seine Theorien mit den jeweiligen Gesellschaftssysteme zu vereinbaren, scheiterte jedoch an unlösbaren Problematiken. Unter dem Regime des Nationalsozialismus wurde der Institution ihr heutiger Name gegeben. Seit 1953 leitete Otto Kleinschmidts Sohn Hans das Kirchliche Forschungsheim. Sein Vater starb ein Jahr später. Im Jahr 1961 musste das Kirchliche Forschungsheim dann aus dem Wittenberger Schloss an seinen heutigen Standort umziehen, da es unüberwindbare Differenzen mit der Stadtverwaltung gab. Seit diesem Jahr hat das Kirchliche Forschungsheim seinen Sitz in der Wilhelm-Weber Straße 1a.

Ab 1980 gab das Institut die Umweltzeitschrift „Briefe“ heraus und publizierte unter anderem das Buch „Die Erde ist zu retten“. Aus dem Forschungsheim kam auch der erste Aufruf zu der DDR-weiten Umweltaktion Mobil ohne Auto.[3] Hans-Peter Gensichen, der das Institut von 1975 bis 2002 leitete, war 1990 auch Gründungskurator der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.[4]

Seit 2004 gehört das Forschungsheim zur Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. und wurde ab 2005 als Forschungsstelle Ökologische Bildung und Beratung unter der Leitung von Thorsten Moos als theologisch-ökologisches Institut weitergeführt. Seit 2011 steht es mit erweitertem Konzept als Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung unter der Leitung von Susanne Faby.[5]

Ebenfalls befinden sich heute das Gemeindebüro der Schloßkirchengemeinde und das Büro des Landesbeauftragten der Landesbischöfin für Reformation und Ökumene in den Räumen des Kirchlichen Forschungsheim.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genetik und Ethik, Wittenberg (hektografiert, Forschungsheim) 1976
  • Die Erde ist zu retten, Wittenberg (hektografiert, Forschungsheim) 1980 u. ö.
  • Anders gärtnern - aber wie?, Wittenberg (hektografiert, Forschungsheim) 1986 u. ö.
  • Wissenschaftsethik heute, Wittenberg (hektografiert, Forschungsheim) 1983
  • Wohin mit den Hochtechnologien?, Wittenberg (hektografiert, Forschungsheim) 1984
  • Beleites, Michael: "Pechblende - der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen", Lutherstadt Wittenberg 1988 Hektographiertes Manuskript. Kirchliches Forschungsheim Wittenberge 1988. Die Studie erschien 1992 in Buchform unter dem Titel Altlast Wismut im Verlag Brandes&Apsel Frankfurt/M. [6]
  • Briefe - Briefe zur Orientierung im Konflikt zwischen Mensch und Erde. Wohl die erste regelmäßige innerkirchliche Publikation (hektografiert, 2 x jährlich, später 4 x jährlich) mit dem Schwerpunkt Bewahrung der Schöpfung[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. THEMATA LEUCOREANA (PDF; 300 kB) von Peer Pasternack, 2002: Stiftung LEUCOREA, ISBN 3-933028-53-1, S. 80
  2. Leopoldina, Berichte, Bd. 5, 1929, S. 9-14
  3. Chronik (PDF; 6,2 kB) des Forschungsheims
  4. Nachrichten (PDF; 135 kB) der Umweltbibliothek Leipzig, Nr. 10, 1/2002, S. 8
  5. Chronik (PDF; 6,2 kB) des Forschungsheims
  6. Uranbergbau in der DDR Die Untergrundschrift Pechblende (abgerufen: 10. Juli 2015 9:17)
  7. Umweltbibliothek Leipzig (siehe unter der Rubrik Umwelt)